Veröffentlicht: 2. Dezember 2021 | Autor: Jürgen Lieser | Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Bundeswehr, Gesellschaft, Innenpolitik | Tags: Angela Merkel, Großer Zapfenstreich, Sebastian Kurz |
Das kann doch kein Zufall sein: Abschied von Angela Merkel und Sebastian Kurz am gleichen Tag! Merkels Musikwunsch zu ihrem Abschied aus dem Amt der Bundeskanzlerin beim Großen Zapfenstreich: „Du hast den Farbfilm vergessen“ von der punkigen Nina Hagen. Kann das Bundeswehr-Orchester das überhaupt? Wie man hört, waren die Musiker davon überrascht und mussten länger üben. Das wäre nicht nötig gewesen, hätte sich Merkel stattdessen gewünscht: „Wie oft sind wir geschritten, auf schmalen Negerpfad“. Das hätte die Bundeswehr vermutlich ohne lange zu üben hingekriegt (Siehe meinen Blogbeitrag vom 21. November).
Angela: Warum hast Du nicht „Angie“ von den Stones gewählt? („Angie, du bist wunderschön, aber ist es nicht langsam Zeit Auf Wiedersehen zu sagen?“) Auch hätten sich noch andere Titel angeboten: „Morgen muss ich weg von hier“, „Ach sie naht die Abschiedsstunde“, „Zeig uns zum Abschied noch einmal die Raute“. Wir erwarten eine Erklärung für Deine Liedauswahl.
Sebastian Kurz, Ex-Kanzler von Österreich, dieser smarte, glatte Typ, der jede Schwiegermutter zu orgiastischen Gefühlswallungen bringen dürfte, will sich, so hören wir heute, vollständig aus der Politik zurückziehen. Der Grund: Die Geburt seines Sohnes vor wenigen Tagen (schluchz! schneuz!). Die Korruptionsvorwürfe gegen ihn haben da garantiert überhaupt keine Rolle gespielt. Basti: Echt jetzt? Mit 35 Jahren Rückzug aus der Politik? Wie das? Und was willst du denn jetzt machen, außer Windeln zu wechseln? Und welches Lied hättest Du dir zum Abschied gewählt? Vielleicht das hier: „Gehts Buama gehma hoam, was nutzt dös Ummaloahn? Was nutzt dös Ummastehn? Hoam müaß ma gehn!“
Eins steht jedenfalls fest: Wir werden euch, Angie und Basti, vermissen. Die eingewechselten Ersatzspieler Olaf Scholz und Alexander Schallenberger können euch emotional und performancemäßig nicht das Wasser reichen.
Veröffentlicht: 26. Juni 2021 | Autor: Jürgen Lieser | Abgelegt unter: Gesellschaft, Innenpolitik, Wahlen | Tags: Angela Merkel, Bundestagswahlen, Helmut Kohl, Max Weber |
Von Angela Merkel wird gesagt, dass sie vom Ende her denkt. Für Helmut Kohl war wichtig, was hinten rauskommt. Wir wissen nicht, ob mit solchen Formulierungen gemeint ist, dass der Enddarm als Ersatzorgan für das Gehirn herhalten soll. Als gewiss kann gelten, dass sich im Hirn mancher Menschen Vorgänge abspielen, die eher zum Untersuchungsgebiet von Proktologen gehören und die sich um die Verleihung des Original-Hirnfurzsiegels bewerben können.
Merkel und Kohl sind hier ausdrücklich nicht gemeint. Beide haben offenbar ihren Max Weber gelesen. Der hat schon 1919 in seinem Vortrag „Politik als Beruf“ (gibt´s als Reclam Universal Bibliothek für 2,60 € im Buchhandel) die politischen Utopien in die Tonne getreten und statt Gesinnungsethik für eine Verantwortungsethik plädiert. Heißt im Klartext: Politiker – gegendert wurde damals noch nicht – sollten nicht auf ihre Wiederwahl schielen. Statt hehren, aber unrealistischen Utopien anzuhängen (Gesinnungsethik), sollten sie, also die Politiker, und das gilt jetzt auch für die Politikerinnen, lieber das Ergebnis ihres Handels im Auge behalten (Verantwortungsethik). Was hinten rauskommt.
Was könnte das für die kommende Bundestagswahl heißen? Das, liebe Leserin, lieber Leser dieses Blogs, ist die Hausaufgabe für die nächsten Wochen: Schaut Euch die Wahlprogramme der Parteien genau an! Ja ok, es gibt zweifellos Vergnüglicheres als die Lektüre von Wahlprogrammen. Aber das Fernsehprogramm am Wochenende ist ja mindestens genauso langweilig und dröge. Da dürfen wir wählen zwischen Rosamunde Pilcher, Oliver Welke und „Dickes Deutschland – Unser Leben mit Übergewicht – Krisen, Kilos und Karriere“. Peter Altmeier, und diese Assoziation ist jetzt wirklich ganz zufällig, ist gerade in die USA geflogen. Angela Merkel soll auch bald, am 15. Juli, dorthin fliegen. Dabei gibt es doch einen travel ban für Deutsche, die in die USA reisen wollen? Cool wäre natürlich, die Kanzlerin würde wie Greta Thunberg mit dem Segelboot über den Atlantik schippern und damit zeigen, wie ernst es ihr mit dem Klimawandel ist. Aber das wäre ja schon wieder Gesinnungsethik. Mal sehen, was hinten rauskommt, bei den Wahlen.