Brandmauer oder Gartenzaun? Die Annäherung der CDU/CSU an die AfD
Veröffentlicht: 18. Dezember 2025 Abgelegt unter: Demokratie, Gesellschaft, Innenpolitik, Neue Rechte, Wahlen | Tags: Brandmauer Hinterlasse einen KommentarDie unüberwindliche Brandmauer, die die Christdemokraten zwischen sich und der AfD errichtet haben wollten, ist inzwischen zu einem durchlässigen Gartenzaun geworden. Um bei dieser Metapher zu bleiben: Man hält formal Distanz zum Nachbarn, grüßt sich höflich und tauscht Erfahrungen aus zum Einsatz von Unkrautvernichtern im Garten (Geflüchtete, Asylberwerber, Bürgergeldbezieher, Grüne, Linke, usw.).
Wem das zu weit hergeholt erscheint, hier ein paar Beispiele: „Abschieben, bis die Startbahnen glühen“ (Benjamin Nolte, MdL der AfD), „wir müssen endlich im großen Stil abschieben“ (Olaf Scholz, ach Mist, der ist ja gar kein CDUler), „jetzt kommt es darauf an, die Abschiebungen und die Rückführungen zu erhöhen“ (Markus Söder, CSU). Die Verschärfung der deutschen und europäischen Asylpolitik, die einer faktischen Abschaffung des Asylrechts gleichkommt, die schamfreie Rücknahme von Aufnahmezusagen an Afghan*innen, denen in Pakistan die Abschiebung nach Afghanistan droht – das alles dürfte der AfD gefallen – darf sie aber nicht öffentlich sagen.
Die gemeinsamen politischen Ziele enden keineswegs bei der Asylpolitik. Die Aufweichung der Klimaschutzziele, auch auf der europäischen Ebene, geht der AfD zwar nicht weit genug, dürfte aber für sie ein Schritt in die richtige Richtung sein. Und wenn Manfred Weber, Chef der EVP-Fraktion im EU-Parlament, zum Aus des Verbrenner-Aus meint: „Wir wollen den Bürgern nicht die Liebe zum Auto und zum Autofahren vermiesen“ (oder so ähnlich), dann könnte das genauso aus dem Mund von Alice Weidel kommen.
Weitere Themen, wo sich die CDU/CSU den AfD-Positionen annähert, wohl in der Hoffnung, deren Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen, sind: Lieferkettengesetz (die Aufweichung desselben), Bürgergeld, keine Steuern für Reiche, wir lassen uns das Schnitzel nicht verbieten.
Besonders frappierend ist der ideologische Gleichschritt bei Themen, die unter „Kulturkampf“ firmieren: Genderwahn, Wokeness-Diktatur, Cancel-Culture, traditionelles Familienbild, links-versiffte öffentlich-rechtliche Medien, Hass auf die grüne „Verbotspartei“, Misstrauen gegenüber der Zivilgesellschaft und den NGOs. Steigbügelhalter für die ideologische Annäherung zwischen der „Systempartei“ CDU/CSU und der als gesichert rechtsextremistischen AfD sind in den sozialen und öffentlichen Medien präsente Meinungsmacher wie etwa Ulf Poschard, libertärer Publizist und „neoliberales Twitter-Rumpelstilzchen“ (Der Standard), Autor des „Shitbürgertum“ und Hetzer gegen die Zivilgesellschaft, oder Dieter Nuhr, reaktionärer Vorzeigekabarettist der ARD, der mit seinen rassistischen, sexistischen und islamfeindlichen Stammtischparolen rechte Narrative bedient und sich dafür vom Zeitgeist bejubelt lässt.
Was folgt daraus? Hinter dieser ganzen Entwicklung steckt eine ernsthafte Bedrohung: Nämlich die Spaltung und Polarisierung der Gesellschaft in rechts und links und eine Schwächung der gesellschaftlichen Mitte. Der Rechtsruck der Christdemokraten unter Merz, Dobrinth, Spahn und Linnemann könnte dazu führen, dass die Brandmauer nicht mehr zwischen der AfD und den übrigen bürgerlichen Parteien steht, sondern nach links verschoben wird. Die Angriffe des rechten Lagers aus CDU/CSU und AfD gegen alles, was als links verortet wird – und dazu gehören auch Teile der SPD, vertiefen den Graben. Es zeichnet sich ab, dass bei künftigen Wahlen das rechte Lager 60 und mehr Prozent der Wählerstimmen auf sich vereint und das linke Lager keine mehrheitsfähige Regierung bilden kann. Dann Gnade uns Gott.

Militarisierung und Kriegsertüchtigung: Wer profitiert davon?
Veröffentlicht: 8. Juni 2025 Abgelegt unter: Gesellschaft, Innenpolitik, Internationale Politik, Krieg, Neue Rechte, Pazifismus, Rüstung | Tags: Militarisierung Ein KommentarGeradezu ermüdend sind die gleichlautenden Verlautbarungen aus Politik, Wissenschaft, Medien und Talkshows: Wir müssen aufrüsten und kriegstüchtig werden! Fünf Prozent ihrer Wirtschaftskraft sollen die NATO-Staaten nach dem Wunsch von Donald Trump für die Rüstung aufbringen. Für Deutschland wären das mal eben 220 Milliarden Euro, fast die Hälfte eines ganzen Bundeshaushalts. Begründet wird dies mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und der Notwendigkeit, „unsere Sicherheit und Freiheit zu verteidigen“.

Es gibt Stimmen, die diese Argumentation in Zweifel ziehen. Eine solche Stimme soll hier zu Wort kommen: Jörg Lang1 hat am 23.05.2025 in der UZ2 einen Artikel veröffentlicht: Kriegsertüchtigung und Militarisierung in Baden-Württemberg. Der Autor beschreibt darin, wie Baden-Württemberg beim Aufbau einer potenten Rüstungsindustrie „mitmischen will“ – so die Worte von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen). Auch andere prominente Vertreter der Landesregierung verweisen, „auf die Notwendigkeit einer leistungsfähigen Rüstungsindustrie“. Als Beispiele für die zunehmende Militarisierung nennt Lang die Bestrebungen um eine Abschaffung der Zivilklauseln an Universitäten und Forschungseinrichtungen und die Aufweichung von kommunalen Anlagerichtlinien zugunsten der Rüstungsindustrie. Zitat von Rainer Neske, Chef der baden-württembergischen Landesbank (LBBW): „Wir halten eine wettbewerbsfähige Rüstungsindustrie in Europa aus Sicherheitsinteressen für unverzichtbar. Deshalb stehen wir auch als Finanzierungspartner für Rüstungsunternehmen grundsätzlich zur Verfügung.“
Der Artikel nennt auch Beispiele dafür, wie Automobilkonzerne und ihre Zulieferer laut darüber nachdenken, das „Rüstungsgeschäft als Geschäftserweiterung“ in den Blick zu nehmen. So berichtete das „manager-magazin“ am 27. März: „Porsche-Familie liebäugelt mit Einstieg in die Rüstungsindustrie.“ Die Rüstungsindustrie hofft ihrerseits, von der Krise der Automobilwirtschaft profitieren zu können. Vertreter der Rüstungsbranche drängen auf steuerliche Förderung ihrer Investitionen und fordern ein „Rüstungsbeschleunigungsgesetz“. Private Anleger werden ermuntert, angesichts der boomenden Rüstungsindustrie „auch individuell am Geschäft mit der Kriegstüchtigkeit teilzuhaben“, so Jörg Lang unter Hinweis auf eine Meldung der Stuttgarter Zeitung vom 27. März 2025. Wer vor einem Jahr 20 Aktien von Rheimmetall für rund 10.000 Euro gekauft hat, der kann sich heute über einen Gewinn von 245 Prozent freuen.
Jörg Lang fragt in seinem Beitrag, ob die Aufrüstungsprotagonisten „von allen guten Geistern verlassen“ sind und konstatiert:
„Nach der Niederlage des deutschen Faschismus 1945, nach zwei verlorenen Weltkriegen, die vom deutschen Imperialismus mit seinem Eroberungsdrang vor allem nach Osten und gegen Russland beziehungsweise die Sowjetunion angezettelt worden waren; nach zig Millionen von Toten und angesichts der breitflächigen Zerstörungen auch unserer Städte waren sich in ganz Deutschland alle Menschen und demokratischen Kräfte darin einig,
• dass niemals mehr ein Krieg von deutschem Boten ausgehen dürfe, schon gar nicht gegen das von den deutschen Armeen im 20. Jahrhundert schon zweimal verwüstete Russland;
• dass sich eine deutsche Wiederbewaffnung, wenn überhaupt, strikt auf die unmittelbare nationale Landesverteidigung beschränken müsse;
• dass die Entwicklung des Landes und der Wohlstand in einer „sozialen Marktwirtschaft“ niemals wieder von der Rüstungsindustrie und den Profiten der Rüstungsmonopole abhängen dürfe;
• dass die Verfügung über genügend Arbeitsplätzen niemals wieder von der Rüstungsindustrie abhängig gemacht werden dürfe.
Dem werden Befürworter der Aufrüstung entgegenhalten, dass nicht beabsichtigt sei, einen Krieg von deutschem Boden ausgehen zu lassen, dass der historische Vergleich hinke und dass es allein um die Stärkung unserer Verteidigungskraft gehe.
Lang greift diese Rechtfertigungslinie auf, sieht Parallelen zu 1933 und bedauert, dass die Erkenntnisse von 1945 in Vergessenheit zu geraten drohen:
„All dies wird erneut mit einer angeblichen Bedrohung durch Russland und einer angeblichen militärischen Unterlegenheit Deutschlands und Europas begründet. Genau das war doch auch schon Kern der Propaganda bei der faschistischen Aufrüstung Deutschlands ab 1933 und vor den Angriffen auf den Osten und den Überfall auf die Sowjetunion! Dabei sind unsere Erkenntnisse von 1945, die Lehren, 80 Jahre nach der Befreiung von Faschismus und Krieg heute aktueller denn je:
• Kriege sind heute angesichts der Verletzlichkeit entwickelter Gesellschaften wie Deutschland und angesichts der noch vielfach höheren Zerstörungskraft schon der nichtnuklearen Waffen nicht nur verbrecherisch. Sie werden objektiv immer selbstzerstörerischer und sinnloser.
• Die wachsenden Konflikte in aller Welt mit genozidalen Kriegen, Hungersnöten, Umweltkatastrophen und Flüchtlingsströmen können unmöglich noch mit einseitigen westlichen oder deutschen Kriegseinsätzen „gelöst“ werden. Notwendig ist vielmehr die Wiederbelebung der Vereinten Nationen statt einseitiger westlicher oder gar deutscher Interventionen.
• Die blindwütigen Investitionen in eine angebliche „militärische Sicherheit“ entziehen unserem Land die Mittel für die wirklich notwendige Wende hin zur Weiterentwicklung von Technologien, die nicht den Profiten, sondern den Menschen dienen. Das gilt vor allem für die Bereiche Bildung, Forschung und Produktion.„
Frühere Beiträge zu dieser Thematik:
- Über den Autor: Jörg Lang, Jg. 1940, Stuttgarter Rechtsanwalt, wurde Anfang der siebziger Jahre der Unterstützung von Terroristen verdächtigt, weil er zusammen mit Klaus Croissant inhaftierte Baader-Meinhof-Mitglieder (RAF) verteidigte. Nach einer Untersuchungshaft tauchte er unter; er wurde in Deutschland zur Fahndung ausgeschrieben. Nach fast acht Jahren, die er mit seiner Familie im Libanon verbrachte, wo er für die PLO arbeitete, kehrte er 1982 nach Deutschland zurück. Über seine Rückkehr berichtete der SPIEGEL am 27.06.1982 unter der Überschrift „Reise mit Kurven“ https://www.spiegel.de/politik/reise-mit-kurven-a-fc274676-0002-0001-0000-000014345365?sara_ref=re-xx-cp-sh Jörg Lang nahm in Deutschland seine Tätigkeit als Anwalt wieder auf und war bei die Diakonie vorwiegend für soziale Randgruppen und Geflüchtete tätig. ↩︎
- UZ – Unsere Zeit, Sozialistische Wochenzeitung der DKP https://www.unsere-zeit.de/ ↩︎
AfD-Verbot jetzt prüfen!
Veröffentlicht: 11. Mai 2025 Abgelegt unter: Demokratie, Gesellschaft, Innenpolitik, Neue Rechte, Wahlen Hinterlasse einen KommentarIch habe gerade den Campact-Appell an Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichnet: Jetzt AfD-Verbot prüfen! Ich teile hier den Appell, der in den letzten Tagen von mehr als 350.000 Menschen aus der Zivilgesellschaft unterzeichnet wurde, und lade dazu ein, sich den Unterzeichnern anzuschließen.
Und hier der Text des Aufrufs: Die gesamte AfD gilt als gesichert rechtsextremistisch. Das hat das Bundesamt für Verfassungsschutz am Freitag, den 2. Mai erklärt. Damit ist endlich offiziell, was viele von uns schon lange geahnt haben. Die Einstufung lässt die Partei jetzt gerichtlich prüfen – solange wiederholt der Verfassungsschutz die Aussage nicht. Damit zieht er aber seine Beurteilung nicht zurück, sondern wartet lediglich die Überprüfung durch das Verwaltungsgericht Köln ab – ein ganz normaler Vorgang in einem Rechtsstaat. Wenn das Gericht die Einstufung aufrechterhält, könnte sie zu einer ernsten Gefahr für die AfD werden – denn sie macht ein Parteiverbot durch das Bundesverfassungsgericht deutlich wahrscheinlicher.
Viele Politiker*innen haben bislang gezögert, ein Verbotsverfahren zu unterstützen – aus Sorge, es könnte vor Gericht scheitern. Das mehr als tausendseitige Gutachten des Verfassungsschutzes hat die Lage geändert. Die AfD ist auch auf Bundesebene verfassungsfeindlich, so die klare Einschätzung der Expert*innen. Das ist ein deutliches Signal an die neue Regierung. Sie muss nun einen Antrag für ein AfD-Verbot ausarbeiten und die Erfolgsaussichten prüfen. Alles andere würde den Rechtsextremen signalisieren: Ihr könnt so verfassungsfeindlich agieren, wie ihr wollt, euch passiert nichts. Denn das Gegenteil ist der Fall. Gegen Verfassungsfeinde müssen wir die schärfste Waffe unseres Grundgesetzes nutzen – das Parteiverbot.
Während in der SPD viele dafür sind, überwogen in der Union bislang die Vorbehalte. Umso bemerkenswerter, dass der schleswig-holsteinische CDU-Ministerpräsident Daniel Günther noch am Freitag ein solches Verfahren forderte. Nun kommt es auf Friedrich Merz an. Als Kanzler hat sein Wort enorme Bedeutung – doch auch er hat sich bislang skeptisch gezeigt. Damit der CDU-Chef nicht länger bremst, braucht es jetzt ein starkes Signal aus der Zivilgesellschaft. In den letzten Tagen haben mehr als 340.000 Menschen den Appell von Campact an den frisch gewählten Bundeskanzler unterzeichnet.
100 Jahre nach 1933: Droht 2033 die Machtergreifung der AfD?
Veröffentlicht: 3. März 2025 Abgelegt unter: Demokratie, Gesellschaft, Innenpolitik, Neue Rechte, Wahlen | Tags: AfD-Verbot, Wehrhafte Demokratie 4 KommentareWas bisher kaum denkbar schien, wird zur realen Gefahr: Die rechtsextremistische AfD erringt bei der übernächsten Bundestagswahl 2033 die Mehrheit und gelangt an die Macht. Beflügelt vom Wahlerfolg 2025 mit 20,8 Prozent der Stimmen träumt die AfD sogar schon von einer möglichen Machtübernahme 2029. In den ostdeutschen Bundesländern ist die AfD bereits jetzt stärkste Kraft. Der Vergleich der Zweitstimmenmehrheiten in den Wahlkreisen zwischen den Bundestagswahlen 2021 und 2025 macht diese Entwicklung deutlich:

Wenn die Brandmauer bröckelt: Ist die Demokratie in Gefahr?
Die NSDAP hat vom Hitlerputsch 1923 bis zur Machtergreifung 1933 nur zehn Jahre gebraucht, um die Reichstagswahlen zu gewinnen und die junge Weimarer Republik mit dem Ermächtigungsgesetz in eine Diktatur zu verwandeln. Auch wenn solche historischen Vergleiche in vielerlei Hinsicht nicht zutreffend sein mögen: Es gibt Parallelen, die Anlass zur Sorge geben. Für die Gefahr, die von der AfD ausgeht, kann man sowohl das innerparteiliche Gedankengut ihrer führenden Repräsentanten als auch die Unterstützung durch illiberale, demokratiefeindliche und totalitäre Kräfte aus dem Ausland anführen. Die möglichen Parallelen zur Weimarer Republik – wirtschaftliche Krisensituation, zersplitterte Parteienlandschaft und schwierige Regierungsbildung – und damit der Ruf nach totalitären Problemlösungen – sind unübersehbar. Weltweit sind Demokratien auf dem Rückzug. Können wir darauf vertrauen, dass unsere Demokratie stark genug ist, damit „nie wieder“ passiert, was 1933 passierte? Bekanntlich liegt das Dilemma bzw. die Schwäche der Demokratie in ihr selbst: Diejenigen, die sie abschaffen wollen, können auf demokratischen Weg an die Macht gelangen. Was also müssen wir tun, um die Demokratie zu schützen? Hätte ein Verbot der AfD Aussicht auf Erfolg und wäre das der richtige Weg? Auf diese Frage möchte ich am Ende dieses Beitrags zurückkommen.
Wie gefährlich ist die AfD wirklich?
Die AfD gibt sich den Anschein einer bürgerlichen Partei, die für die „Menschen in diesem Land“ Politik macht. Der wahre Charakter als rassistische und völkisch-nationalistische Partei wird gerne verschleiert. Die Autoren Michael Kraske und Dirk Laabs haben seit Jahren im extremistischen Milieu recherchiert und die über die AfD gesammelten Fakten in ihrem Buch „Angriff auf Deutschland. Die schleichende Machtergreifung der AfD“ publiziert (C.H. Beck, München 2024). Hinter der bürgerlichen Fassade bestimmen rechtsradikale Scharfmacher den Kurs der Partei. Der Verfassungsschutz hat sich nach langem Zögern durchgerungen, Teile der Partei als „gesichert rechtsextremistisch“ einzustufen, zögert aber bisher, diese Einstufung auf die Gesamtpartei auszudehnen. Björn Höcke lässt durch seine Schriften und Reden keinen Zweifel daran, dass er Rassist, Antisemit und Sympathisant des Nationalsozialismus ist. Versuche der Partei, ihn durch einen Parteiausschluss loszuwerden, waren nicht erfolgreich. Im Gegenteil: Sein Einfluss ist größer geworden, er gilt heute als der entscheidende Strippenzieher im Hintergrund. Die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla geben sich gerne einen seriösen Anstrich und überlassen Leuten wie Björn Höcke oder Maximilian Krah die groben Sprüche. Wenn sie dabei ertappt werden, selbst rechtsradikale Äußerungen getätigt zu haben, bestreiten sie den Sachverhalt. Alice Weidel fällt immer wieder dadurch auf, dass sie unbequemen Fragen von Journalisten ausweicht („… darauf antworte ich nicht“, oder „sie framen mich“, „die Frage ist nicht seriös“). So wurde Weidel im Rahmen einer ZDF-Reportage vom 08.02.2023 („Aussage Verweidelt“) mit der folgenden von ihr verfassten Mail von 2013 konfrontiert:

Der Empfänger der Mail hatte eidesstattlich versichert, dass die Mail von Weidel stammt. Weidel selbst verweigerte die Antwort auf die Frage, ob die Mail von ihr stammt oder nicht.
Hitler war Kommunist: Die Diskursstrategien der AfD
Von Weidel stammt auch die Aussage, Hitler sei Kommunist gewesen. Über die Diskursstrategien der AfD sagt der Historiker und Publizist Volker Weiß in einem Interview im Philosophie-Magazin 03/2025: „Wenn Hitler links war, so die Schlussfolgerung, sind die heutigen Linken ebenfalls Nazis. Man sagt also nicht nur, die Nazis waren links, sondern auch dass die echten Rechten keine Nazis sind. Mithin geht es darum, die Rechte zu entlasten und gleichzeitig die Linke zu dämonisieren“.
Wie radikal sind die neuen AfD-Abgeordneten
Werfen wir einen Blick auf die Repräsentanten der AfD, die für diese Partei ins „Hohe Haus“ einziehen. Zunächst fällt auf, dass in keiner Fraktion der Frauenanteil so gering ist wie bei der AfD: Von 152 AfD-Abgeordneten sind gerade mal 18 Frauen, also etwa jede Zehnte. Der Frauenanteil bei den anderen Parteien: Grüne (61 %), Linke (56 %), SPD (42 %), Union (23 %). In der vergangenen Legislaturperiode hatte die AfD 82 Abgeordnete im Bundestag – wegen Störungen und Beleidigungen während der Plenarsitzungen konnte die AfD-Fraktion den Rekord an Ordnungsrufen für sich verbuchen. Angeführt wird die Rangliste der Ordnungsrufe von Beatrix von Storch („von Strolch“), gefolgt von Stephan Brandner und Matthias Helferich. Es ist also kaum zu erwarten, dass sich bei nun doppelt so vielen Abgeordneten im neuen Parlament mehr Respekt und Anstand breitmachen werden. Die Zahl der kassierten Ordnungsrufe ist allerdings kein Beleg für die Gefährlichkeit der AfD, sondern höchstens für ihr flegelhaftes und respektloses Gebaren im Parlament.
Die neue Fraktion hat in ihren Reihen einige alte und neue Abgeordnete, die sich durch besonders radikale demokratiefeindliche, rassistische, frauenfeindliche und faschistische Äußerungen und Aktivitäten hervorgetan haben. Beatrix von Storch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, wollte einen Waffeneinsatz gegen Flüchtlinge an deutschen Grenzen nicht ausschließen. Für Maximilian Krah (Spitzname „Schampus-Max“) sind echte Männer rechts, „Feministinnen alle hässlich und grässlich“. Als Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl 2024 musste ihn die AfD zeitweise aus dem Verkehr ziehen; bei der Bundestagswahl hat er gegen die Willen seiner Parteiführung in Sachsen und im Bund kandidiert. Nun zieht er über ein Direktmandat in den Bundestag ein, trotz schriller öffentlicher Auftritte, Verbindungen nach Russland und China und umstrittener Aussagen über die SS.
Ebenfalls wieder im Bundestag ist Matthias Helferich, gegen den ein Parteiausschlussverfahren läuft, das sein Landesverband NRW letztes Jahr in die Wege geleitet hat, weil er „die Außerlandesbringung von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund und weiteren Personenkategorien unter Anwendung staatlicher Zwangsmittel als politische Zielsetzung artikuliert“ und dabei die Betroffenen als „Viecher“ bezeichnet hatte. Helferich hat sich selbst das „freundliche Gesicht des NS“ und als „demokratischer Freisler“ bezeichnet und mit seinem Kontakten in die Neonazi-Szene geprahlt.
Auch Alexander „Vogelschiss“ Gauland, ein Anhänger der Verschwörungserzählung vom „großen Bevölkerungsaustausch“, wonach angeblich das deutsche Volk systematisch durch Migranten ersetzt werden soll, gehört weiter der AfD-Fraktion an.
Hannes Gnauck, ehemaliger Soldat der Bundeswehr, wurde vom Militärischen Abschirmdienst wegen fehlender Verfassungstreue als Extremist eingestuft und infolgedessen als Soldat vom Dienst freigestellt. Er ist Bundesvorsitzender der Jungen Alternative für Deutschland, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist und die selbst der AfD zu rechts ist, weshalb die Partei die Jugendorganisation auflösen will.
Dario Seifert, der ebenfalls das Direktmandat in seinem Wahlkreis gewonnen hat, war Mitglied der Jugendorganisation der verfassungsfeindlichen NPD (heute Die Heimat) Auch gegen ihn strengte die AfD ein Parteiausschlussverfahren an, das 2024 in einer zweijährigen Ämter-Sperre endete. Trotzdem zieht er nun in den Bundestag ein.
Lt. einer Recherche von Correctiv von 2024 duldet die AfD auf allen Ebenen Mandatsträgerinnen und -träger, die mit körperlicher, verbaler oder indirekter Gewalt aufgefallen sind – viele trotz Verurteilung. Darunter sind mehrere Landtags- und Bundestagsabgeordnete.
Bevor es zu spät ist: Ein AfD-Verbot muss her
Man darf sich also auf einiges gefasst machen, wenn die AfD nun als größte Oppositionsfraktion im Deutschen Bundestag breitbeinig und selbstbewusst agiert. Mit dem Wählervotum von mehr als 20 Prozent im Rücken können die rechtsextremen Abgeordneten vor Kraft kaum gehen. Es ist nicht zu erwarten, dass die Partei einen gemäßigteren Kurs einschlagen wird, die Radikalisierung wird nach den Erfahrungen der Vergangenenheit und nach diesem Wahlerfolg eher weiter vorangetrieben. Mittlerweile, so die Politikwissenschaftlerin Heinze in der Tagesschau, „teile sich die Partei nicht mehr in moderat und radikal, sondern in radikal und offen rechtsextrem.“ Dabei gibt es schon jetzt genügend Gründe, um ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD einzuleiten und erfolgreich zum Abschluss zu bringen. 2024 haben 113 Abgeordnete des Bundestages eine Initiative für ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD gestartet. Am besten wäre es, wenn die Bundesregierung, der Bundestag und der Bundesrat gemeinsam einen Antrag für ein Parteiverbot stellen würden. Eine Stellungnahme von 17 Verfassungsrechtlern kommt zu dem Schluss, dass die Erfolgsaussichten gut sind.
Ich schließe mich der Forderung von Heribert Prantl an, der seine alte Forderung nach einem AfD-Verbot heute mit folgenden Worten begründete: „Natürlich lässt ein vom höchsten Gericht ausgesprochenes Verbot samt Auflösung der AfD den Rechtsextremismus nicht verschwinden; er existiert weiter, er löst sich mit der Partei nicht auf. Aber er wird dann nicht mehr großzügig vom Steuerzahler finanziert. Staatliche Gelder machen den größten Batzen der Einnahmen für die Partei und Fraktion der AfD aus, schon im Jahr 2022 waren das über zehn Millionen Euro. Die Zahl dürfte gegenwärtig noch viel höher sein, weil die Zahlungen mit der Zahl der Wähler steigen: Geld für den Druck von Plakaten und Veranstaltungen, auf denen das „System“ verhöhnt wird, das jene Verhöhnung finanziert. Hinzu kommen steuerliche Begünstigungen, die Diäten von Abgeordneten und Gehälter von Funktionsträgern, die die AfD mit Posten versorgt, sowie weitere Zuschüsse.“
Warten wir nicht, bis es zu spät ist und wir ein neues 1933 erleben.
Ein schwarzbrauner Tag für Deutschland
Veröffentlicht: 30. Januar 2025 Abgelegt unter: Demokratie, Flüchtlinge, Gesellschaft, Innenpolitik, Kirche, Neue Rechte, Völkerrecht | Tags: AfD, Union 2 KommentareEs war zu erwarten. Was sich in den letzten Tagen abgezeichnet hat, ist eingetreten: Die Union bekommt für Ihren Entschließungsantrag zur Migrationspolitik die Unterstützung der AfD und damit eine Mehrheit im Deutschen Bundestag.

Wer sich darüber freuen kann? Der unverhohlene Jubelausbruch der AfD-Abgeordneten im Bundestag spricht Bände. Wie blöd (oder ignorant) muss man (die CDU) eigentlich sein, zu glauben, die AfD ließe sich von der Zustimmung abhalten, indem man in den Antrag schreibt, dass die AfD doof ist??? Um dann hinterher Krokodilstränen zu weinen und die Entscheidung zu bedauern (Merz)????

Nun will die Union morgen (Freitag, 31. Januar) einen „Gesetzentwurf zur Begrenzung des illegalen Zustroms von Drittstaatsangehörigen nach Deutschland (Zustrombegrenzungsgesetz)“ im Bundestag zur Abstimmung einbringen. In der Begründung wird suggeriert, dass mit den geplanten schärferen Einschränkungen in der Migrationspolitik Attentate wie die von Solingen, Magdeburg und Aschaffenburg künftig verhindert werden können.
Was davon zu halten ist, haben die beiden großen christlichen Kirchen in einer gemeinsamen Stellungnahme vom 28. Januar 2025 erklärt, nämlich „dass die nun vorgeschlagenen Gesetzesänderungen nach aktuellem Wissensstand keinen der Anschläge verhindert hätten.“ Darüber hinaus weisen die Kirchen darauf hin, dass die Gesetzesänderungen, die die CDU durchsetzen möchte, in Teilen im Widerspruch zu geltenden Gesetzen wie z.B. dem Aufenthaltsgesetz, der Europäischen Menschenrechtskonvention oder der Familiennachzugsrichtlinie stehen. Die Union stellt damit auch das Grundrecht auf Asyl und die Genfer Flüchtlingskonvention sowie das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) in Frage. Fazit der Stellungnahme der Kirchen: „Der Gesetzentwurf ist …daher nicht geeignet, zur Lösung der anstehenden migrationspolitischen Fragen beizutragen.“ Die ganze Stellungnahme kann man hier nachlesen. Wir brauchen in Deutschland kein Zustrombegrenzungsgesetz, eher ein „Erstmalgründlichnachdenken-Gesetz“. Und eine funktioniere Asyl-, Aufnahme- und Integrationspolitik.
20. Januar: An Tagen wie diesen …
Veröffentlicht: 20. Januar 2025 Abgelegt unter: Demokratie, Internationale Politik, Klimawandel, Neue Rechte, Wahlen | Tags: Donald Trump Ein Kommentarwünscht man sich Unendlichkeit, so der Songtext von den Toten Hosen. Meine Wünsche sind viel banaler: Gleich nach dem Aufstehen wieder ins Bett und die Decke über die Ohren ziehen.
Am 20. Januar drängen sich zwei historische Ereignisse ins Bewusstsein: Die Befreiung von Auschwitz und die Inauguration von Trump. Kann man zwischen beiden Ereignissen eine Verbindung herstellen? Am 20. Januar 1945 haben sowjetische Truppen das Vernichtungslager Auschwitz befreit und das Ende der Hitler-Diktatur eingeläutet. Ein Tag der Hoffnung und Befreiung also, nach der dunkelsten Phase der menschlichen Zivilisation.
Der 20. Januar 2025 ist kein Tag der Freude. Donald Trump wird Präsident einer der ältesten neuzeitlichen Demokratien. Der US-Präsident, der heute sein Amt antritt, ist demokratisch gewählt. Das allein schon nährt Zweifel, ob die Demokratie tatsächlich die beste aller Staatsformen ist. Hätte Trump die Wahl auch ohne sein Geld, seine Lügen, seine enorme Präsenz und Macht in den sozialen Medien, ohne Drohungen und Erpressungen in den Reihen der republikanischen Partei, ohne Unterstützung von Leuten wie Elon Musk oder Mark Zuckerberg gewonnen? Wohl kaum.
Man ist geneigt, dem amerikanischen Wahlvolk zu bescheinigen, gegen die eigenen Interessen gewählt zu haben: Vox Populi – vox Rindvieh? Schließlich ist Trump alles andere als ein Präsident der kleinen Leute, der Unterprivilegierten, der Ausgegrenzten, der Hilfebedürftigen. Bei seiner von arrogantem Getue und prolligen Gesten begleiteten Inauguration lässt er sich feiern mit einem Festbankett, wo die Reichen und Schönen der High Society Eintrittspreise bis zu einer Million Dollar bezahlen, um dem neuen Präsidenten ihre Aufwartung zu machen.
Trump hat mehrfach unter Beweis gestellt, dass er die Demokratie verachtet und die geltende Rechtsordnung nach seinem Gutdünken zurechtbiegen will. Aus der Erfahrung seiner ersten Amtszeit und nach den Ankündigungen im Wahlkampf ist Schlimmes zu befürchten: Ein Regierungsstil, gekennzeichnet von rücksichtsloser Durchsetzung nationaler Interessen, von aggressiven Pöbeleien gegen Minderheiten und Migranten, von der Leugnung des Klimawandels, von Privilegien für die Reichen, von der Verachtung internationaler Institutionen und Verträge, von der Androhung militärischer Gewalt gegen Kanada, Grönland, Panama, von der Werbung für fettige McDonalds-Gerichte. In sein Kabinett beruft er einen Impfgegner zum Gesundheitsminister, einen unerfahrenen, wegen übermäßigem Alkoholkonsum und Gewalt gegen Frauen umstrittenen Fox-News-Moderator zum Verteidigungsminister, einen Klimawandel-Leugner als Energieminister …
Sind die demokratischen Institutionen in den USA stark genug, um die schlimmsten Auswüchse eines ungebildeten, narzisstischen Grobians in Grenzen zu halten? Das zumindest wäre notwendig, wenn der Glaube an die Demokratie als die beste aller Staatsformen nicht ganz verloren gehen sollte.
Trotz alledem und jetzt erst recht: Zuversichtlich bleiben!
Veröffentlicht: 15. November 2024 Abgelegt unter: Demokratie, Gesellschaft, Internationale Politik, Krieg, Neue Rechte, Pazifismus, Wahlen 8 KommentareDie Erkenntnis dieser Tage scheint zu bestätigen, dass Politik und Moral nicht zusammenpassen. In diesem Beitrag wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, ob es nicht an der Zeit ist für eine geistig-moralische Erneuerung, für eine neue Aufklärung, einen Aufstand der Anständigen, der dem grassierenden Autoritarismus, der Verrohung in Politik und Gesellschaft, der neuen Kriegshysterie, etwas entgegensetzt. Aber was könnte das sein?
Das ist nicht die Welt, in der wir leben wollen
Der Blick auf den aktuellen Zustand der Welt gibt wenig Anlass, mit Zuversicht und Optimismus in die Zukunft zu schauen. In Deutschland bricht eine Regierung auseinander, wegen mangelnder Bereitschaft und Fähigkeit zu notwendigen Kompromissen und Reformen und aufgrund von parteipolitischen und persönlichen Egoismen. Der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckelt, die Ausländerfeindlichkeit nimmt zu. Rechte Parteien sind im Aufwind. In Europa werden immer mehr Regierungen von rechten Parteien dominiert.
In den USA kommt ein mehrfach verurteilter Straftäter zum zweiten Mal an die Macht, der die demokratischen Institutionen verachtet, der gegen Minderheiten hetzt, den Klimawandel leugnet und dem jegliche moralischen und intellektuellen Voraussetzungen für dieses Amt fehlen. In der Folge bringt der Bitcoin, die Kryptowährung der Spekulanten und Kriminellen, den Besitzern exorbitante Kursgewinne. Elon Musk, ein reaktionärer, durchgeknallter Multimilliardär, wird vom künftigen US-Präsidenten als Genie gepriesen und zum Berater in seine Regierung berufen.
Weltweit nehmen Hunger und Armut, Kriege und gewaltsame Vertreibungen zu. Die Erderwärmung, so die neuesten Zahlen der Wissenschaft, übersteigt in diesem Jahr erstmals die 1,5 Grad-Marke und steuert in den nächsten Jahrzehnten auf eher 2,5 bis 3 Prozent zu. Damit werden noch mehr Menschen in die Flucht getrieben, während Europa seine Außengrenzen abschottet und in Kauf nimmt, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken oder in gefängnisähnlichen Lagern eingesperrt werden.
Der Krieg in der Ukraine, von Russland vom Zaun gebrochen, fordert unzählige Menschenleben und schwere Schäden an Gebäuden und Versorgungsstrukturen, ohne dass eine Ende absehbar wäre und ein Friede im Bereich des Möglichen erscheint. Einzig militärische Aufrüstung und wechselseitige Bedrohung scheinen derzeit das Denken und Handeln zu bestimmen. Der Nahostkonflikt, seit Jahrzehnten Quelle von Gewalt, Vertreibung und Menschenrechtsverletzungen, ist nach dem Überfall der Hamas eskaliert und weitet sich zu einem Flächenbrand in der Region aus. Deutschland liefert weiter Waffen an den Staat Israel, trotz des völkerrechtswidrigen Vorgehens des israelischen Militärs in Gaza, im Westjordanland und im Libanon.
Dieses düstere Bild ist nicht vollständig. Man könnte den Eindruck gewinnen, wir lebten im Zeitalter der einstürzenden Brücken, alle drei Jahre auftretender Jahrhunderthochwasser und staatlicher Rettung zahlungsunfähiger riesiger Schiffswerften, die noch riesigere Kreuzfahrtschiffe bauen, die die Welt nicht braucht.
Was ist also zu tun?
Oder, um mit Kant zu fragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Mündige Menschen, die in der Lage sind, ihren Verstand zu gebrauchen, können nicht als Entschuldigung anführen, nicht gewusst zu haben, wie es mit der Welt steht. Wir alle stehen in der Verantwortung, für bessere Verhältnisse zu sorgen, egal, ob in der Nachbarschaft, im Betrieb, in der Kommune, im Land, in dem wir leben. Die Nachrichtenlage führt bei vielen Menschen dazu, sich ins Private zurückzuziehen, in Resignation, Verzweiflung oder Zynismus zu verharren.
Ja, es scheint in diesen Tagen besonders schwer, mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft zu schauen. Und doch kann es nur eine Antwort geben: Trotz alledem und jetzt erst recht: Für Frieden und Freiheit einstehen, gegen Lügen und Fakenews dagegenhalten, den rechten Brandstiftern nicht den Diskurs überlassen. Und bei schwierigen Kontroversen akzeptieren und aushalten, dass es nicht nur eine Interpretation oder Sichtweise gibt, wie etwa bei den Diskussionen um den Ukrainekrieg oder den Nahostkonflikt. „Legitime Selbstverteidigung und das Streben nach einem gerechten und dauerhaften Frieden sind kein Widerspruch“ – dieses auf den Ukrainekrieg bezogene Zitat aus einem Beitrag von Professor Dr. Peter Brandt, Professor Dr. Hajo Funke, General a.D. Harald Kujat, Professor Dr. h.c. Horst Teltschik in der Berliner Zeitung vom 09.09.2023 kann gleichermaßen für den Nahostkonflikt gelten. Die Antwort auf Kants „Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?“ heißt dann: Das Streben nach einem gerechten und dauerhaften Frieden und die Hoffnung, damit erfolgreich zu sein, nicht aufzugeben. Was sonst?
An alle AfD-Wähler (Frauen sind mitgemeint)!
Veröffentlicht: 30. August 2024 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Demokratie, Feminismus, Gesellschaft, Neue Rechte, Wahlen | Tags: AfD Ein KommentarDie Talebanisierung Deutschlands ist auf dem Vormarsch. Jedenfalls dann, wenn am Sonntag bei den Landtagswahlen im Osten die AfD zur stärksten Kraft werden sollte. Wer die AfD wählt, entscheidet sich auch für die „Ermutigung der Tugend und zur Verhinderung des Lasters“. So heißt das Gesetz, mit dem die Taleban in Afghanistan verschärfte Verschleierungsvorschriften für Frauen und andere Verbote erlassen haben, zum Beispiel homosexuelle Beziehungen.
Das findet Ihr übertrieben? Nun, liebe Frauen, falls Ihr am Sonntag die AfD wählen wollt – hier ein paar Aussagen von AfD-Politikern (damit Ihr wisst, was Euch erwartet):
Dubravko Mandic: „Eine Vergewaltigung findet nicht unabhängig von sexuellen Reizen statt, und die seien hier gesetzt worden. Der Mensch ist nicht immer Herr seiner Triebe.“ Das spricht doch für eine Burkapflicht, nicht wahr, Herr Mandic?
Gerhard-Michael Welter: „Mir soll es ja Recht sein. Ich werde in meinen Rechten nicht eingeschränkt. Frauen brauchen einen Vormund. Bei Ihnen und ein paar anderen ‘Menschen mit Menstruationshintergrund’ kann ich es sogar nachvollziehen.“ Deshalb, Herr Welter, sollten Frauen nicht alleine entscheiden, sondern ihren Vormund fragen, oder?
Andreas Wild: „Jede Frau kann machen was sie will. Im Schnitt muss sie allerdings zwei Kinder bekommen. Das geht ohne Full-Time-Job leichter.“ Frauen zurück an den Herd, Herr Wild – aber warum nur zwei Kinder?
Achim Nieder: „Weltfrauentag! Gute Idee! Man könnte zur Feier des Tages ja mal wieder in den Puff gehen.“ Dort könnt Ihr dann Eure Männlichkeit wiederentdecken (Zitat Höcke).


Hier kräht der Krah: Echte Männer sind rechts, Frauen sind schlank
Veröffentlicht: 25. April 2024 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Innenpolitik, Neue Rechte, Rassismus, Wahlen | Tags: AfD, Maximilian Krah 4 KommentareDie Knalltüte Maximilian Krah, ultrarechter Trump-Verschnitt, Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, Freund der Taliban und des Rassisten Steve Bannon, Anhänger der Aluhut-Umvolkungs-Ideologie, auch „Schampus-Max“ genannt, kämpft um sein politisches Überleben. Es läuft gerade nicht so gut für ihn, wegen der Spionage-Vorwürfe gegen seinen Mitarbeiter Jian G. Hat er nicht gewusst, sagt der Max. Das mit der Spionage. Den verhafteten Mitarbeiter hat er entlassen. Aber die AfD-Führung Weidel / Chrupalla traut sich nicht, Krah zu entlassen. Sie hält an ihrem Spitzenkandidaten für die Europawahl fest. Offenbar hat man Schiss vor Götz Kubitschek, dem rechtextremen Chefideologen der Neuen Rechten, der seine schützende Hand über Krah hält.
Mal sehen, wie lange sich Krah noch halten kann! Wäre eigentlich schade, wenn er von der politischen Bühne verschwände. Männer seines Schlages braucht das Land. Echte Männer, die rechts sind und für die Frauen schlank zu sein haben. „Feministinnen sind alle hässlich und grässlich“, so Krah beim politischen Aschermittwoch. Also Mädels: Schminkt euch ab, zieht euer Dirndl an, unterstützt eure Männer, kriegt Kinder, wählt AfD und katapultiert euch zurück ins Mittelalter! Oder wollt ihr etwa alle moderne „befreite“ Feministinnen sein – ungepflegt und mit schlechtem Lebenswandel?




