Wahlentscheidung schon getroffen? Keine Zeit, Wahlprogramme zu lesen oder sich durch die 38 Fragen des offiziellen Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) durchzuackern? Wir haben am Ende dieses Beitrags eine Kurzfassung zur politischen Meinungsbildung für Eilige erstellt – nur sieben Fragen beantworten, und schon erfahren Sie, welche Partei für Sie die richtige ist. Sie können auch stattdessen oder zusätzlich die dreiminütige Zusammenfassung der Rede anschauen, die Robert Habeck von den Grünen gestern, bei der letzten Sitzung des Bundestages vor der Wahl, gehalten hat:
Und hier der Kurz-Wahl-O-Mat:
Wir sollten an der Option Kernenergie festhalten: Unsere Atomkraftwerke sind sowas von sicher, und die strahlenden Abfälle lagern wir mit Hilfe von Elon Musk auf dem Mars ab
2. Bürgergeld abschaffen, wir brauchen eine Agenda für die Fleißigen: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Lieber die Reichen noch mehr entlasten
3. Recht auf Asyl abschaffen: Wir brauchen nicht nur ein Zustrombegrenzungsgesetz, sondern auch ein Abflussbeschleunigungsgesetz!
4. Weg mit dem Verbrennerverbot, kein Tempolimit auf deutschen Autobahnen: Freie Fahrt für freie Bürger!
5. Steuergeschenke für Gutverdienende, keineVermögenssteuer oder Vermögensabgabe, Abschaffung des Soli für die Besserverdienenden: Reich sein kann ganz schön anstrengend sein …
6. Klimaschutz zurückstellen: läuft ja nicht weg, das Klima
7. Abschaffung des Lieferkettengesetzes: Das nervt ja bloß
Und hier Ihre Auswertung:
War doch gar nicht so schwer, oder? Bei drei oder mehr Zustimmungen: Dann treffen Sie mit der CDU/CSU, FDP oder AfD eine gute Wahl, die Unterschiede sind marginal! Übrigens: Das und noch Schlimmeres steht tatsächlich so oder so ähnlich in den Wahlprogrammen dieser drei Parteien!
Der Wahlkampf ist so gut wie vorbei, in wenigen Tagen werden wir wissen, wer die neue Regierung stellen wird. Beim Anschauen der diversen Formate im Fernsehen – Triell, Wahlarena, Einzelinterviews, Talkrunden und was es sonst noch alles gibt, oder beim Studieren der Presseberichte über Portraits und Parteiprogramme machte sich zuletzt eine gewisse Ermüdung, Erschöpfung, wenn nicht gar Langeweile breit, angesichts der immer gleichen Argumente, Profilierungsversuche und Sprechblasen. Den beiden Kandidaten und der Kandidatin für die Kanzlerschaft, die seit Wochen im Dauereinsatz sind und dabei unter kritischer Beobachtung stehen, sei zugestanden, dass Wiederholungen bei so vielen öffentlichen Veranstaltungen, Presse- und Fernsehinterviews und Wahlkampfauftritten unvermeidbar sind. Das gilt auch für die GeneralsekretärInnen der kleineren Parteien wie FDP oder Linke. Irgendwann wusste man, welche Frage an welche Politikerin und welchen Politiker wie beantwortet wird, mit geringfügigen Nuancen.
Ständig drehte es sich um die immer gleichen, selbstbezogenen Themen wie Renten, Steuern, Energiewende, Tempolimit auf Autobahnen, Schulpolitik, Mindestlohn, Familienförderung, Mieten, usw. – Themen also, bei denen es um unsere sozialen Standards, unseren Wohlstand, unsere Sicherheit usw. geht und wie wir am besten unsere eigene Zukunft gestalten können. Ja, das ist alles wichtig und richtig und es interessiert uns Wählerinnen und Wähler, welche Programme die jeweiligen Parteien zu diesen Themen vertreten. Aber: Warum wurden viele wichtige Fragen gar nicht erst gestellt? Weder von der Moderation der drei Triell-Auftritte, noch bei Einzelinterviews oder Talkrunden und auch nicht im Wahlomat der Bundeszentrale für Politische Bildung? Wo und wann wurden die Parteien zu aktuellen globalen Herausforderungen befragt? Hat man etwas zu unserer Rolle als reiches Industrieland zur Prävention und Bewältigung internationaler Krisen und Konflikte gehört? Zur Armutsbekämpfung in der Welt? Zur weltweiten Flüchtlingsproblematik und zu unserer Migrationspolitik (die inzwischen zu einer Abschottungspolitik verkommen ist)? Hat irgendjemand das Wort Entwicklungspolitik im Wahlkampf gehört? Oder fairer Handel? Kinderarbeit? Billiglohnländer? Zunahme des Hungers in der Welt? Impfstoffapartheit? Kampf um Rohstoffe? Abholzung von Regenwäldern? Atomare Abrüstung? Rüstungsexporte?
Gut, beim Thema Klimaschutz war allen klar, dass es sich hierbei um eine globale Herausforderung handelt und dass es eine gemeinsame Anstrengung der internationalen Gemeinschaft braucht, um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen. Wenn es ansonsten, abgesehen vom Klimawandel, um internationale Themen ging, dann um die jüngste Entwicklung in Afghanistan und um Ja oder Nein zur NATO. Die Mitgliedschaft in der NATO wird außer von der Linken von keiner der etablierten Parteien in Frage gestellt. Lediglich bei der Frage, wie hoch der Anteil Deutschlands an den Kosten der NATO sein soll, unterscheiden sich die Positionen. Dabei wäre es ja wirklich mal eine ernsthafte Diskussion wert gewesen, ob ein im Kalten Krieg entstandenes Militärbündnis mit ständig steigenden Rüstungsausgaben von jetzt 1.100 Mrd. USD (2020) noch in die heutige sicherheitspolitische Landschaft passt oder ob nicht über neue Formen der globalen Friedenssicherung und eine neue Sicherheitsarchitektur nachgedacht werden müsste (Übrigens: Die Rüstungsausgaben Russlands im Vergleich zur NATO betragen 61,7 Mrd. USD, die der VR China 252 Mrd. USD).
Nicht nur das Rüstungsbudget der NATO ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Auch die Bundesrepublik hat ihre Rüstungsausgaben von 2000 (24,3 Mrd. €) bis 2021 (46,9 Mrd. €) fast verdoppelt. Mit den Kosten für einen einzigen Eurofighter (145 Mio. €) könnten die jährlichen Ausgaben für den Zivilen Friedensdienst (55 Mio. €) für drei Jahre finanziert werden. Die deutschen Rüstungsexporte waren, jedenfalls nach meinen Beobachtungen, ebenfalls kein Thema im Wahlkampf. Für weitere Details zum Thema Rüstung empfehle ich das ganz aktuelle Factsheet Rüstung der Informationsstelle Militarisierung e.V. Tübingen.
Vermutlich würden die Parteien und die Medien, auf die hier beschriebenen thematischen Defizite und Lücken im Wahlkampf angesprochen, darauf verweisen, dass die Wählerinnen und Wähler sich dafür nicht sonderlich interessieren. Dennoch sollten angeblich unpopuläre Themen gerade im Wahlkampf nicht ausgeklammert werden.
2021 darf wieder viel gewählt werden. Außer der Bundestagswahl im September wird in sechs Bundesländern gewählt. Zwei haben das schon erledigt: Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Bundeszentrale für Politische Bildung bietet wieder das interaktive Wahltool Wahl-O-Mat an. Gibt´s natürlich auch als App für´s Smartphone.
Der Nachteil dieses inzwischen von vielen Menschen genutzten Instruments: Die wirklich wichtigen und relevanten Fragen und Streitthemen werden gar nicht abgefragt. Nur so langweilige Sachen wie: Reduzierung des CO2-Ausstoßes, mehr Geld für Rüstung, Abschaffung des Euro, und so weiter.
Neben dem offiziellen Fragenkatalog bieten wir hier die Möglichkeit, sich zu weiteren schwer relevanten Zukunftsfragen eine Meinung zu bilden. Bitte die Tabelle ausschneiden, ausfüllen und an den Verfasser des Blogs zurückschicken (Wir werden Ihre Antworten selbstverständlich unter Missachtung des Datenschutzes an den Verfassungsschutz weiterleiten). Unter den ersten 1000 Teilnehmern verlosen wir drei attraktive Preise: Erster Preis: Das neue Buch von Michael Grandt über die Klimahysterie, erschienen im Kopp-Verlag (würg): Kommt die Klimadiktatur? Zweiter Preis: Eine gebrauchte Zahnspange von Greta Thunberg. Dritter Preis: Ein Besuch in der Redaktion dieses Blogs mit der Möglichkeit, den Blogger Jürgen Lieser persönlich kennenzulernen und zu beschimpfen.
…………………………………………………….. hier absägen ………………………………………………………………………………..
Wie stehen Sie, wie stehst Du zu:
Stimme zu
Stimme nicht zu
Ist mir egal
Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten bis zur Höhe von 29,95 € sind offenzulegen. Bagatellbeträge über 100.000 Euro bleiben unberücksichtigt
Einführung von „Warte warte nur ein Weilchen“ als verbindliche Warteschlangenmusik
Betäubungslose Kastration von Autoposern
Wiedereinführung der Todesstrafe für auf Radwegen falschparkende Lieferdienstfahrer*innen (Ausnahme: Ottoversand, da habe ich gerade was bestellt)
Umwidmung der Nordstream-2-Pipeline zur längsten Röhrenrodelbahn der Welt
Keine neuen Atomraketen, bevor die alten nicht verbraucht sind
Flache Hierarchien
Strategische Partnerschaft mit den Fidschi-Inseln
6-wöchiges Umerziehungslager in Nordkorea für #allesdichtmachen- Schauspielerinnen und Schauspieler
Ablösung von Regierungssprecher Seibert durch Bernd das Brot