Unsterblich. Zum Tod von Tilmann Evers

Tilmann Evers ist am 28.10.2025 im Alter von 83 Jahren gestorben. Warum mich sein Tod zu einem Blogbeitrag veranlasst? Ich bin nicht einmal sicher, ob wir uns je persönlich begegnet sind. Sein Name, sein hohes Engagement für Frieden und Gerechtigkeit sind mir in Laufe meiner  politischen Sozialisation und späteren Berufstätigkeit im Feld der Entwicklungspolitik immer wieder begegnet. In meinem 1980 erschienenen Buch über Bolivien[1] waren Texte von Tilmann Evers wichtige Quellen. Seine Arbeiten zu Lateinamerika und zur Entwicklungstheorie und -politik und sein Engagement in der praktischen Solidaritätsarbeit für Lateinamerika – z.B. als Gründer und Vorsitzender des Forschungs- und Dokumentationszentrums Lateinamerika (FDCL) – waren über Jahrzehnte auch die Themen, die mich in Beruf und Alltag beschäftigten. Tilmann Evers hat sich als Vorstand im Forum Ziviler Friedensdienst (forum ZFD, jetzt ProPeace) engagiert, wo meine Tochter heute für den Zivilen Friedensdienst arbeitet.

In Gedenken an seinen Freund Tilmann Evers hat Prof. Dr. Claus Eurich kürzlich einen Beitrag noch einmal veröffentlicht, den Tilmann 2019 als Gastbeitrag auf dem Blog von Eurich unter der Überschrift „Unsterblich?“ veröffentlicht hat. Ich erlaube mir, den Beitrag hier in voller Länge abzudrucken (und hoffe auf das Einverständnis von Claus Eurich).

Gastbeitrag von Tilman Evers (2019)

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Wir kennen diesen Satz von Albert Schweitzer, in dem er seine Gedanken zur Ehrfurcht vor dem Leben verdichtete. Wie aber steht dazu der andere Satz, der sich daran anfügt: Wir sind sterbliche Wesen, die den Tod scheuen, inmitten von sterblichen Wesen, die den Tod scheuen? Hebt das nicht den ersten Satz auf, weil doch sowieso alles untergeht? Im Gegenteil. In jedes Lebewesen ist der Zyklus von Geboren-Werden, Reifen und Sterben, von Keimen, Blühen und Verwelken eingebaut – und nur deswegen kann es das Große Leben in seinen abermilliarden Formen über Milliarden Jahre geben. Unsterblichkeit wäre Erstarrung. Der Tod ist Teil des Lebens. Er ist Ferment der Evolution.

Das meint freilich den natürlichen Tod, dessen Zeit in den Genen mitgegeben oder der in den Nahrungsketten begründet ist; gerade sie machen den Zusammenhang von Tod und Leben offenkundig. Es meint nicht die massenhafte, mutwillige Tötung von Lebewesen zum Fleischkonsum oder durch Pestizide, auch nicht die blinde Ausrottung von ca. 100 Arten pro Tag durch die anhaltende Gier einer einzigen Spezies, die sich ausgerechnet homo „sapiens“ nennt.

Wohl aber hat diese Ausrottung viel damit zu tun, wie der Mensch zu seiner eigenen Sterblichkeit steht. Es heißt, der Mensch sei das einzige Wesen, das um seine Sterblichkeit weiß. Sind wir da so sicher? Vielleicht ist der Mensch nur darin einzig, dass er das Wissen um seine Sterblichkeit nach Kräften verdrängt. Weithin leben wir so, als sei unsere Lebenszeit unbegrenzt und als ginge der Tod uns nichts an. Dass wir ihn dennoch insgeheim scheuen, ja die Angst vor ihm unterschwellig unsere gesamte Zivilisation durchzieht, das zeigt sich an den zahllosen Ersatz-Sicherheiten, mit denen wir unser Dasein anfüllen.

Da sind die von unserer Gattung erdachten und errichteten Schutzhüllen unserer Maschinen, unserer Städte und Transportmittel, die uns die Natur vom Leibe halten und untertan machen soll. Wie gut: Diese Hüllen aus Beton und Stahlblech kennen keine Sterblichkeit! Erkauft sind sie mit einem Raubbau an den Ressourcen der Natur, der uns übermenschliche Kräfte verleiht. Dass diese Kräfte entscheidend aus fossilen Energien, also der seit Jahrmillionen gespeicherten Biomasse stammen und damit endlich sind: Es ist aus dem Blick und aus dem Sinn geraten – mögen künftige Generationen sich kümmern. Lasst uns alles in Geld verwandeln und in Geld ausdrücken, denn auch Geld überdauert den Tod. Und wenn all diese Lebens-Versicherungen, nein: Todes-Verdrängungen nicht reichen, bauen wir Mauern von Konsum und Zerstreuung um uns herum.

All dieser Kampf gegen unsere Sterblichkeit war nicht erfolglos: In den letzten hundert Jahren hat sich die Lebenserwartung verdoppelt, die Weltbevölkerung verfünffacht, die Wirtschaftsleistung verzehnfacht. Der Zukunftsforscher Hariri sagt weitere Zuwächse dieser Lebensverlängerungsindustrie voraus. Um welchen Preis? Wie viele Arten auf diesem Planeten müssen erlöschen, damit diese eine Art sich ihre Sterblichkeit weiter aus dem Blick rücken kann.

Es bleibt die Scheu vor dem Tod. Sie verbindet uns mit allem Lebenden. Und ja, sie mag bei uns Menschen stärker ausgeprägt sein – weil unser Bewusstsein uns dazu verleitet, uns mit unserem vergänglichen  Ich zu identifizieren. Aber das Leben in uns war und ist stets mehr und Größeres als dieses Ich. Es ist ein Geschenk, das uns auf Zeit verliehen ist, und dessen Quelle wir nicht kennen. Wir können sie allenfalls erahnen. Führt unser Sterben uns zurück in jenes Große Leben, aus dem wir kamen? Sind wir mitsamt unserem Geboren-Werden, Leben und Sterben nur eine Welle im Ozean dieses Großen Lebens – und in diesem überpersönlichen Sinne doch: unsterblich? Wir wissen es nicht. Aber die Hoffnung darauf kann uns helfen, nicht länger in Unsterblichkeits-Surrogate zu flüchten – die nun wirklich tödlich sind.


[1] Unser Reichtum hat immer unsere Armut hervorgebracht. Zur Geschichte und Gegenwart wirtschaftlicher Abhängigkeit und politischer Unterdrückung in Bolivien. Bonn / Trier 1980


Wie gefährlich ist Künstliche Intelligenz (II)?

Im ersten Teil meines Blogbeitrags über Künstliche Intelligenz (KI) ging es um die Chancen und Risiken der KI, wie sie unsere Gesellschaft verändert und wie sie von Militärs für das gezielte Töten von politischen Gegnern (targeted killing) genutzt wird. Heute möchte ich zwei weitere Aspekte der KI beleuchten: Wie verändern digitale Zwillinge (KI-Avatare) unsere sozialen Beziehungen, und was hat es mit dem Metaversum auf sich?

Ich bin kein Roboter. Oder vielleicht doch?

Oder, anders gefragt in Anlehnung an einen Buchtitel von Richard David Precht: Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Man kann nicht sicher sein, ob in der digitalen Welt nicht schon längst eine oder mehrere KI-Kopien vom eigenen Ich herumlaufen, digitale Zwillinge oder Avatare, wie die Dinger heißen. Es gibt sogar schon Software-Programme für die Erstellung von Avataren. In der harmlosen Variante kommen diese virtuellen Klone schon länger bei Computerspielen zum Einsatz. Mit originalgetreu geklonten Stimmen oder Gesichtern prominenter Persönlichkeiten lässt sich die öffentliche Meinungsbildung manipulieren. Über die digitalen Zwillinge hat Adrian Lobe in einem kürzlich erschienener Artikel (30.06.2024) in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unter der Überschrift „So frei wie eine Billardkugel“ beängstigende Szenarien beschrieben und auf die ethische Problematik der „digitalen Verdoppelung“ hingewiesen.

Was sind digitale Zwillinge?

Digitale Zwillinge sind nahezu identische Nachbildungen von physischen Objekten, aber auch von real existierenden Personen, also nicht bloße Playmobilfiguren von prominenten Fußballern. Digital erzeugte Klone verfügen über das gleiche Aussehen, die gleiche Stimme, über identische Bewegungsmuster des Originals. Und noch mehr: Gleiche Präferenzen, gleiche Krankheiten, gleiche Charaktereigenschaften. Wozu das gut sein soll? Man kann zum Beispiel seinen digitalen Zwilling an einem Videomeeting teilnehmen lassen, wenn man selbst keine Zeit oder keine Lust dazu hat. Auch Heiratsschwindler können ihren Job stressfreier ausüben. Aber aufgepasst: Wer seinen digitalen Doppelgänger dazu nutzt, gleichzeitig mit mehreren PartnerInnen ein Techtelmechtel über eine Kuppelbörse anzufangen, könnte Ärger kriegen. Da wären wir wieder im richtigen Leben angekommen. Wer ungern feste Beziehungen eingeht und das Zusammenleben unter einem Dach in der Realität zu riskant findet, der kann seinen digitalen Zwilling mit dem digitalen Partner oder der digitalen Partnerin testweise zusammenleben lassen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?   

Wenig überraschend ist, dass digitale Zwillinge für kommerzielle Interessen genutzt werden, wenn es zum Beispiel um Konsumpräferenzen geht. Oder, um eine positive Nutzungsmöglichkeit zu nennen, die Früherkennung von Krankheiten: Die Medizinforschung kann an einem digitalen Patienten Krankheiten simulieren und Therapien erproben. „Bevor die reale Person krank wird, können vorbeugende Maßnahmen wie eine präventive Operation ergriffen werden“, schreibt Lobe in seinem Beitrag. Ein Ziel der Untersuchungen an virtuellen Klonen ist, Verhalten und Entscheidungen vorherzusagen. Wenn es sich also um eine möglichst perfekte digitale Kopie des Originals handelt, ließe sich zum Beispiel eine Kauf- oder Wahlentscheidung antizipieren. Wer das konsequent weiterdenkt, muss zu der erschreckenden Erkenntnis kommen, dass individuelles Verhalten real existierender Personen vorhersagbar wird, was sich wiederum kommerzielle Unternehmen oder politische Gruppierungen für ihre Zwecke zunutze machen könnten. Lt. Lobe habe sich Amazon vor einigen Jahren ein vorausschauendes Logistiksystem („anticipatory shipping“) patentieren lassen, „bei dem Waren verschickt würden, noch bevor der Kunde auf den Bestellknopf gedrückt hat“.

Tod, wo ist dein Stachel?

Was passiert nach dem Tod des Individuums mit dem oder den digitalen Doppelgängern? Die haben ja keine mit dem Original verknüpfte Abschaltautomatik und geistern weiter in der Cloud herum und treiben da ihr Wesen oder Unwesen. Dass die trauernden Hinterbliebenen zumindest mit der digitalen Version ihres verstorbenen Familienmitglieds noch interagieren können, ist eine eher ungemütliche Vorstellung.

Das Metaversum: Kein richtiges Leben im falschen

Wem das reale Leben mit Kriegen, Krankheiten, Beziehungsstress, Leistungsdruck auf der Arbeit oder in der Schule zu anstrengend wird, dem bietet das Metaversum einen virtuellen, digitalen Raum als Ausweg. Für alle, die mit diesen Dingen bisher nichts oder wenig anfangen können: Im Metaversum können Menschen ihre eigene Welt gestalten. Sie können dort „leben, lernen, arbeiten und feiern“. Sie können sogar mit digitaler Währung in Form von NFTs (Non-Fungible Token) virtuelles Land oder Kunstwerke kaufen und damit spekulieren. In spielerischer Form tauchte das Metaversum 2003 als Plattform Second Life im Internet auf. Im Metaversum findet eine Verschmelzung von realer und virtueller Welt statt, das nennt sich dann „mixed realities“ oder „augmented realities“.

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Wann das alles genau angefangen hat? Vielleicht schon mit Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ von 1932? Oder mit Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren von 1944? Vielleicht aber auch erst 1992 in dem Science-Fiction-Roman „Snow Crash“ von Neal Stephenson, der angeblich zum ersten Mal die Begriffe Metaversum und Avatar benutzte? Und dass eine Plattform digitaler Sozialbeziehungen wie Facebook sich jetzt Meta nennt, ist eine konsequente Folge dieser Entwicklung.

Das Tolle ist: Ich kann im Metaverse in eine künstliche Welt entfliehen (Stichwort Eskapismus), kann mich den Mühen und Unwägbarkeiten des realen Lebens entziehen, muss nicht mehr einkaufen, putzen, waschen oder mich mit real existierenden Idioten rumärgern, ich kann einfach im Metaverse meine eigene Welt schaffen und alles was mich nervt, stresst oder sonstwie im realen Leben einfach nur anstrengt, ausblenden: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt! Ja ist das nicht mega bzw. meta?


Wie gefährlich ist Künstliche Intelligenz?

In meiner Blogwerkstatt liegt schon länger ein unfertiger Beitrag zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) auf Halde, steckengeblieben in einem Wust von Fragen: Wo liegen die Chancen und Risiken? Wie verändert KI unsere Gesellschaft? Fördert KI das Aufkommen radikaler Parteien? Welche ethischen Fragen stellen sich bei der militärischen Anwendung, z.B. in Form von autonomen Waffen? Wie verändern digitale Zwillinge (KI-Atavare) unsere sozialen Beziehungen?

Diese und weitere Fragen zu beantworten würde diesen Blogbeitrag sprengen – ich sähe mich dazu auch gar nicht in der Lage. Deshalb möchte ich mich hier, nach einer kurzen persönlichen Einführung, auf drei lesens- bzw. hörenswerte Quellen zu diesem Thema beziehen: Einen online-Vortrag von Dr. Katharina Gerl vom Düsseldorfer Institut für Internet und Demokratie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: KI verändert unsere Gesellschaft. Zu den Folgen des aktuellen technologischen Wandels, die Rede von Meredith Whittaker Mitte Mai bei der Preisverleihung des Helmut-Schmidt-Zukunftspreises in Hamburg. Eine leicht gekürzte Fassung ist erschienen auf ZEIT-online und schließlich einen kürzlich erschienener Artikel (30.06.2024) von Adrian Lobe in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Digitale Zwillinge: So frei wie eine Billardkugel (davon habe ich leider keinen Link).

Anmerkung: Um die Geduld meiner Leserinnen und Leser nicht zu sehr zu strapazieren, erscheint dieser Beitrag in zwei Teilen. (Übrigens: Eine Passage in diesem Text stammt nicht aus meiner Feder. Ich habe ihn von ChatGPT schreiben lassen. Mal sehen, ob jemand rausfindet, welcher Abschnitt gemeint ist …)

Künstliche Intelligenz versus natürliche Dummheit

Der Hype um die Künstliche Intelligenz (KI) nervt. Jeden Tag neue aufsehenerregende Meldungen von angeblich erstaunlichen Leistungen. Nicht nur ganze Texte nach Stichwörtern kann die KI formulieren, sondern auch täuschend echt wirkende Bilder erzeugen, Stimmen nachmachen, sich selbst als Avatar in einer virtuellen Realität auftreten lassen. Ob selbstfahrende Autos, auch ein Produkt der KI, die Menschheit entscheidend voranbringen? Die KI sei der natürlichen Intelligenz weit überlegen, heißt es. Bei der Lösung komplexer Aufgaben stimmt das wohl. Es ist die größere Rechenleistung, etwa beim Schach, die die KI überlegen macht.

Während die einen vor den angeblichen Gefahren der KI warnen, verweisen andere auf deren Vorzüge und Errungenschaften. Es gibt Anwendungsgebiete, wo die KI von großem Nutzen sein kann, wie zum Beispiel in der Medizintechnik, Weltraumforschung, bei Texterkennungs- und Übersetzungsprogrammen. Eher unheimlich sind dagegen militärische Anwendungen wie etwa bei autonomen Waffen. Manche befürchten, die KI könne bald unser Leben beherrschen. Andererseits: Gegen die natürliche Dummheit kann die KI auch nichts ausrichten. Und die ist, in Kombination mit politischer Verantwortung, wirklich gefährlich. Wozu die KI unfähig ist: Sich ihrer „intelligenten“ Grenzen bewusst zu sein, wie es Sokrates nachgesagt wird: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Chancen und Risiken

KI hat in den letzten Jahren einen enormen Einfluss auf unsere Gesellschaft ausgeübt und wird dies auch in Zukunft weiterhin tun. Die Chancen, die sich durch den Einsatz von KI ergeben sind vielfältig. Zum einen kann KI daz beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten und Arbeitsabläufe zu optimieren. Dadurch können Unternehmen Kosten senken und ihre Produktivität steigern. Darüber hinaus ermöglicht KI auch die Entwicklung neuer Technologien und Innovationen, die unser tägliches Leben erleichtern können.

Auf der anderen Seite birgt die Verwendung von KI auch Risiken für unsere Gesellschaft. Ein zentrales Thema ist die Frage nach der ethischen Verantwortung im Umgang mit KI. Es besteht die Gefahr, dass KI-Systeme aufgrund von Voreingenommenheit oder unzureichender Datengrundlage diskriminierende Entscheidungen treffen. Zudem könnten durch den Einsatz von KI Arbeitsplätze verloren gehen und soziale Ungleichheiten verstärkt werden.

Es ist daher entscheidend, dass wir als Gesellschaft einen verantwortungsvollen Umgang mit KI fördern und sicherstellen, dass ethische Standards eingehalten werden. Nur so können wir die Chancen der KI nutzen, ohne die Risiken zu vernachlässigen. Es liegt an uns allen, gemeinsam eine Zukunft zu gestalten, in der KI zum Wohl der Gesellschaft eingesetzt wird.

KI verändert unsere Gesellschaft

Eine gute Einführung in die Thematik bietet der online-Vortrag von Dr. Katharina Gerl vom Düsseldorfer Institut für Internet und Demokratie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: KI verändert unsere Gesellschaft. Zu den Folgen des aktuellen technologischen Wandels, aufgenommen am 28.09.2023 (Dauer 45 Minuten).

Gerl nennt die weit verbreiteten Anwendungsgebiete der KI, die eine immer größere Rolle in unserem Alltag spielen (Smartphone, PC, online-shopping, autonome Autos, automatische Übersetzung, Smart farming, usw.) und sieht die Chancen der KI darin, dass sie Optimierungswerkzeuge bereitstellen, die uns Zeit sparen, in der Medizin die Erkennung von Krankheiten erleichtern oder Verbesserung von Verwaltungsdienstleistungen ermöglichen – um nur einige Bespiele zu nennen.

Gefahr für die Demokratie?

Neben diesen Chancen fragt Gerl nach den Auswirkungen der KI auf unser demokratisches Miteinander und auf die sozialen Implikationen: Wessen Daten werden zu welchen Zwecken gesammelt und wer hat Zugang dazu? Beispiele für den missbräuchlichen Einsatz von KI, etwa die Diskriminierung von Frauen oder ethnischen Minderheiten sind keine abstrakte Gefahr, sondern reale Erfahrungen. Besonders das manipulative Potenzial der KI, etwa in der demokratischen Öffentlichkeitsarbeit und politischen Meinungsbildung durch gefakte Bilder, deepfakes und Falschinformationen stellt eine konkrete Gefahr für die Demokratie dar. Um diesen Gefahren zu begegnen, schlägt Gerl vor: individuelle Kapazitäten im Umgang mit KI stärken, Medienkompetenz entwickeln, demokratische Kontrolle. Gerls Fazit: Weil KI gestaltbar ist, sollte sie öffentlich diskutiert, transparent, nachvollziehbar und nutzerzentriert sein.

Das toxische Geschäftsmodell der Überwachung

Die KI-Forscherin Meredith Whittaker hat Mitte Mai den Helmut-Schmidt-Zukunftspreis erhalten. Bei der Preisverleihung in Hamburg hielt sie eine Rede, die auf ZEIT online in einer leicht gekürzten Fassung veröffentlicht wurde.

Für Whittaker ist die KI ein „toxisches Geschäftsmodell der Überwachung“, das sich weder um den Datenschutz noch um die bürgerlichen Grundfreiheiten schert. Ein Modell, das den großen Tech-Konzernen und der Werbeindustrie dient und sich zu einer gigantischen Überwachungsindustrie entwickelt hat. Katharina Gerl hat in dem erwähnten Vortrag auf die totale Überwachung unter autoritären Regimen wie China verwiesen. Nach Whittaker drohen solche Entwicklungen auch im kapitalistischen Westen: Damit bereiten die großen Unternehmen den Boden für eine Vormachtstellung, wie es sie noch nie gab. Indem sie ihre Produkte und Dienstleistungen als Gipfel des menschlichen Fortschritts und der Weiterentwicklung der Wissenschaft verkaufen, weiten diese Unternehmen und ihre Förderer ihre Reichweite und Kontrolle auf nahezu alle Lebensbereiche und in fast jede Region der Erde aus. Sie stellen die Infrastruktur für Staaten, Unternehmen, Medien und Militär bereit und verkaufen die Derivate des toxischen Geschäftsmodells Überwachung als Produkt wissenschaftlicher Innovation.“

Und weiter: Das ist ungeheuer gefährlich. Das vom Anteilseigner-Kapitalismus befeuerte Streben nach grenzenlosem Wachstum und Ertrag, das sich metastasenartig ausbreitet und der eigentliche Antrieb dieser Riesenkonzerne ist, führt in vielen Punkten weg vom Pfad in eine lebenswerte Zukunft.“

Targeted Killing mit KI-Systemen

Als besonders beunruhigenden Trend sieht Whittaker, dass die KI-Überwachungskonzerne dabei sind, sich zu Rüstungsunternehmen zu wandeln, d.h. dass sie Waffen und Überwachungsinfrastrukturen an Streitkräfte und Staaten liefern. Und mehr noch: Ähnlich wie die KI-basierte zielgerichtete kommerzielle Produktwerbung auf der Auswertung großer Datenmengen basiert, so funktioniert im militärischen Bereich das Konzept des „signature strike“, also die Auswahl eines Tötungsziels auf der Basis von Datenmustern und Verhaltensüberwachung. Das heißt: Bei signature strikes werden Menschen im Prinzip aufgrund von Datenprofilen getötet.“

So arbeitet etwas die israelische Armee im Gaza mit einem KI-System namens Lavender. „Lavender schaltet keine Werbeanzeigen, sondern setzt Menschen automatisch auf eine Tötungsliste, sobald ihre durch Überwachung gesammelten Datenmuster mit den Datenmustern angeblicher Kämpfer übereinstimmen – obwohl wir als Fachleute wissen, dass dieses Verfahren extrem ungenau ist.“

Whittaker fordert daher im Einklang mit dem deutschen Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung die Praxis des `Targeted Killing´ mit unterstützenden KI-Systeme als Kriegsverbrechen einzustufen.  

In der zweiten Folge dieses Beitrags „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ geht es um Digitale Zwillinge oder KI-Avatare, also digitale Nachbildungen real existierender Personen. Und um das Metaversum, eine besondere Spielart Künstlicher Intelligenz.


Weltklimakonferenz in Dubai: Zivilgesellschaft fordert Kurskorrektur

Derzeit findet die 28. Weltklimakonferenz COP (Conference of the Parties) in Dubai / Vereinigte Arabische Emirate (VAE) statt. Man kann an diesen Konferenzen vieles kritisieren: Alle Beschlüsse müssen einstimmig gefasst werden, am Ende steht also immer ein Minimalkonsens. Zudem handelt es sich um Absichtserklärungen, bei Nichteinhaltung drohen keine Sanktionen. Der CO2-Fussabdruck der Konferenz selbst ist bei 70.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gewaltig. Die COP28 ist auch wegen des Gastlandes VAE umstritten: Ein Staat, der nicht gerade für seine demokratischen Freiheiten oder für ein klimafreundliches Wirtschaftsmodell bekannt ist. Ein Land, dessen exzessiver Reichtum auf dem Verkauf fossiler Energieträger wie Öl und Gas beruht. Die VAE haben mit 21,8 t pro Kopf (2021) einen der weltweit höchsten CO2-Emissionen. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 4,69 Tonnen pro Kopf. Und schließlich die „Bock-zum-Gärtner“-Kritik: Offizieller Gastgeber und Präsident der Konferenz ist Sultan Ahmed Al-Dschaber, der Chef des staatlichen Ölkonzerns Adnoc. Dazu Greenpeace-Chef Martin Kaiser: „Das ist so, als ob das Umweltbundesamt vom Chef von VW geleitet würde“. Statt des VW-Chefs wäre mir da eher Donald Trump eingefallen. Oder Volker Wissing. Aber egal. Wenn die Konferenz Vorschläge entwickeln soll, wie der Anteil fossiler Energieträger reduziert werden kann, dann ist nicht zu erwarten, dass ausgerechnet der Gastgeber dabei die treibende Kraft ist. Claudia Kempfert, Klima-Expertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), vermutet, dass der Sultan „alles verhindert wird, was eigentlich notwendig ist“.

Wie dringend ein Kurswechsel ist, zeigen die jüngsten alarmierenden Zahlen des Zwischenstaatlichen Sachverständigenrats für Klimaänderungen (Intergouvernemental Panel on Climate Change, IPCC). Danach ist die globale Durchschnittstemperatur allein von 2011 bis 2020 bereits um 1,1 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau gestiegen. 2023 wird wohl das bisher wärmste gemessene Jahr in der Geschichte werden. Inzwischen rechnen Klimaforscher damit, dass die globale Temperatur bis Ende dieses Jahrhunderts selbst dann um 2,5 bis 2,9 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit steigt, wenn die Staaten ihre jeweiligen Ziele zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen einhalten.

Die Bundesregierung bekommt für ihre halbherzige Klimapolitik weder von deutschen Gerichten noch von zivilgesellschaftlichen Organisationen ein gutes Zeugnis ausgestellt. Der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) hat zusammen mit der Klimaallianz Deutschland anlässlich der COP28 Forderungen an die Bundesregierung formuliert: „Kurskorrektur für den Klimaschutz“. Darin fordern die Herausgeber die Bundesregierung auf, „sich aktiv für eine zügige Umsetzung und angemessene Finanzierung des Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste einzusetzen. Ebenso muss die Bundesregierung darauf hinwirken, dass die Weltklimakonferenz einen gerechten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vereinbart. Um die 1,5-Grad-Grenze zu halten, ist eine Einigung über den Ausstieg aus allen fossilen Brennstoffen auf der diesjährigen Konferenz entscheidend.“

Nachtrag: Heute wird berichtet, der Sultan Al-Dschaber halte den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern für unnötig. Quod erat demonstrandum.


„Nimm das schöne Händchen!“ Warum Linkshänder die besseren Menschen sind

Der heutige Internationale Linkshändertag (13. August) ist willkommener Anlass, auf die Diskriminierung der Linkshänder und Linkshänderinnen aufmerksam zu machen. Wer wie der Autor dieser Zeilen in den 1950er-Jahren heranwuchs und eingeschult wurde, weiß, wovon die Rede ist: Die erzwungene Umerziehung zum Schreiben mit der rechten Hand. „Nimm das schöne Händchen“ hieß es schon im Kindergarten, wenn das Kind zum Malstift griff, die linke Hand zur Begrüßung hinstreckte oder mit der linken Hand in der Nase bohrte. Bis heute streiten die Wissenschaftler über die Ursachen der „Sinistralität“ und die negativen Folgeerscheinungen der Umerziehung. Für die eigenen psychischen und kognitiven Störungen kann der Linkshänder, wenn schon keine schwere Kindheit, so doch immer die Umerziehung verantwortlich machen.

Heute darf jede/r schreiben, wie es ihm oder ihr gefällt. Seit den 1970er-Jahren wird nicht mehr umerzogen.

Aber mal im Ernst: Einem Linkshänder, etwa Barack Obama, beim Schreiben zuzuschauen, in gekrümmter Körperhaltung und gegen die Schreibrichtung, tut fast körperlich weh. „Nimm das schöne Händchen!“ möchte man rufen. Bei mir selbst war die Umerziehung nur teilweise erfolgreich: Schreiben mit rechts ja, aber Küchenarbeit, Schere benutzen, Schraubenzieher usw. sowie Mittelfinger zeigen lieber mit links. Boulespielen mit rechts geht gar nicht. Tischtennis auch nicht, was aber bei diesem Sport von Vorteil ist. Enge Kurven mit dem Fahrrad gehen leichter rechtsherum.

Die Linkshändigkeit kann also Vor- und Nachteile haben. Im Alltag werden Linkshänder eher benachteiligt oder regelrecht diskriminiert. Der Ziffernblock auf der Computertastatur, das Griffbrett der Gitarre, das Kartenfach am Geldautomaten: Die Bedienung technischer Geräte, das Spielen eines Musikinstruments, die Benutzung von Haushaltsgegenständen oder Werkzeugen gehen immer vom „Normalfall“ des Rechtshänders aus und machen dem Linkshänder das Leben schwer. Linksspielende Musiker haben es schwer, in professionellen Orchestern aufgenommen zu werden. Dass Kaffeetassen immer den Henkel auf der rechten Seite haben, hat die Wissenschaft allerdings schon längst als Verschwörungstheorie entlarvt.  

Dass in bestimmten Kulturen (welche, wird hier nicht genannt, um dem Vorwurf der Islamfeindlichkeit nicht Vorschub zu leisten) die Linkshändigkeit stigmatisiert ist, hat, wie man uns erklärt, damit zu tun, dass man sich dort den Hintern mit der bloßen linken Hand abzuputzen pflegt (echt jetzt, Leute? Macht ihr das so? Ist ja eklig!). Die so eingesetzte linke Hand kann dann natürlich nicht zum Essen oder zum Händeschütteln benutzt werden. Und für rechtshändig sich den Hintern Abputzende soll das etwa nicht gelten? Über die unterschiedlichen Reinigungstechniken von Links- und Rechtshändern nach dem Stuhlgang sollen hier keine weiteren unappetitlichen Details erläutert werden.

Fest steht jedenfalls, und das konnte ich durch wissenschaftliche Untersuchungen an mir selbst bestätigt finden, dass Linkshänder intelligenter und kreativer sind als Rechtshänder. Auch meine persönliche Vorliebe für linke politische Richtungen ist unbedingt auf meine Linkshändigkeit zurückzuführen. Diesbezügliche Umerziehungsversuche aus dem Freundes- und Bekanntenkreis dauern bis in den Gegenwart an, bleiben allerdings ohne Erfolg.

Linkshänder aller Länder, vereinigt Euch!


Die Causa Asseburg: „Ich habe kein Israel-Bashing betrieben“

Im letzten Blogbeitrag haben wir über die massiven Angriffe gegen Muriel Asseburg berichtet. Nun begründet die attaktierte Mitarbeiterin der Stiftung Wissenschaft und Politik in einem längeren Spiegel-Interview vom 13. Juli ihre Aussagen in dem umstrittenen Interview. Ihr Fazit: „Ich bereue nichts“. Es bleibt leider nicht bei einer publizistischen Hetzjagd gegen die Wissenschaftlerin. In Tel Aviv, wo sich Frau Asseburg derzeit aufhält, wurde sie von Aktivisten der rechtsgerichteten israelischen Organisation »Im Tirtzu« abgefangen, gefilmt und unter anderem als »antisemitische Hexe« beschimpft, wie der Spiegel schreibt. 

Hier das gestern erschiene Spiegel-Interview: „Ich habe kein Israel-Bashing betrieben“

PS: Falls der Spiegel-Beitrag nicht über diesen Link zu öffnen ist, einfach im Browser angeben: Spiegel – Asseburg


Nahost-Konflikt: Mit der Antisemitismuskeule gegen einen kritischen Diskurs

Man kennt das: Kritik an israelischer Politik wird gerne mit dem Totschlagargument des Antisemitismus überschrien. Jetzt hat es die Politikwissenschaftlerin Muriel Asseburg voll erwischt. Die ausgewiesene Nahost-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik hat in einem langen Interview bei Jung & Naiv https://www.youtube.com/watch?v=333rt6aUVnE Antwort gegeben auf viele knifflige Fragen zu ihrem Hauptarbeitsgebiet Nahost-Konflikt. Und nun erlebt sie einen veritablen Shitstorm mit allerlei krassen Vorwürfen, darunter auch von der israelischen Botschaft, wie Verharmlosung von Terror, Diffamierung Israels als „Apartheitstaat“ bis hin zu „antisemitischer Dreck“ – ein Vorwurf, den Asseburg besonders verletzend findet.  

Muriel Asseburg ist eine kompetente und sachlich argumentierende Wissenschaftlerin, deren Expertise Gewicht im Nahost-Diskurs hat. Man kann, wenn man denn will, ihre differenzierten Positionen in ihren Publikationen nachlesen, zum Beispiel „Palästina und die Palästinenser. Eine Geschichte von der Nakba bis zur Gegenwart“ (C.H. Beck, München 2021). Oder sich die Mühe machen, das ganze Interview in seiner vollen Länge von fast drei Stunden zu hören (lohnt sich!).

Aber bei den heftigen Reaktionen geht es wohl nicht um die Sache, wie Lea Frehse in Zeit-online vom 08. Juli feststellt, sondern darum, kritische Stimmen wie die ihre zum Schweigen zu bringen. Jürgen Kaube polemisiert auf FAZ.net gegen Asseburg und wirft ihr „multiple Analogitis“ vor, weil sie angeblich den Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine mit dem Verhalten Israels gegenüber den Palästinenser gleichsetzt. Das ist aber eine üble Unterstellung und Verdrehung dessen, was Asseburg versucht hat zu erklären.  

Dazu die SWP, Asseburgs Arbeitgeberin, auf Twitter: „Muriel Asseburg ist eine ausgewiesene und angesehene Nahost-Expertin. Die aktuellen Unterstellungen und persönlichen Diffamierungen weisen wir zurück. Wir unterstützen unsere langjährige Kollegin vorbehaltlos und erwarten Respekt und Höflichkeit im Umgang.“


Weisheiten des Häuptlings Jorge vom Stamme der Moselfranken

Achtung Spionage?

Nicht jede weiße Kugel am Himmel ist ein chinesischer Spionageballon. Lieber zweimal hinschauen und nicht gleich abschießen: Es könnte auch ein großer Käse sein!

Auf die Haltungsform achten!

Wenn ihr eure alten Eltern schon ins Heim geben müsst, dann achtet auf das Gütezeichen. Mindestens Haltungsform 2 sollte es schon sein. Auf dieser Stufe steht mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben zur Verfügung und es gibt Zugang zu Beschäftigungsmaterial. Bei Haltungsstufe 3 käme noch Futter ohne Gentechnik auf den Tisch. Das sollte euch die Oma schon Wert sein.

Antikriegsnahrung Nutella

Wer sich ausschließlich von Nutella* ernährt, kann keinen Krieg anfangen

*enthält die fünf lebenswichtigen Grundnahrungsmittel Gröbeldisolfat, Schuripengoxid, Ladivatrugel, Resiköladistram und Schokolade (und das ist alles nur geklaut …)


chatGPT: Brillant oder dumm wie Brot?

Warum mache ich mir eigentlich noch die Mühe und schreibe die Texte für diesen Blog selbst? Der KI-ChatBot kann´s doch auch. Ich hab´s ausprobiert und – voilá! es hat funktioniert. Hier das Ergebnis meines Tests:

Lieber Textroboter: Schreib doch mal eine Glosse für den Blog vom Lieser! Gerne, wenn Du mir sagst, worüber. Vielleicht über Künstliche Intelligenz? Kannst du bitte noch konkreter werden? Kann ich. Bitte begründe, warum ich die Texte für diese Glosse besser von dir schreiben lassen soll. Aber laber nicht lange rum, du hast dafür maximal zehn Zeilen.

Alles klar. Bisher werden die Texte für diese Glosse von Menschen und nicht von Computern geschrieben. Dabei können Computer das inzwischen auch. Deshalb werden Sie, liebe Leserinnen und Leser des Blogs von Jürgen Lieser, an dieser Stelle künftig Texte lesen, die von einem intelligenten Computerprogramm geschrieben sind. Dieses Programm heißt chatGPT. Heute können Sie den vom Computer geschriebenen Text noch daran erkennen, dass er kursiv gesetzt ist. In Zukunft müssen Sie selbst herausfinden, ob der Text von einem Computer oder einem Menschen geschrieben wurde. Sie werden den Unterschied vermutlich gar nicht merken.

An alle Brote: Ich bitte die despektierliche Überschrift zu entschuldigen, wollte Euch nicht beleidigen…


Umverteilen jetzt! Für eine solidarische Gesellschaft

Die Ampelkoalition hat heute eine neues Entlastungspaket geschnürt. Da ist viel Gutes drin, aber auch viel FDP. Neu ist, dass auch Rentnerinnen und Rentner zum 1. Dezember eine einmalige Energiepreispauschale von 300 Euro erhalten. Alle, also ich auch. Das ist echt megalieb von Dir, Regierung, aber ich brauche diese Unterstützung nicht wirklich. Ich komme mit meiner Rente auch so über die Runden. Die höheren Kosten für Energie kann ich verkraften. Es gibt jede Menge Rentner, und erst recht Rentnerinnen, die viel weniger haben als ich. Aber auch die, die mehr haben, kriegen die 300 Euro. Kann man das nicht besser verteilen? Zum Beispiel 600 Euro an die, die 1.200 Euro Rente haben und weniger?

Was mache ich mit 300 Euro? Für die neue Brille reicht es nicht. Und für einen neuen Tesla schon mal gar nicht. Gut, die Energiekosten. Wir sparen jetzt bewusst beim Strom, beim Wasser und fahren noch weniger Auto. Eigentlich sollte man Anreize zum Sparen geben und nicht zum Geldausgeben. Die Pauschale soll zum 1. Dezember ausgezahlt werden – soll da vielleicht auch der weihnachtliche Kaufrausch angeheizt werden?

Ich habe eine Idee. Wenn schon die Regierung das Geld nicht bedarfsgerechter verteilen kann, dann machen wir das einfach selber. Wenigstens im Kleinen und im überschaubaren Rahmen. Do-it-yourself-Sozialpolitik quasi. Und das geht so: Ich tue meine 300 Euro auf ein Treuhandkonto (Details siehe unten). Ich lade alle ein, die wie ich der Meinung sind, dass dieses Regierungsgeschenk besser Menschen zugutekommen sollte, die es dringender brauchen, Gleiches zu tun und ihre Pauschale ebenfalls auf das angegebene Konto zu überweisen. Jede/r Einzahler/in hat anschließend das Recht, Vorschläge zu machen, welche Person(en) oder welcher Haushalt aus dem Konto einen Zuschuss erhalten soll und in welcher Höhe.

Schaut Euch um in Eurer Nachbarschaft, im Freundeskreis, bei den Alleinerziehenden, unter den Brücken, vor den Supermärkten, in den Flüchtlingsunterkünften: Es dürfte nicht schwer sein, Menschen zu finden, die eine Geldspritze gut gebrauchen könnten! Und fragt Menschen in Eurem Umfeld, die wie ich Rentner/innen sind und die ihre Pauschale gerne für einen guten Zweck einsetzen wollen. Wenn Ihr die Aktion „Umverteilen jetzt! Für eine solidarische Gesellschaft!“ unterstützen wollt, hier die Bankverbindung (es handelt sich um ein Treuhandkonto, das ich seit vielen Jahren für unterschiedliche Zwecke benutze):

Ligabank Regensburg, Kontoinhaber: Jürgen Lieser THK, IBAN DE30 7509 0300 0007 1062 89

Das Ganze basiert natürlich auf Vertrauen. Ich sichere zu, dass alle Kontobewegungen transparent und nachvollziehbar dargestellt werden. Ich werden regelmäßig auf diesem Blog und an alle, die sich an der Aktion beteiligen, Bericht erstatten und über die Verwendung der Mittel Rechenschaft ablegen. Spendenquittungen kann ich leider nicht ausstellen.

Ich freue mich auf Eure Reaktionen.