Verkehrte Welt: ADAC für höhere Spritpreise
Veröffentlicht: 2. Februar 2026 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Klimawandel, Wirtschaft | Tags: ADAC, Klimawandel, Spritpreise Hinterlasse einen KommentarDie größte Religionsgemeinschaft Deutschlands hat 22 Millionen Mitgliedern, mehr als die katholische und evangelische Kirche zusammen. Die Rede ist vom ADAC. Deren oberster Chef Gerhard Hillebrand hat nun seinen Hut genommen, „nach einer Wutwelle und 60.000 gekündigten Mitgliedschaften“, wie die BILD schreibt. Hillebrand hatte in einem Interview für höhere Spritpreise plädiert „damit Autofahrer von Diesel und Benziner auf klimaschonende Alternativen wie das E-Auto umsteigen könnten“, so die BILD. Was, zum Teufel, hat den Mann dazu getrieben, etwas derart Vernünftiges zu sagen? Hillebrand hatte außerdem erklärt, die CO₂-Bepreisung sei das richtige Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Stimmt eigentlich, oder? Jetzt müssen die deutschen Autofahrer – und das gilt auch für die Autofahrerinnen, die das Tanken lieber ihren Männern überlassen – 3 Cent pro Liter Benzin oder Diesel mehr zahlen. Drei Cent!!! Für BILD mal wieder eine ungeheuerliche Schröpfung der Autofahrer, die wahrscheinlich von den Grünen verschuldet ist.
Jetzt fehlt nur noch, dass die Unionsparteien nach ihren Ausflügen in Sachen Lifestyle-Teilzeit und bitteschön Zahnarzt selber bezahlen den Uralt-Slogan „freie Fahrt für freie Bürger“ wieder auspacken. Dann können die 60.000 aus Protest ausgetretenen ADAC-Mitglieder wieder eintreten und Gas geben. Und die BILD kann sich wieder auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, die da wären: „Der Staat belohnt leider die Faulen“, „Er onaniert gleich in der Drogerie“, „U-Bahn-Killer kam durch eine Sicherheitslücke ins Land“, „Igel macht Zebrastreifen zum Laufsteg“ und „Warum Männer regelmäßig Tomatenmark essen sollten“ (wegen Einfluss auf die Spermien, weswegen denn sonst).
Weltklimakonferenz in Dubai: Zivilgesellschaft fordert Kurskorrektur
Veröffentlicht: 4. Dezember 2023 Abgelegt unter: Gesellschaft, Internationale Politik, Klimawandel, Wirtschaft, Wissenschaft | Tags: COP, Klimawandel, Weltklimakonferenz Hinterlasse einen KommentarDerzeit findet die 28. Weltklimakonferenz COP (Conference of the Parties) in Dubai / Vereinigte Arabische Emirate (VAE) statt. Man kann an diesen Konferenzen vieles kritisieren: Alle Beschlüsse müssen einstimmig gefasst werden, am Ende steht also immer ein Minimalkonsens. Zudem handelt es sich um Absichtserklärungen, bei Nichteinhaltung drohen keine Sanktionen. Der CO2-Fussabdruck der Konferenz selbst ist bei 70.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gewaltig. Die COP28 ist auch wegen des Gastlandes VAE umstritten: Ein Staat, der nicht gerade für seine demokratischen Freiheiten oder für ein klimafreundliches Wirtschaftsmodell bekannt ist. Ein Land, dessen exzessiver Reichtum auf dem Verkauf fossiler Energieträger wie Öl und Gas beruht. Die VAE haben mit 21,8 t pro Kopf (2021) einen der weltweit höchsten CO2-Emissionen. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 4,69 Tonnen pro Kopf. Und schließlich die „Bock-zum-Gärtner“-Kritik: Offizieller Gastgeber und Präsident der Konferenz ist Sultan Ahmed Al-Dschaber, der Chef des staatlichen Ölkonzerns Adnoc. Dazu Greenpeace-Chef Martin Kaiser: „Das ist so, als ob das Umweltbundesamt vom Chef von VW geleitet würde“. Statt des VW-Chefs wäre mir da eher Donald Trump eingefallen. Oder Volker Wissing. Aber egal. Wenn die Konferenz Vorschläge entwickeln soll, wie der Anteil fossiler Energieträger reduziert werden kann, dann ist nicht zu erwarten, dass ausgerechnet der Gastgeber dabei die treibende Kraft ist. Claudia Kempfert, Klima-Expertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), vermutet, dass der Sultan „alles verhindert wird, was eigentlich notwendig ist“.

Wie dringend ein Kurswechsel ist, zeigen die jüngsten alarmierenden Zahlen des Zwischenstaatlichen Sachverständigenrats für Klimaänderungen (Intergouvernemental Panel on Climate Change, IPCC). Danach ist die globale Durchschnittstemperatur allein von 2011 bis 2020 bereits um 1,1 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau gestiegen. 2023 wird wohl das bisher wärmste gemessene Jahr in der Geschichte werden. Inzwischen rechnen Klimaforscher damit, dass die globale Temperatur bis Ende dieses Jahrhunderts selbst dann um 2,5 bis 2,9 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit steigt, wenn die Staaten ihre jeweiligen Ziele zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen einhalten.
Die Bundesregierung bekommt für ihre halbherzige Klimapolitik weder von deutschen Gerichten noch von zivilgesellschaftlichen Organisationen ein gutes Zeugnis ausgestellt. Der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) hat zusammen mit der Klimaallianz Deutschland anlässlich der COP28 Forderungen an die Bundesregierung formuliert: „Kurskorrektur für den Klimaschutz“. Darin fordern die Herausgeber die Bundesregierung auf, „sich aktiv für eine zügige Umsetzung und angemessene Finanzierung des Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste einzusetzen. Ebenso muss die Bundesregierung darauf hinwirken, dass die Weltklimakonferenz einen gerechten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vereinbart. Um die 1,5-Grad-Grenze zu halten, ist eine Einigung über den Ausstieg aus allen fossilen Brennstoffen auf der diesjährigen Konferenz entscheidend.“
Nachtrag: Heute wird berichtet, der Sultan Al-Dschaber halte den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern für unnötig. Quod erat demonstrandum.
Letzte Generation: Lasst uns Klartext reden!
Veröffentlicht: 1. November 2023 Abgelegt unter: Allgemein, Gesellschaft, Katastrophen, Klimawandel | Tags: Klimawandel, Letzte Generation 4 KommentareHallo Samuel, Tim und Lotta, Melanie, Leo, Hennig und die vielen, vielen anderen Engagierten der „Letzten Generation“: Ihr wollt Klartext reden. So steht es auf Eurer Website.
Ich bin auf Eurer Seite
Eines vorweg, damit wir uns nicht missverstehen: Ich bin auf Eurer Seite, was Eure Sorgen um den Zustand der Welt anbetrifft und die dramatische Entwicklung, die uns droht, wenn wir dem fossilen Wahnsinn, wie Ihr ihn nennt, nicht schnellstmöglich ein Ende setzen. Auf meinem Blog werdet Ihr genügend Beispiele dafür finden, wie sehr mich dieses Thema umtreibt. Ich habe letztes Jahr am 12. November für Euch Partei ergriffen, als man Euch mit der RAF verglich und wie Terroristen behandelte („Klimaproteste der Last Generation: Wer ist hier eigentlich kriminell?“ )
Das heißt allerdings nicht, dass ich nicht auch skeptisch bin. Ich werde nicht am Straßenrand stehen und Beifall klatschen, wenn Ihr eine Eurer Blockadeaktionen macht. Und ich muss sehr aufpassen, dass ich Euch nicht mit Häme und Spott überziehe und mich einfach nur über Euch lustig mache. Das habt Ihr nicht verdient.
Ihr seid (noch) nicht die letzte Generation
Ich schreibe Euch als jemand, der zur vorletzten, genaugenommen sogar zur vorvorletzten Generation gehört (ich bin 75 Jahre alt, meine Kinder sind Mitte vierzig, meine Enkel 21 und 15). Die meisten Aktivisten von Euch sind vermutlich so in den Zwanzigern – „Twens“ hieß das in meiner Jugendzeit. Es ist allerdings überhaupt noch nicht ausgemacht, ob Ihr wirklich die letzte Generation seid. Auch wenn sich die Lebensgrundlagen für die Mehrheit der Menschen auf diesem Globus dramatisch und rasant verschlechtern: Dass menschliche Überleben auf der Erde wird, so sieht es jedenfalls aus, eher langsam zu Ende gehen. Dass wir uns auf einen Abgrund zubewegen, diese düstere Prognose teile ich mit Euch. Friedrich Dürrenmatt hat in seiner Kurzgeschichte „Der Tunnel“ schon vor 70 Jahren so eine Katastrophenszenario beschrieben. Ich werde das Ende nicht mehr erleben, und Ihr vermutlich auch nicht.
Es ist noch nicht zu spät
Es ist fünf vor zwölf, aber noch nicht zu spät. Davon seid Ihr ja auch überzeugt. Und es ist unbestritten, dass das Zeitfenster, das uns bleibt, um die Katastrophe abzuwenden, nicht mehr groß ist. Die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wissen, was getan werden müsste. Die Erkenntnisse über den Klimawandel liegen auf dem Tisch, der IPCC hat in seinem jüngsten Bericht aufgezeigt, wo wir aktuell stehen.
Soziale Ungleichheit auch in der Apokalypse
Was wirklich schlimm ist: Die ersten Leidtragenden werden die Armen sein, die nicht die Mittel und Möglichkeiten haben, sich gegen die Klimaveränderungen zu schützen. Klimaanpassung und die Entwicklung von Resilienz muss man sich leisten können. Die Reichen und Mächtigen werden sich in ihre klimatisierten Trutzburgen zurückziehen und bis zum endgültigen Kollaps des Globus die Champagnerkorken knallen lassen. Ihre Bodyguards werden jeden mit Waffengewalt daran hindern, einzudringen. Weitere apokalyptische Szenarien überlasse ich Eurer und meiner Phantasie.
Liebe Klimaaktivisten, ab jetzt müsst Ihr tapfer sein. Ihr wolltet ja Klartext reden.
Ich habe mich ein bisschen auf Eurer Website umgesehen und mir Euren Vortrag angehört. 46 Minuten, puuh. Vieles davon ist redundant, Ihr argumentiert mit ständigen Wiederholungen, die Ihr Euch sparen könntet („Wir sind der Überlebenswille der Gesellschaft“, „Schon bald wird es zu spät sein und die Gesellschaft verschließt die Augen“, „keine Zeit mehr um kleine Maßnahmen zu machen“. Und dann, wenn es um konkrete Forderungen geht (auf die man in Euren Vorträgen lange warten muss) wollt Ihr Tempolimit 100 auf Autobahnen und ein bundesweites 9-Euro-Ticket. Echt jetzt? Mehr fällt Euch an konkreten Forderungen nicht ein?
Eure Erfolge messt Ihr an der medialen Aufmerksamkeit, an den Blockaden, an der Zahl der Festnahmen (Wir suchen Menschen, die bereit sind, sich festnehmen zu lassen …). Was ist denn für das Klima erreicht, wenn viele von Euch festgenommen werden?
Ich weiß nicht, welche Adressaten Ihr bei Euren Beiträgen auf der Website vor Eurem geistigen Auge habt. Mich offenbar nicht. Es gibt ein paar Sachen, die in Eurer Selbstdarstellung extrem nerven. Dazu gehört diese moralische und oberlehrerhafte Attitüde „Was tut ihr?“ Ihr glaubt offenbar, dass alleine Ihr etwas tut. Am Anfang erklärt Ihr uns die Klimakatastrophe und legt uns nahe, uns damit emotional zu verbinden. „Was Ihr verstehen müsst, wir reden hier über….“ Wieso geht Ihr davon aus, dass Ihr uns (mir) das Ausmaß der Katastrophe erklären müsst?
Zu den Dingen, die nerven, gehören Eure Eitelkeit, Euer Hang zur Selbstglorifizierung und zum Märtyrertum (Ihr vergleicht Euch mit der Bürgerrechtsbewegung in den USA!), und Eure Humorlosigkeit. Ok, das Thema ist verdammt ernst. Über den Klimawandel selbst kann man kaum Witze machen. Über Euch aber schon. Ich vermisse eine gewisse Fröhlichkeit, Witz, Frechheit, lustige Provokation usw. in Euren Aktionen.
Also: Macht Euch einfach mal locker!
Neubaur gegen Neubauer: Muss Lützerath wirklich weg?
Veröffentlicht: 11. Januar 2023 Abgelegt unter: Innenpolitik, Klimawandel | Tags: Braunkohle, Klimawandel 3 KommentareJa (leider), meint Mona Neubaur, NRW-Wirtschaftsministerin. Luisa Neubauer, Klimaaktivistin, sieht das anders. Wer hat die besseren Argumente?
Mona oder Luisa: Wer ist die Schönste im ganzen Land?
Die Verlockung, hier mit einem Wortspiel a la „Mona Lisa“ einzusteigen, ist groß. Aber das lassen wir mal. Meine Sympathie ist mehr bei Mona. Das hat aber keine sachlichen Gründe. Sie ist einfach sympathischer. Außerdem Schwäbin. Hat was Ähnliches studiert wie ich. 2021 hat sie 74.000 Euro verdient und keine weiteren Nebeneinkünfte. Das finde ich ok. Luisa dagegen, die allzeit präsente Klimafrau, ist mir irgendwie zu hektisch, zu eloquent, zu gutaussehend, zu missionarisch. Wahrscheinlich wird sie bald heiliggesprochen oder für den Friedenspreis der Deutschen Talkshows vorgeschlagen. Dazu muss sie, wie Promis das so machen, vielleicht erst noch für Plan International nach Afrika fahren und Negerkinder streicheln.


Wer hat die besseren Argumente?
Pikant daran ist, dass beide Mitglieder (MitgliederInnen geht gar nicht!) der Grünen sind und damit auch die innerparteiliche Zerreißprobe repräsentieren. Sie stehen für das Dilemma der Partei, zwischen realpolitischen Erfordernissen und notwendigem radikalem Politikwechsel im Sinne des Klimaschutzes entscheiden zu müssen.
Ob die Kohle unter Lützerath wirklich gebraucht wird, darüber wird gestritten. Die grüne Ministerin Neubaur ist überzeugt, dass die Lützerath-Kohle gebraucht wird, um die Energieversorgung für diesen und den nächsten Winter gewährleisten zu können. Lützerath sei zudem Ergebnis eines Kompromisses mit RWE, wonach der Kohleausstieg von 2040 auf 2030 vorgezogen werden kann. Darauf haben sich Robert Habeck und Mona Neubaur mit RWE verständigt. Der Kompromiss sieht vor, die Verstromung der Braunkohlemenge im Tagebau auf rund 280 Millionen Tonnen zu halbieren. Außerdem sollen fünf von der Umsiedlung bedrohte Dörfer erhalten bleiben. Dafür muss Lützerath weichen.
Luisa Neubauer, führende Vertreterin der Klimaaktivisten, ist ganz anderer Meinung: „Für Energiesicherheit in der Krise braucht es die Kohle in Lützerath nicht“. Beide Seiten berufen sich für ihre jeweiligen Positionen auf entsprechende Gutachten. Luisa zum Beispiel auf die von „Europe Beyond Coal“ beauftragte Untersuchung durch „Aurora Energy Reseach“ mit dem Ergebnis, dass die Kohle unter Lützerath nicht gebraucht wird. Die NRW-Regierung beruft sich auf gleich drei Gutachten, die zu einem ganz anderen Ergebnis kommen, und auf die Rechtsprechung, die Klagen gegen die Räumung von Lützrath abgewiesen hat.
Der Klimawandel duldet keine Kompromisse mehr
Das Dilemma lässt sich so skizzieren: Muss im Sinne des Klimaschutzes nicht viel energischer die „Dekarbonisierung“ und die Umstellung auf Erneuerbare Energien vorangetrieben werden? Sind Kompromisse wie der von der NRW-Regierung ausgehandelte angesichts der dramatischen Veränderungen des Klimas noch vertretbar? Aus Sicht der Klimaforschung ist die Sache eindeutig: Die Zeit zum Umsteuern läuft ab. Kompromisse, erst recht faule, helfen nicht weiter. Aber kompromisslos kann nur sein, wer auch die Macht hat, die in der Sache notwendige Maximalforderung gegen ideologische Widerstände und Profitinteressen durchzusetzen. Womit wir mal wieder bei Max Weber und seiner Gesinnungsethik wären.
Der Klimawandel wird nicht in Lützerath entschieden
Wie die Sache im Falle von Lützerath ausgeht, scheint klar zu sein: Die staatliche (Über)Macht wird Lützerath räumen. Natürlich darf man fragen: Warum verzichten RWE und NRW-Landesregierung nicht auf die Räumung und die dann geplante Abbaggerung der unter Lützerath liegenden Braunkohle? Wäre es im Sinne einer Befriedung der Fronten nicht besser, auf die Räumung zu verzichten? Der Klimawandel wird nicht in Lützerath entschieden.
Bleibt zu hoffen, dass die Räumung ohne Gewalt von beiden Seiten vonstattengeht. Die Klimaaktivisten und Besetzer (natürlich auch -Innen) wollen friedlich und gewaltfrei Widerstand gegen die Räumung leisten. Die Polizei ist mit einem Riesenaufgebot vor Ort, und wer eine solche massive Polizeipräsenz je erlebt hat, weiß, wie schnell dadurch ein aggressives Klima entsteht, an dem sich beide Seiten hochschaukeln. An die Adresse der AktivistInnen sei gesagt: Lützerath mag symbolische Wirkung für eine Politik haben, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat. Aber der Klimawandel wird, wie schon gesagt, nicht in Lützerath entschieden.
SUVler aller Länder, vereinigt Euch!
Veröffentlicht: 13. August 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Wirtschaft | Tags: Afghanistan, Eskapismus, Klimawandel, Peace Enforcement, Penisneid, SUV Hinterlasse einen KommentarDie Deutschen kaufen wieder mehr SUVs. Darauf hatten wir bereits in unserem Blogbeitrag „Umweltkatastrophe: Die Stunde der Heuchler“ vom 17. Juli 2021 hingewiesen. Heute wollen wir mal nicht, wie es in linksversifften ökosozialistischen Kreisen üblich ist, die Besitzer von SUVs in die Moralpfanne hauen. Mitnichten. Auch SUV-Fahrer*innen sind Menschen, die unseren Respekt verdienen. Ein SUV, ein Sport Utility Vehicle, ist ja eigentlich ein Geländewagen. Im Stadtverkehr und auf Autobahnen also unbedingt zu empfehlen. Dieser Fahrzeugtyp wird bevorzugt von älteren Männern gefahren. Doch auch Frauen scheinen daran Gefallen zu finden. Solche „Hausfrauenpanzer“ oder „Muttipanzer“ werden vermehrt beim Absetzen des Nachwuchses vor Kita und Schule beobachtet.
Warum kaufen vollausgewachsene und intelligente Menschen solche panzerähnlichen PS-Kanonen? Bei Wikipedia können wir lesen, dass „ein gewisses Überlegenheitsgefühl“ sowie „Schutzbedürftigkeit“ als Motive eine Rolle spielen. Schutzbedürftig! Wie herzig! Manche SUV-Fahrer, so die Forscher, versuchen auch, sich mit den „meist überdurchschnittlich großen und häufig auch aggressiv designten Fahrzeugen in der immer rauer gewordenen Verkehrsumwelt Respekt zu verschaffen“. Das passt schon eher. Wenn dir beim Überholen auf der Autobahn mit deinem popeligen 45-PS-Kleinwagen ein von hinten mit höchster Geschwindigkeit heranbrausender SUV Respekt fordert, dann solltest du dich ganz schnell wieder auf die rechte Spur verkrümeln, wo dein Platz ist. Auf Parkplätzen und in Tiefgaragen verschaffen sich die SUVs Respekt, indem sie mehr als einen Platz belegen. Wikipedia behauptet auch, das SUV sei das „Fahrzeug des Eskapismus“ (schon wieder ein neues Fremdwort, das wir, nachdem wir es im Brockhaus (sic!) nachgeschlagen haben, gerne in unseren Angeberwortschatz aufnehmen) – also Flucht vor der Realität in eine Scheinwelt.
Psychologen wollen herausgefunden haben, dass es, was die Vorliebe der Männer für SUVs anbetrifft, einen Zusammenhang zwischen nachlassender sexueller Potenz und Vorliebe für PS-starke dicke Schlitten gebe. Diese sexualpsychologische Erklärung erscheint mir etwas zu simpel. Zumal diese These bei Frauen als Käuferinnen nicht greift, es sei denn, man bemüht den freudschen Penisneid als tiefenpsychologisches Erklärungsmuster. Ich habe meine eigene Theorie, warum sich Menschen so ein protzigfettes Teil – in der Schweiz auch als Goldküstenpanzer verhöhnt – zulegen. Es handelt sich offensichtlich um die Verarbeitung eines schweren frühkindlichen Traumas, nämlich das Trauma einer bobbycarlosen Kindheit. Wir wissen, dass die frühkindliche Phase entscheidend für die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung des Kindes ist. Wer eine Kindheit ohne Bobbycar durchleben musste – was für die Älteren unter uns der Normalfall gewesen sein dürfte – konnte keine emotionale Bindung zu jeder Art von Fortbewegung auf vier Rädern entwickeln. Genauso wichtig für die Entwicklung des Kindes wie die ersten Bindungen sind die späteren Ablösungsprozesse, die in der Regel während der Pubertät stattfinden. Wo aber keine Bobbycar-Bindung entstehen konnte, da fehlt auch der entsprechende Ablösungsprozess. Der SUV-Fahrer, die SUV-Fahrerin muss diesen pubertinösen Entwicklungssprung nachholen – so isses nämlich! Schutzbedüftig und zu früh vom Töpfchen gezerrt!
Wie man die Zunahme der SUVs auf deutschen Straßen in konstruktive Bahnen lenken kann, auch darüber habe ich mir meine eigenen Gedanken gemacht. Zwangsenteignungen helfen ja auch nicht weiter. Wie wäre es, wenn man alle SUVs mit einer auf dem Autodach verschraubten 60mm-Schnellfeuerkanone ausstattet – die sind meines Wissens in den USA in jedem Baumarkt erhältlich? Die für die Steuerung der Kanone erforderliche App lässt sich sicher auf dem Smartphone installieren. Damit würde der SUV dann wirklich zum Panzer. Einsatzgebiete gäbe es genug: Zum Beispiel aktuell Afghanistan, wo wir mit einer Armee an bewaffneten SUVs die Taliban in ihre Höhlen zurücktreiben könnten!! Das wäre doch eine coole Sache. António Guterres, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, wäre sicher begeistert. Eine neue UN-Strategie zum Peace Enforcement (Friedenserzwingung) nicht nur für Afghanistan, sondern auch für Syrien, den Jemen, Äthiopien, Großbritannien, die Westsahara, usw.
SUVler aller Länder, vereinigt Euch!
Unwetterkatastrophe: Die Stunde der Heuchler
Veröffentlicht: 17. Juli 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Gesellschaft, Katastrophen | Tags: Armin Laschet, Flutkatastrophe, Klimaschutz, Klimawandel 8 KommentareStatements von Landes- und Bundespolitikern zur jüngsten Unwetterkatastrophe mit vielen Todesopfern und schweren Schäden an Gebäuden und Infrastruktur enthalten, neben der üblichen Betroffenheitsrhetorik, zumeist auch den Hinweis darauf, wie sehr man den Kampf gegen den Klimawandel jetzt vorantreiben müsse. Das ist richtig, aber in vielen Fällen eben auch zutiefst heuchlerisch.
Bei der jetzigen schweren Unwetterkatastrophe handelt es sich um eine Katastrophe mit Ansage. Dass der Klimawandel auch Extremwetterereignisse zur Folge haben wird, sowohl was die Häufigkeit als auch was die Intensität betrifft, ist hinlänglich bekannt. 2014 habe ich für meinen ehemaligen Arbeitgeber Caritas international die Erfahrungen im Umgang mit Naturkatastrophen in Deutschland in einem Handlungsleitfaden „Fluthilfe in Deutschland“ zusammengefasst. Kurze Passagen daraus lohnt es zu zitieren: „Das größte Katastrophenrisiko geht in Deutschland von extremen Wetterereignissen aus. Beispiele dafür sind die schweren Überschwemmungen der letzten beiden Jahrzehnte (Oderflut 1997, Augustflut 2002 in Mitteleuropa und Donau- und Elbeflut 2013) … Aufgrund des Klimawandels ist mit einer Zunahme schwerer Unwetter- und Hochwasserkatastrophen in Deutschland zu rechnen.“
Und an anderer Stelle heißt es: „Der Begriff „Naturkatastrophe“ ist allerdings irreführend. Ein Naturereignis (Sturm, Vulkanausbruch, Erdbeben, Überschwemmungen usw.) wird oft erst deshalb zur Katastrophe, weil menschliche Eingriffe in die Natur, z.B. Besiedelung in gefährdeten Gebieten, Flussbegradigungen, Abholzung von Wäldern usw. einen wesentlichen Anteil an der Verursachung von Katastrophen haben.“
Auch wenn ein direkter zeitlicher oder kausaler Zusammenhang zwischen den schweren Unwettern dieser Tage und dem schleichenden Klimawandel kaum nachzuweisen ist: Was muss eigentlich noch alles passieren, bis auch der letzte Skeptiker und Verharmloser verstanden hat, was die Stunde geschlagen hat? Es ist längst alles zu den Ursachen und Folgen des Klimawandels gesagt. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Wer sich informieren will, kann es tun. Demnächst wird der 6. Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC erwartet. Spätestens seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 sollte allen klar sein, dass schnell und konsequent gehandelt werden muss, wenn die Erderwärmung noch gebremst werden soll. Die Auswirkungen kann jede und jeder schon jetzt im eigenen Alltag beobachten.
Die Bundesregierung hat sich, was den Klimawandel und die notwendigen politischen Maßnahmen angeht, bis auf die Knochen blamiert. Das halbherzige Klimagesetz von 2019 wurde am 24.03.2021 vom Bundesverfassungsgericht kassiert mit der Begründung, es verschiebe „hohe Lasten für die Minderung der Emissionen unumkehrbar auf die Zeit nach 2030“ und verletze damit die Freiheitsrechte der nachfolgenden Generationen. Das Gericht hat gleichzeitig die Bundesregierung dazu verdonnert, ihr Klimagesetz nachzubessern. Aber auch die jetzt geplante Nachbesserung wird von Umweltverbänden als unzureichend beurteilt (siehe dazu die Stellungnahme der Deutschen Umwelthilfe).
Die Klimaschutzpolitik der CDU/CSU war in den vergangenen Jahren eher eine Blockadepolitik; für NRW und seinen Ministerpräsidenten Armin Laschet gilt das in besonderem Maße. Er blockiert seit Jahren den Ausbau der Windkraft und fördert weiterhin die Kohleverbrennung. Auf Bundesebene hat sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier einen Namen als Blockierer von Klimaschutzmaßnahmen gemacht und als Amigo der mächtigen Wirtschaftsverbände ausgezeichnet. Deshalb ist es überaus heuchlerisch, jetzt, angesichts der Katastrophe, die Notwendigkeit verstärkter Klimaschutzmaßnahmen zu betonen. Die Union hat in ihrem Programm für die kommenden Bundestagswahlen zum Thema Klimaschutz nur Allgemeinplätze und unverbindliche Floskeln parat. Originaltext Laschet bei der Vorstellung des Programms: Wir stehen für den „Dreiklang von Klimaschutz, wirtschaftlicher Stärke und sozialer Sicherheit“. Seine Partei will, so steht es im Wahlprogramm, auf „Anreize statt auf Verbote, auf Innovationen und Wettbewerb und auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Landwirtschaft“ setzen.
Wie das im konkreten Alltag aussieht, zeigt etwa das Beispiel von Martin Herrenknecht, einem prominenten CDU-Mitglied und Unternehmer aus Südbaden, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und des Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Der pestet zum wiederholten Mal mit großformatigen Anzeigen in der Badischen Zeitung gegen die Grünen und gegen den Ausbau der Windkraft:

Es könnten noch viele Beispiele angeführt werden, die belegen, dass die Bemühungen um einen wirksamen Klimaschutz unter der jetzigen Bundesregierung halbherzig sind.
Es wäre allerdings auch wohlfeil, nur mit dem Finger auf die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu zeigen. Einen wichtigen Anteil am CO2-Ausstoß und damit an der Erderwärmung haben die privaten Haushalte, also wir. Wie wir uns fortbewegen, konsumieren, ernähren, reisen, heizen, Strom verbrauchen – wir wissen längst, dass nur ein ressourcenschonender Lebensstil die Zukunft künftiger Generationen sichern kann. Die Automobilindustrie hat sich große Ziele gesetzt und will, auch unter dem Druck der europäischen Gesetzgebung, in den nächsten Jahren die Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor auf Null fahren. Dass die Deutschen trotzdem immer noch gerne große Autos kaufen, nach dem Motto „Scheiß aufs Klima, SUV ist prima“ zeigt diese Statistik:

Nie wieder Krieg. Wann, wenn nicht jetzt?
Veröffentlicht: 11. April 2020 Abgelegt unter: Allgemein, Gesellschaft | Tags: Armut, Corona, Flüchtlinge, Klimawandel, Krieg 5 KommentareOstern, so will es die Bundesregierung, sollen wir weiterhin zu Hause bleiben. Wir halten uns daran. Ein Osterspaziergang (Vom Eise befreit, und so) ist natürlich erlaubt, aber kein Ostermarsch (hopp hopp hopp, Atomraketen stopp). Also Zeit zum Lesen. Der folgende Text ist längenmäßig zumutbar, inhaltlich herausfordernd und sprachlich passabel. Er wurde mit dem Blablameter (www.blablameter.de ) getestet und erreichte einen Bullshit-Index von 0,26. Das ist relativ gut. Es darf trotzdem Kritik geübt werden.
Die Coronakrise treibt seltsame Blüten. Verschwörungstheoretiker schwadronieren von einer „Machtergreifung unter dem Deckmantel der Volksgesundheit“, sehen als Verursacher der Pandemie wahlweise 5G-Strahlung, Bill Gates, die Pharmaindustrie, die Strafe Gottes, eine biologische Waffe, die zionistisch-kapitalistische Wasweißich oder die Chinesen. Andere wiegeln ab und meinen, die ganze Geschichte sei doch bloß – in Anlehnung an Bruno Labbadia – „von den Medien hochsterilisiert“. Sterilisieren kann in diesen Zeiten ja nicht schaden. Und gegen das Virus nehme man wahlweise ein Sonnenbad, eine aufgeschnittene Zwiebel oder MMS – zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Bestatter.
Was aber hilft gegen die tiefe Verzweiflung über so viel in den sozialen Medien verbreiteten Schwachsinn außer Zynismus? Mein persönliches Rezept lautet: Mundschutz ja – Maulkorb nein. Warum nicht mal die Welt nach Corona ganz neu denken? Seid realistisch, verlangt das Unmögliche! Wann, wenn nicht jetzt, wo das öffentliche Leben weitgehend zum Stillstand gekommen ist, wäre ein guter Zeitpunkt, Pläne für eine bessere Zukunft nach Corona zu schmieden? Gehe zurück auf Los und versuch´s noch mal, aber besser? Nach dem Motto: „Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen“ (Harald Welzer).
Hier meine unsortierten spontanen Vorschläge, wie wir leben könnten:
Nie wieder Krieg! Wann, wenn nicht jetzt, wäre ein guter Zeitpunkt, alle aktuellen Kriege und Gewaltkonflikte zu beenden (Syrien, Afghanistan, Libyen, Ukraine, Jemen, Mexico, etc.)? Da müsste man ja nicht einmal etwas tun, sondern nur etwas unterlassen. Verlierer wären die Warlords, die Kriegstreiber, die machthungrigen Despoten, die Waffenproduzenten, aber auf die können wir gerne verzichten. Zugegeben, so einfach ist das nicht. Manche Konflikte sind nicht mal eben so aufzulösen (Nahost). Schon einmal hat es einen günstigen Zeitpunkt für „Nie wieder Krieg“ gegeben, nämlich im Frühsommer 1945. Solche Gelegenheiten ergeben sich nicht oft in der Geschichte, also beim Schopf ergreifen!
Den Klimawandel stoppen: Wie das gehen kann, muss ich hier nicht erklären. Das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 war ein guter Ansatz. Jetzt muss gehandelt werden, global, national, lokal, jede/r im persönlichen Verhalten. Wer wissen will, wie es gehen kann, der/die lese das empfehlenswerte Buch von Rainer Grießhammer (siehe meinen vorherigen Blogbeitrag). Jonathan Franzen meint zwar, es sei eh zu spät („Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen“), hält aber klimaschonendes Verhalten dennoch nicht für sinnlos. Die „Fridays for Future“-Generation hat uns daran erinnert, dass es höchste Zeit ist, den Allerwertesten hochzukriegen.
Die Grenzen des Wachstums: Unsere Lebens- und Wirtschaftsweise ist nicht zukunftsfähig (Club of Rome). Stattdessen brauchen wir ein Konzept nachhaltiger Entwicklung. Was das heißt? Qualitatives statt quantitatives Wachstum, Nutzung alternativer Energien, Erhalt der natürlichen Umwelt, Produktion und Konsum umweltverträglich gestalten. Näheres siehe „Ziele für Nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen.

Armut bekämpfen: Zugegeben auch keine kleine Aufgabe, wenn man globale Armutsbekämpfung meint. Trotzdem ist und bleibt der Kampf gegen die Armut ein Gebot der Humanität, weil alle Menschen das Recht auf ein Leben ohne Hunger, ohne Angst, ohne Verfolgung haben.
Eine humane Flüchtlingspolitik: Wenn eine Pfarrerin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (Wort zum Sonntag) sagt: „Mit Verlaub, ich könnte kotzen“, angesichts der europäischen Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen, dann muss es wohl Ernst sein. Wir Europäer regen uns über die Mauer von Donald Trump auf, bauen aber selber Zäune und greifen zu Tränengas, um uns Flüchtlinge vom Hals zu halten. Seenotrettung: Fehlanzeige. Stattdessen Millionen für Frontex und die griechische Regierung, die das Asylrecht außer Kraft setzt. Jetzt (9. April) will Deutschland 50 minderjährige Geflüchtete aus den Elendslagern in Griechenland aufnehmen. Was wäre die Steigerung von kotzen?
Fazit: Ich denke, das reicht für´s Erste. Gesellschaftliche Utopien gäbe es noch mehr. Nun ist das mit den Utopien so eine Sache. Selbst die Philosophen sind sich da nicht einig. Karl Popper hält nichts von utopischen Idealen und schlägt stattdessen vor, reale Probleme zu bekämpfen. Dagegen plädiert Adorno für eine grundsätzlich utopische Haltung: „Empfindsam bleiben ist eine gleichsam utopische Haltung, die Sinne für ein Glück geschärft zu halten, das nicht kommen wird, jedoch uns in Bereitschaft für es vor den ärgsten Verrohungen schützt“. Adornos Texte erreichen übrigens bei Blablameter bessere Werte, als man zu vermuten geneigt ist.
In diesem Sinne: Frohe Ostern!
Meine Buchempfehlung: Klimaretten von Rainer Grießhammer
Veröffentlicht: 6. April 2020 Abgelegt unter: Allgemein, Gesellschaft | Tags: Klimaschutz, Klimawandel Hinterlasse einen KommentarGibt es noch andere Themen als das, was derzeit den Alltag und alle Medien beherrscht? Ja, es gibt. Wie wär´s zur Abwechslung mal mit dem Buch von Rainer Grießhammer: #klimaretten. Jetzt Politik und Leben ändern – erschienen im Lambertus-Verlag Freiburg. Ja, richtig, in diesem Verlag hätte man ein solches Buch nicht unbedingt erwartet, charakterisiert er sich doch selbst als Verlag für den Bereich der sozialen Fachbücher (Heilpädagogik und Behinderung, Alter und Pflege, Eltern und Kinder, Abhängigkeit und Sucht und viele weitere Fachgebiete) sowie Büchern zum Sozialrecht und kirchlichen bzw. caritativen Arbeitsrecht.
Umso erfreulicher die Öffnung für das hochaktuelle Thema des Klimaschutzes. Vielleicht kommt es ja auch daher, dass der Autor Rainer Grießhammer in Freiburg lebt und arbeitet und dem Verlag über persönliche Kontakte verbunden ist.
Egal wie: Das Buch kann ich wirklich sehr empfehlen. Es enthält praktische und alltagstaugliche Verhaltensempfehlungen für Energieverbrauch, Mobilität, Ernährung und Wohnen, verbunden mit glasklaren Forderungen an die Politik. Wer gute Argumente für aktives Handeln in Sachen Klimaschutz sucht, ist hier richtig. Der Online-Zugriff auf das ganze Buch ist im Kaufpreis der Printausgabe (19,90 €) mit enthalten.
Der Autor weiß, wovon er spricht: Er leitete viele Jahre das Freiburger Ökoinstitut, ist Professor für Nachhaltige Produkte und Bestseller-Autor sowie Mitglied im WBGU, dem Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für globale Umweltänderungen. Das durchgängige Motto des Buches: Verhalten und Verhältnisse müssen geändert werden kann hoffentlich all diejenigen überzeugen, die gerne mit dem Finger auf die Politik zeigen und meinen, dass Änderungen im persönlichen Verhalten nichts bringen, solange sich im Großen nichts ändert.
Keine Ausgangssperre für den Klimawandel
Veröffentlicht: 21. März 2020 Abgelegt unter: Allgemein, Gesellschaft | Tags: Klimawandel, Politik Hinterlasse einen KommentarWozu die Politik fähig ist, wenn es wirklich ernst wird, sehen wir in diesen Tagen. Warum ist das beim Klimawandel bisher nicht möglich? Was notwendig wäre, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch abzuwenden und die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, ist bekannt. Was die Bundesregierung mit ihrem sogenannten Klimapaket vom September 2019 beschlossen hat, ist lächerlich wenig und nicht geeignet, die Versprechen einzulösen, die Deutschland beim UN-Klimagipfel von Paris 2015 gemacht hat. Deshalb müssen wir selbst aktiv werden und den Druck auf die Politik erhöhen. „Fridays for Future“ hat uns gezeigt, wie das gehen kann. Den Slogan der Jugend: „Wir sind jung, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ können wir ja altersgemäß abwandeln: „Wir sind alt, wir sind leise, wir finden Klimawandel auch nicht so gut“.
Im Ernst: Die Lobbyarbeit zugunsten einer besseren Klimaschutzpolitik muss weitergehen und darf wegen Corona jetzt nicht nachlassen. Dafür bieten sich die Bundestagswahlen im nächsten Jahr an. Die Kampagne „GermanZero“ hat es sich zum Ziel gesetzt, einen Klimaplan und die notwendigen Gesetzesentwürfe zu erarbeiten: „Tausende von Bürgerinnen und Bürgern sollen mit diesem Gesetz unsere Demokratie von unten beleben und das Paket 2022 in den Bundestag einbringen.“ Mehr zu GermanZero und den Zielen findet Ihr hier. Die Zeit, die uns bleibt, um die Wahlen im Sinne einer wirksamen Klimapolitik zu beeinflussen, ist nicht unbegrenzt; wenn die Wahlen erst einmal gelaufen und die Koalitionsverhandlungen abgeschlossen sind, ist es zu spät.
Deshalb lade ich dazu ein, diese Kampagne zu unterstützen. Auf der Website von GermanZero kann man sich zum Mitmachen eintragen und auch dafür spenden. Und wenn Ihr noch nicht überzeugt seid, dann schaut Euch mal dieses Video (3 Min.) an.
Wenn uns Corona schon zwingt, untätig zuhause rumzusitzen und unsere sozialen Aktivitäten einzuschränken, dann können wir trotzdem auf diesem Wege politisch aktiv werden!

