Ferrarifahrer Ulf Poschardt über Ferrarifahrer: „Die Leute, die krasse Autos haben, fahren vorbildlich“

Heute mal ein Blogbeitrag für meine Abonnent*innen, die einen Ferrari Testarossa haben. So wie Ulf Poschardt. Sind wahrscheinlich nicht so viele, denn so ein Teil kostet um die 500.000 bis 650.000 €. Zu den Besonderheiten gehört: Die Leute, die so einen Balzhobel fahren, sind grundanständige Menschen. Das jedenfalls behauptet Ulf Poschardt. Ich muss also eines meiner hartnäckigsten Vorurteile revidieren, das da lautet: In Arschlochautos sitzen sehr häufig Arschlöcher am Steuer. Ulf Poschardt, auf den diese grobe Charakterisierung nicht zutrifft, behauptet, dass man sich in dem Auto nicht asozial verhalten kann. Es hat zum Beispiel einen eingebauten „Omarüberlassschalter“ und bremst beim Anblick von Kindern am Straßenrand auf 30 kmh runter.

Falls Ihr nicht wisst, wer Ulf Poschardt ist: Herausgeber von Welt (bald nicht mehr), Politico und Business Insider. Er hasst alles, was aus seiner Weltsicht grün und ökologisch ist: „Die grüne Vision ist eine öde, enge, reaktionäre Welt“. Er schreibt Bücher mit Titeln wie „Shitbürgertum“ und „Bückbürgertum“ und bewundert Leute wie Elon Musk oder Javier Milei.. Er ist der Prototyp des „freie Fahrt für freie Bürger“-Liberalismus. Er liebt schnelle und teure Autos. Über seine Liebe zu Autos und das „Auto als Herzensangelegenheit“ schrieb er 2021 in der TAZ Futurzwei vom 11.11.2021: „Der verklemmte und antifreiheitliche Umgang mit Autos, Luxus und Humor ist das Ergebnis moralofunktionaler Schrumpfdebatten von Emissionsklerikern mit Läuterungsfixierung.“ Eloquenter kann man Bullshit kaum formulieren.

Wenn Ihr wissen wollt, was der passionierte Ferrarifahrer Ulf Poschardt sonst noch an Erkenntnissen über Menschen und Ferraris (das Auto als soziales Gewissen dessen, der am Steuer sitzt) von sich gibt, hier ein kurzer Ausschnitt aus einem Interview:


Fußball könnte so schön sein – wenn die FIFA nicht wäre

Ante scriptum: Dieser Text wurde ohne KI-Unterstützung verfasst!

Fußball und Gefühle: Anlässlich der aktuellen Weltmeisterschaft schwanken die Gefühle zwischen Freude, Langeweile, Ärger und Zorn, zwischen totaler Ablehnung und euphorischem Gekreische über jeden halbwegs gelungenen Pass. Ich gehöre nicht, soviel Bekenntnis muss sein, zu den Totalverweigerern, freue mich aber durchaus, wenn ein Fußballzwerg wie Curaçao ein Tor gegen Deutschland schießt. Ja, ich schaue mir Spiele der Fußball-WM im Fernsehen an. Ich habe keine Deutschlandfahne am Fahrrad befestigt. Ich frage beim Einkaufen nach Panini-Sammelbildern „für meine Enkel“ (meine Tauschangebote am Ende dieses Beitrags!).

Die Freude am schönen Ballsport, an gelungenen Spielzügen und spektakulären Toren wird getrübt durch die sattsam bekannten und vielfach kommentierten unschönen Rahmenbedingungen und Begleiterscheinungen, die nicht erst bei dieser, aber besonders extrem bei dieser WM neue Dimensionen erreichen: Die politische Instrumentalisierung der Spiele durch einen geistesgestörten US-Präsidenten, die grenzenlose Geldgier der korrupten MaFIFA und ihres machtgeilen und eitlen Präsidenten Infantino, seine klebrige Hofierung autokratischer Staatschefs und arabischer Ölscheichs, die groteske Verleihung eines „FIFA-Friedenspreises“ an den Unfrieden schürenden Trump, die überhöhten Ticketpreise, die Sponsorengelder aus Saudi-Arabien und Katar, die schikanösen Einreisehindernisse für Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Fußballfans, die Trinkpausenunterbrechungen, die der weiteren Kommerzialisierung der Spiele den Weg bereiten … Das alles ist bekannt. Über die Machenschaften der FIFA gibt es eine hörenswerte neue Podcast-Serie beim Deutschlandfunk: Behind the Games – FIFA-Präsident Gianni Infantino.

Zu den Ärgernissen gehört aus meiner Sicht das dröhnende Schweigen der deutschen Fußballfunktionäre, Spieler und Kommentatoren, wenn es um Fußball und Politik geht. Sie wollen uns weismachen, Fußball habe nichts mit Politik zu tun, bzw. der Fußball müsse sich politisch neutral verhalten und der Weltverband FIFA sei so eine Art Vereinte Nationen des Fußballs. Bei Bernd Neuendorf, Präsident des DFB, könnte seine Kritikblindheit damit zu tun haben, dass er  als Mitglied des FIFA-Rats 250.000 US-Dollar im Jahr erhält. FIFA-Präsident Infantino sichert sich die Gunst der Mitglieder durch großzügige Geldgeschenke. Infantino selbst streicht bei der FIFA ein Jahresgehalt von 2,7 Mio. Euro ein.

»Ich nehme nicht mehr Teil an der politischen Diskussion«, so der Spieler Joshua Kimmich. Der hat auch nicht so viel Aura wie Torwart Manuel Neuer. Das Neuer-Trikot für Kinder kostet 95 Euro, vermutlich wegen der Aura. Jürgen Klinsmann, ehemaliger Bundestrainer, hat den DFB und die Spieler aufgefordert, sich mit politischen Äußerungen zurückzuhalten. Diese „vornehme Zurückhaltung mit politischen Äußerungen“ der Repräsentanten des deutschen Fußballs – Spieler, Trainer, Funktionäre – kennt man aus früheren Weltmeisterschaften. 1978 fand die WM in Argentinien statt, während der Militärdiktatur, die ca. 30.000 Menschen das Leben kostete. Trotz einer deutschlandweiten Aufklärungskampagne von NGOs unter dem Motto „Fußball ja, Folter nein!“ wollten auf die politischen Verhältnisse im Gastgeberland Argentinien angesprochene Spieler und Funktionäre sich nicht kritisch zur Situation unter der Militärdiktatur äußern. Zitat des damaligen Spielers Klaus Fischer: „Die politischen Zustände in Argentinien interessieren mich überhaupt nicht.“

Deutschland wird dieses Mal nicht, wie zuvor in Russland und Katar, schon in der Vorrunde ausscheiden; das wäre zumindest oberpeinlich bei den Gruppengegnern Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador. Überhaupt die Gruppenauslosungen: Indem man die stark eingeschätzten Mannschaften auf vier Lostöpfe verteilt, ist sichergestellt, dass diese die Vorrunde überstehen und erst in den KO-Spielen aufeinandertreffen. Umso größer ist die klammheimliche Freude, wenn zum Beispiel Spanien sich im Spiel gegen Kap Verde blamiert und über ein Untentschieden nicht hinauskommt.

Zurück zum Thema Fußball und Gefühle: am 23. November 2022 schrieben wir auf diesem Blog über FIFA-Boss Infantino „Von Gefühlen überwältigt“:

„Der Weltfußballverband FIFA mit Sitz in der Schweiz ist eine Non-Profit-Organisation. Also, äh, gemeinnützig, gewissermaßen. Er wird geführt von einem kahlköpfigen Mann namens Gianni Infantino. Infantino ist zwar korrupt, aber der Mann hat auch Gefühle. Er kennt sich bestens aus mit Diskriminierung, Unterdrückung und sone Sachen. Hat er bei der Eröffnung der WM in Katar ausgeplaudert. Auch, wie es sich anfühlt, schwul zu sein oder arabisch oder behindert – ist ja alles irgendwie ähnlich. Er hat das selbst erlebt, als Kind (schluchz, schnief) – Infantino halt, nomen est omen. Er wurde diskriminiert und gemobbt wegen seiner roten Haare, sagt er. Damit kann man ihm jetzt nicht mehr kommen.

Jetzt ist er so reich und mächtig, dass er jeden noch so großen Bullshit erzählen kann, ohne dass ihm einer was kann. Bei einer Pressekonferenz anlässlich der WM-Eröffnung sagte er: „Heute fühle ich sehr starke Gefühle, heute fühle ich mich als Katarer, heute fühle ich mich als Araber, heute fühle ich mich afrikanisch. Heute fühle ich mich homosexuell. Heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant.“ So hat eben jeder seine Gefühle. Auch der Emir Tamim bin Hamad al-Thami, der oberste Scharfrichter von Katar, hat Gefühle. Wenn er ständig Todesurteile unterschreiben muss, dann geht ihm das sicher sehr nahe. Vielleicht wurde er auch als Kind gemobbt? Zu früh vom Töpfchen gezerrt? Irgendwas muss da gewesen sein. 

Ach so, noch etwas: Die FIFA hat zuletzt 4,7 Mrd. Euro Gewinn erwirtschaftet. Da kann man schon mal in Tränen ausbrechen.“

PS: Wie anfangs erwähnt, hier nun der Stand meiner Panini-Sammlung (Joshua Kimmich habe ich zerrissen): Zur Vervollständigung fehlen mir noch die Nummern 5, 8, 10, 15, 18, 21, 25, 26, 35, 36, 37, 40, 45, 52, 54, 56, 60, 61, 62, 67. Ich kann zum Tausch anbieten: 1, 2, 3, 4, 7, 9, 11, 12, 16, 17, 24, 28, 30, 32, 33, 38, 41, 42, 43, 46, 47, 49, 50, 53, 57, 59, 64, 65, 68, 70.    


Warum Männer weinen: Neue Erkenntnisse aus der feministischen Fußballforschung

Dass Jungs oder Männer nicht weinen, kann man getrost als nicht mehr zeitgemäßes Erziehungsideal abtun. Falsch ist auch die von Herbert Grönemeyer in seinem Song „Männer“ verbreitete Mär, dass Männer heimlich weinen. „Immer mehr Männer weinen öffentlich“ titelte etwa die Berliner Zeitung am 26.03.2017 und stellte fest, dass das bei den Frauen gut ankommt. Es gilt nicht mehr als Kontrollverlust, wenn Männer, insbesondere solche mit Promistatus, öffentlich das Wasser nicht halten können und ihrer (durchaus vorhandenen!) Emotionalität sichtbar freien Lauf lassen. Weinende Männer sind jetzt „hot“, wie Anne Feldkamp am 12. Jänner 2026 in einer Kolumne für „Der Standard“ schreibt.

Das wäre nun keinen Blogbeitrag wert, hätte nicht heute die Badische Zeitung zu Anlässen für männliches Weinen aufschlussreiche Details veröffentlicht. Und hier kommt, wir hatten es schon vermutet, der Fußball ins Spiel. Nach einer verlorenen Kickerei sieht man Männer kollektiv Rotz und Wasser heulen. Manchmal sogar vor Freude über einen unverhofften Sieg. So erzählte laut Badischer Zeitung Lukas Kübler, Spieler des SC Freiburg, der zwei Tore im entscheidenden Europa-League-Rückspiel erzielt hatte: „Da kamen Familienväter auf mich zu und sagten: Sie hätten Tränen in den Augen gehabt bei der Geburt der Söhne. Und jetzt das dritte Mal“.

Nun muss man in solche Aussagen nicht allzu viel hineininterpretieren. Und manches wird ja auch von den Medien hochsterilisiert, wie der Fußballer Bruno Labbadia einst meinte. Aber was uns hier doch nachdenklich stimmen muss: Familienväter (!), die bei der Geburt ihrer Söhne (!!) weinten und danach erst wieder bei den Toren von Lukas Kübler (!!!). Die von feministischem Zorn triefenden Leserbriefe werden nicht auf sich warten lassen. Zur Ehrenrettung der Männer wollen wir mal annehmen, dass Familienväter auch bei der Geburt von Töchtern zu Tränen gerührt sein können und dass sie auch jenseits von Fußballstadien manches zum Heulen finden.


Was heute wirklich wichtig ist

Als Content Creator hat man es heutzutage leicht. Ständig präsentiert das pralle Leben neues Anschauungsmaterial, das nach einer Kommentierung auf diesem Blog heischt. Doch fällt die Auswahl schwer. Worauf sich beschränken? Womit anfangen?

Da wäre zum Beispiel Timmy der Wal, der sich ums Verrecken nicht retten lassen will. Der trotz mehrfacher Rettungsversuche immer wieder in seichtem Gewässer Zuflucht Suchende. Warum er nicht einfach ins rettende offene Meer schwimmt? Er wird seine Gründe haben. Heute nun ein weiterer Rettungsversuch, den wir BILD sei Dank im Livestream mitverfolgen können. Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten. Ob das auch für aktive Lebenshilfe bei lebensmüden Walen gilt? Wir bleiben dran.

Am Aufregerthema Benzinpreis kommt auch der fahrradfahrende Blogger nicht vorbei. Benzin ist bekanntlich der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Beim Spritpreis hört der Spaß auf. Das wusste schon Goethe, als er seinen Mephisto im Faust sagen ließ: „Benzin ist ein ganz besonderer Saft!“. Das Thema Sprit haben wir bereits in einem früheren Beitrag in diesem Blog zum Schrecken der Mineralölkonzerne angeprangert:

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit blieb das Drama um die rot verpackten Schokoladenkugeln von Aldi Suisse. Dagegen hatte der Hersteller der Lindor-Kugeln Lindt & Sprüngli geklagt, wegen Verwechslungsgefahr. Jetzt muss Aldi seine Kugeln bunt verpacken.

In Freiburg dreht sich seit vergangenem Donnerstag alles um eine fehlerhafte Schiedsrichterentscheidung im Halbfinale des DFB-Pokals gegen Stuttgart. Der SC Freiburg fühlt sich um den Sieg gegen die „Schwobaseggl“ und Spätzlefresser und damit um die Teilnahme an Endspiel gegen Bayern München betrogen.

War sonst noch was? Ach ja: Krieg im Iran, 1,3 Millionen Vertriebene im Südlibanon, Krieg in der Ukraine, Krieg im Sudan, Krieg in Myanmar, Krieg in Gaza. Und morgen erinnern wir uns, wie es 1986 nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl war, als wir die Kinder vom Spielplatz einsammeln mussten …


Neuer Fall von Cancel Culture? TV-Schlagersendung „Immer wieder sonntags“ abgesetzt!

Das Fernsehpublikum ist geschockt: „Immer wieder sonntags“, eine der beliebtesten Schlagersendungen mit Stefan Mross, wird abgesetzt! Das traurige Ende nach über 30 Jahren begründet der SWR mit finanziellen Gründen. Droht das gleiche Schicksal bald auch den Sendungen „Schlagerspaß mit Andy Borg“, „Die Feste mit Florian Silbereisen“ und der „Beatrice Egli Show“?

Ohne die Schlagersendungen der chronisch gut gelaunten Dauergrinser Andy Borg, Florian Silbereisen und Stefan Mross droht das Fernsehprogramm zu einer kulturellen Wüste zu verkommen. Kein „Atemlos durch die Nacht“, kein „Hulapalu“, kein „Frauen wollen immer nur das eine“ von Roland Kaiser und kein „Weine nicht, kleine Eva“ von den Flippers mehr – unvorstellbar! Angeblich sind erste Protestschreiben bei den Programmverantwortlichen eingegangen. So etwa von der IG Bau, Steine, Erden, deren Erkennungsmelodie „Marmor, Stein und Eisen bricht“ nicht mehr im Fernsehen zu hören sein wird. Die AfD soll reklamiert habe, dass im Anschluss an Dokumentationen über Hitler nicht mehr „Junge, komm bald wieder“ gespielt werden darf. Auch das in AfD-Kreisen gerne mitgegrölte „Biste braun, kriegste Fraun“ von Mickie Krause wird schmerzhaft fehlen.

Die Vermutung, dass Kulturstaatsminister Wolfram Weimar hier die Finger im Spiel hat, weist dieser natürlich zurück. Doch die gecancelten Schlagerstars wissen es besser: „Du hast mich tausendmal belogen“ (Andrea Berg) und „Warum hast du nicht nein gesagt?“ (Roland Kaiser). Wer sich in der deutschen Schlagerszene auskennt, ahnt, welche kulturelle Lücke entsteht, wenn beliebte Schlagersendungen gestrichen werden.

Kritiker*innen aus der radikalfeministischen Szene meinen zwar, in diesen Sendungen werde ein konservatives bis sexistisches Frauenbild propagiert und verweisen auf Liedtitel wie „Layla“ (schöner, jünger, geiler), „Bumsbar“ von Ikke Hüftgold oder „Zeig mir deine Möpse“ von Mickie Krause. Dabei sind diese und andere Ballermann-Titel („Saufen – morgens, mittags, abends“) aus dem sonntäglichen Betäubungsprogramm für Pflegeheimbewohner längst eliminiert – falsche Zielgruppe! Die ARD als verantwortliche Sendeanstalt und andere Mainstream-Medien wie ZDF, Phoenix und Deutschlandfunk werden sich die Frage gefallen lassen müssen, ob mit dieser Entscheidung nicht ein weiterer Schritt in Richtung linksgrüne Ausrichtung des Öffentlich-Rechtlichen Programms vollzogen wird. Mag sein, dass die lapidare Meinung in den Chefetagen dazu in Anlehnung an den beliebten Schlager der Kölner Musikgruppe „Die Höhner“ lautet: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“.  Dann bleibt uns nur mit Peter Wackel zu konstatieren: „Scheiß drauf! Mallorca ist nur einmal im Jahr“.


High Noon an der Tanke: Geht den Mineralölkonzernen jetzt die Muffe?

Der Deutschen größte Sorge eine gilt dieser Tage, während der gestrandete Buckelwal freigebaggert werden konnte, den stark gestiegenen Spritpreisen. Die Bundesregierung, den Zorn der Wählerinnen und Wähler fürchtend, greift diese Sorge auf und weist die bösen Mineralölkonzerne in die Schranken. Mit dem jetzt beschlossenen Kraftstoffmaßnahmenpaket dürfen Aral, Esso, Shell und Co. nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr mittags, den Spritpreis erhöhen. Offenbar hat die Regierung gerade eine bahnbrechende Entdeckung gemacht: Mineralölkonzerne agieren innerhalb einer kapitalistischen Wirtschaftsform und streben nach größtmöglichem Profit! Nein, sowas aber auch!

Mit den Maßnahmen der Regierung gegen die hohen Spritpreise soll dem ein Riegel vorgeschoben werden. Zweifel an der Wirksamkeit sind erlaubt. Wird es beim vorösterlichen Urlaubsverkehr zu Rangeleien an den Tankstellen kommen? Werden sich, wenn kurz vor Zwölf die Schlange an der Zapfsäule groß ist, rabiate Autofahrer – Frauen ja wohl weniger – gewaltsam den Weg zum Zapfhahn freischießen? High Noon an der Tanke?

Glaubt jemand im Ernst, dass die Preiserhöhungen in der Summe niedriger ausfallen, wenn nur einmal am Tag an der Preisschraube gedreht werden darf? Dann wird es im Zweifel doch etwa mehr sein. Absenken geht ja immer. Gut, die Konzerne müssen, so die Idee der Bundesregierung, die Preiserhöhungen plausibel begründen. Das dürfte kein Problem sein: Irgendwo ist ja immer Krieg, mal steht ein Tanker im Suezkanal quer, mal droht ein geistesgestörter US-Präsident mit neuen Zöllen. Da wird sich schon was finden lassen.

Mehr Transparenz bei den Kraftstoffpreisen hätte man durchaus schon früher durchsetzen können. Warum erst jetzt, und warum so halbherzig? Warum kein Tempolimit auf Autobahnen, keine Übergewinnsteuer? Stattdessen plant man die Erhöhung der Pendlerpauschale, und der Ausstieg aus dem Verbrenner wird erst einmal verschoben. Die Lobby der Mineralölkonzerne und der Autofahrer lässt grüßen.


Krieg dem Spritpreis: Deutschlands Autofahrer und Verbände fordern Tankrabatt!

Heilig´s Blechle! Schnappatmung an deutschen Tankstellen und in der Boulevardpresse: Angesichts  gestiegener Spritpreise erschallt landesweit der Ruf nach staatlichen Hilfen. Beim Spritpreis hört beim deutschen Autofahrer bekanntlich der Spaß auf, Krieg hin oder her. Der Ruf nach dem Eingreifen des Staates ertönt besonders laut aus Kreisen, die gegen das beschlossene Verbrenner-Aus Sturm laufen, gerne auf der Autobahn ohne Tempolimit heizen und im Heizungskeller keine staatliche Bevormundung dulden.

Leute, was denn jetzt? Der Ruf nach dem Staat, wenn es uns in den Kram passt? Wir jammern über erhöhte Kosten für Benzin und Gas, während die USA und Israel den Iran und Libanon zusammenbomben und der Iran mit Raketenangriffen in der ganzen Region reagiert. In Kuba bricht erneut landesweit die Stromversorgung zusammen, weil die USA das Land mit einem Ölembargo belegen. Donald Trump denkt laut darüber nach, Kuba zu „übernehmen“ (für die Jüngeren unter uns: Das ist schon einmal ziemlich schief gegangen, nämlich 1961 bei der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht …).

Im Libanon sind inzwischen schätzungsweise 760.000 Menschen vertrieben worden; das sind mehr als zehn Prozent der Einwohner des Landes. Während die USA ihre Kanonenbootpolitik auf neue Länder ausdehnen und immer neue humanitäre Katastrophen auslösen, kürzt Deutschland die Mittel für Armutsbekämpfung und humanitäre Hilfe. Sich darüber aufzuregen wäre angemessener als über höhere Benzinpreise.

Im Übrigen ließe sich der höhere Spritpreis leicht kompensieren: Fahrgemeinschaften bilden, Fuß vom Gas, Tempo 100 auf Autobahnen, auf den ÖPNV umsteigen. Geht doch!   


Frauen auf Sofalandschaften: Ein Beitrag zum Internationalen Frauentag

Nicht nur am heutigen Internationalen Frauentag treibt mich eine der ungelösten Fragen der Menschheit um:  Warum werden in Möbelprospekten auf Sofalandschaften immer nur Frauen abgebildet? Adrett gekleidet, in Zeitschriften blätternd oder einfach nur gelangweilt vor sich hin sinnierend? Sind die Kinder in der Kita, ist der Mann bei der Arbeit, die Hausarbeit erledigt? Rätsel über Rätsel. Die FAZ titelte mal von einigen Jahren: „Frauen wollen Kissen, Männer klare Kante“. Das könnte passen. Das Sofa, Ort häuslicher Gemütlichkeit, als unbestrittene Domäne der Frau.

Nun ist die kommerzielle Werbung nicht bekannt für ein fortschrittliches Frauenbild, Gleichstellung hin oder her. „Bauknecht weiß, was Frauen wünschen“ und so. Ob die empirisch-feministische Sofaforschung herausgefunden hat, dass sich mit Frauen auf Sofalandschaften höhere Verkaufszahlen für das Sitzmöbel erzielen lassen, wissen wir nicht. Eine recht neue Studie über Frauenbilder in der TV-Werbung hat u.a. ergeben: „Die Werbebranche ist auf dem Weg zu realistischeren und vielfältigeren Frauenbildern. Doch viele Stereotype bleiben bestehen – insbesondere in Hinblick auf Alter und Körperbild.“

Beim Weltwirtschaftsgipfel 2027 …

Ob es sich aber für mehr Gleichberechtigung ausgerechnet in der kommerziellen Werbung zu kämpfen lohnt? Dann schon eher dafür, dass Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mindestens in gleichen Maße wie Männer an entscheidenden Machtpositionen beteiligt werden. Man stelle sich bloß vor, der nächste Weltwirtschaftsgipfel sähe so aus …


Verkehrte Welt: ADAC für höhere Spritpreise

Die größte Religionsgemeinschaft Deutschlands hat 22 Millionen Mitgliedern, mehr als die katholische und evangelische Kirche zusammen. Die Rede ist vom ADAC. Deren oberster Chef Gerhard Hillebrand hat nun seinen Hut genommen, „nach einer Wutwelle und 60.000 gekündigten Mitgliedschaften“, wie die BILD schreibt. Hillebrand hatte in einem Interview für höhere Spritpreise plädiert „damit Autofahrer von Diesel und Benziner auf klimaschonende Alternativen wie das E-Auto umsteigen könnten“, so die BILD. Was, zum Teufel, hat den Mann dazu getrieben, etwas derart Vernünftiges zu sagen? Hillebrand hatte außerdem erklärt, die CO₂-Bepreisung sei das richtige Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Stimmt eigentlich, oder? Jetzt müssen die deutschen Autofahrer – und das gilt auch für die Autofahrerinnen, die das Tanken lieber ihren Männern überlassen – 3 Cent pro Liter Benzin oder Diesel mehr zahlen. Drei Cent!!! Für BILD mal wieder eine ungeheuerliche Schröpfung der Autofahrer, die wahrscheinlich von den Grünen verschuldet ist.

Jetzt fehlt nur noch, dass die Unionsparteien nach ihren Ausflügen in Sachen Lifestyle-Teilzeit und bitteschön Zahnarzt selber bezahlen den Uralt-Slogan „freie Fahrt für freie Bürger“ wieder auspacken. Dann können die 60.000 aus Protest ausgetretenen ADAC-Mitglieder wieder eintreten und Gas geben. Und die BILD kann sich wieder auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, die da wären: „Der Staat belohnt leider die Faulen“, „Er onaniert gleich in der Drogerie“, „U-Bahn-Killer kam durch eine Sicherheitslücke ins Land“, „Igel macht Zebrastreifen zum Laufsteg“ und „Warum Männer regelmäßig Tomatenmark essen sollten“ (wegen Einfluss auf die Spermien, weswegen denn sonst).  


„Spannend und ziemlich kantig“ – was Google über den Blog von Jürgen Lieser meint

Mein Wunsch für 2026? Persönlich die üblichen Sachen: Gesundheit, Reichtum, kein Ärger mit den Nachbarn, mehr Sport, weniger Alkohol, Friedensnobelpreis. Was ich mir gesellschaftlich, innen- und weltpolitisch wünsche, steht in meinen diversen Blogbeiträgen. Freuen würde ich mich auch über neue Abonnentinnen und Abonnenten. Und dafür bitte ich heute um Eure Mithilfe: Macht bitte Werbung in Eurem Freundes- und Bekanntenkreis! Für jeden neu geworbenen Abonnenten gibt es als Prämie den von mir eigenhändig verfassten, auf richtigem Papier gedruckten und gebundenen Bestseller „Frauen sind mitgemeint. Texte gegen den Zeitgeist“. Schreibt mir einfach, wen Ihr als neue/n Abonnent/in gewonnen habt und Eure Postanschrift, und schon flattert die Prämie in Euren Briefkasten.

Falls Euch selbst nichts einfällt, warum Ihr den Blog Euren Freundinnen und Bekannten schmackhaft machen sollt: Ihr könnt dafür auch das folgende Audio in Form eines Podcasts nutzen:

Das verblüffende und erstaunliche daran: Die KI hat´s gemacht. Ich habe probeweise das neue Google KI-Werkzeug NotebookML gebeten, eine Audio-Zusammenfassung meines Blogs zu erstellen (Disclaimer: Google ist böse). Rausgekommen ist eine Art Rezension mit erstaunlich treffenden und verblüffenden Aussagen. Das Tool selbst schreibt dazu:

„In diesem Blog analysiert Jürgen Lieser auf satirische und gesellschaftskritische Weise aktuelle politische Entwicklungen an der Schwelle zum Jahr 2026. Er thematisiert kritisch die Politik von Donald Trump. Das Vorgehen internationaler Organisationen wie der FIFA sowie die ideologische Annäherung zwischen der Union und der AfD. Neben harten geopolitischen Themen wie der nuklearen Aufrüstung und dem Nahostkonflikt reflektiert der Autor auch über persönliche Krisen und die Vergänglichkeit des Lebens. Besonders prägnant ist seine Auseinandersetzung mit der künstlichen Intelligenz, die er humorvoll als Werkzeug für die bürokratisierte Welt der Zukunft darstellt. Insgesamt zeichnen die Texte ein pessimistisches, aber pointiertes Bild einer Gesellschaft im Rechtsruck und technologischen Umbruch.“

Muss man nicht alles glauben, bzw. ich bin auf Kommentare gespannt. Hier nochmal die Datei zum anhören: