Vergesst 2025. 2026 wird alles besser. Vielleicht.

Jahresrückblicke auf allen Kanälen: ARD, Spiegel, DIE ZEIT, Dieter Nuhr. Aber will man wirklich das alles nochmal anschauen, anhören, lesen? Diese finsteren Zeiten, die ganzen Zombies, Untoten und Geistesgestörten wieder zum Leben erwecken? Ja, ja, es war nicht alles nur schlecht. Manche Rückblicke bemühen sich redlich, auch positive Entwicklungen aufzuzeigen. Aber mal ehrlich: 2025 war nun wirklich zum Vergessen. Was ich damit meine? Dann fragen Sie mal ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte! Am besten, man streicht das ganze Jahr aus den Geschichtsbüchern. Gehe zurück auf los! Man wird ja noch träumen dürfen: Robert Habeck bleibt Wirtschaftsminister, Friedrich Merz lässt sich dauerhaft in Belém nieder, Donald Trump verliert die Präsidentschaftswahlen, der Klimawandel macht ein Jahr Pause, die Gletscher lassen vorübergehend das Schmelzen sein, Elon Musk renkt sich beim Hitlergruß das Schultergelenk aus.

2026 kann eigentlich nur besser werden als das abgelaufene Jahr. Wir werden schon lange vor dem Sommer spüren: Hier verändert sich etwas langsam zum Besseren, es geht voran! Die Pendlerpauschale wird erhöht, junge Männer dürfen endlich wieder Kriegsdienst leisten, aus dem Bürgergeld (igitt!) wird eine seriöse Grundsicherung, die Gastronomie bekommt ein Steuergeschenk, die steuerliche Begünstigung für Dienstwagen wird auf einen Kaufpreis von 100.000 Euro erhöht, das Aus für das Verbrenner-Aus ist aus, das Lieferkettengesetz wird gefleddert.

Und das ist noch längst nicht alles: Ein Frühjahr der Reformen steht ins Haus! Stuttgart 21 wird früher fertig als erwartet. Zur Eröffnungsparty des neuen Ballsaals im Weißen Haus lädt Trump Putin, Netanjahu, Alice Weidel und Elon Musk ein, nicht aber Wolodymyr Selenskyj („You don´t have the cards right now“). Auf was wir uns im neuen Jahr außerdem noch freuen dürfen: 1.800 Afghaninnen und Afghanen, denen Deutschland eine Aufnahme zugesagt hat, sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst. Pakistan hat versprochen, diese Leute da nach Afghanistan abzuschieben (wie war das nochmal mit der Drecksarbeit, Herr Merz?). Bei der Fußball-WM gewinnt Deutschland gegen Curaçao und gegen die Elfenbeinküste und schafft damit ein neues Sommermärchen und den Sprung in die Hauptrunde. Es wird einen neuen Hitzerekord geben. Markus Söder ist gegen ein Böllerverbot für die Bundeswehr und für die Aufnahme von Leberkäs in die bayerische Verfassung.

Die wichtigste Änderung im Jahr 2026 aber wird sein: Blogbeiträge muss ich künftig nicht mehr selbst verfassen. Stattdessen lasse ich die KI schreiben. Den nachfolgenden Text hat chatCPT verfasst. Meine Bitte an das schlaue Tool lautete: Schreibe einen satirischen Beitrag im Stil des Blogs von Jürgen Lieser über das, was uns im Jahr 2026 erwartet.

Nun ja – das Ergebnis steht unten. Hier und jetzt aber wünsche ich meinen Abonnentinnen und Abonnenten einen guten böllerfreien Start in das Neue Jahr und dass es in jeder Hinsicht – privat, beruflich, gesundheitlich, politisch – besser sein möge als das Alte.

2026 – Willkommen im Update-Zustand

2026 ist das Jahr, in dem endgültig alles optimiert ist. Nur leider nicht das Ergebnis. Aber der Prozess läuft jetzt wirklich rund – sagen zumindest jene, die ihn erfunden haben und nicht darin leben müssen.

Der Staat ist digital. Also theoretisch. Praktisch erkennt er Bürgerinnen und Bürger zuverlässig als „unbekannten Fehler“. Wer 2026 einen Antrag stellt, bekommt sofort eine Eingangsbestätigung, eine Vorgangsnummer und das beruhigende Gefühl, dass jetzt gar nichts mehr passiert. Transparenz wurde geschaffen: Man sieht jederzeit, dass man nicht weiterkommt.

Bildung ist endlich zukunftsfähig. Kinder lernen früh, dass Technik unzuverlässig ist, Verantwortung diffundiert und immer jemand anderes schuld ist. Eine Kompetenz, die im späteren Leben von unschätzbarem Wert ist. Lehrerinnen und Lehrer heißen jetzt „Lernbegleitende“, begleiten aber vor allem Ausfälle: WLAN, Server, Motivation.

Die große Hoffnung heißt Künstliche Intelligenz. Sie entscheidet schneller, objektiver und emotionsloser – genau wie die Bürokratie, nur mit Marketingbudget. Fehler passieren natürlich auch hier, aber sie wirken moderner. Früher sagte man „Das Formular ist falsch ausgefüllt“, heute sagt man „Das System hat das so berechnet“. Fortschritt.

Politik im Jahr 2026 besteht aus Ankündigungen, Rücknahmen und der tapferen Behauptung, man habe alles richtig gemacht – nur die Realität habe leider nicht mitgespielt. Debatten werden nicht mehr geführt, sondern gemanagt. Haltung ist etwas für Kampagnen, Verantwortung etwas für Untersuchungsausschüsse.

Die Medien erklären unermüdlich, was man jetzt fühlen sollte. Empörung kommt im Abo, Einordnung im Kleingedruckten. Wer nachdenken will, gilt als verdächtig. Wer zweifelt, als problematisch. Wer fragt, als Teil des Problems. Aber immerhin ist alles „komplex“.

Arbeiten kann man überall. Vor allem immer. Grenzen zwischen Beruf und Freizeit wurden erfolgreich abgeschafft – zugunsten der Arbeit. Burnout heißt jetzt „persönliche Herausforderung“. Erholung ist etwas für Menschen ohne Termine.

Das Klima? Wichtiges Thema. Sehr wichtig. Deshalb wird es zuverlässig vertagt. Man fliegt nachhaltiger, indem man darüber spricht. CO₂ wird nicht reduziert, sondern kompensiert – moralisch, verbal, symbolisch.

2026 ist kein dystopisches Jahr. Dafür ist es viel zu gut organisiert.
Es ist das Jahr der gepflegten Zumutungen, der freundlichen Inkompetenz und der digitalen Ausreden.

Alles funktioniert.
Nur nicht für dich.
Aber dafür gibt es ein Update.


Brandmauer oder Gartenzaun? Die Annäherung der CDU/CSU an die AfD

Die unüberwindliche Brandmauer, die die Christdemokraten zwischen sich und der AfD errichtet haben wollten, ist inzwischen zu einem durchlässigen Gartenzaun geworden. Um bei dieser Metapher zu bleiben: Man hält formal Distanz zum Nachbarn, grüßt sich höflich und tauscht Erfahrungen aus zum Einsatz von Unkrautvernichtern im Garten (Geflüchtete, Asylberwerber, Bürgergeldbezieher, Grüne, Linke, usw.).

Wem das zu weit hergeholt erscheint, hier ein paar Beispiele: „Abschieben, bis die Startbahnen glühen“ (Benjamin Nolte, MdL der AfD), „wir müssen endlich im großen Stil abschieben“ (Olaf Scholz, ach Mist, der ist ja gar kein CDUler), „jetzt kommt es darauf an, die Abschiebungen und die Rückführungen zu erhöhen“ (Markus Söder, CSU). Die Verschärfung der deutschen und europäischen Asylpolitik, die einer faktischen Abschaffung des Asylrechts gleichkommt, die schamfreie Rücknahme von Aufnahmezusagen an Afghan*innen, denen in Pakistan die Abschiebung nach Afghanistan droht – das alles dürfte der AfD gefallen – darf sie aber nicht öffentlich sagen.

Die gemeinsamen politischen Ziele enden keineswegs bei der Asylpolitik. Die Aufweichung der Klimaschutzziele, auch auf der europäischen Ebene, geht der AfD zwar nicht weit genug, dürfte aber für sie ein Schritt in die richtige Richtung sein. Und wenn Manfred Weber, Chef der EVP-Fraktion im EU-Parlament, zum Aus des Verbrenner-Aus meint: „Wir wollen den Bürgern nicht die Liebe zum Auto und zum Autofahren vermiesen“ (oder so ähnlich), dann könnte das genauso aus dem Mund von Alice Weidel kommen.

Weitere Themen, wo sich die CDU/CSU den AfD-Positionen annähert, wohl in der Hoffnung, deren Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen, sind: Lieferkettengesetz (die Aufweichung desselben), Bürgergeld, keine Steuern für Reiche, wir lassen uns das Schnitzel nicht verbieten.

Besonders frappierend ist der ideologische Gleichschritt bei Themen, die unter „Kulturkampf“ firmieren: Genderwahn, Wokeness-Diktatur, Cancel-Culture, traditionelles Familienbild, links-versiffte öffentlich-rechtliche Medien, Hass auf die grüne „Verbotspartei“, Misstrauen gegenüber der Zivilgesellschaft und den NGOs. Steigbügelhalter für die ideologische Annäherung zwischen der „Systempartei“ CDU/CSU und der als gesichert rechtsextremistischen AfD sind in den sozialen und öffentlichen Medien präsente Meinungsmacher wie etwa Ulf Poschard, libertärer Publizist und „neoliberales Twitter-Rumpelstilzchen“ (Der Standard), Autor des „Shitbürgertum“ und Hetzer gegen die Zivilgesellschaft, oder Dieter Nuhr, reaktionärer Vorzeigekabarettist der ARD, der mit seinen rassistischen, sexistischen und islamfeindlichen Stammtischparolen rechte Narrative bedient und sich dafür vom Zeitgeist bejubelt lässt.

Was folgt daraus? Hinter dieser ganzen Entwicklung steckt eine ernsthafte Bedrohung: Nämlich die Spaltung und Polarisierung der Gesellschaft in rechts und links und eine Schwächung der gesellschaftlichen Mitte. Der Rechtsruck der Christdemokraten unter Merz, Dobrinth, Spahn und Linnemann könnte dazu führen, dass die Brandmauer nicht mehr zwischen der AfD und den übrigen bürgerlichen Parteien steht, sondern nach links verschoben wird. Die Angriffe des rechten Lagers aus CDU/CSU und AfD gegen alles, was als links verortet wird – und dazu gehören auch Teile der SPD, vertiefen den Graben. Es zeichnet sich ab, dass bei künftigen Wahlen das rechte Lager 60 und mehr Prozent der Wählerstimmen auf sich vereint und das linke Lager keine mehrheitsfähige Regierung bilden kann. Dann Gnade uns Gott.


FIFA vergibt Friedenspreis an Trump: So what?

Das Rektum von Donald Trump müsste eigentlich längst verstopft sein, dank massenhafter Arschkriecherei westlicher Politiker und eines NATO-Generalsekretärs („ich mag den Kerl“). Da darf die internationale Fussballmafia nicht fehlen. Die hat US-Präsident Trump für seinen „unerschütterlichen Einsatz für den Frieden auf der ganzen Welt“ mit dem Friedenspreis ausgezeichnet. Nein, nicht mit dem Friedensnobelpreis aus Norwegen, sondern mit dem Friedenspreis des unbestechlichen Weltfußballverbands FIFA und dessen Präsident Infantino. Den Osloer Friedensnobelpreis hätte Trump nach eigener Einschätzung längst verdient, „aber sie werden ihn stattdessen an „irgendeinen Typen“ vergeben, der verdammt nochmal nichts gemacht hat“.

Das sehen wir ganz genauso: Fridtjof Nansen, Carl von Ossietzky, Albert Schweitzer, Dag Hammarskjöld, Martin Luther King, Willy Brandt, Mutter Theresa, Nelson Mandela – alles Typen, die verdammt nochmal nichts gemacht haben. Ganz anders Trump, der die Auszeichnung durch die FIFA mit ihrem geldgierigen Präsidenten Gianni Infantino für die Fähigkeit, Kriege zu beenden, bevor sie ausgebrochen sind, mit den Worten entgegennahm: „Das ist eine der größten Ehrungen meines Lebens. Wir haben Abermillionen Menschen gerettet. Kongo, Indien und Pakistan. So viele Kriege haben wir beenden können, in manchen Fällen sogar bevor sie ausgebrochen sind“.

Die knallharte Distanzierung vom Deutschen Fussballbund folgte auf den Fuss: Bernd Neuendorf, DFB-Präsident, meinte: „Also wir sind hier nicht in Europa, wir sind in den USA. Da weiß jeder, dass Show hier ein großes Thema ist. Deshalb sollte das wirklich niemanden überrascht haben, wie das hier vonstattengeht. Das kennen wir vom Super Bowl und anderen Sportereignissen. Also mich hat das überhaupt nicht überrascht. Das gehört irgendwie zur USA. Das werden wir bei der WM auch erleben.“

Hauptsache, Deutschland wird Weltmeister.