Fußball könnte so schön sein – wenn die FIFA nicht wäre
Veröffentlicht: 17. Juni 2026 Abgelegt unter: Boulevard, Sport | Tags: FIFA, Gianni Infantino Ein KommentarAnte scriptum: Dieser Text wurde ohne KI-Unterstützung verfasst!
Fußball und Gefühle: Anlässlich der aktuellen Weltmeisterschaft schwanken die Gefühle zwischen Freude, Langeweile, Ärger und Zorn, zwischen totaler Ablehnung und euphorischem Gekreische über jeden halbwegs gelungenen Pass. Ich gehöre nicht, soviel Bekenntnis muss sein, zu den Totalverweigerern, freue mich aber durchaus, wenn ein Fußballzwerg wie Curaçao ein Tor gegen Deutschland schießt. Ja, ich schaue mir Spiele der Fußball-WM im Fernsehen an. Ich habe keine Deutschlandfahne am Fahrrad befestigt. Ich frage beim Einkaufen nach Panini-Sammelbildern „für meine Enkel“ (meine Tauschangebote am Ende dieses Beitrags!).
Die Freude am schönen Ballsport, an gelungenen Spielzügen und spektakulären Toren wird getrübt durch die sattsam bekannten und vielfach kommentierten unschönen Rahmenbedingungen und Begleiterscheinungen, die nicht erst bei dieser, aber besonders extrem bei dieser WM neue Dimensionen erreichen: Die politische Instrumentalisierung der Spiele durch einen geistesgestörten US-Präsidenten, die grenzenlose Geldgier der korrupten MaFIFA und ihres machtgeilen und eitlen Präsidenten Infantino, seine klebrige Hofierung autokratischer Staatschefs und arabischer Ölscheichs, die groteske Verleihung eines „FIFA-Friedenspreises“ an den Unfrieden schürenden Trump, die überhöhten Ticketpreise, die Sponsorengelder aus Saudi-Arabien und Katar, die schikanösen Einreisehindernisse für Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Fußballfans, die Trinkpausenunterbrechungen, die der weiteren Kommerzialisierung der Spiele den Weg bereiten … Das alles ist bekannt. Über die Machenschaften der FIFA gibt es eine hörenswerte neue Podcast-Serie beim Deutschlandfunk: Behind the Games – FIFA-Präsident Gianni Infantino.
Zu den Ärgernissen gehört aus meiner Sicht das dröhnende Schweigen der deutschen Fußballfunktionäre, Spieler und Kommentatoren, wenn es um Fußball und Politik geht. Sie wollen uns weismachen, Fußball habe nichts mit Politik zu tun, bzw. der Fußball müsse sich politisch neutral verhalten und der Weltverband FIFA sei so eine Art Vereinte Nationen des Fußballs. Bei Bernd Neuendorf, Präsident des DFB, könnte seine Kritikblindheit damit zu tun haben, dass er als Mitglied des FIFA-Rats 250.000 US-Dollar im Jahr erhält. FIFA-Präsident Infantino sichert sich die Gunst der Mitglieder durch großzügige Geldgeschenke. Infantino selbst streicht bei der FIFA ein Jahresgehalt von 2,7 Mio. Euro ein.
»Ich nehme nicht mehr Teil an der politischen Diskussion«, so der Spieler Joshua Kimmich. Der hat auch nicht so viel Aura wie Torwart Manuel Neuer. Das Neuer-Trikot für Kinder kostet 95 Euro, vermutlich wegen der Aura. Jürgen Klinsmann, ehemaliger Bundestrainer, hat den DFB und die Spieler aufgefordert, sich mit politischen Äußerungen zurückzuhalten. Diese „vornehme Zurückhaltung mit politischen Äußerungen“ der Repräsentanten des deutschen Fußballs – Spieler, Trainer, Funktionäre – kennt man aus früheren Weltmeisterschaften. 1978 fand die WM in Argentinien statt, während der Militärdiktatur, die ca. 30.000 Menschen das Leben kostete. Trotz einer deutschlandweiten Aufklärungskampagne von NGOs unter dem Motto „Fußball ja, Folter nein!“ wollten auf die politischen Verhältnisse im Gastgeberland Argentinien angesprochene Spieler und Funktionäre sich nicht kritisch zur Situation unter der Militärdiktatur äußern. Zitat des damaligen Spielers Klaus Fischer: „Die politischen Zustände in Argentinien interessieren mich überhaupt nicht.“
Deutschland wird dieses Mal nicht, wie zuvor in Russland und Katar, schon in der Vorrunde ausscheiden; das wäre zumindest oberpeinlich bei den Gruppengegnern Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador. Überhaupt die Gruppenauslosungen: Indem man die stark eingeschätzten Mannschaften auf vier Lostöpfe verteilt, ist sichergestellt, dass diese die Vorrunde überstehen und erst in den KO-Spielen aufeinandertreffen. Umso größer ist die klammheimliche Freude, wenn zum Beispiel Spanien sich im Spiel gegen Kap Verde blamiert und über ein Untentschieden nicht hinauskommt.
Zurück zum Thema Fußball und Gefühle: am 23. November 2022 schrieben wir auf diesem Blog über FIFA-Boss Infantino „Von Gefühlen überwältigt“:
„Der Weltfußballverband FIFA mit Sitz in der Schweiz ist eine Non-Profit-Organisation. Also, äh, gemeinnützig, gewissermaßen. Er wird geführt von einem kahlköpfigen Mann namens Gianni Infantino. Infantino ist zwar korrupt, aber der Mann hat auch Gefühle. Er kennt sich bestens aus mit Diskriminierung, Unterdrückung und sone Sachen. Hat er bei der Eröffnung der WM in Katar ausgeplaudert. Auch, wie es sich anfühlt, schwul zu sein oder arabisch oder behindert – ist ja alles irgendwie ähnlich. Er hat das selbst erlebt, als Kind (schluchz, schnief) – Infantino halt, nomen est omen. Er wurde diskriminiert und gemobbt wegen seiner roten Haare, sagt er. Damit kann man ihm jetzt nicht mehr kommen.
Jetzt ist er so reich und mächtig, dass er jeden noch so großen Bullshit erzählen kann, ohne dass ihm einer was kann. Bei einer Pressekonferenz anlässlich der WM-Eröffnung sagte er: „Heute fühle ich sehr starke Gefühle, heute fühle ich mich als Katarer, heute fühle ich mich als Araber, heute fühle ich mich afrikanisch. Heute fühle ich mich homosexuell. Heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant.“ So hat eben jeder seine Gefühle. Auch der Emir Tamim bin Hamad al-Thami, der oberste Scharfrichter von Katar, hat Gefühle. Wenn er ständig Todesurteile unterschreiben muss, dann geht ihm das sicher sehr nahe. Vielleicht wurde er auch als Kind gemobbt? Zu früh vom Töpfchen gezerrt? Irgendwas muss da gewesen sein.
Ach so, noch etwas: Die FIFA hat zuletzt 4,7 Mrd. Euro Gewinn erwirtschaftet. Da kann man schon mal in Tränen ausbrechen.“
PS: Wie anfangs erwähnt, hier nun der Stand meiner Panini-Sammlung (Joshua Kimmich habe ich zerrissen): Zur Vervollständigung fehlen mir noch die Nummern 5, 8, 10, 15, 18, 21, 25, 26, 35, 36, 37, 40, 45, 52, 54, 56, 60, 61, 62, 67. Ich kann zum Tausch anbieten: 1, 2, 3, 4, 7, 9, 11, 12, 16, 17, 24, 28, 30, 32, 33, 38, 41, 42, 43, 46, 47, 49, 50, 53, 57, 59, 64, 65, 68, 70.
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Teile Vieles (na klar wer nicht in unserer Bubble), aber Joshua tust Du Unrecht. Was hat er 2022 auf die Schnauze bekommen, als er Flagge bzw. Armbinde gezeigt hat und dann sportlich alles vergeigt hat. Lassen wir uns das tolle Spiel einfach nicht von Wahnsinnigen wie Infantino und Trump nehmen. Dafür ist allerdings mehr Rückgrat von deutschen Fußballfunktionären nötig. Und jetzt hoffe ich, dass das Bildchen von Kimmich (sehr begehrt!) noch den Weg ins Sammelalbum findet!