Tax the rich: Brauchen wir wieder eine Vermögenssteuer?

Heute mal was zum Aufregerthema „Vermögenssteuer“. Politiker*innen der Linken fordern, Reiche abzuschaffen. Im Falle von Heidi Reichinnek könnte man das mit ihrem Namen erklären („Reichinnek will Reiche weg“ oder so?). Auch Katharina Reiche, die neue Wirtschaftsministerin, hat – Überraschung! – nichts gegen Reiche und lehnt Steuererhöhungen ab. Aber lassen wir die Kalauer: Deutschland hat mit 176 die viertmeisten Milliardäre weitweit (andere Quellen wie das Manager Magazin zählen sogar 256). Das steht im Bericht zur sozialen Ungleichheit, den Oxfam Deutschland am 19.01.2026 veröffentlicht hat.

Reiche werden immer reicher

Danach ist das Vermögen in Deutschland extrem ungleich verteilt. Die reichsten 10% besitzen rund 60% des Gesamtvermögens. Der Bericht zeigt auch, dass das Vermögen der reichsten Menschen schneller steigt als das Durchschnittsvermögen. Es ist seit 2020 um über 80% gestiegen. Würde man die Vorschläge der Linken zur Vermögenssteuer umsetzen, könnte der Staat 108 Milliarden Euro einnehmen, laut einer Studie des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) sogar bis zu 147 Milliarden. Natürlich will die Linke die Superreichen nicht abschaffen, sondern sie will die seit 1997 ausgesetzte Vermögenssteuer wieder einführen und damit die Superreichen stärker an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen.

„Leistungsträger dürfen nicht bestraft werden“

Wirtschaftsverbände, konservative Parteien, Hubert Aiwanger, Friedrich Merz und Menschen mit großem Vermögen lehnen eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer ab. Hauptargument: Damit würden die Leistungsträger unser Gesellschaft bestraft. Außerdem würde Steuerflucht begünstigt. Manche, wie der Herausgeber der Welt-Gruppe Ulf Poschardt, plädieren sogar für mehr Ungleichheit. Poschardt ist Porsche- und Ferrarifahrer und hält Raserei auf Autobahnen für einen Ausdruck von Freiheit. Den muss man also nicht wirklich ernstnehmen.

„Tax me now“: Vermögende für größere Steuergerechtigkeit

Es gibt allerdings auch Vermögende, die sich unter dem Motto „Taxmenow“ für eine größere Steuergerechtigkeit in Form einer verfassungskonformen, privilegienfreien Erbschaftsteuer einsetzen.

Im folgenden 13-minütigen Video kommen Befürworter und Gegner einer Vermögenssteuer zur Sprache. So meint zum Beispiel der bayrische Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger (der mit der Schulranzenaffäre): „Ein Milliardär ist ja nicht ein Taugenichts“ – und fügt hinzu (man achte auf die Argumentationstiefe): „Der Milliardär ist ja auch nicht glücklicher als der Andere …“.


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One Comment on “Tax the rich: Brauchen wir wieder eine Vermögenssteuer?”

  1. Avatar von Peter Lohren Peter Lohren sagt:

    Man sollte sich, bzw. Herrn Merz fragen, was denn die Legitimation für den Begriff Leistungsträger ist. Ist es der Posten in einem Aufsichtsrat? Ist es die glückliche Hand bei der Börsenspekulation. Ist es das Millionenerbe? Immobilienbesitzer? Das scheint mir doch noch ein wenig unklar zu sein. Was aber klar ist, ist eine nicht nachzuvollziehende ungleiche Besteuerung von Kapital und Arbeit, jenseits der Vermögenssteuer.

    Das hat Herr Habeck übrigens in der Amtszeit der »Ampel« bereits angesprochen. Warum werden Erträge aus Kapital nur mit 25 Prozent besteuert und Einkommen unterliegt einer progressiven Gesamtbelastung von bis zu 45 Prozent? Arbeit soll sich doch wieder lohnen, hört man ständig. Zumindest die Kapitalerträge aus Börsenspekulationen sollten analog der Gesamtbelastung eines Einkommens versteuert werden. Und wenn Vermögende sich schon für einen höhere Steuer aussprechen, sollten sie nicht ungehört bleiben. 😊


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