Was Olaf Scholz von Taylor Swift lernen kann
Veröffentlicht: 28. September 2024 | Autor: Jürgen Lieser | Abgelegt unter: Demokratie, Innenpolitik, Wahlen | Tags: Bundestagswahlen, Kanzler, Olaf Scholz | 2 KommentareDas Rennen um die Kanzlerschaft ist eröffnet. Scholz will unbedingt Kanzler bleiben, Merz will ihn aus dem Amt vertreiben. Söder hätte auch gerne gewollt, aber er „ist fein“ mit Merz. Sagt er. Für die AfD geht Alice Weidel ins Rennen. Die Grünen und die FDP haben sich noch nicht erklärt. Wenn, dann kommen wohl nur Habeck und Lindner in Frage. Wobei: Wollt ihr im Ernst eine Kanzlerkandidatur anmelden, wenn ihr gerade mal froh sein könnt, die Fünfprozenthürde zu schaffen? Sarah Wagenknecht vom BSW sagt: Wenn alle kleinen Parteien einen Kanzlerkandidaten stellen (sie gendert nicht), dann müssen wir notgedrungen auch. Dreimal darf geraten werden, wer das dann sein wird.
Wir wollen hier in den nächsten Monaten die Kandidatinnen und Kandidaten für die Kanzlerschaft unter die Lupe nehmen, ihre jeweiligen Erfolgsaussichten analysieren und Empfehlungen für einen erfolgreichen Wahlkampf geben. Den Anfang macht Olaf Scholz.
Mehr Glitzer
Was Olaf Scholz, aber auch die anderen Aspiranten von Taylor Swift lernen können: Für seine öffentlichen Auftritte wäre mehr Glitzer hilfreich. Taylor Swift ist eine Pop-Ikone mit Kultstatus. Sie ist überaus erfolgreich im Musikgeschäft, sieht gut aus, setzt sich für Frauenrechte ein, hat Millionen von Fans, die sich Swifties nennen und für ein Konzert ihres Idols um die halbe Welt reisen. Das alles kann Olaf Scholz nicht für sich in Anspruch nehmen. Sein Aussehen, sein Auftreten, seine gesanglichen Fähigkeiten, seine Fans – da gibt es doch einen deutlichen Abstand zu Swift. Die Zahl der Scholzies ist noch sehr überschaubar. Scholz muss also noch hart an seinem Kultstatus arbeiten und seine Beliebtheitswerte beim ZDF-Politbarometer oder auf dem Likeometer (www.likeometer.co in die Höhe treiben. Das fängt mit der Körperhaltung an: Warum immer die linke Hand stocksteif am mittleren Knopf des Jackets halten? Warum sich beim Staatsempfang in der Türkei nicht mal in den Schritt greifen? Erdogan würde das sofort als Zeichen der Solidarität verstehen.
Herr Ober, bitte eine Portion Führung!
Scholz muss sich unbedingt als Markenzeichen einen anderen Spruch ausdenken. „Wer bei mir Rührei bestellt, der bekommt Rührei“ reißt die Wählerschaft nicht aus dem Tiefschlaf. Donald Trump hat sein MAGA (Make America Great Again). Otto Rehagel sein „Hier kann jeder sagen, was ich will“ und Boris Pistorius sein „Wir müssen kriegstauglich werden“. Damit hat er es glatt zum beliebtesten Politiker Deutschlands geschafft. Was könnte man Scholz empfehlen? „You’ll never walk alone?“ „Man muss dafür Sorge tragen“? „Daran kann ich mich nicht mehr erinnern?“
Wie man die Jugend gewinnt
Wenn Scholz den Bundestag betritt, dann meistens mit seiner legendären, speckigen Aktentasche. Manchmal schleppt er sie auch bei offiziellen Anlässen mit sich. Was da alles so drin ist, hat er neulich mal auf TikTok zum Besten gegeben. Ob er damit mehr Anhänger unter den jugendlichen Wählern gewinnen konnte? Dafür müsste Scholz schon eher mal mit dem Skateboard in den Bundestag rauschen, mit weißen Sneakers und einem Hoodie mit „Fuck AfD“-Aufdruck bekleidet, und zu seinem Vizekanzler Habeck sagen: „Ey Digga, der Merz macht wieder voll Stress. Ich mach aber heute eher auf Lock“. Oder wäre das etwa mega cringe?
Das schlumpfige Grinsen muss weg
Der schwierigste Part für Scholz dürfte sein, sich sein schlumpfiges „Das weiß ich besser-Grinsen“ abzugewöhnen und stattdessen bei jedem öffentlichen Auftritt ein gewinnendes, strahlendes Lächeln aufzusetzen – abzuschauen bei Kamala Harris. Damit könnte er das Sparkassenfilialleitergesicht seines schärfsten Konkurrenten Friedrich Merz, den die Frauen nicht mögen, aus dem Rennen werfen. Ollie, mach dich locker!
Gruppenbild mit Dame: Auf der Suche nach einer neuen Regierung
Veröffentlicht: 30. September 2021 | Autor: Jürgen Lieser | Abgelegt unter: Allgemein, Innenpolitik, Wahlen | Tags: Annalena Baerbock, Bündnis 90 / Die Grünen, Bundestagswahlen, Christian Lindner, FDP, Robert Habeck, Volker Wissing | Hinterlasse einen KommentarDas lässt sich ja schon mal gut an: Annalena Baerbock und Robert Habeck von den Grünen und Christian Lindner und Volker Wissing von der FDP „auf der Suche nach einer neuen Regierung …loten Gemeinsamkeiten und Brücken über Trennendes aus“ – wie es zu diesem über die sozialen Medien verbreiteten Selfie heißt.

Interessantes Detail: Anscheinend hat sich Robert Habeck dabei zu sehr in den Vordergrund gedrängt, denn die anderen Drei haben ein abgeschnittenes Foto mit nur einem halben Robert veröffentlicht.

Damit der mal nicht zu frech wird und sich jetzt schon als Vizekanzler geriert? Oder wie soll man das verstehen?
Das Foto lässt keine Rückschlüsse auf Inhalte zu. Alle haben einen entspannten Gesichtsausdruck, im Hintergrund eine offene Tür. Hat man im Escape-Room gerade den Schlüssel zum Ausgang gefunden? Haben sich alle schon mal das Du angeboten – man steht sehr eng beieinander? Haben Lindner und Habeck sich auf eine einheitliche Bartlänge geeinigt, gewissermaßen als ersten Schritt zu gemeinsamer Regierungsverantwortung?
Die Suche nach den „Brücken über Trennendes“ dürfte alles andere als einfach werden – da sind große Spannweiten gefragt. Und genaue statische Berechnungen. Denn: „Falsche Berechnungen von Architekten können dabei zum Einsturz des jeweiligen Bauvorhabens führen“ (siehe https://www.helpster.de/statik-beim-brueckenbau-einfach-erklaert_129512)
Wahlkampf mit Lücken
Veröffentlicht: 21. September 2021 | Autor: Jürgen Lieser | Abgelegt unter: Allgemein, Gesellschaft, Innenpolitik, Internationale Politik, Wahlen | Tags: Bundestagswahlen, Wahl-O-Mat, Wahlkampf | 2 KommentareDer Wahlkampf ist so gut wie vorbei, in wenigen Tagen werden wir wissen, wer die neue Regierung stellen wird. Beim Anschauen der diversen Formate im Fernsehen – Triell, Wahlarena, Einzelinterviews, Talkrunden und was es sonst noch alles gibt, oder beim Studieren der Presseberichte über Portraits und Parteiprogramme machte sich zuletzt eine gewisse Ermüdung, Erschöpfung, wenn nicht gar Langeweile breit, angesichts der immer gleichen Argumente, Profilierungsversuche und Sprechblasen. Den beiden Kandidaten und der Kandidatin für die Kanzlerschaft, die seit Wochen im Dauereinsatz sind und dabei unter kritischer Beobachtung stehen, sei zugestanden, dass Wiederholungen bei so vielen öffentlichen Veranstaltungen, Presse- und Fernsehinterviews und Wahlkampfauftritten unvermeidbar sind. Das gilt auch für die GeneralsekretärInnen der kleineren Parteien wie FDP oder Linke. Irgendwann wusste man, welche Frage an welche Politikerin und welchen Politiker wie beantwortet wird, mit geringfügigen Nuancen.
Ständig drehte es sich um die immer gleichen, selbstbezogenen Themen wie Renten, Steuern, Energiewende, Tempolimit auf Autobahnen, Schulpolitik, Mindestlohn, Familienförderung, Mieten, usw. – Themen also, bei denen es um unsere sozialen Standards, unseren Wohlstand, unsere Sicherheit usw. geht und wie wir am besten unsere eigene Zukunft gestalten können. Ja, das ist alles wichtig und richtig und es interessiert uns Wählerinnen und Wähler, welche Programme die jeweiligen Parteien zu diesen Themen vertreten. Aber: Warum wurden viele wichtige Fragen gar nicht erst gestellt? Weder von der Moderation der drei Triell-Auftritte, noch bei Einzelinterviews oder Talkrunden und auch nicht im Wahlomat der Bundeszentrale für Politische Bildung? Wo und wann wurden die Parteien zu aktuellen globalen Herausforderungen befragt? Hat man etwas zu unserer Rolle als reiches Industrieland zur Prävention und Bewältigung internationaler Krisen und Konflikte gehört? Zur Armutsbekämpfung in der Welt? Zur weltweiten Flüchtlingsproblematik und zu unserer Migrationspolitik (die inzwischen zu einer Abschottungspolitik verkommen ist)? Hat irgendjemand das Wort Entwicklungspolitik im Wahlkampf gehört? Oder fairer Handel? Kinderarbeit? Billiglohnländer? Zunahme des Hungers in der Welt? Impfstoffapartheit? Kampf um Rohstoffe? Abholzung von Regenwäldern? Atomare Abrüstung? Rüstungsexporte?
Gut, beim Thema Klimaschutz war allen klar, dass es sich hierbei um eine globale Herausforderung handelt und dass es eine gemeinsame Anstrengung der internationalen Gemeinschaft braucht, um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen. Wenn es ansonsten, abgesehen vom Klimawandel, um internationale Themen ging, dann um die jüngste Entwicklung in Afghanistan und um Ja oder Nein zur NATO. Die Mitgliedschaft in der NATO wird außer von der Linken von keiner der etablierten Parteien in Frage gestellt. Lediglich bei der Frage, wie hoch der Anteil Deutschlands an den Kosten der NATO sein soll, unterscheiden sich die Positionen. Dabei wäre es ja wirklich mal eine ernsthafte Diskussion wert gewesen, ob ein im Kalten Krieg entstandenes Militärbündnis mit ständig steigenden Rüstungsausgaben von jetzt 1.100 Mrd. USD (2020) noch in die heutige sicherheitspolitische Landschaft passt oder ob nicht über neue Formen der globalen Friedenssicherung und eine neue Sicherheitsarchitektur nachgedacht werden müsste (Übrigens: Die Rüstungsausgaben Russlands im Vergleich zur NATO betragen 61,7 Mrd. USD, die der VR China 252 Mrd. USD).

Nicht nur das Rüstungsbudget der NATO ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Auch die Bundesrepublik hat ihre Rüstungsausgaben von 2000 (24,3 Mrd. €) bis 2021 (46,9 Mrd. €) fast verdoppelt. Mit den Kosten für einen einzigen Eurofighter (145 Mio. €) könnten die jährlichen Ausgaben für den Zivilen Friedensdienst (55 Mio. €) für drei Jahre finanziert werden. Die deutschen Rüstungsexporte waren, jedenfalls nach meinen Beobachtungen, ebenfalls kein Thema im Wahlkampf. Für weitere Details zum Thema Rüstung empfehle ich das ganz aktuelle Factsheet Rüstung der Informationsstelle Militarisierung e.V. Tübingen.
Vermutlich würden die Parteien und die Medien, auf die hier beschriebenen thematischen Defizite und Lücken im Wahlkampf angesprochen, darauf verweisen, dass die Wählerinnen und Wähler sich dafür nicht sonderlich interessieren. Dennoch sollten angeblich unpopuläre Themen gerade im Wahlkampf nicht ausgeklammert werden.
Armin, Annalena oder Olaf: Wer kann Kanzler*in?
Veröffentlicht: 4. Juli 2021 | Autor: Jürgen Lieser | Abgelegt unter: Allgemein, Gesellschaft, Innenpolitik, Wahlen | Tags: Annalena Baerbock, Armin Laschet, Bundestagswahlen, Olaf Scholz | Hinterlasse einen KommentarZwei Männer und eine Frau bewerben sich um die Nachfolge von Angela Merkel als Regierungschef oder -chefin: Armin Laschet (CDU/CSU), Olav Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne). Andere Bewerber*innen um den Job sind bisher nicht bekannt. Eine/r von den Dreien wird´s wohl werden. Wer kann es werden? Wer wäre der bessere Kandidat, die bessere Kandidatin? Eine richtige Stellenausschreibung mit Anforderungsprofil, Eingangsvoraussetzungen usw. gibt es leider nicht, etwa so:
Wir (das deutsche Volk oder wer?) suchen für die Leitung der neuen Regierung ab Oktober 2021 eine führungsstarke Persönlichkeit (m/w/d/t/g/ob). Wir erwarten politische Weitsicht, emotionale Ausgeglichenheit, Durchsetzungsfähigkeit, Sitzfleisch für Nachtsitzungen, gepflegtes Äußeres, gendergerechte schriftliche und mündliche Ausdrucksfähigkeit, rhetorische Brillanz, Schlagfertigkeit, umfangreiche Detailkenntnisse in allen relevanten Politikfeldern, insbesondere Wirtschaft, Finanzen, Ökologie, Soziales, Bildung, Gesundheit, Innere Sicherheit, Verkehr, Steuern, Außen- und Sicherheitspolitik, und – last but not least – Charisma und sympathische Ausstrahlung. Jetzt darf mal kurz nachgedacht werden, wer von den bisherigen Menschen in diesem Amt alle genannten Eigenschaften und Fähigkeiten abdecken konnte: Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Angela Merkel? Na also.
Wir müssen also bereit sein, Abstriche zu machen. Was alle drei Kandidat*innen schon mal auszeichnet: Sie können Bücher. Wie auch immer diese zustande kommen.



Ganz frisch auf dem Markt ist Annalena Baerbocks „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern.“ Die Bücher von Olaf Schulz und Armin Laschet gehen, zumindest was der Titel verspricht, in eine ähnliche Richtung. Was auffällt ist das Buchcover: Armin Laschet im allertiefsten Nachtschwarz, Olaf Scholz, dem man alles Mögliche, aber keine Gefühlsinkontinenz nachsagen kann, adrett gekleidet und mit dem immer gleichen verkniffenen Lächeln (hat der Mann nur eine Mimik?), und Annalena Baerbock als Selbstbewusstsein ausstrahlende „Jetzt sind wir dran-Frau“ um die Vierzig. Daran ist im Grunde nichts zu mäkeln. Doch zurück zu der Frage: Können sie auch Kanzler oder Kanzlerin?
Armin Laschet und Olaf Scholz können Regierungserfahrung in die Waagschale werfen. Bei Olaf Scholz könnten noch ein paar Leichen im Keller liegen (Cum-Ex-Geschäfte der Warburg-Bank, Wirecard-Skandal). Sein rhetorisches Repertoire („Scholzomat“) ist überschaubar. Der rheinisch-katholisch-joviale Armin Laschet war mal Dommessdiener in Aachen, eine Funktion, in der man sehr viel Weihrauch inhalieren muss und keine Führungsqualitäten entwickeln kann. Seine Lehrtätigkeit an der RWTH Aachen endete unglücklich, nachdem sich herausgestellt hatte, dass Studenten von ihm eine Klausurnote erhielten, obwohl sie nicht an der Klausur teilgenommen hatten. Na ja, kann im Eifer des Gefechts mal passieren und ist ja auch schon lange her. Jetzt ist Laschet Ministerpräsident von NRW. Sein engster Berater und Chef der Staatskanzlei ist der knallkonservative und homophobe Nathanael Liminski („kein Sex vor der Ehe“). Sollte Laschet Kanzler werden, wird Liminski wohl der neue Helge Braun. Das verspräche höheren Entertainment-Faktor.
Bei Annalena Baerbock liegen die Dinge anders. Sie kann keine Erfahrung in einem Regierungsamt aufweisen. Eine gewisse Perfektion im Trampolinspringen kann helfen, das Gleichgewicht zu halten, wenn der Wind stark von der Seite bläst. Das große Halali zur Treibjagd auf Annalena tönt seit Wochen durch die Medienlandschaft. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat zwar mit ihrer Anzeigenschmutzkampagne „Wir brauchen keine Staatsreligion“ kein gutes Händchen bewiesen. Hans-Georg Maaßen, dem Rechtsaußen der CDU, verdanken wir den aufschlussreichen Hinweis auf den Zusammenhang zwischen dem vollen Namen von Annalena Charlotte Alma Baerbock und dem Slogan „All Cops Are Bastards“. Und natürlich gehört der Vorwurf, Passagen in Baerbocks Buch seien abgeschrieben, schon zum Standardrepertoire von Hetzkampagnen. Die Ausgangsfrage „Wer kann Kanzler*in“ ist nicht abschließend zu beantworten. In aller Bescheidenheit: Nicht dass ich selbst an eine Bewerbung denken würde, aber es gibt durchaus prägende Etappen in meinem Lebenslauf, die mir helfen würden, den hohen Anforderungen an das Amt des Bundeskanzlers gerecht zu werden: Als Schülerlotse im Kindesalter habe ich durch aktive Eingriffe in den Straßenverkehr Durchsetzungsvermögen und Machtinstinkt bewiesen. Beim regelmäßigen Blutspenden in der Studienzeit zum Zwecke des wirtschaftlichen Überlebens wurden mir tiefe Einblicke in die politischen Handlungsfelder Gesundheit, Wirtschaft und Soziales ermöglicht. Nein, gedient habe ich nicht, aber Kriegsdienst verweigern und als „Entwicklungshelfer“ unterentwickelten Naturvölkern die Segnungen der westlichen Zivilisation beizubringen, sind gute Voraussetzungen für eine auf eigene wirtschaftliche und machtpolitische Interessen ausgerichtete Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik. Einzig an meinem äußeren Erscheinungsbild müsste ich noch arbeiten – obwohl, es gibt vergleichbare Präzedenzfälle:


Und falls jetzt jemand ruft: Zu alt! -, was bitte schön ist dann mit Winfried Kretschmann, gerade wiedergewählter Ministerpräsident von Baden-Württemberg, oder UN-Generalsekretär António Guterres, ebenfalls für eine weitere Amtszeit wiedergewählt – beide mein Jahrgang 1948? Und erst Joe Biden, Jahrgang 1942??
Aber wie gesagt, ich sehe von einer Bewerbung ab, obwohl ich mich durchaus für geeignet halte. Mir wäre der Job zu stressig. Auf die Siesta nach dem Mittagessen müsste ich meistens verzichten, und der Hund käme auch nicht auf seine Kosten, dito die Frau. Will man das? Nein.
Bundestagswahl: Was hinten rauskommt
Veröffentlicht: 26. Juni 2021 | Autor: Jürgen Lieser | Abgelegt unter: Gesellschaft, Innenpolitik, Wahlen | Tags: Angela Merkel, Bundestagswahlen, Helmut Kohl, Max Weber | Hinterlasse einen KommentarVon Angela Merkel wird gesagt, dass sie vom Ende her denkt. Für Helmut Kohl war wichtig, was hinten rauskommt. Wir wissen nicht, ob mit solchen Formulierungen gemeint ist, dass der Enddarm als Ersatzorgan für das Gehirn herhalten soll. Als gewiss kann gelten, dass sich im Hirn mancher Menschen Vorgänge abspielen, die eher zum Untersuchungsgebiet von Proktologen gehören und die sich um die Verleihung des Original-Hirnfurzsiegels bewerben können.
Merkel und Kohl sind hier ausdrücklich nicht gemeint. Beide haben offenbar ihren Max Weber gelesen. Der hat schon 1919 in seinem Vortrag „Politik als Beruf“ (gibt´s als Reclam Universal Bibliothek für 2,60 € im Buchhandel) die politischen Utopien in die Tonne getreten und statt Gesinnungsethik für eine Verantwortungsethik plädiert. Heißt im Klartext: Politiker – gegendert wurde damals noch nicht – sollten nicht auf ihre Wiederwahl schielen. Statt hehren, aber unrealistischen Utopien anzuhängen (Gesinnungsethik), sollten sie, also die Politiker, und das gilt jetzt auch für die Politikerinnen, lieber das Ergebnis ihres Handels im Auge behalten (Verantwortungsethik). Was hinten rauskommt.
Was könnte das für die kommende Bundestagswahl heißen? Das, liebe Leserin, lieber Leser dieses Blogs, ist die Hausaufgabe für die nächsten Wochen: Schaut Euch die Wahlprogramme der Parteien genau an! Ja ok, es gibt zweifellos Vergnüglicheres als die Lektüre von Wahlprogrammen. Aber das Fernsehprogramm am Wochenende ist ja mindestens genauso langweilig und dröge. Da dürfen wir wählen zwischen Rosamunde Pilcher, Oliver Welke und „Dickes Deutschland – Unser Leben mit Übergewicht – Krisen, Kilos und Karriere“. Peter Altmeier, und diese Assoziation ist jetzt wirklich ganz zufällig, ist gerade in die USA geflogen. Angela Merkel soll auch bald, am 15. Juli, dorthin fliegen. Dabei gibt es doch einen travel ban für Deutsche, die in die USA reisen wollen? Cool wäre natürlich, die Kanzlerin würde wie Greta Thunberg mit dem Segelboot über den Atlantik schippern und damit zeigen, wie ernst es ihr mit dem Klimawandel ist. Aber das wäre ja schon wieder Gesinnungsethik. Mal sehen, was hinten rauskommt, bei den Wahlen.
Was soll man bloß wählen?
Veröffentlicht: 26. September 2020 | Autor: Jürgen Lieser | Abgelegt unter: Gesellschaft, Wahlen | Tags: Bundestagswahlen, Landtagswahlen | Hinterlasse einen KommentarEin Ratgeber für unentschlossene Wählerinnen und Wähler (Teil I)
2021 stehen Wahlen an: Am 14. März 2021 für den Landtag Baden-Württemberg, und im September für den Deutschen Bundestag (der Termin steht noch nicht fest, wahrscheinlich am 19. oder 26. September). Es bleibt also noch Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, welcher Kandidatin, welcher Partei man seine Stimme geben möchte.
Wir wollen auf diesem Blog ab jetzt, zwölf Monate vor der Bundestagswahl und sechs Monate vor der Landtagswahl, Orientierungshilfe geben und uns dabei eher auf die kleinen, weniger im Bewusstsein präsenten Parteien konzentrieren. Wir gehen davon aus, dass die großen etablierten Parteien (CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen/FDP, Die Linke, AfD) den stets gut informierten Leser*innen unseres Blogs hinlänglich bekannt sind. Heute also mal ein paar Alternativen.

Zum Beispiel „Die Violetten – für spirituelle Politik“. Ja, warum denn nicht. Von unspiritueller Politik haben wir ja alle irgendwie die Nase voll. Die Landesvorsitzende von NRW, Marion Schmitz, bekennt: „Meine Denke spielte sich hauptsächlich in meinem Verstand, meinem linken Gehirn, ab“, dass sie aber inzwischen gelernt hat, ihre „beiden Gehirnhälften zu benutzen“. Das ist doch schon mal eine gute Nachricht.
Ähnlich gestrickt ist die Partei „Menschliche Welt – für das Wohl und Glücklichsein aller„. Wer wollte das nicht. Näheres kann man/frau erfahren bei Veranstaltungen wie: Meditation und Mantra-Singen mit Dada Madhuvidyananda.

Der Dada, wie er sich nennt und der eigentlich Michael Moritz heißt, ist der Gründer der Partei. Mit 19 Jahren widmete er sein Leben der Erkenntnis der höchsten Wahrheit und dem Wohl aller Wesen. Er wurde Yoga Mönch und spiritueller Lehrer. Vielleicht hilft ja Mantra-Singen gegen die Erderwärmung?
Die Partei „ARMINIUS – Bund des deutschen Volkes“ (ARMINIUS – Bund, ) ist eine noch junge Partei, die im ultrarechten politischen Spektrum aktiv ist. Der 2013 gegründete ARMINIUS – Bund sieht sich als Vertretung für Russlanddeutsche. Er tritt u.a. für eine „richtige“ Verfassung anstelle des Grundgesetzes ein, finanzielle Unterstützung für Mütter deutscher Kinder und einen NATO-Austritt. Im Mittelpunkt des Programmes des ARMINIUS – Bundes stehen Begriffe wie Volk und Abstammung. Energiepolitisch setzt er auf eine Allianz mit Russland. Na, dann: Russlanddeutsche aller Länder, vereinigt Euch!

Das sollte mal für´s Erste reichen. Noch etwas: Wer es gerne einfach möchte und z.B. für die Auszahlung des Kindergeldes nur an deutsche Kinder ist, der findet bei der Partei „Die Rechte“ https://die-rechte.net/ seine politische Heimat: „Hol Dir Deine Stadt zurück!“

