Dafür oder dagegen? Mein Leben als Petitionär

Es werden immer mehr: Nahezu täglich werde ich per Mail aufgefordert, eine Petition zu unterschreiben. Manchmal sogar mehrmals am Tag. Geht Euch vielleicht genauso. Sind auch alles sinnvolle Anliegen: Gegen Krankschreibung ab Tag eins, gegen die Software Palantir, für Frieden in den Lehrplänen, gegen Kürzungen bei Psychotherapeuten, für eine atomwaffenfreie Welt, gegen Kürzungen beim Klimaschutz, für ein AfD-Verbotsverfahren, gegen fossile Lobbypolitik, für bessere Fahrradwege …

Alles wichtig, alles richtig. Das Problem: Man möchte nicht unbedingt seinen Alltag überwiegend damit verbringen, Petitionen zu unterschreiben. Meistens ist es mit der Unterschrift nicht getan: Es folgt die Bitte, das Anliegen auch mit einer Spende zu unterstützen. Die Initiatoren wollen dich als Unterstützer*in weiter auf dem Laufenden halten. So frisst sich das Krebsgeschwür der Petitioneritis unaufhaltsam immer weiter in meinen Lebensalltag.

Wirklich unaufhaltsam? Ich habe mir versuchsweise ab sofort einen Monat Enthaltsamkeit verordnet. Petitionsfasten. Schweren Herzens zwar und schlechten Gewissens. Dann wird die Petition gegen die Kürzungen bei Psychotherapeuten (die ich gestern unterschrieben habe) beim nächsten Mal auf meine Unterstützung verzichten müssen und statt 370.000 nur 369.999 Unterschriften haben – das muss ich dann aushalten.

PS: Bekomme eben den Offenen Brief des „Aktionsbündnis atomwaffenfrei.jetzt“ an die Bundesregierung und den Bundestag auf den Tisch: „Jetzt unterschreiben!“.

Fastenbrechen oder standhaft bleiben?


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