Maulkorb für zivilgesellschaftliche Organisationen? Viktor Orbán lässt grüßen

Dass Regierungen unbequeme zivilgesellschaftliche Organisationen zum Schweigen bringen wollen, kennt man von autoritären Regimen. Nun fordert die Union von der Bundesregierung Auskunft über die staatliche Förderung von Nicht-Regierungsorganisationen (NGO), denen sie eine Parteinahme unterstellt und deren  Gemeinnützigkeit überprüft werden soll. Gemeint sind – welch ein Zufall – just solche NGOs, die im Wahlkampf gegen die Politik der CDU/CSU protestiert haben, wie etwa die Deutsche Umwelthilfe, die Omas gegen rechts, die Amadeo Antonio Stiftung, Campact oder  Greenpeace. Solche Einschüchterungsversuche sind nicht neu. So wurde 2019 dem Verein Attac die Gemeinnützigkeit entzogen, wenig später verlor auch die Organisation Campact ihren gemeinnützigen Status (weshalb ich sie durch Spenden unterstützt habe). Auf diese Weise wird politisch unbequemen Organisationen die Arbeit erschwert, indem man ihnen die finanzielle Grundlage entzieht.

Die CDU/CSU rechtfertigt ihre Anfrage damit, dass ihrer Meinung nach „öffentlich gefördertes Engagement nicht zu parteipolitischen Zwecken eingesetzt werden (darf)“. Das ist schon allein deshalb falsch, weil ja die politischen Stiftungen der Parteien aus öffentlichen Steuergeldern gefördert werden. Und es zeigt ein äußerst fragwürdiges Verständnis von Demokratie, wenn zivilgesellschaftliche Kontrolle staatlichen Handelns mundtot gemacht werden soll. Wie anfangs erwähnt, ist es kein Zufall, dass autoritäre Regime auf diese Weise versuchen, kritische Opposition auszuschalten. Beim Vorgehen gegen kritische NGOs (und vielleicht auch bald gegen kritische Medienberichterstattung?) darf sich die Union jedenfalls der Unterstützung der AfD sicher sein.

Bild: Carlotta Steinkamp


Betreutes Wählen Teil 3: Was haben die Grünen jemals für dieses Land getan?

Auch wenn´s langsam nervt: Ich muss mich nochmal in Sachen Bundestagswahl zu Wort melden. Angeblich kann man die Grünen nicht wählen, weil sie einem alles, was Spaß macht, verbieten wollen (mit 180 Sachen auf der Autobahn brettern, Fleisch essen, mit Öl heizen, in den Urlaub fliegen …) und weil sie an allem schuld sind, was in diesem Land schief läuft. Das behaupten jedenfalls Markus Söder, Hubsi Aiwanger, Elon Musk, Christian Lindner, Sahra Wagenknecht, Alice Weidel, Dieter Nuhr und die Bildzeitung. Dieser Schwachsinn ist durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt.

Aber mal ehrlich: Was haben die Grünen jemals für dieses Land getan? Darüber gibt der folgende Werbespot Auskunft:

Deshalb am Sonntag: Grün wählen!

Ganzseitige Anzeige in der Badischen Zeitung vom 15. Februar 2025


Betreutes Wählen Teil II: Wer wird Germany´s next Kanzler?

Für alle, die immer noch nicht wissen, wen oder was sie wählen sollen: Die letzte Phase des Wahlkampfs beschert dem Wahlvolk ab heute Abend fast täglich weitere Fernsehduelle der BewerberInnen um den Chefposten der Republik. Auch wenn diese nicht direkt gewählt werden, so stehen sie doch für die inhaltliche Ausrichtung der jeweiligen Parteien. Was uns erwartet:

Wer nicht genügend Durchhaltevermögen hat, unter Schlafentzug leidet und nicht genug Bier und Chips gebunkert hat, wird es schwer haben, die Woche unbeschadet durchzustehen. Man kann sich die ganzen Fernsehdebatten mit den immer gleichen Gesichtern und Argumenten allerdings auch sparen und einfach unserer Empfehlung im Rahmen des „Betreuten Wählens“, unserem Angebot der Woche für Unentschlossene, folgen. Wir haben die Spitzenkandidaten völlig neutral und unparteiisch auf Herz und Nieren geprüft und kommen zu folgendem Ergebnis:

Robert Habeck, Bündnis 90 / Die Grünen

Unser Topfavorit. Schriftsteller, Philosoph, Kriegsdienstverweigerer, Vizekanzler und Liebling der Frauen. Seriöses Privatleben, nix abgekupfert bei der Doktorarbeit, geht regelmäßig joggen. Kann Fehler zugeben. Das „Heizungsgesetz“ ist besser als sein Ruf. Er kann Kanzler. Deshalb am 23. Februar: Grün wählen!

Olaf Scholz, SPD:

Drei Jahre Kanzlerschaft sind genug. In der SPD nicht unumstritten. Hat viel politische Erfahrung, aber Erinnerungslücken. Anflüge von Größenwahn: Hält sich für den Einzigen, der die Regierung kompetent führen kann. Kommt nicht so gut rüber mit seiner verdrucksten Mimik. Sein Markenzeichen: Speckige Aktentasche.

Friedrich Merz, CDU:

Geht gar nicht. Möchtegern-Kanzler, hat keinerlei Erfahrung in politischer Verantwortung. Erzählt gern Tünkram über Geflüchtete und hält sein Wort nicht. Steht für eine inhumane Migrationspolitik und findet dafür Unterstützung bei der AfD. Will zurück zur Atomkraft und in die fossile Steinzeit. Reist gerne im Privatflugzeug. Leider hat er die besten Chancen, Kanzler zu werden. Verhindern könnte das wohl nur noch eine seiner üblichen verbalen Entgleisungen oder eine linke Koalition von SPD, Grünen und Linken.

Alice Weidel, AfD:

Hat keine Chancen, Kanzlerin zu werden und das ist auch gut so. Sie wäre in dem Job eine  krasse Fehlbesetzung. Tritt gerne mit hochgestelltem Kragen und Einstecktuch auf. Maßregelt Journalisten („sie framen mich“), lächelt gekünstelt, hält Hitler für einen Linken und ist Fan von Elon Musk, Trump und Putin. Schert sich nicht um Fakten, pöbelt gegen Ausländer und verwickelt sich in Widersprüche. Alice: Vergiss es!


Angebot der Woche: „Betreutes Wählen“

Gehören Sie, gehörst Du zu den mehr als 30 Prozent, die noch nicht wissen, wen oder was sie wählen sollen? Dabei haben wird doch in den letzten Wochen auf diesem Blog nahezu ununterbrochen, penetrant und manipulativ Wahlempfehlungen abgegeben! Wenn Du also trotz – oder wegen! – Wahl-O-Mat, Lektüre von Wahlprogrammen und Fernsehdebatten noch unentschieden bist, dann bist Du richtig bei unserem Spezialprogramm „Betreutes Wählen“. Wir bieten Hilfestellung beim Wählen, zum Beispiel durch musikalische Darbietungen wie diese (Der Text zu dem Lied ist weiter unten eingefügt):

2025 © Ruth Toma (Here’s for You / Sacco und Vanzetti, Ennio Morricone) DAMENLIKÖRCHOR GEGEN RECHTS Noch ne Krise hohe Preise und die ganze Umweltscheiße Klimawandel Fluchtbewegung Weltuntergangsvorverlegung Migration, noch nichts ist erreicht, denn ne Lösung ist nicht so leicht ist ganz egal, wer grade regiert die Welt ist leider kompliziert Glaub nicht denen, die dir erklär’n, wenn da nicht die Ausländer wär’n, dann hätten wir ein schöneres Land das ist nur Mist vom rechten Rand Klimawandel ist nicht erwünscht, weil er keine Wahlen gewinnt dem Klimawandel ist das egal, denn er steht leider nicht zur Wahl Fakten, die zu unbequem sind, leugnen sie, als ob das was bringt bau’n sich die Wahrheit, so wie sie soll Leute, echt, die lügen euch voll Ob Jüdin, Moslem oder ob queer was sie nicht kennen, woll’n sie nicht hier nur deutsch und straight auf deutschem Grund sie woll’n schwarz-weiß, kein bisschen bunt Frauen soll’n, wie sich das gehört, wieder mal zurück an den Herd wisst ihr, wie man dem leicht entgeht? Indem ihr nicht das Falsche wählt.

PS: Vielleicht sähe die Welt anders aus, wenn nur Frauen wählen dürften …


Welche Regierung wollen wir haben?

Wahlentscheidung schon getroffen? Keine Zeit, Wahlprogramme zu lesen oder sich durch die 38 Fragen des offiziellen Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) durchzuackern? Wir haben am Ende dieses Beitrags eine Kurzfassung zur politischen Meinungsbildung für Eilige erstellt – nur sieben Fragen beantworten, und schon erfahren Sie, welche Partei für Sie die richtige ist. Sie können auch stattdessen oder zusätzlich die dreiminütige Zusammenfassung der Rede anschauen, die Robert Habeck von den Grünen gestern, bei der letzten Sitzung des Bundestages vor der Wahl, gehalten hat:

Und hier der Kurz-Wahl-O-Mat:

  1. Wir sollten an der Option Kernenergie festhalten: Unsere Atomkraftwerke sind sowas von sicher, und die strahlenden Abfälle lagern wir mit Hilfe von Elon Musk auf dem Mars ab

2. Bürgergeld abschaffen, wir brauchen eine Agenda für die Fleißigen: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Lieber die Reichen noch mehr entlasten

3. Recht auf Asyl abschaffen: Wir brauchen nicht nur ein Zustrombegrenzungsgesetz, sondern auch ein Abflussbeschleunigungsgesetz!

4. Weg mit dem Verbrennerverbot, kein Tempolimit auf deutschen Autobahnen: Freie Fahrt für freie Bürger!

5. Steuergeschenke für Gutverdienende, keine Vermögenssteuer oder Vermögensabgabe, Abschaffung des Soli für die Besserverdienenden: Reich sein kann ganz schön anstrengend sein …

6. Klimaschutz zurückstellen: läuft ja nicht weg, das Klima

7. Abschaffung des Lieferkettengesetzes: Das nervt ja bloß

Und hier Ihre Auswertung:

War doch gar nicht so schwer, oder? Bei drei oder mehr Zustimmungen: Dann treffen Sie mit der CDU/CSU, FDP oder AfD eine gute Wahl, die Unterschiede sind marginal! Übrigens: Das und noch Schlimmeres steht tatsächlich so oder so ähnlich in den Wahlprogrammen dieser drei Parteien!


For sale: Luxusimmobilien am östlichen Mittelmeer

Investoren, Anleger und Makler aufgepasst: Demnächst wird ein 365 km2 großes Grundstück in attraktiver Lage, angrenzend an das östliche Mittelmeer, mit interessantem Entwicklungspotenzial für Sie erschlossen!

Die Vermarktung erfolgt über LuxuryEstate.com im Auftrag von Trump Management.

Sobald die Erschließung abgeschlossen ist – es müssen noch 200.000 Trümmergrundstücke planiert, 50.000 Leichen entsorgt und 2,2 Millionen illegale Bewohner vertrieben werden -, werden die Grundstücke mit eigener Jachtanlegestelle höchstbietend versteigert. Lassen Sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen! Gehören Sie zu den Ersten und sichern Sie sich die Sahnestücke auf diesem, auch unter dem Namen Gaza Strip weltweit bekannten Terrain in bester Lage!


Über das Böse, rechten Populismus und linke Ratlosigkeit

Mit welchen Gefühlen erleben anständige Menschen – ja, die gibt es gottlob noch! – die gegenwärtig zu beobachtende zivilisatorische Erosion, die moralische Verkommenheit und Verrohung im zwischenmenschlichen Umgang, die menschenverachtende Kälte in Politik und Gesellschaft? Wut? Zorn? Trauer? Angst? Entsetzen? Empörung?

Georg Schramm, einer der großen politischen Kabarettisten, hat in seiner unnachahmlichen Art über den Zorn (sein Lieblingsgefühl) philosophiert und darüber, wie sich die Vernunft dem Bösen entgegenstellen kann. Das sehenswerte Video dazu habe ich am Ende dieses Beitrags verlinkt.

Das Böse dieser Tage

Das Entsetzen – oder auch der Zorn, die Trauer, die Empörung – über das Böse dieser Tage macht sich für mich wie wohl auch für viele von uns unter anderen an diesen Ereignissen fest:

  • Die Idee, über zwei Millionen Palästinenser aus ihrer Heimat, dem Gazastreifen, zu vertreiben und Gaza unter amerikanischer Kontrolle zur „Riviera des Nahen Ostens“ aufzubauen
  • Die Mittel für weltweite Armutsbekämpfung und Nothilfe zu stoppen, von einem Multimilliardär Elon Musk, dessen obszöner privater Reichtum die Mittel für die amerikanische Entwicklungshilfe um ein Vielfaches übersteigt und der die Entwicklungsbehörde USAID als kriminelle Organisation bezeichnet
  • Das „Zustrombegrenzungsgesetz“ (was für ein Wort!), mit dem Union, FDP und AfD das Recht auf Asyl in Deutschland faktisch abschaffen wollen
  • Ein Kanzlerkandidat, der ein gegebenes Versprechen bricht und für seine ausländerfeindlichen Pläne die Unterstützung durch die AfD billigend in Kauf nimmt
  • Die nicht belegbare Behauptung über tägliche Massenvergewaltigungen durch Flüchtlinge, die auch vom Kanzlerkandidaten Merz wider besseres Wissen verbreitet werden, um Stimmung gegen Migranten in Deutschland zu schüren
  • Die erklärte Absicht der AfD zur massenhaften Abschiebung von Geflüchteten und Migranten aus Deutschland („Remigration“)
  • Die Freilassung von gewalttätigen Straftätern und die Verfolgung politisch Andersdenkender und ihre Entlassung aus dem öffentlichen Dienst in den USA, was man von autoritären Regimen und Diktaturen kennt, nicht aber von einer Demokratie
  • Die Verhängung von Sanktionen gegen Mitarbeitende des Internationalen Strafgerichtshofs
  • Der Rückzug der USA aus internationalen Abkommen und Organisationen (WHO, Pariser Klimaabkommen, UN-Menschenrechtsrat)

Migration als beherrschendes Thema

Dass in dieser Liste Maßnahmen der neuen US-Regierung überproportional vertreten sind, bedeutet nicht, dass es in Deutschland oder sonstwo in der Welt nicht auch besorgniserregende Entwicklungen gäbe. Bei uns ist Wahlkampf, und das alles überlagernde Thema ist die Migration und der richtige Umgang damit. Dabei werden die schrecklichen Attentate von Magdeburg und Aschaffenburg durch psychisch kranke Personen instrumentalisiert, um eine Verschärfung der Migrationspolitik zu fordern. Als ob die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) nicht schon genug Verschärfungen und Restriktionen bedeuten würde! Die Forderungen der Union zur Migrationspolitik sind inzwischen nahezu  deckungsgleich mit denen der AfD.

Heribert Prantl, Kommentator und Kolumnnist der Süddeutschen Zeitung, schrieb dazu in seiner politischen Wochenschau vor wenigen Tagen: „Wenn man die heutigen Äußerungen von Friedrich Merz zum Migrationsrecht analysiert, sollte man ein Interview lesen, das er seinerzeit, im März 2000, in seiner ersten Zeit als Unions-Fraktionschef gegeben hat. Er forderte damals dazu auf, sich in der Debatte ums Asylrecht von den Erfahrungen des Nationalsozialismus zu lösen: „Unsere Generation will sich nicht mehr derart in Haftung für unsere Vergangenheit nehmen lassen.“ So stand es damals in der Hamburger Zeitschrift Die Woche. Auch da werden ihm heute die AfDler zustimmen.“

Statt Versachlichung der Diskussion werden Emotionen geschürt

Der vermeintlich kausale Zusammenhang zwischen den Gewalttaten und der Migrationsfrage wird erst gar nicht hinterfragt. Dazu werden Schreckensszenarien an die Wand gemalt und falsche Erzählungen verbreitet, wie etwa die angebliche Zunahme von Massenvergewaltigungen durch Migranten – eine nicht belegbare Behauptung, die Friedrich Merz in einer Bundestagsdebatte aufstellte. Eine nüchterne Betrachtung von Zahlen würde zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen – aber die ist offenbar nicht gewollt. Die Asylbewerberzahlen und „illegalen“ Migranten sind im Vergleich zu 2023 spürbar zurückgegangen, „und auch die von Menschen mit keiner deutschen Staatsbürgerschaft verübten Gewalttaten sind im Vergleich zu denen von deutschen Staatsbürgern nicht überproportional gestiegen. Im Gegenteil: Laut der letzten Kriminalstatistik betrug der Anstieg pro 100.000 Menschen bei Nicht-Deutschen + 1,2 % und bei Deutschen dagegen + 2,2 %. Der Zuwachs von Gewalttaten deutscher Staatsbürger war also fast doppelt so hoch.“ (zit. nach: Johannes Weißbach: In die Falle getappt. In: Philosophie Magazin)

Nun sind rechte Narrative bekanntermaßen immun gegen Fakten, Zahlen und Argumente. Stattdessen werden Gefühle und Emotionen geschürt, es wird ein Klima der Angst und des Misstrauens verbreitet. 2023 hatten rund 17,1 Millionen Menschen ab 18 Jahren und damit ein Viertel (25 %) der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte. Zum Stichtag 31.12.2023 waren 13,9 Millionen Personen im Ausländerzentralregister erfasst. … Die Zahl der Schutzsuchender betrug zum Stichtag 3,1 Millionen (alle Zahlen lt. Statistisches Bundesamt).

„Dethematisierung“ als Mittel gegen fremdenfeindliche Debatten?

Wie mögen diese Menschen, von den viele seit Jahrzehnten in Deutschland leben, sich angesichts der aufgeheizten, aggressiven und fremdenfeindlichen Debatte wohl fühlen? Und was haben linke Parteien dem entgegenzusetzen, was in der Migrationspolitik von Union, FDP und AfD in großer Übereinstimmung gefordert wird? Der Philosoph und freie Journalist Friedrich Johannes Weißbach meint dazu, dass auch die linksstehenden Parteien sich nicht mit Ruhm bekleckert haben, sondern in die populistischen Fallen der AfD getappt sind und so ungewollt die Migrationsdebatte mit angeheizt haben. Stattdessen plädiert er für „Dethematisierung“, ein von Habermas eingeführter Begriff: „Man muss die Erkenntnisse der politikwissenschaftlichen Forschung ernst nehmen, die immer wieder darauf hinweist, dass je mehr Migration in der Öffentlichkeit thematisiert und problematisiert wird, die AfD an Zuwachs gewinnt. Ein bis dato noch nicht ausprobierter Ansatz wäre also, nicht mehr auf die Migrationsfrage als Kernthema der AfD einzugehen und ihre vielen Versuche, immer wieder auf dieses Thema zurückzukommen, als unplausibel bloßzustellen. „Nur die Dethematisierung“, so Jürgen Habermas in einem Interview 2016, „könnte dem Rechtspopulismus das Wasser abgraben.“   

Daraus leitet Weißbach die Forderung ab: „Die Debatte muss wegkommen von der Auseinandersetzung mit den von der AfD heraufbeschworenen Schimären.“ Eine zumindest bedenkenswerte These. Ob das aber in der überhitzten Debatte des Wahlkampfs funktioniert? Voraussetzung dafür wäre, dass auch die Medien in ihrer Berichterstattung, bei Talkshows und anderen Formaten dem Migrationsthema weniger Beachtung und anderen existenziellen Fragestellungen, wie zum Beispiel dem Klimaschutz, mehr Raum einräumen.

Und hier das oben erwähnte Video von Georg Schramm (leider in schlechter Bildqualität):