Ferrarifahrer Ulf Poschardt über Ferrarifahrer: „Die Leute, die krasse Autos haben, fahren vorbildlich“

Heute mal ein Blogbeitrag für meine Abonnent*innen, die einen Ferrari Testarossa haben. So wie Ulf Poschardt. Sind wahrscheinlich nicht so viele, denn so ein Teil kostet um die 500.000 bis 650.000 €. Zu den Besonderheiten gehört: Die Leute, die so einen Balzhobel fahren, sind grundanständige Menschen. Das jedenfalls behauptet Ulf Poschardt. Ich muss also eines meiner hartnäckigsten Vorurteile revidieren, das da lautet: In Arschlochautos sitzen sehr häufig Arschlöcher am Steuer. Ulf Poschardt, auf den diese grobe Charakterisierung nicht zutrifft, behauptet, dass man sich in dem Auto nicht asozial verhalten kann. Es hat zum Beispiel einen eingebauten „Omarüberlassschalter“ und bremst beim Anblick von Kindern am Straßenrand auf 30 kmh runter.

Falls Ihr nicht wisst, wer Ulf Poschardt ist: Herausgeber von Welt (bald nicht mehr), Politico und Business Insider. Er hasst alles, was aus seiner Weltsicht grün und ökologisch ist: „Die grüne Vision ist eine öde, enge, reaktionäre Welt“. Er schreibt Bücher mit Titeln wie „Shitbürgertum“ und „Bückbürgertum“ und bewundert Leute wie Elon Musk oder Javier Milei.. Er ist der Prototyp des „freie Fahrt für freie Bürger“-Liberalismus. Er liebt schnelle und teure Autos. Über seine Liebe zu Autos und das „Auto als Herzensangelegenheit“ schrieb er 2021 in der TAZ Futurzwei vom 11.11.2021: „Der verklemmte und antifreiheitliche Umgang mit Autos, Luxus und Humor ist das Ergebnis moralofunktionaler Schrumpfdebatten von Emissionsklerikern mit Läuterungsfixierung.“ Eloquenter kann man Bullshit kaum formulieren.

Wenn Ihr wissen wollt, was der passionierte Ferrarifahrer Ulf Poschardt sonst noch an Erkenntnissen über Menschen und Ferraris (das Auto als soziales Gewissen dessen, der am Steuer sitzt) von sich gibt, hier ein kurzer Ausschnitt aus einem Interview:


Experten zum neuen Gebäudeenergiegesetz: Verfassungswidrig, europarechtswidrig, bürokratisch und gegen die Klimaziele

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, das unter Habeck verabschiedete Gebäudeenergiegesetz (GEG), im Volksmund auch Heizungsgesetz genannt, in die Tonne zu treten. Die Bildzeitung hatte seinerzeit eine Diffamierungskampagne gegen das „Heiz-Hammer“-Gesetz gefahren.

Etwas Neues, Besseres soll nun also her. Am 13. Mai hat das Bundeskabinett den Entwurf für ein Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) beschlossen, mit dem das GEG abgelöst werden soll. Das neue Gesetz ist bei Sachverständigen auf massive Kritik gestoßen. Bei einer Anhörung im Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Energie am 22. Juni haben Experten das Gesetz mit einem vernichtenden Urteil kommentiert. Sie „bemängeln vor allem bürokratische Überlastung, soziale Risiken für Verbraucher und mangelnde Praxistauglichkeit, und sie äußern verfassungsrechtliche Bedenken“. 

Dr. Kai Warnecke, Präsident von Haus und Grund Deutschland, begrüßt zwar „die Abschaffung des Heizungsgesetzes der Vorgängerregierung“, kritisiert aber am neuen Entwurf, „die Einführung der Bio-Treppe bringe mit neuen Nachweis- und Aufbewahrungspflichten, mietrechtlichen Sonderregelungen sowie der Ausweitung des Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetzes neue Belastungen und erhebliche Rechtsunsicherheiten mit sich. Dabei hätten die Hauseigentümer begriffen: „In 18 Jahren, sechs Monaten und acht Tagen Stand heute kann man keine fossilen Heizungen mehr benutzen“, sagte Warnecke. Das würden aktuelle Zahlen verdeutlichen: Im vergangenen Jahr seien 300.000 Wärmepumpen eingebaut worden, „während der Einbau von Gas- und Ölheizungen eingebrochen ist“, betonte er.

Die schärfste Kritik und schwere Bedenken formulierte in der Anhörung Prof. Dr. Remo Klinger. Seiner Auffassung nach ist derEntwurf “verfassungswidrig, europarechtswidrig und verstößt gegen die Pflicht zum Klimaschutz und zur Herstellung von Klimaneutralität“. Die suggerierte Möglichkeit, so Prof. Klinger, Heizkessel mit fossilen Brennstoffen über das Jahr 2044 hinaus zu betreiben, stehe in einem direkten Konflikt zur gesetzlichen Vorgabe, bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen. Die Bundesregierung wolle der Verunsicherung beim Heizungsgesetz begegnen und Klarheit schaffen, doch stattdessen ermögliche sie nun Entscheidungen, „die zu erheblichen Verunsicherungen führen“.

Auch der Normenkontrollrat, ein unabhängiges Expertengremium, das die Bundesregierung berät, kommt zu dem Urteil, dass der Gesetzentwurf „in weiten Teilen kaum verständlich und für Betroffene nicht nachvollziehbar“ ist.

Die ganze Anhörung dauerte über zwei Stunden; Es lohnt sich, dass dreiminütige Statement von Prof Dr. Klinger anzuhören (auf der Zeitschiene von Minute 19 bis 22).


Fußball könnte so schön sein – wenn die FIFA nicht wäre

Ante scriptum: Dieser Text wurde ohne KI-Unterstützung verfasst!

Fußball und Gefühle: Anlässlich der aktuellen Weltmeisterschaft schwanken die Gefühle zwischen Freude, Langeweile, Ärger und Zorn, zwischen totaler Ablehnung und euphorischem Gekreische über jeden halbwegs gelungenen Pass. Ich gehöre nicht, soviel Bekenntnis muss sein, zu den Totalverweigerern, freue mich aber durchaus, wenn ein Fußballzwerg wie Curaçao ein Tor gegen Deutschland schießt. Ja, ich schaue mir Spiele der Fußball-WM im Fernsehen an. Ich habe keine Deutschlandfahne am Fahrrad befestigt. Ich frage beim Einkaufen nach Panini-Sammelbildern „für meine Enkel“ (meine Tauschangebote am Ende dieses Beitrags!).

Die Freude am schönen Ballsport, an gelungenen Spielzügen und spektakulären Toren wird getrübt durch die sattsam bekannten und vielfach kommentierten unschönen Rahmenbedingungen und Begleiterscheinungen, die nicht erst bei dieser, aber besonders extrem bei dieser WM neue Dimensionen erreichen: Die politische Instrumentalisierung der Spiele durch einen geistesgestörten US-Präsidenten, die grenzenlose Geldgier der korrupten MaFIFA und ihres machtgeilen und eitlen Präsidenten Infantino, seine klebrige Hofierung autokratischer Staatschefs und arabischer Ölscheichs, die groteske Verleihung eines „FIFA-Friedenspreises“ an den Unfrieden schürenden Trump, die überhöhten Ticketpreise, die Sponsorengelder aus Saudi-Arabien und Katar, die schikanösen Einreisehindernisse für Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Fußballfans, die Trinkpausenunterbrechungen, die der weiteren Kommerzialisierung der Spiele den Weg bereiten … Das alles ist bekannt. Über die Machenschaften der FIFA gibt es eine hörenswerte neue Podcast-Serie beim Deutschlandfunk: Behind the Games – FIFA-Präsident Gianni Infantino.

Zu den Ärgernissen gehört aus meiner Sicht das dröhnende Schweigen der deutschen Fußballfunktionäre, Spieler und Kommentatoren, wenn es um Fußball und Politik geht. Sie wollen uns weismachen, Fußball habe nichts mit Politik zu tun, bzw. der Fußball müsse sich politisch neutral verhalten und der Weltverband FIFA sei so eine Art Vereinte Nationen des Fußballs. Bei Bernd Neuendorf, Präsident des DFB, könnte seine Kritikblindheit damit zu tun haben, dass er  als Mitglied des FIFA-Rats 250.000 US-Dollar im Jahr erhält. FIFA-Präsident Infantino sichert sich die Gunst der Mitglieder durch großzügige Geldgeschenke. Infantino selbst streicht bei der FIFA ein Jahresgehalt von 2,7 Mio. Euro ein.

»Ich nehme nicht mehr Teil an der politischen Diskussion«, so der Spieler Joshua Kimmich. Der hat auch nicht so viel Aura wie Torwart Manuel Neuer. Das Neuer-Trikot für Kinder kostet 95 Euro, vermutlich wegen der Aura. Jürgen Klinsmann, ehemaliger Bundestrainer, hat den DFB und die Spieler aufgefordert, sich mit politischen Äußerungen zurückzuhalten. Diese „vornehme Zurückhaltung mit politischen Äußerungen“ der Repräsentanten des deutschen Fußballs – Spieler, Trainer, Funktionäre – kennt man aus früheren Weltmeisterschaften. 1978 fand die WM in Argentinien statt, während der Militärdiktatur, die ca. 30.000 Menschen das Leben kostete. Trotz einer deutschlandweiten Aufklärungskampagne von NGOs unter dem Motto „Fußball ja, Folter nein!“ wollten auf die politischen Verhältnisse im Gastgeberland Argentinien angesprochene Spieler und Funktionäre sich nicht kritisch zur Situation unter der Militärdiktatur äußern. Zitat des damaligen Spielers Klaus Fischer: „Die politischen Zustände in Argentinien interessieren mich überhaupt nicht.“

Deutschland wird dieses Mal nicht, wie zuvor in Russland und Katar, schon in der Vorrunde ausscheiden; das wäre zumindest oberpeinlich bei den Gruppengegnern Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador. Überhaupt die Gruppenauslosungen: Indem man die stark eingeschätzten Mannschaften auf vier Lostöpfe verteilt, ist sichergestellt, dass diese die Vorrunde überstehen und erst in den KO-Spielen aufeinandertreffen. Umso größer ist die klammheimliche Freude, wenn zum Beispiel Spanien sich im Spiel gegen Kap Verde blamiert und über ein Untentschieden nicht hinauskommt.

Zurück zum Thema Fußball und Gefühle: am 23. November 2022 schrieben wir auf diesem Blog über FIFA-Boss Infantino „Von Gefühlen überwältigt“:

„Der Weltfußballverband FIFA mit Sitz in der Schweiz ist eine Non-Profit-Organisation. Also, äh, gemeinnützig, gewissermaßen. Er wird geführt von einem kahlköpfigen Mann namens Gianni Infantino. Infantino ist zwar korrupt, aber der Mann hat auch Gefühle. Er kennt sich bestens aus mit Diskriminierung, Unterdrückung und sone Sachen. Hat er bei der Eröffnung der WM in Katar ausgeplaudert. Auch, wie es sich anfühlt, schwul zu sein oder arabisch oder behindert – ist ja alles irgendwie ähnlich. Er hat das selbst erlebt, als Kind (schluchz, schnief) – Infantino halt, nomen est omen. Er wurde diskriminiert und gemobbt wegen seiner roten Haare, sagt er. Damit kann man ihm jetzt nicht mehr kommen.

Jetzt ist er so reich und mächtig, dass er jeden noch so großen Bullshit erzählen kann, ohne dass ihm einer was kann. Bei einer Pressekonferenz anlässlich der WM-Eröffnung sagte er: „Heute fühle ich sehr starke Gefühle, heute fühle ich mich als Katarer, heute fühle ich mich als Araber, heute fühle ich mich afrikanisch. Heute fühle ich mich homosexuell. Heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant.“ So hat eben jeder seine Gefühle. Auch der Emir Tamim bin Hamad al-Thami, der oberste Scharfrichter von Katar, hat Gefühle. Wenn er ständig Todesurteile unterschreiben muss, dann geht ihm das sicher sehr nahe. Vielleicht wurde er auch als Kind gemobbt? Zu früh vom Töpfchen gezerrt? Irgendwas muss da gewesen sein. 

Ach so, noch etwas: Die FIFA hat zuletzt 4,7 Mrd. Euro Gewinn erwirtschaftet. Da kann man schon mal in Tränen ausbrechen.“

PS: Wie anfangs erwähnt, hier nun der Stand meiner Panini-Sammlung (Joshua Kimmich habe ich zerrissen): Zur Vervollständigung fehlen mir noch die Nummern 5, 8, 10, 15, 18, 21, 25, 26, 35, 36, 37, 40, 45, 52, 54, 56, 60, 61, 62, 67. Ich kann zum Tausch anbieten: 1, 2, 3, 4, 7, 9, 11, 12, 16, 17, 24, 28, 30, 32, 33, 38, 41, 42, 43, 46, 47, 49, 50, 53, 57, 59, 64, 65, 68, 70.