„Nimm das schöne Händchen!“ Warum Linkshänder die besseren Menschen sind

Der heutige Internationale Linkshändertag (13. August) ist willkommener Anlass, auf die Diskriminierung der Linkshänder und Linkshänderinnen aufmerksam zu machen. Wer wie der Autor dieser Zeilen in den 1950er-Jahren heranwuchs und eingeschult wurde, weiß, wovon die Rede ist: Die erzwungene Umerziehung zum Schreiben mit der rechten Hand. „Nimm das schöne Händchen“ hieß es schon im Kindergarten, wenn das Kind zum Malstift griff, die linke Hand zur Begrüßung hinstreckte oder mit der linken Hand in der Nase bohrte. Bis heute streiten die Wissenschaftler über die Ursachen der „Sinistralität“ und die negativen Folgeerscheinungen der Umerziehung. Für die eigenen psychischen und kognitiven Störungen kann der Linkshänder, wenn schon keine schwere Kindheit, so doch immer die Umerziehung verantwortlich machen.

Heute darf jede/r schreiben, wie es ihm oder ihr gefällt. Seit den 1970er-Jahren wird nicht mehr umerzogen.

Aber mal im Ernst: Einem Linkshänder, etwa Barack Obama, beim Schreiben zuzuschauen, in gekrümmter Körperhaltung und gegen die Schreibrichtung, tut fast körperlich weh. „Nimm das schöne Händchen!“ möchte man rufen. Bei mir selbst war die Umerziehung nur teilweise erfolgreich: Schreiben mit rechts ja, aber Küchenarbeit, Schere benutzen, Schraubenzieher usw. sowie Mittelfinger zeigen lieber mit links. Boulespielen mit rechts geht gar nicht. Tischtennis auch nicht, was aber bei diesem Sport von Vorteil ist. Enge Kurven mit dem Fahrrad gehen leichter rechtsherum.

Die Linkshändigkeit kann also Vor- und Nachteile haben. Im Alltag werden Linkshänder eher benachteiligt oder regelrecht diskriminiert. Der Ziffernblock auf der Computertastatur, das Griffbrett der Gitarre, das Kartenfach am Geldautomaten: Die Bedienung technischer Geräte, das Spielen eines Musikinstruments, die Benutzung von Haushaltsgegenständen oder Werkzeugen gehen immer vom „Normalfall“ des Rechtshänders aus und machen dem Linkshänder das Leben schwer. Linksspielende Musiker haben es schwer, in professionellen Orchestern aufgenommen zu werden. Dass Kaffeetassen immer den Henkel auf der rechten Seite haben, hat die Wissenschaft allerdings schon längst als Verschwörungstheorie entlarvt.  

Dass in bestimmten Kulturen (welche, wird hier nicht genannt, um dem Vorwurf der Islamfeindlichkeit nicht Vorschub zu leisten) die Linkshändigkeit stigmatisiert ist, hat, wie man uns erklärt, damit zu tun, dass man sich dort den Hintern mit der bloßen linken Hand abzuputzen pflegt (echt jetzt, Leute? Macht ihr das so? Ist ja eklig!). Die so eingesetzte linke Hand kann dann natürlich nicht zum Essen oder zum Händeschütteln benutzt werden. Und für rechtshändig sich den Hintern Abputzende soll das etwa nicht gelten? Über die unterschiedlichen Reinigungstechniken von Links- und Rechtshändern nach dem Stuhlgang sollen hier keine weiteren unappetitlichen Details erläutert werden.

Fest steht jedenfalls, und das konnte ich durch wissenschaftliche Untersuchungen an mir selbst bestätigt finden, dass Linkshänder intelligenter und kreativer sind als Rechtshänder. Auch meine persönliche Vorliebe für linke politische Richtungen ist unbedingt auf meine Linkshändigkeit zurückzuführen. Diesbezügliche Umerziehungsversuche aus dem Freundes- und Bekanntenkreis dauern bis in den Gegenwart an, bleiben allerdings ohne Erfolg.

Linkshänder aller Länder, vereinigt Euch!