Friedensfähig statt kriegstüchtig: Eindrücke vom Ostermarsch in Freiburg
Veröffentlicht: 4. April 2026 Abgelegt unter: Bundeswehr, Gesellschaft, Internationale Politik, Krieg, Pazifismus, Rüstung | Tags: Friedensbewegung, Ostermärsche 2 KommentareLetztes Jahr war ich beim Stuttgarter Ostermarsch. Heute (Ostersamstag, 4. April) habe ich mit meinem an den Rucksack gehefteten Schild „Nein zum Krieg“ am Ostermarsch in Freiburg teilgenommen. Die Stadt war voll wie oft an Verkaufssamstagen, wenn am Monatsanfang der Geldbeutet voll ist, das Frühlingswetter nach draußen lockt und gleichzeitig der SC Freiburg ein Heimspiel hat. Trauben von Einheimischen und Touristen an den Verkaufsständen auf dem Münsterplatz, in der Einkaufsmeile dichtes Gedränge, und dazu die auswärtigen Schlachtenbummler, die zum Fußballspiel gegen Bayern München angereist waren.

Da mutete der auf sympathische Weise schlecht organisierte Demonstrationszug der etwa 500 Ostermarschierer, dem die Polizei den Weg durch die Innenstadt bahnte, wie aus der Zeit gefallen an. Zum Glück fehlten die bei solchen Anlässen selbsternannten Einheizer von Sprechchören wie „Frieden schaffen ohne Waffen“ oder „Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt“ – das Nachgrölen vorgefertigter Parolen war noch nie mein Ding. Was ich vermisst habe: aufmunternde Musik („Wozu sind Kriege da“) oder wenigstens eine Perkussionsgruppe. Stattdessen sang jemand, der offenbar nur ein Lied im Repertoire hatte, begleitet von einer kratzigen Mandoline unentwegt das „Bella Ciao“ der italienischen Partisanen – nicht unbedingt passend zum Anlass.
Trotzdem war es eine mutmachende Veranstaltung. Wer möchte, kann den Redetext des Hauptredners Jürgen Grässlin hier nachlesen. Die Friedensbewegung, der gerne Naivität angesichts der politischen Realitäten nachgesagt wird oder eine Übernahme rechter Positionen (z.B. „Die Friedenstauben flattern nach rechts“, Die Zeit vom 19.04.2025) meldet sich wieder stärker zu Wort. Und sie findet zunehmend auch Unterstützung in der Politik, angesichts der aktuellen Kriege in Nahost. Europäische Staaten wie Spanien und Frankreich wenden sich explizit gegen den Krieg, den die USA und Israel vor fünf Wochen gegen den Iran begonnen haben. Sie verweigern den Amerikanern die Nutzung von US-Stützpunkten auf ihrem Territorium. Deutschland gehört leider nicht dazu. Die Verantwortlichen für Deutschlands (Rüstungs- und Anti-Friedens-)Politik dieser Tage werden nicht mit Matthias Claudius sagen können: ’s ist leider Krieg – und ich begehre nicht Schuld daran zu sein!
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Weißichnich, weißichnich – schöne Tradition, diese Oster-Friedens-Marschiererei. Da muss der Mitmarschierer aber schon sehr hart gesotten (sprich: resilient) sein, wenn er da neben Corona-Schwurblern, BSW, Reichsbürgern und MLPD Reih in Reih steht. Und wenn dann Trump und Netanyahu als Verursacher benannt werden, aber zu Putin nichts gesagt wird, dann wird’s schwierig. Aber wie immer gilt: Gut, dass es auch andere Meinungen gibt!
Erstmal danke für diesen Beitrag zum Thema Frieden, um den es so still geworden, den wir und alle Welt aber so was von nötig haben – aber auch sachliche Vernunft, so wie es derzeit klarer wird. Aber wir wählen offenbar zu wenig strategisch, denke ich. Vor der angeblichen Christpartei hatten wir Olivgrüne – da war eher Erkriegerung angesagt und Woffen, Woffen, Woffen. Wen also wählen? Die einzigen, die uns einst Frieden und Umweltrücksicht versprochen haben, haben es ziemlich verkackt. Wir werden zukünftig das Fünffache an Energie brauchen, darüber gab es Null Plan bei Habeck & Co., leider! Rechts wählen macht es noch schlimmer, am Ende geht die CDU dann doch noch mit den Rechten zusammen – das Wahlvolk wollte es ja so. Da wundert mich aber umsomehr und ehrlich, warum jetzt so wenig links oder BSW gewählt wird. Wir sollten strategisch werden statt emotional.