„Dann wird dieses ganze Zeug abgeschafft!“ Was Höcke, Weidel und Konsorten wirklich wollen

Björn Höcke ist gerade mal wieder bei der versuchten Machtergreifung in Thüringen erwischt worden. Alice Weidel schwärmt im ZDF-Sommerinterview davon, dass die AfD bald die Regierung stellen wird: „Dann wird dieses ganze Zeug abgeschafft“ – womit sie Maßnahmen gegen den Klimaschutz, Windräder, Verbrennerverbot, den Verfassungsschutz, den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, das Einfliegen von Afghanen und sonst noch so´n Zeug meint. Alle Syrer werden abgeschoben und „solche Leute wie aus Ceuta“ kommen gar nicht mehr bei uns rein. Dann ist Schluss mit den alltäglichen Messerattacken und Gruppenvergewaltigungen. „In Deutschland wird alles kaputtgemacht“, so Weidel im besagten Interview, weil „irgendwelche Flachzangen“ an der Regierung sind.

Seit wann ist „Flachzangen“ ein Schimpfwort für angeblich unfähige Regierungsmitglieder? Herbert Wehner wären dafür bessere Beleidigungen eingefallen. Und was will Höcke uns damit sagen, man könne den Zustand der Gesellschaft an den Autobahntoiletten erkennen? Will er, wie bei Sanifair, einer regelmäßigen hygienischen Reinigung der Gesellschaft das Wort reden?

Der Welterklärer Höcke weiß auch in anderer Hinsicht schwer Bescheid. In einem Podcast der Schweizer „Weltwoche“ dozierte er über deutsche Identitäten: „Im Westen der Republik gibt es deutsch sprechende Amerikaner, im Osten der Republik wohnen deutsch sprechende Deutsche, nur im Osten seien die Menschen noch Deutsche“. Uff, das gibt zu denken.

Glaubt man der AfD, dann geht in Deutschland alles den Bach runter. Zu Zeiten des Kalten Krieges, als die Welt noch sauber in einen kapitalistischem Westen und einen kommunistischem Osten aufgeteilt war, wurde Kritikern an den Zuständen unserer Gesellschaft gerne entgegengeschleudert: „Dann geh doch nach drüben!“ Das kann man heute nicht mehr bringen. Es böte sich allerdings an, den AfD-Nörglern zu empfehlen: „Dann geh doch nach Afghanistan!“ Dort dürften die AfDler auf ein ihnen genehmes Frauen- und Familienbild treffen. Die Taliban stehen zudem nicht im Verdacht, für konsequenten Klimaschutz, eine unabhängige Presse und eine liberale Kulturpolitik zu kämpfen. Weitere übereinstimmende Interessen wie etwa Verbot unabhängiger NGOs und zivilgesellschaftlicher Gruppierungen ließen sich sicher finden.

Wie man unliebsame Menschen gegen ihren Willen nach Afghanistan umsiedelt – im AfD-Jargon remigriert – kann man von Abschiebeminister Alexander Dobrinth erfahren. Er braucht allerdings von den bärtigen Kollegen am Hindukusch deren Einverständnis für jeden Einzelfall. Und das werden sich die Taliban im Falle von Höcke, Weidel, Chrupalla, Frohnmaier, Baumann und Konsorten vermutlich zweimal überlegen.

Werden wir uns also mit dem Gedanken einer AfD-geführten Regierung anfreunden müssen? Dann muss unsere Freiheit nicht mehr am Hindukusch, sondern vor der eigenen Haustür verteidigt werden – und zwar bevor „dieses ganze Zeug“ – siehe oben – abgeschafft ist.


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One Comment on “„Dann wird dieses ganze Zeug abgeschafft!“ Was Höcke, Weidel und Konsorten wirklich wollen”

  1. Avatar von Unbekannt Anonym sagt:

    gegen die braune gefahr hilft nur noch beten? nein, für alle demokratInnen gilt obendrein: jetzt erst recht aktiv dagegen angehen!


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