Abschiebungen nach Afghanistan: Ist das noch Migrations- oder doch schon Remigrationspolitik?

Über den zehnten Sammelabschiebeflug nach Afghanistan vom 28.10.2026 schreibt Thomas Ruttig in seinem Blog, den ich zur Lektüre empfehle, und fragt: „Was sind das für Straftäter, die gar nicht in Haft sitzen und erst festgenommen werden (müssen), weil noch Plätze auf dem Abschiebeflieger frei sind? Und ist ein Straftäter, wer in Abschiebe-, aber nicht in Strafhaft sitzt?“

„Remigration“ ist offenbar kein Alleinstellungsmerkmal mehr, mit dem sich die AfD „schmückt“. Fragt doch mal Eure Abgeordneten im Wahlkreis, ob die darüber Bescheid wissen, was im Bundesinnenministerium und in den Ländern so alles zum Thema „Rückführungen“ noch geplant ist …



Personal gesucht: Wer wird der nächste Bundespräsident, UN-Chef, James Bond?

Nach langer Schreibpause auf diesem Blog, einerseits geschuldet der Fassungslosigkeit über aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen, andererseits dem Zweifel, ob nicht, statt dagegen anzuschreiben, besser die Wohnung entrümpelt wird, heute mal wieder ein Beitrag aus aktuellem Anlass:

Es stehen wichtige Personalentscheidungen an!

Nicht nur, wer Nachfolger von Bundespräsident Steinmeier wird, bewegt die Nation. Vielleicht noch mehr: Wer wird der nächste James Bond?? Hier die heißesten Kandidaten: Sind sie nicht süß? Und soooo cool!

Von links nach rechts: Callum Turner, Tom Holland, Jacob Elordi und Leo Suter. Foto: Collage: Imago / Future Image / Everett Collection / Avalon.red / Future Image / TV Movie

Auch gesucht: Ein neuer Bundespräsident und ein neuer UN-Generalsekretär. Für die Nachfolge von Steinmeier kommt ein Mann wohl nicht in Frage, sonst hätten wir Günter Jauch, das Gesamtkunstwerk Harald Glööckler, Hape Kerkeling oder Robert Habeck vorgeschlagen. Mich fragt ja keiner, und mitwählen darf ich auch nicht. Das dürfen nur von den Parteien ausgewählte erfolgreiche Menschen sein, Promis, Fußballtrainer, Schauspieler oder so.

Von den Frauen, die für Steinmeiers Nachfolge gehandelt werden, gilt Ilse Aigner als hohe Favoritin. Sie „kann die schönste Arschbombe im Schwimmbad“ – so die Badische Zeitung vom 27. Oktober 2026. Könnte das ein Grund für ihre Nominierung sein? Und warum werden derzeit nur Frauen mit politischen Karrieren in der Union genannt? Julia Klöckner etwa, ehemalige deutsche Weinkönigin und Mitglied im Kreisfeuerwehrverband Bad Kreuznach e.V. und Birkenfeld e.V., auch bekannt als Werbebotschafterin für Nestlé? Auf ihrer Website charakterisiert sie sich mit „Haltung – Herz – Heimat“. Donnerwetter! Welche Bundespräsidentenkandidatin kann das schon von sich behaupten?

Dann wäre da noch Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK), die hat so einen sympathischen saarländischen Akzent, kommt aber wegen ihres Namens nicht in Frage. Da kann sie nichts für, aber hallo: Annegret Kramp-Karrenbauer, acht Silben und ein phonetisches Massaker. Man stelle sich bloß vor, wie AKKs Name bei Staatsbesuchen in Fidschi, Guatemala oder Nordkorea ausgesprochen würde!

Marina Weisband

Wenn man mich fragen würde, dann würde ich Marina Weisband vorschlagen, oder Maja Göpel, vielleicht auch Juli Zeh – bei Letzterer wäre das mit der Aussprache bei Staatsbesuchen kein Problem. Bloß drei Silben. Das kriegen selbst die Chinesen hin.

Also: Starke Frauen gibt es genug, warum muss es eine mit politischer Karriere sein? Marina for President! Die wird es nicht machen wollen, selbst wenn man sie fragen würde. Oder doch, Marina?

Für die Nachfolge von António Guterres als UNO-Chef hat Donald Trump schon einen hochkompetenten Kandidaten benannt: Viktor Orbán. Das erscheint insofern konsequent zu Ende gedacht, als Trump ja kein fanatischer Unterstützer der Vereinten Nationen ist. Orbán wäre als Stiefellecker Trumps ein Garant dafür, diese Organisation gegen die Wand zu fahren.

Eigene Vorschläge für die UN-Präsidentschaft habe ich heute nicht. Oder halt, vielleicht doch: Warum nicht Julia Klöckner? Dann wären wir sie immerhin in Deutschland los.


„Dann wird dieses ganze Zeug abgeschafft!“ Was Höcke, Weidel und Konsorten wirklich wollen

Björn Höcke ist gerade mal wieder bei der versuchten Machtergreifung in Thüringen erwischt worden. Alice Weidel schwärmt im ZDF-Sommerinterview davon, dass die AfD bald die Regierung stellen wird: „Dann wird dieses ganze Zeug abgeschafft“ – womit sie Maßnahmen gegen den Klimaschutz, Windräder, Verbrennerverbot, den Verfassungsschutz, den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, das Einfliegen von Afghanen und sonst noch so´n Zeug meint. Alle Syrer werden abgeschoben und „solche Leute wie aus Ceuta“ kommen gar nicht mehr bei uns rein. Dann ist Schluss mit den alltäglichen Messerattacken und Gruppenvergewaltigungen. „In Deutschland wird alles kaputtgemacht“, so Weidel im besagten Interview, weil „irgendwelche Flachzangen“ an der Regierung sind.

Seit wann ist „Flachzangen“ ein Schimpfwort für angeblich unfähige Regierungsmitglieder? Herbert Wehner wären dafür bessere Beleidigungen eingefallen. Und was will Höcke uns damit sagen, man könne den Zustand der Gesellschaft an den Autobahntoiletten erkennen? Will er, wie bei Sanifair, einer regelmäßigen hygienischen Reinigung der Gesellschaft das Wort reden?

Der Welterklärer Höcke weiß auch in anderer Hinsicht schwer Bescheid. In einem Podcast der Schweizer „Weltwoche“ dozierte er über deutsche Identitäten: „Im Westen der Republik gibt es deutsch sprechende Amerikaner, im Osten der Republik wohnen deutsch sprechende Deutsche, nur im Osten seien die Menschen noch Deutsche“. Uff, das gibt zu denken.

Glaubt man der AfD, dann geht in Deutschland alles den Bach runter. Zu Zeiten des Kalten Krieges, als die Welt noch sauber in einen kapitalistischem Westen und einen kommunistischem Osten aufgeteilt war, wurde Kritikern an den Zuständen unserer Gesellschaft gerne entgegengeschleudert: „Dann geh doch nach drüben!“ Das kann man heute nicht mehr bringen. Es böte sich allerdings an, den AfD-Nörglern zu empfehlen: „Dann geh doch nach Afghanistan!“ Dort dürften die AfDler auf ein ihnen genehmes Frauen- und Familienbild treffen. Die Taliban stehen zudem nicht im Verdacht, für konsequenten Klimaschutz, eine unabhängige Presse und eine liberale Kulturpolitik zu kämpfen. Weitere übereinstimmende Interessen wie etwa Verbot unabhängiger NGOs und zivilgesellschaftlicher Gruppierungen ließen sich sicher finden.

Wie man unliebsame Menschen gegen ihren Willen nach Afghanistan umsiedelt – im AfD-Jargon remigriert – kann man von Abschiebeminister Alexander Dobrinth erfahren. Er braucht allerdings von den bärtigen Kollegen am Hindukusch deren Einverständnis für jeden Einzelfall. Und das werden sich die Taliban im Falle von Höcke, Weidel, Chrupalla, Frohnmaier, Baumann und Konsorten vermutlich zweimal überlegen.

Werden wir uns also mit dem Gedanken einer AfD-geführten Regierung anfreunden müssen? Dann muss unsere Freiheit nicht mehr am Hindukusch, sondern vor der eigenen Haustür verteidigt werden – und zwar bevor „dieses ganze Zeug“ – siehe oben – abgeschafft ist.


An Tagen wie diesen oder: Wie KI und IK zusammenhängen

An Tagen wie diesen haben wir noch ewig Zeit und wünscht man sich Unendlichkeit – so beschwören es die Toten Hosen. Ich hingegen hatte mal wieder einen dieser Tage erwischt, an denen man sich nicht Unendlichkeit, sondern einfach nur etwas mehr Kategorischen Imperativ (KI) wünscht. Wir erinnern uns: Immanuel Kant (IK) hat sich das ausgedacht und gefordert: Klaue nur dann einen E-Bike-Fahrradcomputer, wenn du möchtest, dass alle Menschen Fahrradcomputer klauen sollten. Das ist jetzt methaphorisch gemeint. Zu Kants Zeiten gab es noch keine Fahrradkompjuder. Der Kantsche KI lautet in einfacher Sprache: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“. Alles klar?

Mir wurde also gestern der Fahrradcomputer geklaut. Dabei hätte ich Idiot es wissen können: Die Badische Zeitung hatte von einer Serie von „Bordcomputer“-Diebstählen in Freiburg berichtet. Angefangen hatte der Tag mit einem Telefonat von der Sorte: „Bitte haben Sie einen Moment Geduld. Der nächste freie Mitarbeiter ist gleich für Sie da … trallali, trallala“. „Ein Moment“ und „gleich“ sind dehnbare Begriffe. Selten handelt es sich um wenige Minuten, eher so zwischen 10 und 45 Minuten, in denen man zur Frustunterdrückung mit Warteschlangenmusik bedudelt wird. Als es noch Schnurtelefone gab, konnte man die Wartezeit wenigstens dazu nutzen, die durch häufiges Imkreislaufen verschwurbelte Telefonschnur zu entschwurbeln, aber zu der Zeit gab es noch keine KI-generierten Anrufprogramme, sondern richtige Menschen am anderen Ende der Leitung, die man beschimpfen, beleidigen oder anschreien konnte, bevor man den Hörer wutentbrannt auf die Gabel knallte.

Später am Tag wurde ich von einem rabiaten Autofahrer auf dem Fahrradschutzstreifen bedrängt und fast zu Fall gebracht. Sowas passiert an Tagen wie diesen. Statt ihm zuzurufen „Schon mal was vom Kategorischen Imperativ gehört?“ gelang mir nur ein schwaches „Idiot“.

Und, was soll man sagen, die allgemeine Nachrichtenlage ist auch wenig geeignet, sich Unendlichkeit zu wünschen: Die USA sanktionieren den Internationalen Strafgerichtshof, der israelische Sicherheitsminister Ben-Gvir möchte jeden Tag 30 bis 40 Menschen in Gaza umbringen, Innenminister Dobrinth will weiter nach Afghanistan abschieben und ist dafür auf die Kolaboration mit den Taliban angewiesen. Waldbrände breiten sich aus, 12.500 Menschen sind an Hitzefolgen gestorben. Laut Xavier Naidoo, Musiker und Welterklärer, liegen die Dürreperioden nicht am Klimawandel, sondern daran, dass eine klandestine Gruppe von unterirdisch lebenden Kannibalen uns den Regen wegtrinkt. „Das ist eigentlich ein offenes Geheimnis“, erklärte Naidoo am Rande einer Kundgebung gegen Sauerstoff in der Luft. „Ein unterirdisch lebender Kannibale verbraucht locker 30 Hektoliter Regenwasser am Tag.“ Das erklärt natürlich vieles.

Björn Höcke, auch so ein selbsternannter Welterklärer, glaubt den Zustand einer Gesellschaft an den Autobahntoiletten zu erkennen. Aber dem hat sowieso jemand ins Hirn …Campino, der Leadsänger der Toten Hosen, würde an Tagen wie diesen nicht mehr den Kriegsdienst verweigern, wie er es früher getan hat. So hat jeder, ob Naidoo oder Campino, seine eigene Art, mit der Weltlage umzugehen.

Ich hingegen hatte am Ende des gestrigen Tages mit einem hartnäckigen Schluckauf zu kämpfen. Nicht gerade ein Zustand, für den man sich Unendlichkeit wünscht. Morgen, also heute, bzw. für Euch, liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, gestern, wird vermutlich alles gut.


Alarm im Tiefkühler: Ukrainekrieg bringt Versorgung mit Fischstäbchen zum Zusammenbruch

Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab: Wachsende Zustimmung zur AfD, der neue Karriereschritt von Philipp Amthor, Spritpreis wieder über zwei Euro, neuer Bundestrainer Klopp droht bereits mit Rücktritt, nächste Hitzewelle im Anmarsch, Trump verhängt neue Zölle, auch nicht straffällig gewordene Afghanen dürfen jetzt abgeschoben werden …

Und nun die absolute Mega-Katastrophe: Es droht ein Versorgungsengpass bei Fischstäbchen und Schlemmerfilets. Wegen der neuen Sanktionen gegen Russland. Die EU will die Einfuhr von Alaska-Seelachs aus Russland innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte reduzieren. Das wird die russische Kriegskasse entscheidend schwächen. Die BILD-Zeitung titelte: Putins Krieg trifft jetzt die Kühltruhe! Wie muss man sich das vorstellen? Drohnenangriffe auf unsere Tiefkühltruhen? Die Russen sind ja bekanntlich zu allem fähig.

Besorgte Eltern und Schulkantinen schlagen Alarm: Was bitte sollen unsere Kinder jetzt essen? Die Bundesregierung wiegelt ab und sieht noch keine Anzeichen für eine akute Hungersnot. Die Hauptversorger Iglo, Frosta und Alnatura rechnen allerdings mit dramatischen Umsatzeinbrüchen. Aber wie jede Katastrophe lässt sich auch der Fischstäbchen-Krise etwas Positives abgewinnen:  Die nachwachsende Generation wird mit einem Mangel an krebserregenden Fettschadstoffen (3-MCPD) aufwachsen müssen. Eine gesündere Ernährung bei unseren Kindern hätte immerhin den erfreulichen Nebeneffekt, dass mehr Rentenbeiträge eingezahlt werden – was aus meiner Sicht als freischaffender Rentner auf das Schärfste zu begrüßen ist!


Dafür oder dagegen? Mein Leben als Petitionär

Es werden immer mehr: Nahezu täglich werde ich per Mail aufgefordert, eine Petition zu unterschreiben. Manchmal sogar mehrmals am Tag. Geht Euch vielleicht genauso. Sind auch alles sinnvolle Anliegen: Gegen Krankschreibung ab Tag eins, gegen die Software Palantir, für Frieden in den Lehrplänen, gegen Kürzungen bei Psychotherapeuten, für eine atomwaffenfreie Welt, gegen Kürzungen beim Klimaschutz, für ein AfD-Verbotsverfahren, gegen fossile Lobbypolitik, für bessere Fahrradwege …

Alles wichtig, alles richtig. Das Problem: Man möchte nicht unbedingt seinen Alltag überwiegend damit verbringen, Petitionen zu unterschreiben. Meistens ist es mit der Unterschrift nicht getan: Es folgt die Bitte, das Anliegen auch mit einer Spende zu unterstützen. Die Initiatoren wollen dich als Unterstützer*in weiter auf dem Laufenden halten. So frisst sich das Krebsgeschwür der Petitioneritis unaufhaltsam immer weiter in meinen Lebensalltag.

Wirklich unaufhaltsam? Ich habe mir versuchsweise ab sofort einen Monat Enthaltsamkeit verordnet. Petitionsfasten. Schweren Herzens zwar und schlechten Gewissens. Dann wird die Petition gegen die Kürzungen bei Psychotherapeuten (die ich gestern unterschrieben habe) beim nächsten Mal auf meine Unterstützung verzichten müssen und statt 370.000 nur 369.999 Unterschriften haben – das muss ich dann aushalten.

PS: Bekomme eben den Offenen Brief des „Aktionsbündnis atomwaffenfrei.jetzt“ an die Bundesregierung und den Bundestag auf den Tisch: „Jetzt unterschreiben!“.

Fastenbrechen oder standhaft bleiben?


AfD-Parteitag: Wenn Weidel vom labeln labert

Gestern Abend im ZDF eine Lehrstunde für den Umgang der AfD mit Öffentlich-rechtlichen Medien und was uns blüht, wenn diese Partei an die Regierung kommt. Im ZDF-Interview antwortet AfD-Vorsitzende Alice Weidel auf Fragen der Moderatorin Dunja Hayali zickig, unverschämt und arrogant: „Ihre Fragestellungen sind absolut unseriös. Können Sie mir einfach mal ´ne vernünftige Frage stellen, Frau Hayali?“ Und dann: „Das Framing, dass hier die AfD oder Teile der Alternative für Deutschland Rechtsextremisten sind, weise ich aufs Schärfste zurück“. Zugleich macht sie den Sender mitverantwortlich für die Proteste gegen den AfD-Parteitag in Erfurt, die nach Weidel gewaltsam waren, obwohl die Polizei anderes mitteilte.

Weidel prophezeit für nächstes Jahr Neuwahlen im Bund und will dann als stärkste politische Kraft die Zukunft in Deutschland gestalten.

Das gilt es unter allen Umständen zu verhindern. Ein erster notwendiger Schritt dazu ist die Einleitung eines Parteiverbotsverfahrens durch das Bundesverfassungsgericht. Dazu braucht es eine Mehrheit im Deutschen Bundestag, also auch die Zustimmung der CDU-Fraktion.

Nach Ansicht vieler Experten stehen die Chancen für einen positiven Ausgang des Verbotsverfahrens gut. Der Freiburger Appell für ein AfD-Verbotsverfahren hat dazu ein Papier erstellt: „Haben wir mit der Forderung nach einem Verbotsverfahren gegen die AfD vielleicht auf das falsche Pferd gesetzt?
Zehn Fragen und der Versuch von Antworten“
und kommt zu dem Schluss „Es ist keine Zeit mehr. Der Verbotsantrag muss jetzt formuliert werden.“


Ferrarifahrer Ulf Poschardt über Ferrarifahrer: „Die Leute, die krasse Autos haben, fahren vorbildlich“

Heute mal ein Blogbeitrag für meine Abonnent*innen, die einen Ferrari Testarossa haben. So wie Ulf Poschardt. Sind wahrscheinlich nicht so viele, denn so ein Teil kostet um die 500.000 bis 650.000 €. Zu den Besonderheiten gehört: Die Leute, die so einen Balzhobel fahren, sind grundanständige Menschen. Das jedenfalls behauptet Ulf Poschardt. Ich muss also eines meiner hartnäckigsten Vorurteile revidieren, das da lautet: In Arschlochautos sitzen sehr häufig Arschlöcher am Steuer. Ulf Poschardt, auf den diese grobe Charakterisierung nicht zutrifft, behauptet, dass man sich in dem Auto nicht asozial verhalten kann. Es hat zum Beispiel einen eingebauten „Omarüberlassschalter“ und bremst beim Anblick von Kindern am Straßenrand auf 30 kmh runter.

Falls Ihr nicht wisst, wer Ulf Poschardt ist: Herausgeber von Welt (bald nicht mehr), Politico und Business Insider. Er hasst alles, was aus seiner Weltsicht grün und ökologisch ist: „Die grüne Vision ist eine öde, enge, reaktionäre Welt“. Er schreibt Bücher mit Titeln wie „Shitbürgertum“ und „Bückbürgertum“ und bewundert Leute wie Elon Musk oder Javier Milei.. Er ist der Prototyp des „freie Fahrt für freie Bürger“-Liberalismus. Er liebt schnelle und teure Autos. Über seine Liebe zu Autos und das „Auto als Herzensangelegenheit“ schrieb er 2021 in der TAZ Futurzwei vom 11.11.2021: „Der verklemmte und antifreiheitliche Umgang mit Autos, Luxus und Humor ist das Ergebnis moralofunktionaler Schrumpfdebatten von Emissionsklerikern mit Läuterungsfixierung.“ Eloquenter kann man Bullshit kaum formulieren.

Wenn Ihr wissen wollt, was der passionierte Ferrarifahrer Ulf Poschardt sonst noch an Erkenntnissen über Menschen und Ferraris (das Auto als soziales Gewissen dessen, der am Steuer sitzt) von sich gibt, hier ein kurzer Ausschnitt aus einem Interview:


Experten zum neuen Gebäudeenergiegesetz: Verfassungswidrig, europarechtswidrig, bürokratisch und gegen die Klimaziele

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, das unter Habeck verabschiedete Gebäudeenergiegesetz (GEG), im Volksmund auch Heizungsgesetz genannt, in die Tonne zu treten. Die Bildzeitung hatte seinerzeit eine Diffamierungskampagne gegen das „Heiz-Hammer“-Gesetz gefahren.

Etwas Neues, Besseres soll nun also her. Am 13. Mai hat das Bundeskabinett den Entwurf für ein Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) beschlossen, mit dem das GEG abgelöst werden soll. Das neue Gesetz ist bei Sachverständigen auf massive Kritik gestoßen. Bei einer Anhörung im Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Energie am 22. Juni haben Experten das Gesetz mit einem vernichtenden Urteil kommentiert. Sie „bemängeln vor allem bürokratische Überlastung, soziale Risiken für Verbraucher und mangelnde Praxistauglichkeit, und sie äußern verfassungsrechtliche Bedenken“. 

Dr. Kai Warnecke, Präsident von Haus und Grund Deutschland, begrüßt zwar „die Abschaffung des Heizungsgesetzes der Vorgängerregierung“, kritisiert aber am neuen Entwurf, „die Einführung der Bio-Treppe bringe mit neuen Nachweis- und Aufbewahrungspflichten, mietrechtlichen Sonderregelungen sowie der Ausweitung des Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetzes neue Belastungen und erhebliche Rechtsunsicherheiten mit sich. Dabei hätten die Hauseigentümer begriffen: „In 18 Jahren, sechs Monaten und acht Tagen Stand heute kann man keine fossilen Heizungen mehr benutzen“, sagte Warnecke. Das würden aktuelle Zahlen verdeutlichen: Im vergangenen Jahr seien 300.000 Wärmepumpen eingebaut worden, „während der Einbau von Gas- und Ölheizungen eingebrochen ist“, betonte er.

Die schärfste Kritik und schwere Bedenken formulierte in der Anhörung Prof. Dr. Remo Klinger. Seiner Auffassung nach ist derEntwurf “verfassungswidrig, europarechtswidrig und verstößt gegen die Pflicht zum Klimaschutz und zur Herstellung von Klimaneutralität“. Die suggerierte Möglichkeit, so Prof. Klinger, Heizkessel mit fossilen Brennstoffen über das Jahr 2044 hinaus zu betreiben, stehe in einem direkten Konflikt zur gesetzlichen Vorgabe, bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen. Die Bundesregierung wolle der Verunsicherung beim Heizungsgesetz begegnen und Klarheit schaffen, doch stattdessen ermögliche sie nun Entscheidungen, „die zu erheblichen Verunsicherungen führen“.

Auch der Normenkontrollrat, ein unabhängiges Expertengremium, das die Bundesregierung berät, kommt zu dem Urteil, dass der Gesetzentwurf „in weiten Teilen kaum verständlich und für Betroffene nicht nachvollziehbar“ ist.

Die ganze Anhörung dauerte über zwei Stunden; Es lohnt sich, dass dreiminütige Statement von Prof Dr. Klinger anzuhören (auf der Zeitschiene von Minute 19 bis 22).


Fußball könnte so schön sein – wenn die FIFA nicht wäre

Ante scriptum: Dieser Text wurde ohne KI-Unterstützung verfasst!

Fußball und Gefühle: Anlässlich der aktuellen Weltmeisterschaft schwanken die Gefühle zwischen Freude, Langeweile, Ärger und Zorn, zwischen totaler Ablehnung und euphorischem Gekreische über jeden halbwegs gelungenen Pass. Ich gehöre nicht, soviel Bekenntnis muss sein, zu den Totalverweigerern, freue mich aber durchaus, wenn ein Fußballzwerg wie Curaçao ein Tor gegen Deutschland schießt. Ja, ich schaue mir Spiele der Fußball-WM im Fernsehen an. Ich habe keine Deutschlandfahne am Fahrrad befestigt. Ich frage beim Einkaufen nach Panini-Sammelbildern „für meine Enkel“ (meine Tauschangebote am Ende dieses Beitrags!).

Die Freude am schönen Ballsport, an gelungenen Spielzügen und spektakulären Toren wird getrübt durch die sattsam bekannten und vielfach kommentierten unschönen Rahmenbedingungen und Begleiterscheinungen, die nicht erst bei dieser, aber besonders extrem bei dieser WM neue Dimensionen erreichen: Die politische Instrumentalisierung der Spiele durch einen geistesgestörten US-Präsidenten, die grenzenlose Geldgier der korrupten MaFIFA und ihres machtgeilen und eitlen Präsidenten Infantino, seine klebrige Hofierung autokratischer Staatschefs und arabischer Ölscheichs, die groteske Verleihung eines „FIFA-Friedenspreises“ an den Unfrieden schürenden Trump, die überhöhten Ticketpreise, die Sponsorengelder aus Saudi-Arabien und Katar, die schikanösen Einreisehindernisse für Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Fußballfans, die Trinkpausenunterbrechungen, die der weiteren Kommerzialisierung der Spiele den Weg bereiten … Das alles ist bekannt. Über die Machenschaften der FIFA gibt es eine hörenswerte neue Podcast-Serie beim Deutschlandfunk: Behind the Games – FIFA-Präsident Gianni Infantino.

Zu den Ärgernissen gehört aus meiner Sicht das dröhnende Schweigen der deutschen Fußballfunktionäre, Spieler und Kommentatoren, wenn es um Fußball und Politik geht. Sie wollen uns weismachen, Fußball habe nichts mit Politik zu tun, bzw. der Fußball müsse sich politisch neutral verhalten und der Weltverband FIFA sei so eine Art Vereinte Nationen des Fußballs. Bei Bernd Neuendorf, Präsident des DFB, könnte seine Kritikblindheit damit zu tun haben, dass er  als Mitglied des FIFA-Rats 250.000 US-Dollar im Jahr erhält. FIFA-Präsident Infantino sichert sich die Gunst der Mitglieder durch großzügige Geldgeschenke. Infantino selbst streicht bei der FIFA ein Jahresgehalt von 2,7 Mio. Euro ein.

»Ich nehme nicht mehr Teil an der politischen Diskussion«, so der Spieler Joshua Kimmich. Der hat auch nicht so viel Aura wie Torwart Manuel Neuer. Das Neuer-Trikot für Kinder kostet 95 Euro, vermutlich wegen der Aura. Jürgen Klinsmann, ehemaliger Bundestrainer, hat den DFB und die Spieler aufgefordert, sich mit politischen Äußerungen zurückzuhalten. Diese „vornehme Zurückhaltung mit politischen Äußerungen“ der Repräsentanten des deutschen Fußballs – Spieler, Trainer, Funktionäre – kennt man aus früheren Weltmeisterschaften. 1978 fand die WM in Argentinien statt, während der Militärdiktatur, die ca. 30.000 Menschen das Leben kostete. Trotz einer deutschlandweiten Aufklärungskampagne von NGOs unter dem Motto „Fußball ja, Folter nein!“ wollten auf die politischen Verhältnisse im Gastgeberland Argentinien angesprochene Spieler und Funktionäre sich nicht kritisch zur Situation unter der Militärdiktatur äußern. Zitat des damaligen Spielers Klaus Fischer: „Die politischen Zustände in Argentinien interessieren mich überhaupt nicht.“

Deutschland wird dieses Mal nicht, wie zuvor in Russland und Katar, schon in der Vorrunde ausscheiden; das wäre zumindest oberpeinlich bei den Gruppengegnern Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador. Überhaupt die Gruppenauslosungen: Indem man die stark eingeschätzten Mannschaften auf vier Lostöpfe verteilt, ist sichergestellt, dass diese die Vorrunde überstehen und erst in den KO-Spielen aufeinandertreffen. Umso größer ist die klammheimliche Freude, wenn zum Beispiel Spanien sich im Spiel gegen Kap Verde blamiert und über ein Untentschieden nicht hinauskommt.

Zurück zum Thema Fußball und Gefühle: am 23. November 2022 schrieben wir auf diesem Blog über FIFA-Boss Infantino „Von Gefühlen überwältigt“:

„Der Weltfußballverband FIFA mit Sitz in der Schweiz ist eine Non-Profit-Organisation. Also, äh, gemeinnützig, gewissermaßen. Er wird geführt von einem kahlköpfigen Mann namens Gianni Infantino. Infantino ist zwar korrupt, aber der Mann hat auch Gefühle. Er kennt sich bestens aus mit Diskriminierung, Unterdrückung und sone Sachen. Hat er bei der Eröffnung der WM in Katar ausgeplaudert. Auch, wie es sich anfühlt, schwul zu sein oder arabisch oder behindert – ist ja alles irgendwie ähnlich. Er hat das selbst erlebt, als Kind (schluchz, schnief) – Infantino halt, nomen est omen. Er wurde diskriminiert und gemobbt wegen seiner roten Haare, sagt er. Damit kann man ihm jetzt nicht mehr kommen.

Jetzt ist er so reich und mächtig, dass er jeden noch so großen Bullshit erzählen kann, ohne dass ihm einer was kann. Bei einer Pressekonferenz anlässlich der WM-Eröffnung sagte er: „Heute fühle ich sehr starke Gefühle, heute fühle ich mich als Katarer, heute fühle ich mich als Araber, heute fühle ich mich afrikanisch. Heute fühle ich mich homosexuell. Heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant.“ So hat eben jeder seine Gefühle. Auch der Emir Tamim bin Hamad al-Thami, der oberste Scharfrichter von Katar, hat Gefühle. Wenn er ständig Todesurteile unterschreiben muss, dann geht ihm das sicher sehr nahe. Vielleicht wurde er auch als Kind gemobbt? Zu früh vom Töpfchen gezerrt? Irgendwas muss da gewesen sein. 

Ach so, noch etwas: Die FIFA hat zuletzt 4,7 Mrd. Euro Gewinn erwirtschaftet. Da kann man schon mal in Tränen ausbrechen.“

PS: Wie anfangs erwähnt, hier nun der Stand meiner Panini-Sammlung (Joshua Kimmich habe ich zerrissen): Zur Vervollständigung fehlen mir noch die Nummern 5, 8, 10, 15, 18, 21, 25, 26, 35, 36, 37, 40, 45, 52, 54, 56, 60, 61, 62, 67. Ich kann zum Tausch anbieten: 1, 2, 3, 4, 7, 9, 11, 12, 16, 17, 24, 28, 30, 32, 33, 38, 41, 42, 43, 46, 47, 49, 50, 53, 57, 59, 64, 65, 68, 70.    


One Comment on “Fußball könnte so schön sein – wenn die FIFA nicht wäre”

  1. Avatar von achim achim sagt:

    Teile Vieles (na klar wer nicht in unserer Bubble), aber Joshua tust Du Unrecht. Was hat er 2022 auf die Schnauze bekommen, als er Flagge bzw. Armbinde gezeigt hat und dann sportlich alles vergeigt hat. Lassen wir uns das tolle Spiel einfach nicht von Wahnsinnigen wie Infantino und Trump nehmen. Dafür ist allerdings mehr Rückgrat von deutschen Fußballfunktionären nötig. Und jetzt hoffe ich, dass das Bildchen von Kimmich (sehr begehrt!) noch den Weg ins Sammelalbum findet!


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