Brandmauer oder Gartenzaun? Die Annäherung der CDU/CSU an die AfD

Die unüberwindliche Brandmauer, die die Christdemokraten zwischen sich und der AfD errichtet haben wollten, ist inzwischen zu einem durchlässigen Gartenzaun geworden. Um bei dieser Metapher zu bleiben: Man hält formal Distanz zum Nachbarn, grüßt sich höflich und tauscht Erfahrungen aus zum Einsatz von Unkrautvernichtern im Garten (Geflüchtete, Asylberwerber, Bürgergeldbezieher, Grüne, Linke, usw.).

Wem das zu weit hergeholt erscheint, hier ein paar Beispiele: „Abschieben, bis die Startbahnen glühen“ (Benjamin Nolte, MdL der AfD), „wir müssen endlich im großen Stil abschieben“ (Olaf Scholz, ach Mist, der ist ja gar kein CDUler), „jetzt kommt es darauf an, die Abschiebungen und die Rückführungen zu erhöhen“ (Markus Söder, CSU). Die Verschärfung der deutschen und europäischen Asylpolitik, die einer faktischen Abschaffung des Asylrechts gleichkommt, die schamfreie Rücknahme von Aufnahmezusagen an Afghan*innen, denen in Pakistan die Abschiebung nach Afghanistan droht – das alles dürfte der AfD gefallen – darf sie aber nicht öffentlich sagen.

Die gemeinsamen politischen Ziele enden keineswegs bei der Asylpolitik. Die Aufweichung der Klimaschutzziele, auch auf der europäischen Ebene, geht der AfD zwar nicht weit genug, dürfte aber für sie ein Schritt in die richtige Richtung sein. Und wenn Manfred Weber, Chef der EVP-Fraktion im EU-Parlament, zum Aus des Verbrenner-Aus meint: „Wir wollen den Bürgern nicht die Liebe zum Auto und zum Autofahren vermiesen“ (oder so ähnlich), dann könnte das genauso aus dem Mund von Alice Weidel kommen.

Weitere Themen, wo sich die CDU/CSU den AfD-Positionen annähert, wohl in der Hoffnung, deren Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen, sind: Lieferkettengesetz (die Aufweichung desselben), Bürgergeld, keine Steuern für Reiche, wir lassen uns das Schnitzel nicht verbieten.

Besonders frappierend ist der ideologische Gleichschritt bei Themen, die unter „Kulturkampf“ firmieren: Genderwahn, Wokeness-Diktatur, Cancel-Culture, traditionelles Familienbild, links-versiffte öffentlich-rechtliche Medien, Hass auf die grüne „Verbotspartei“, Misstrauen gegenüber der Zivilgesellschaft und den NGOs. Steigbügelhalter für die ideologische Annäherung zwischen der „Systempartei“ CDU/CSU und der als gesichert rechtsextremistischen AfD sind in den sozialen und öffentlichen Medien präsente Meinungsmacher wie etwa Ulf Poschard, libertärer Publizist und „neoliberales Twitter-Rumpelstilzchen“ (Der Standard), Autor des „Shitbürgertum“ und Hetzer gegen die Zivilgesellschaft, oder Dieter Nuhr, reaktionärer Vorzeigekabarettist der ARD, der mit seinen rassistischen, sexistischen und islamfeindlichen Stammtischparolen rechte Narrative bedient und sich dafür vom Zeitgeist bejubelt lässt.

Was folgt daraus? Hinter dieser ganzen Entwicklung steckt eine ernsthafte Bedrohung: Nämlich die Spaltung und Polarisierung der Gesellschaft in rechts und links und eine Schwächung der gesellschaftlichen Mitte. Der Rechtsruck der Christdemokraten unter Merz, Dobrinth, Spahn und Linnemann könnte dazu führen, dass die Brandmauer nicht mehr zwischen der AfD und den übrigen bürgerlichen Parteien steht, sondern nach links verschoben wird. Die Angriffe des rechten Lagers aus CDU/CSU und AfD gegen alles, was als links verortet wird – und dazu gehören auch Teile der SPD, vertiefen den Graben. Es zeichnet sich ab, dass bei künftigen Wahlen das rechte Lager 60 und mehr Prozent der Wählerstimmen auf sich vereint und das linke Lager keine mehrheitsfähige Regierung bilden kann. Dann Gnade uns Gott.


AfD-Verbot jetzt prüfen!

Ich habe gerade den Campact-Appell an Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichnet: Jetzt AfD-Verbot prüfen! Ich teile hier den Appell, der in den letzten Tagen von mehr als 350.000 Menschen aus der Zivilgesellschaft unterzeichnet wurde, und lade dazu ein, sich den Unterzeichnern anzuschließen.

Und hier der Text des Aufrufs: Die gesamte AfD gilt als gesichert rechtsextremistisch. Das hat das Bundesamt für Verfassungsschutz am Freitag, den 2. Mai erklärt. Damit ist endlich offiziell, was viele von uns schon lange geahnt haben. Die Einstufung lässt die Partei jetzt gerichtlich prüfen – solange wiederholt der Verfassungsschutz die Aussage nicht. Damit zieht er aber seine Beurteilung nicht zurück, sondern wartet lediglich die Überprüfung durch das Verwaltungsgericht Köln ab – ein ganz normaler Vorgang in einem Rechtsstaat. Wenn das Gericht die Einstufung aufrechterhält, könnte sie zu einer ernsten Gefahr für die AfD werden – denn sie macht ein Parteiverbot durch das Bundesverfassungsgericht deutlich wahrscheinlicher.

Viele Politiker*innen haben bislang gezögert, ein Verbotsverfahren zu unterstützen – aus Sorge, es könnte vor Gericht scheitern. Das mehr als tausendseitige Gutachten des Verfassungsschutzes hat die Lage geändert. Die AfD ist auch auf Bundesebene verfassungsfeindlich, so die klare Einschätzung der Expert*innen. Das ist ein deutliches Signal an die neue Regierung. Sie muss nun einen Antrag für ein AfD-Verbot ausarbeiten und die Erfolgsaussichten prüfen. Alles andere würde den Rechtsextremen signalisieren: Ihr könnt so verfassungsfeindlich agieren, wie ihr wollt, euch passiert nichts. Denn das Gegenteil ist der Fall. Gegen Verfassungsfeinde müssen wir die schärfste Waffe unseres Grundgesetzes nutzen – das Parteiverbot.

Während in der SPD viele dafür sind, überwogen in der Union bislang die Vorbehalte. Umso bemerkenswerter, dass der schleswig-holsteinische CDU-Ministerpräsident Daniel Günther noch am Freitag ein solches Verfahren forderte. Nun kommt es auf Friedrich Merz an. Als Kanzler hat sein Wort enorme Bedeutung – doch auch er hat sich bislang skeptisch gezeigt. Damit der CDU-Chef nicht länger bremst, braucht es jetzt ein starkes Signal aus der Zivilgesellschaft. In den letzten Tagen haben mehr als 340.000 Menschen den Appell von Campact an den frisch gewählten Bundeskanzler unterzeichnet.


Wahlchaos im Bundestag, Vatikan, Weißen Haus!

Ein aufregender Tag: Gerade ist die Wahl von Friedrich Merz als Bundeskanzler im ersten Wahlgang gescheitert. Die Abgeordneten müssen sich erneut in das Konklave begeben. Die Kardinäle in Rom kriegen ihre Smartphones abgenommen, während sich Donald Trump zum Nachfolger von Papst Franziskus kürt!

Jetzt warten wir, was dieser Tag noch an neuen Überraschungen bringt. Ob aus dem Bundestag später doch noch weißer Rauch aufsteigt? Und statt Friedrich Merz Alexander Gauland neuer Bundeskanzler wird? Oder Friedrich Merz neuer Papst? Wir bleiben dran!!


Weißer Rauch über Berlin: Habemos Koalitionsvertrag

Ein Aufatmen geht durch die Nation: Der Koalitionsvertrag ist fertig: 144 Seiten „Verantwortung für Deutschland!“ Uff! Das ist schon mal eine gute Nachricht, darin sind sich die Kommentatoren einig. Und nicht nur das: Friedrich Merz und Lars Klingbeil bekennen öffentlich: Wir sind jetzt per Du! Oder, wie die Franzosen sagen würden: Nous sommes perdus. Aber kaum ist der Koalitionsvertrag unter Dach und Fach, geht in der Republik das große Gemecker und Geraune um. Je nach Interessenlage wird gelobt oder getadelt. Kritiker stellen zu viel Zugeständnisse an die AfD fest und bemängeln fehlende Zukunftsvisionen, keine Bekenntnisse zu Klimaschutz, Agrarwende, Schutz unserer Demokratie und Zivilgesellschaft vor rechtsextremen Angriffen.

Lassen wir zwei der Verhandlungsführer zu Wort kommen: Markus Söder (CSU), bayrischer Ministerpräsident, freut sich über das Bekenntnis, „dass wir Autoland sind und Autoland bleiben wollen“. Hä? Hat der Mann eine Fleischkäsvergiftung oder eine Überdosis Bratwurst zu sich genommen? Oder der hier, auch nicht von schlechten Eltern: Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, meint: In der Asylpolitik „ist der gesunde Menschenverstand zurück“.

Was dabei herauskommt, wenn der gesunde Menschenverstand am Steuer eines 500-PS-Porsches 911 in Deutschautoland ausgelebt wird, ahnen wir. Oder, wenn die Bildzeitung, das Zentralorgan des gesunden Menschenverstands, mal wieder Ausländerfeindlichkeit schürt.

Übrigens: Den kompletten Koalitionsvertrag kann man hier lesen …


Germania, mir graut vor dir

Auf diesen Blogbeitrag wird, das ist die gute Nachricht, kein Zoll erhoben. Schließlich sind die Gedanken frei. Fragt man mich, warum mir vor Deutschland graut, dann frag ich keck zurück: Und ihr, was ist mit euch? Graut euch etwa nicht? Weiter steigende Zustimmungsraten für die AfD? Dem Land dräut ein Bundeskanzler Friedrich Merz? Aufnahmestop für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge? Abschaffung des Entwicklungsministeriums? Milliardenausgaben für die Rüstung? Rückkehr zur Atomkraft?

1871 schrieb der Dichter und Revolutionär Georg Herwegh angesichts des Deutsch-französischen Krieges sein „Germania, mir graut vor dir“, darin u.a. diese Strophe:

„Daß du, in argen Wahn versunken
Mit falscher Größe suchst zu prunken
Und daß du, gottesgnadentrunken
Das Menschenrecht vergessen hast“.

Nun warten wir dieser Tage untertänigst auf die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und SPD, ahnend, dass kaum wirklich Gutes und Hoffnungsvolles für die Zukunft unseres Landes dabei rauskommt. Es wird ein kleinster gemeinsamer Nenner sein, ein Zweckbündnis, um Schlimmeres zu verhindern, aber kein Aufbruch in eine bessere Zukunft.

Morgen, so heißt es, wird es Ergebnisse geben. Würde mich sehr wundern, wenn wir dann sagen könnten: „Germania, wir sind stolz auf dich“.


Tempolimit kommt! Vertrauliche Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen geleakt!

Nun ist es doch passiert: Obwohl strikte Vertraulichkeit unter den Akteuren vereinbart, sind erste Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD durchgesickert. Hier die Themen, auf die man sich offenbar schon geeinigt hat:

Tempolimit: Es wird ein allgemeines Tempolimit von 100 km/h auf deutschen Autobahnen und von 80 km/h auf Landstraßen geben. Innerstädtisch soll grundsätzlich eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h gelten. Schweizer Bundesbürger sind von dieser Regelung ausgenommen.

Pendlerpauschale: Wird abgeschafft zugunsten einer kostenlosen Benutzung des ÖPNV.

Dienstwagenprivileg: Die steuerliche Begünstigung von Dienstwagen entfällt. Mit den dadurch eingesparten 5,5 Milliarden Euro werden BaföG und Wohngeld erhöht.

Kaufprämie für E-Bikes: Der Bund gewährt für die Anschaffung eines E-Bikes eine Kaufprämie von 1.000 Euro.

Krankenversicherung: Die Zweiklassengesellschaft (GKV und Private KV) wird abgeschafft. Es wird nur noch eine einheitliche Bürgerversicherung geben, in die alle einzahlen.

Rentenversicherung: Beamte zahlen künftig wie Angestellte in die staatliche Rentenversicherung ein.

Frauenquote: Vorstandsposten bei CDU und CSU müssen jeweils zur Hälfte mit Frauen besetzt werden.

Kinder- und Jugendschutz: Markus Söder verpflichtet sich, auf den Verzehr von Weißwürsten, Hamburgern oder Leberkässemmeln vor laufender Kamera zu verzichten.

Man darf gespannt sein, was noch so alles kommt! PS: Für die Richtigkeit dieser Informationen wird keine Gewähr übernommen.


100 Jahre nach 1933: Droht 2033 die Machtergreifung der AfD?

Was bisher kaum denkbar schien, wird zur realen Gefahr: Die rechtsextremistische AfD erringt bei der übernächsten Bundestagswahl 2033 die Mehrheit und gelangt an die Macht. Beflügelt vom Wahlerfolg 2025 mit 20,8 Prozent der Stimmen träumt die AfD sogar schon von einer möglichen Machtübernahme 2029. In den ostdeutschen Bundesländern ist die AfD bereits jetzt stärkste Kraft. Der Vergleich der Zweitstimmenmehrheiten in den Wahlkreisen zwischen den Bundestagswahlen 2021 und 2025 macht diese Entwicklung deutlich:

Wenn die Brandmauer bröckelt: Ist die Demokratie in Gefahr?

Die NSDAP hat vom Hitlerputsch 1923 bis zur Machtergreifung 1933 nur zehn Jahre gebraucht, um die Reichstagswahlen zu gewinnen und die junge Weimarer Republik mit dem Ermächtigungsgesetz in eine Diktatur zu verwandeln. Auch wenn solche historischen Vergleiche in vielerlei Hinsicht nicht zutreffend sein mögen: Es gibt Parallelen, die Anlass zur Sorge geben. Für die Gefahr, die von der AfD ausgeht, kann man sowohl das innerparteiliche Gedankengut ihrer führenden Repräsentanten als auch die Unterstützung durch illiberale, demokratiefeindliche und totalitäre Kräfte aus dem Ausland anführen. Die möglichen Parallelen zur Weimarer Republik – wirtschaftliche Krisensituation, zersplitterte Parteienlandschaft und schwierige Regierungsbildung – und damit der Ruf nach totalitären Problemlösungen – sind unübersehbar. Weltweit sind Demokratien auf dem Rückzug. Können wir darauf vertrauen, dass unsere Demokratie stark genug ist, damit „nie wieder“ passiert, was 1933 passierte? Bekanntlich liegt das Dilemma bzw. die Schwäche der Demokratie in ihr selbst: Diejenigen, die sie abschaffen wollen, können auf demokratischen Weg an die Macht gelangen. Was also müssen wir tun, um die Demokratie zu schützen? Hätte ein Verbot der AfD Aussicht auf Erfolg und wäre das der richtige Weg? Auf diese Frage möchte ich am Ende dieses Beitrags zurückkommen.

Wie gefährlich ist die AfD wirklich?

Die AfD gibt sich den Anschein einer bürgerlichen Partei, die für die „Menschen in diesem Land“ Politik macht. Der wahre Charakter als rassistische und völkisch-nationalistische Partei wird gerne verschleiert. Die Autoren Michael Kraske und Dirk Laabs haben seit Jahren im extremistischen Milieu recherchiert und die über die AfD gesammelten Fakten in ihrem Buch „Angriff auf Deutschland. Die schleichende Machtergreifung der AfD“ publiziert (C.H. Beck, München 2024). Hinter der bürgerlichen Fassade bestimmen rechtsradikale Scharfmacher den Kurs der Partei. Der Verfassungsschutz hat sich nach langem Zögern durchgerungen, Teile der Partei als „gesichert rechtsextremistisch“ einzustufen, zögert aber bisher, diese Einstufung auf die Gesamtpartei auszudehnen. Björn Höcke lässt durch seine Schriften und Reden keinen Zweifel daran, dass er Rassist, Antisemit und Sympathisant des Nationalsozialismus ist. Versuche der Partei, ihn durch einen Parteiausschluss loszuwerden, waren nicht erfolgreich. Im Gegenteil: Sein Einfluss ist größer geworden, er gilt heute als der entscheidende Strippenzieher im Hintergrund. Die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla geben sich gerne einen seriösen Anstrich und überlassen Leuten wie Björn Höcke oder Maximilian Krah die groben Sprüche. Wenn sie dabei ertappt werden, selbst rechtsradikale Äußerungen getätigt zu haben, bestreiten sie den Sachverhalt. Alice Weidel fällt immer wieder dadurch auf, dass sie unbequemen Fragen von Journalisten ausweicht („… darauf antworte ich nicht“, oder „sie framen mich“, „die Frage ist nicht seriös“). So wurde Weidel im Rahmen einer ZDF-Reportage vom 08.02.2023 („Aussage Verweidelt“) mit der folgenden von ihr verfassten Mail von 2013 konfrontiert:

Der Empfänger der Mail hatte eidesstattlich versichert, dass die Mail von Weidel stammt. Weidel selbst verweigerte die Antwort auf die Frage, ob die Mail von ihr stammt oder nicht. 

Hitler war Kommunist: Die Diskursstrategien der AfD

Von Weidel stammt auch die Aussage, Hitler sei Kommunist gewesen. Über die Diskursstrategien der AfD sagt der Historiker und Publizist Volker Weiß in einem Interview im Philosophie-Magazin 03/2025: „Wenn Hitler links war, so die Schlussfolgerung, sind die heutigen Linken ebenfalls Nazis. Man sagt also nicht nur, die Nazis waren links, sondern auch dass die echten Rechten keine Nazis sind. Mithin geht es darum, die Rechte zu entlasten und gleichzeitig die Linke zu dämonisieren“.

Wie radikal sind die neuen AfD-Abgeordneten

Werfen wir einen Blick auf die Repräsentanten der AfD, die für diese Partei ins „Hohe Haus“ einziehen. Zunächst fällt auf, dass in keiner Fraktion der Frauenanteil so gering ist wie bei der AfD: Von 152 AfD-Abgeordneten sind gerade mal 18 Frauen, also etwa jede Zehnte. Der Frauenanteil bei den anderen Parteien: Grüne (61 %), Linke (56 %), SPD (42 %), Union (23 %). In der vergangenen Legislaturperiode hatte die AfD 82 Abgeordnete im Bundestag – wegen Störungen und Beleidigungen während der Plenarsitzungen konnte die AfD-Fraktion den Rekord an Ordnungsrufen für sich verbuchen. Angeführt wird die Rangliste der Ordnungsrufe von Beatrix von Storch („von Strolch“), gefolgt von Stephan Brandner und Matthias Helferich. Es ist also kaum zu erwarten, dass sich bei nun doppelt so vielen Abgeordneten im neuen Parlament mehr Respekt und Anstand breitmachen werden. Die Zahl der kassierten Ordnungsrufe ist allerdings kein Beleg für die Gefährlichkeit der AfD, sondern höchstens für ihr flegelhaftes und respektloses Gebaren im Parlament.

Die neue Fraktion hat in ihren Reihen einige alte und neue Abgeordnete, die sich durch besonders radikale demokratiefeindliche, rassistische, frauenfeindliche und faschistische  Äußerungen und Aktivitäten hervorgetan haben. Beatrix von Storch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, wollte einen Waffeneinsatz gegen Flüchtlinge an deutschen Grenzen nicht ausschließen. Für Maximilian Krah (Spitzname „Schampus-Max“) sind echte Männer rechts, „Feministinnen alle hässlich und grässlich“. Als Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl 2024 musste ihn die AfD zeitweise aus dem Verkehr ziehen; bei der Bundestagswahl hat er gegen die Willen seiner Parteiführung in Sachsen und im Bund kandidiert. Nun zieht er über ein Direktmandat in den Bundestag ein, trotz schriller öffentlicher Auftritte, Verbindungen nach Russland und China und umstrittener Aussagen über die SS.  

Ebenfalls wieder im Bundestag ist Matthias Helferich, gegen den ein Parteiausschlussverfahren läuft, das sein Landesverband NRW letztes Jahr in die Wege geleitet hat, weil er „die Außerlandesbringung von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund und weiteren Personenkategorien unter Anwendung staatlicher Zwangsmittel als politische Zielsetzung artikuliert“ und dabei die Betroffenen als „Viecher“ bezeichnet hatte. Helferich hat sich selbst das „freundliche Gesicht des NS“ und als „demokratischer Freisler“ bezeichnet und mit seinem Kontakten in die Neonazi-Szene geprahlt.  

Auch Alexander „Vogelschiss“ Gauland, ein Anhänger der Verschwörungserzählung vom „großen Bevölkerungsaustausch“, wonach angeblich das deutsche Volk systematisch durch Migranten ersetzt werden soll, gehört weiter der AfD-Fraktion an.

Hannes Gnauck, ehemaliger Soldat der Bundeswehr, wurde vom Militärischen Abschirmdienst wegen fehlender Verfassungstreue als Extremist eingestuft und infolgedessen als Soldat vom Dienst freigestellt. Er ist Bundesvorsitzender der Jungen Alternative für Deutschland, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist und die selbst der AfD zu rechts ist, weshalb die Partei die Jugendorganisation auflösen will.

Dario Seifert, der ebenfalls das Direktmandat in seinem Wahlkreis gewonnen hat, war Mitglied der Jugendorganisation der verfassungsfeindlichen NPD (heute Die Heimat) Auch gegen ihn strengte die AfD ein Parteiausschlussverfahren an, das 2024 in einer zweijährigen Ämter-Sperre endete. Trotzdem zieht er nun in den Bundestag ein.

Lt. einer Recherche von Correctiv von 2024 duldet die AfD auf allen Ebenen Mandatsträgerinnen und -träger, die mit körperlicher, verbaler oder indirekter Gewalt aufgefallen sind – viele trotz Verurteilung. Darunter sind mehrere Landtags- und Bundestagsabgeordnete.

Bevor es zu spät ist: Ein AfD-Verbot muss her

Man darf sich also auf einiges gefasst machen, wenn die AfD nun als größte Oppositionsfraktion im Deutschen Bundestag breitbeinig und selbstbewusst agiert. Mit dem Wählervotum von mehr als 20 Prozent im Rücken können die rechtsextremen Abgeordneten vor Kraft kaum gehen. Es ist nicht zu erwarten, dass die Partei einen gemäßigteren Kurs einschlagen wird, die Radikalisierung wird nach den Erfahrungen der Vergangenenheit und nach diesem Wahlerfolg eher weiter vorangetrieben. Mittlerweile, so die Politikwissenschaftlerin Heinze in der Tagesschau, „teile sich die Partei nicht mehr in moderat und radikal, sondern in radikal und offen rechtsextrem.“ Dabei gibt es schon jetzt genügend Gründe, um ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD einzuleiten und erfolgreich zum Abschluss zu bringen. 2024 haben 113 Abgeordnete des Bundestages eine Initiative für ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD gestartet. Am besten wäre es, wenn die Bundesregierung, der Bundestag und der Bundesrat gemeinsam einen Antrag für ein Parteiverbot stellen würden. Eine Stellungnahme von 17 Verfassungsrechtlern kommt zu dem Schluss, dass die Erfolgsaussichten gut sind.

Ich schließe mich der Forderung von Heribert Prantl an, der seine alte Forderung nach einem AfD-Verbot heute mit folgenden Worten begründete: „Natürlich lässt ein vom höchsten Gericht ausgesprochenes Verbot samt Auflösung der AfD den Rechtsextremismus nicht verschwinden; er existiert weiter, er löst sich mit der Partei nicht auf. Aber er wird dann nicht mehr großzügig vom Steuerzahler finanziert. Staatliche Gelder machen den größten Batzen der Einnahmen für die Partei und Fraktion der AfD aus, schon im Jahr 2022 waren das über zehn Millionen Euro. Die Zahl dürfte gegenwärtig noch viel höher sein, weil die Zahlungen mit der Zahl der Wähler steigen: Geld für den Druck von Plakaten und Veranstaltungen, auf denen das „System“ verhöhnt wird, das jene Verhöhnung finanziert. Hinzu kommen steuerliche Begünstigungen, die Diäten von Abgeordneten und Gehälter von Funktionsträgern, die die AfD mit Posten versorgt, sowie weitere Zuschüsse.“

Warten wir nicht, bis es zu spät ist und wir ein neues 1933 erleben.


Betreutes Wählen Teil 3: Was haben die Grünen jemals für dieses Land getan?

Auch wenn´s langsam nervt: Ich muss mich nochmal in Sachen Bundestagswahl zu Wort melden. Angeblich kann man die Grünen nicht wählen, weil sie einem alles, was Spaß macht, verbieten wollen (mit 180 Sachen auf der Autobahn brettern, Fleisch essen, mit Öl heizen, in den Urlaub fliegen …) und weil sie an allem schuld sind, was in diesem Land schief läuft. Das behaupten jedenfalls Markus Söder, Hubsi Aiwanger, Elon Musk, Christian Lindner, Sahra Wagenknecht, Alice Weidel, Dieter Nuhr und die Bildzeitung. Dieser Schwachsinn ist durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt.

Aber mal ehrlich: Was haben die Grünen jemals für dieses Land getan? Darüber gibt der folgende Werbespot Auskunft:

Deshalb am Sonntag: Grün wählen!

Ganzseitige Anzeige in der Badischen Zeitung vom 15. Februar 2025


Betreutes Wählen Teil II: Wer wird Germany´s next Kanzler?

Für alle, die immer noch nicht wissen, wen oder was sie wählen sollen: Die letzte Phase des Wahlkampfs beschert dem Wahlvolk ab heute Abend fast täglich weitere Fernsehduelle der BewerberInnen um den Chefposten der Republik. Auch wenn diese nicht direkt gewählt werden, so stehen sie doch für die inhaltliche Ausrichtung der jeweiligen Parteien. Was uns erwartet:

Wer nicht genügend Durchhaltevermögen hat, unter Schlafentzug leidet und nicht genug Bier und Chips gebunkert hat, wird es schwer haben, die Woche unbeschadet durchzustehen. Man kann sich die ganzen Fernsehdebatten mit den immer gleichen Gesichtern und Argumenten allerdings auch sparen und einfach unserer Empfehlung im Rahmen des „Betreuten Wählens“, unserem Angebot der Woche für Unentschlossene, folgen. Wir haben die Spitzenkandidaten völlig neutral und unparteiisch auf Herz und Nieren geprüft und kommen zu folgendem Ergebnis:

Robert Habeck, Bündnis 90 / Die Grünen

Unser Topfavorit. Schriftsteller, Philosoph, Kriegsdienstverweigerer, Vizekanzler und Liebling der Frauen. Seriöses Privatleben, nix abgekupfert bei der Doktorarbeit, geht regelmäßig joggen. Kann Fehler zugeben. Das „Heizungsgesetz“ ist besser als sein Ruf. Er kann Kanzler. Deshalb am 23. Februar: Grün wählen!

Olaf Scholz, SPD:

Drei Jahre Kanzlerschaft sind genug. In der SPD nicht unumstritten. Hat viel politische Erfahrung, aber Erinnerungslücken. Anflüge von Größenwahn: Hält sich für den Einzigen, der die Regierung kompetent führen kann. Kommt nicht so gut rüber mit seiner verdrucksten Mimik. Sein Markenzeichen: Speckige Aktentasche.

Friedrich Merz, CDU:

Geht gar nicht. Möchtegern-Kanzler, hat keinerlei Erfahrung in politischer Verantwortung. Erzählt gern Tünkram über Geflüchtete und hält sein Wort nicht. Steht für eine inhumane Migrationspolitik und findet dafür Unterstützung bei der AfD. Will zurück zur Atomkraft und in die fossile Steinzeit. Reist gerne im Privatflugzeug. Leider hat er die besten Chancen, Kanzler zu werden. Verhindern könnte das wohl nur noch eine seiner üblichen verbalen Entgleisungen oder eine linke Koalition von SPD, Grünen und Linken.

Alice Weidel, AfD:

Hat keine Chancen, Kanzlerin zu werden und das ist auch gut so. Sie wäre in dem Job eine  krasse Fehlbesetzung. Tritt gerne mit hochgestelltem Kragen und Einstecktuch auf. Maßregelt Journalisten („sie framen mich“), lächelt gekünstelt, hält Hitler für einen Linken und ist Fan von Elon Musk, Trump und Putin. Schert sich nicht um Fakten, pöbelt gegen Ausländer und verwickelt sich in Widersprüche. Alice: Vergiss es!


Angebot der Woche: „Betreutes Wählen“

Gehören Sie, gehörst Du zu den mehr als 30 Prozent, die noch nicht wissen, wen oder was sie wählen sollen? Dabei haben wird doch in den letzten Wochen auf diesem Blog nahezu ununterbrochen, penetrant und manipulativ Wahlempfehlungen abgegeben! Wenn Du also trotz – oder wegen! – Wahl-O-Mat, Lektüre von Wahlprogrammen und Fernsehdebatten noch unentschieden bist, dann bist Du richtig bei unserem Spezialprogramm „Betreutes Wählen“. Wir bieten Hilfestellung beim Wählen, zum Beispiel durch musikalische Darbietungen wie diese (Der Text zu dem Lied ist weiter unten eingefügt):

2025 © Ruth Toma (Here’s for You / Sacco und Vanzetti, Ennio Morricone) DAMENLIKÖRCHOR GEGEN RECHTS Noch ne Krise hohe Preise und die ganze Umweltscheiße Klimawandel Fluchtbewegung Weltuntergangsvorverlegung Migration, noch nichts ist erreicht, denn ne Lösung ist nicht so leicht ist ganz egal, wer grade regiert die Welt ist leider kompliziert Glaub nicht denen, die dir erklär’n, wenn da nicht die Ausländer wär’n, dann hätten wir ein schöneres Land das ist nur Mist vom rechten Rand Klimawandel ist nicht erwünscht, weil er keine Wahlen gewinnt dem Klimawandel ist das egal, denn er steht leider nicht zur Wahl Fakten, die zu unbequem sind, leugnen sie, als ob das was bringt bau’n sich die Wahrheit, so wie sie soll Leute, echt, die lügen euch voll Ob Jüdin, Moslem oder ob queer was sie nicht kennen, woll’n sie nicht hier nur deutsch und straight auf deutschem Grund sie woll’n schwarz-weiß, kein bisschen bunt Frauen soll’n, wie sich das gehört, wieder mal zurück an den Herd wisst ihr, wie man dem leicht entgeht? Indem ihr nicht das Falsche wählt.

PS: Vielleicht sähe die Welt anders aus, wenn nur Frauen wählen dürften …