Bundeswehr in Mali: Heia Safari?
Veröffentlicht: 21. November 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Bundeswehr, Pazifismus | Tags: Bundeswehr, Mali 5 KommentareWas macht die Bundeswehr in Mali? Sie beteiligt sich mit ca. 900 Soldatinnen und Soldaten an der UN-Blauhelm-Mission MINUSMA (Mission multidimensionnelle intégrée des Nations Unies pour la stabilisation au Mali). Der Einsatz ist politisch umstritten und gilt als gefährlich. Zuletzt wurden auch Bundeswehrangehörige bei einem Sprengstoffanschlag schwer verletzt. Aber hier soll es mal nicht um eine politische Bewertung dieses Auslandseinsatzes deutscher Soldatinnen und Soldaten gehen. Sondern um die Frage, was unsere Jungs – auch Mädels sind dabei – abends so singen, während sie ihre aus Deutschland eingeflogenen Bierrationen verzehren. Hat die Bundeswehr eigentlich auch ein eigenes Liedgut? Ja, hat sie. Bis vor kurzem noch sang die Truppe aus dem Liederbuch „Kameraden singt“ das bei den Nazis beliebte „Panzerlied“ oder „Schwarzbraun ist die Haselnuss“. Und – haltet euch fest – „Deutschland, Deutschland über alles“. Wegen solcher und anderer Peinlichkeiten hat das Verteidigungsministerium das Liederbuch 2017 aus dem Verkehr gezogen. Ein neues ist angeblich in Vorbereitung.
Ob das vom Bund deutscher Fallschirmjäger 1983 herausgegebene Liederbuch noch im Gebrauch ist, wissen wir nicht. Das enthaltene Liedgut knüpft auch hier nahtlos an die militaristische Tradition des Dritten Reiches an.
Vielleicht wird das alte Liedgut dennoch weiter gepflegt. Unter geographischen Aspekten würde es sich anbieten, in Mali das Lied von den Trägern und Askari – heia, heia, Safari zu singen: „Wie oft sind wir geschritten auf schmalem Negerpfad…“ – dieses dem Genre der Kolonialismus-Lieder zugeordnete Stück hat der Komponist Robert Götz um 1920 zu einem Text von Hans Riedel geschrieben. Von ihm stammen auch so Knaller wie „Gebt Raum, ihr Völker, unserm Schritt“ oder „Wildgänse rauschen durch die Nacht“ – was dann endet mit „Und fahrn wir ohne Wiederkehr, rauscht uns im Herbst ein Amen“.
Die Nazis haben diese und andere kriegsverherrlichende Lieder gerne der Jugend in ihren Liederbüchern empfohlen. Für das neue Liederbuch der Bundeswehr müsste das mit dem heia Safari natürlich politisch korrekt heißen: „Wie oft sind wir geschritten, auf schmalem N-Wort Pfad“ – würde auch rhythmisch gut passen. Ich habe „Heia Safari“ und „Wildgänse“ in meiner Jugend auch noch voller Imbrunst und ohne Nachdenken gesungen. Sind ja irgendwie auch schöne eingängige Melodien. Über die Texte haben wir jungen Leute damals nicht weiter nachgedacht. Nachdenken darüber sollte man aber von der Bundeswehr schon erwarten.
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[…] sowie „Deutschland, Deutschland über alles“ gegröhlt wurde (mehr dazu auf diesem Blog unter: Bundeswehr in Mali: Heia Safari?), hat die Bundeswehr nun einen eigenen Song kreiert: „Ein Teil vom Wir.“ Das ist […]
[…] Das kann doch kein Zufall sein: Abschied von Angela Merkel und Sebastian Kurz am gleichen Tag! Merkels Musikwunsch zu ihrem Abschied aus dem Amt der Bundeskanzlerin beim Großen Zapfenstreich: „Du hast den Farbfilm vergessen“ von der punkigen Nina Hagen. Kann das Bundeswehr-Orchester das überhaupt? Wie man hört, waren die Musiker davon überrascht und mussten länger üben. Das wäre nicht nötig gewesen, hätte sich Merkel stattdessen gewünscht: „Wie oft sind wir geschritten, auf schmalen Negerpfad“. Das hätte die Bundeswehr vermutlich ohne lange zu üben hingekriegt (Siehe meinen Blogbeitrag vom 21. November). […]
Lieber Manfred, da ich nicht wirklich weiß, ob die Truppe überhaupt noch singt – aber wenn schon, dann würde ich natürlich vorschlagen „Sag mir wo die Blumen sind“, oder „Es ist an der Zeit“, oder „Nein, meine Söhne geb ich nicht“. Diese Lieder werden aber kaum im neuen Liederbuch für die Bundeswehr stehen. Würde mich jedenfalls wundern.
Gruselig, wenn ich mir vorstelle, dass „unsere Bürgerinnen u. Bürger in Uniform“ mit diesem Liedgut ausgestattet irgendwo in der Welt unsere Werte vermitteln und verteidigen sollen. Da kann ich nur auf die mangelnden Deutschkenntnisse in den Gastländern hoffen.
Nötig ist omni-laterale Abrüstung. Mehr dazu auf meiner Internetseite (bitte auf meinen Nick-Namen klicken).