Mein ESTA-Antrag für die Einreise in die USA
Veröffentlicht: 10. Februar 2026 Abgelegt unter: Internationale Politik, Sport | Tags: Esta-Antrag Ein KommentarHi guys from the USCIS (in German we say Einwanderungsbehörde): Ich will im Juni zur Fußball-WM in die USA reisen und beantrage hiermit die Einreise über das Reisegenehmigungssystem ESTA. Damit Ihr gleich alle erforderlichen Daten von mir parat habt:
Meine Telefonnummer ist seit 20 Jahren die gleiche. Auch mein Geschlecht (Cis-Mann) und meine E-Mail-Adresse (Trumpbestpresidentever@web.de haben sich nicht geändert. Meine DNA kommt separat per Post in einer Tupperschüssel (frisch geschnittene Fußnägel).
Was sich geändert hat, ist meine politische Orientierung. Bis vor noch nicht allzu langer Zeit war ich ein stupid Kritiker der US-Regierung und habe mich an Demonstrationen gegen die Stationierung amerikanischer Atomraketen, den Irak-Krieg (2003 in Berlin) und gegen die AfD als die einzig wahre Oppositionspartei in Deutschland beteiligt. Wie viele meiner Zeitgenossen habe ich mich dabei von den Falschmeldungen der Systempresse in die Irre führen lassen. Heute informiere ich mich ausschließlich bei Fox News und bin follower von Truth Social.
Für frühere Jugendsünden bitte ich um Nachsicht: Ich habe 1972 in La Paz, Bolivien, an die Außenmauer der US-amerikanischen Botschaft uriniert, nicht als Ausdruck politischen Protests, sondern wegen unaufschiebbarem Harndrang. 1986 habe ich nach einer Haiti-Reise in einem Bericht den US-amerikanischen Imperialismus gegeißelt („Schwein sein ist auch nicht immer schön“). I´m really sorry about that.
Sollten Sie über meine Vergangenheit Nachforschungen anstellen und dabei auf amerikafeindliche Veröffentlichungen auf meinem Blog (juergenlieser.blog) stoßen, so erkläre ich hiermit feierlich, dass ich mich öffentlich von allen unbedachten Beiträgen distanziere, in denen die Wörter „Trump“, „Arschloch“, „dement“, „geisteskrank“, „Friedensnobelpreis“ und „grab them by the pussy“ in einen Zusammenhang gebracht werden.
God bless America!
FIFA vergibt Friedenspreis an Trump: So what?
Veröffentlicht: 7. Dezember 2025 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Sport Hinterlasse einen KommentarDas Rektum von Donald Trump müsste eigentlich längst verstopft sein, dank massenhafter Arschkriecherei westlicher Politiker und eines NATO-Generalsekretärs („ich mag den Kerl“). Da darf die internationale Fussballmafia nicht fehlen. Die hat US-Präsident Trump für seinen „unerschütterlichen Einsatz für den Frieden auf der ganzen Welt“ mit dem Friedenspreis ausgezeichnet. Nein, nicht mit dem Friedensnobelpreis aus Norwegen, sondern mit dem Friedenspreis des unbestechlichen Weltfußballverbands FIFA und dessen Präsident Infantino. Den Osloer Friedensnobelpreis hätte Trump nach eigener Einschätzung längst verdient, „aber sie werden ihn stattdessen an „irgendeinen Typen“ vergeben, der verdammt nochmal nichts gemacht hat“.
Das sehen wir ganz genauso: Fridtjof Nansen, Carl von Ossietzky, Albert Schweitzer, Dag Hammarskjöld, Martin Luther King, Willy Brandt, Mutter Theresa, Nelson Mandela – alles Typen, die verdammt nochmal nichts gemacht haben. Ganz anders Trump, der die Auszeichnung durch die FIFA mit ihrem geldgierigen Präsidenten Gianni Infantino für die Fähigkeit, Kriege zu beenden, bevor sie ausgebrochen sind, mit den Worten entgegennahm: „Das ist eine der größten Ehrungen meines Lebens. Wir haben Abermillionen Menschen gerettet. Kongo, Indien und Pakistan. So viele Kriege haben wir beenden können, in manchen Fällen sogar bevor sie ausgebrochen sind“.
Die knallharte Distanzierung vom Deutschen Fussballbund folgte auf den Fuss: Bernd Neuendorf, DFB-Präsident, meinte: „Also wir sind hier nicht in Europa, wir sind in den USA. Da weiß jeder, dass Show hier ein großes Thema ist. Deshalb sollte das wirklich niemanden überrascht haben, wie das hier vonstattengeht. Das kennen wir vom Super Bowl und anderen Sportereignissen. Also mich hat das überhaupt nicht überrascht. Das gehört irgendwie zur USA. Das werden wir bei der WM auch erleben.“
Hauptsache, Deutschland wird Weltmeister.
Tour de France: Wie sauber ist der Radsport?
Veröffentlicht: 5. Juli 2025 Abgelegt unter: Sport | Tags: Tour de France Ein KommentarHeute (5. Juli 2025) ist der Start zur 112. Auflage der Tour de France. Nach den großen Skandalen früherer Jahre um Jan Ullrich und Lance Armstrong scheint Doping heute kein Thema mehr zu sein. Ist die Tour, ist der Radsport jetzt also sauber?
Das Pensum, welches die Profis bei der Tour absolvieren, ist beeindruckend: 21 Etappen mit insgesamt 3339 Kilometern und 52.500 Höhenmetern sind zurückzulegen. Da kann ich mit meinen beiden Alpenüberquerungen in jeweils fünf Tagen mit 600 km und 7.000 Höhenmetern nicht angeben.
Geradezu außerirdisch sind die jährlich steigenden Durchschnittsgeschwindigkeiten der Tourgewinner: Letztes Jahr fuhr der Sieger Tadej Pogačar im Schnitt 41,8 Kilometer pro Stunde – und das über eine Gesamtstrecke von 3.498 Kilometern. Im Schnitt! Versuch doch mal, 30 km/h nur eine Stunde lang durchzuhalten! 1998 waren es noch 38,2 km/h im Durchschnitt. Zu schnell, um sauber zu sein? fragt nicht nur diese Grafik von Statista, die zeigt, wie sehr das Tempo in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat:

Die Dopingsünder früherer Jahre wie Lance Armstrong oder Jan Ullrich waren trotz Dopings langsamer unterwegs. Seit zehn Jahren wurden, trotz intensiver Kontrollen, keine neuen Dopingfälle bei der Tour de France mehr festgestellt. Die enormen Leistungssteigerungen werden mit technischen Verbesserungen an den Rädern und an der Kleidung erklärt. Bekannt ist aber, dass moderne Dopingmittel vielfach bei Kontrollen nicht mehr nachgewiesen werden können, wie zum Beispiel das Eigenblut-Doping.
Eine kürzlich gesendete ARD-Dokumentation mit dem Titel „Geheimsache Doping: Im Windschatten“ zeigt jedoch, dass im Radsport weiterhin mit einem hohen Maß an krimineller Energie gedopt wird. „Wie kann es sein, dass die Fahrer immer schneller werden und heute Rekorde von gedopten Legenden knacken?“ fragt das Redaktionsteam der ARD, und findet bei seinen Recherchen „Hinweise auf verbotene Methoden zur Leistungssteigerung, neue Doping-Wundermittel und schwer belastete Mitarbeiter, die bis heute unbehelligt in den Spitzenteams weiterarbeiten. In fast allen Spitzenteams finden sich Mitarbeiter, die mindestens einmal wegen eines Dopingvergehens gesperrt waren. Am Ende wird deutlich: Der Dopingverdacht fährt im Radsport nach wie vor mit.“
Warum die ARD als öffentlich-rechtliche Sendeanstalt trotz dieser Erkenntnisse über die Tour de France berichtet, als sei der Radsport inzwischen sauber, bleibt ihr Geheimnis.
Fußball-WM in Saudi-Arabien: Wie ein Regime sein Image aufpoliert
Veröffentlicht: 13. Dezember 2024 Abgelegt unter: Internationale Politik, Korruption, Sport | Tags: FIFA, Fußballweltmeisterschaft, Saudi-Arabien Hinterlasse einen Kommentar1978 fand die Fußballweltmeisterschaft in Argentinien statt. Es gab damals allerdings ein kleines Problem: Das Land wurde seit 1976 von einer brutalen Militärjunta regiert, die politische Gegner foltern und verschwinden ließ – zum Beispiel, indem man Regimekritiker über dem offenen Meer des Rio de la Plata aus dem Hubschrauber warf. Unter der Herrschaft der Militärs starben am Ende ca. 30.000 Menschen. Die argentinische Regierung unter Jorge Rafael Videla nutzte die WM, um ihr politisches Image aufzupolieren und der Welt Sand in die Augen zu streuen. Die Fußballfunktionäre hatten keine Bedenken, mit der Militärjunta zu kooperieren. Der damalige FIFA-Präsident Havelange hatte den Militärputsch von 1976 begrüßt: „Nun wird die WM reibungslos ablaufen“. DFB-Präsident Hermann Neuberger hatte Spieler aus der Nationalmannschaft davor gewarnt, sich zu den politischen Verhältnissen in Argentinien kritisch zu äußern. Und nicht nur das: Neuberger traf sich während der WM mit Hans-Ulrich Rudel, einem bekannten Nazi-Kampfpiloten. Rudel hatte sich nach Südamerika abgesetzt und als Berater von Militärdiktaturen einen Namen gemacht.

Ich war damals in Bonn politisch aktiv und beteiligt an den Protesten von Menschenrechts- und Lateinamerikagruppen, die unter dem Slogan „Fußball ja – Folter nein“ auf die politischen Rahmenbedingungen aufmerksam machten, unter denen die WM in Argentinien stattfinden sollte.
Wir klebten nachts Plakate, machten öffentliche Aktionen und suchten den Kontakt zu Fußballspielern und Funktionären. Wir forderten sie auf, sich für politische Gefangene einzusetzen und auf die Verletzung der Menschenrechte in Argentinien aufmerksam zu machen. In Deutschland sorgte zum Beispiel die Ermordung der deutschen Austauschstudentin Elisabeth Käsemann für Empörung. Berti Vogts, damals Spieler in der deutschen Nationalmannschaft, sprach von Argentinien als einem „Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.“
Nun ein Sprung in die Gegenwart: Die FIFA hat entschieden, dass die Fußball-WM 2034 in Saudi-Arabien stattfindet. Der DFB hat für diese Wahl gestimmt. Vermutlich wird man auch in Saudi-Arabien „keinen einzigen Sklaven gesehen haben, die laufen alle frei herum“ (so Franz Beckenbauer anlässlich der WM 2022 in Katar, befragt nach der Kritik an menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter in dem Land). Nun gut, die FIFA ist nicht gerade bekannt dafür, hochsensibel auf Menschenrechtsverletzungen zu reagieren oder gar allergisch gegen Korruption zu sein. Man darf annehmen, dass Saudi-Arabien den FIFA-Funktionären bei der Entscheidung für die Vergabe der WM in das Wüstenland unter die Arme gegriffen hat. Geld spielt in Saudi-Arabien keine Rolle. Profifußballer wie Ronaldo oder Neymar werden mit exorbitanten Gehältern eingekauft, um in Vereinen der Saudis zu spielen. Und was die bürgerlichen Freiheiten anbetrifft: Frauen dürfen sogar Auto fahren!
Nach Katar 2022 zeigt sich die FIFA erneut blind und taub gegenüber Kritik an einem autoritären Regime wie Saudi-Arabien. Berichte von Zwangsarbeit, Lohndiebstahl, fehlendem Arbeitsschutz und ungeklärten Todesfällen unter Arbeitern, der brutale Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im Jahr 2018, die starke Zunahme von Hinrichtungen und Todesurteilen gegen Regimekritiker, Einschränkungen der Pressefreiheit – Saudi-Arabien schneidet in vielen Bereichen und bei internationalen Indizes (siehe Statista-Grafik) noch schlechter ab als Katar.

Ungeachtet dessen ist Saudi-Arabien, nachdem deutsche Rüstungsexporte dorthin eine Zeitlang eingestellt waren, seit diesem Jahr wieder Empfänger deutscher Rüstungsgüter.
Das saudische Königshaus spannt den Fußball zur Aufpolierung seines Images ein, und die Fußballfunktionäre von FIFA und DFB lassen sich dafür instrumentalisieren. Vielleicht trifft das Berti-Vogts-Zitat von 1978 zu Argentinien für den DFB auch 2024 zu: „Saudi-Arabien ist ein Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.“
Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus!
Veröffentlicht: 6. Juli 2024 Abgelegt unter: Boulevard, Gesellschaft, Sport Hinterlasse einen KommentarDeutschland hat das Viertelfinalspiel gegen Spanien verloren und ist damit aus der EM ausgeschieden. Zu früh und zu Unrecht, denn eigentlich waren wir besser. 85 Millionen Fußballexperten können nicht irren. Mit ein paar groben, pardon: taktischen Fouls haben unsere Jungs zu Beginn versucht, die spanische Mannschaft zu dezimieren, was nur in einem Fall erfolgreich war. Dann haben wir jede Menge Torchancen versemmelt und jede Menge gelbe Karten eingesammelt. Und zu allem Unglück kam auch noch Pech dazu: Ein klares Handspiel des spanischen Marc Cucurella wurde vom englischen (!) Schiedsrichter Taylor nicht mit einem Elfmeter geahndet. Da klingelt doch was? 1966? Wembley? Damals hat Deutschland das WM-Finale gegen England wegen eines umstrittenen Tores verloren. Der Schweizer Schiedsrichter hatte das Tor zunächst nicht gegeben, dann aber nach Rücksprache mit dem sowjetischen (!) Linienrichter auf Tor gegen Deutschland entschieden, und damit war die Messe gelesen.
Da können FIFA, UEFA oder sonstige Fußballfunktionäre noch so oft behaupten, Politik habe im Fußball nichts zu suchen – Pustekuchen! Wenn allerdings CR7 nach einem verschossenen Elfmeter weint, der britische Spieler Bellingham sich beim Torjubel ans Gemächt greift oder der Türke Demiral den Wolfsgruß zeigt, dann hat das weniger mit Politik zu tun als mit beeinträchtigter Hirntätigkeit infolge häufigen Kopfballspielens in Kombination mit starker Sonneneinstrahlung unter saudi-arabischer Wüstensonne.
So ist es nun einerseits schade, dass es kein Sommermärchen 2024 geben wird und die Aufmerksamkeit des Publikums durch den Fußball nicht weiter von den wirklichen Problemen unserer Zeit abgelenkt wird. Aber es bleibt uns ja noch die Hoffnung, dass der Außenseiter Schweiz am Ende Europameister wird und die ganzen Megastars unverrichteter Dinge wieder nach Saudi Arabien zurückkehren, wo sie ihre Brötchen verdienen. Im Schnitt sind das jeweils 25 Millionen Euro Jahresgehalt (z.B. Aymeric Laporte, Sergej Milinkovic-Savic, N´Golo Kanté ,Aleksandar Mitrović). Spitzenverdiener Cristiano Ronaldo kommt in Saudi Arabien auf eine Jahresgehalt von 200 Millionen. Vielleicht hat er deshalb geweint, weil ihm die Saudis wegen schlechter Performance bei der EM etwas vom Gehalt abziehen?

Hopp Schwiiz – wir zählen auf Euch!
Gegen die Untergangsstimmung im Land: Toooooooooor!
Veröffentlicht: 15. Juni 2024 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Sport 3 KommentareEndlich mal nicht nur negative Schlagzeilen. Deutschland gewinnt das Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft! Fußballfieber als Religionsersatz und kollektive Ablenkung von Katastrophen- und Untergangsmeldungen wie Kriegsangst, islamistische Bedrohung, Rechtsruck in Europa, Koalitionsstreit, Wirtschaftskrise und Umweltzerstörung: Da kommt die Europameisterschaft gerade recht. Jetzt, wo die Fußball-EM die Nachrichten und Schlagzeilen füllt, Hunderttausende in die Stadien strömen, Millionen die Spiele am Fernsehen verfolgen, wo Traumtore bejubelt werden und verschossene Elfmeter kollektives Entsetzen auslösen, fragen nur Defätisten wie ich (und davon gibt doch einige): Kann man Fußballspiele noch mit unschuldigem Vergnügen anschauen? Ist der Profifußball nicht längst zu einem widerwärtigen Milliardengeschäft degeneriert, dem man die Aufmerksamkeit verweigern sollte?
Die Konsequenz, nämlich die Spiele zu boykottieren, fällt mir schwer. Eleganten Fußball anzusehen ist einfach faszinierend. Ich kann auch mitjubeln, wenn ein schöner Spielzug mit einem Tor abgeschlossen wird. Allerdings ist mir das ganze Getue drumherum zuwider – die quasireligiösen Eröffnungszeremonien, der Kult- und Heldenstatus um die Spieler, das Wissen um die korrupte FIFA und die dekadenten Lebensweisen der millionenschweren Spieler. Die Vergabe der WM an Deutschland 2006 und die dubiose Rolle von Franz Beckenbauer, über dessen Konto Millionen hin- und hergeschoben wurden, ist bis heute nicht wirklich aufgeklärt.
Die deutsche Fußballmannschaft hat ihr erstes Spiel überlegen gewonnen. Das bringt die ganze Nation in euphorische Hochstimmung. Wir halten uns trotz vieler Niederlagen in den letzten Jahren immer noch für die eigentlichen Weltmeister. Vergessen das klägliche Ausscheiden bereits in der Vorrunde bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland und 2022 in Katar, das Ausscheiden bei den Europameisterschaften 2012 und 2016 (immerhin erst im Halbfinale) und 2020 im Achtelfinale. Wird es etwa ein neues „Sommermärchen“ geben, vielleicht sogar ein neues „Wunder von Bern“?
Es wäre längst an der Zeit, die Starallüren der Fußballprofis im deutschen und internationalen Fußball als das zu entlarven, was sie sind: Prolliges Zuschaustellen von perversem Reichtum, während die Stadionbesucher sich die Ticketpreise kaum mehr leisten können. Die Großverdiener im deutschen und internationalen Fußball verdienen oder verdienten unglaubliche Summen: Beckenbauer, Lionel Messi, Cristiano Ronaldo. Letzterer kommt auf 260 Millionen Dollar allein in der Saison 2023/2024.

Saudi-Arabien hat in den letzten Jahren die besten Spieler mit horrenden Summen abgeworben („Willst du mehr verdien‘, musst du nach Saudi-Arabien zieh’n“). Und dann der Transfer-Wahnsinn: Clubs geben hohe Summen für neue Spieler aus. Rekordhalter ist der FC Chelsea, der im Jan. 2023 320 Mio. Euro für Transfers von acht Spieler ausgegeben hat. Davon allein 121 Mio. Euro für den 22 Jahre alten Argentinier Enzo Fernández. Die Clubs selbst sind großenteils im Besitz von russischen Oligarchen, arabischen Scheichs und Baulöwen. Borussia Dortmund lässt sich vom Rüstungskonzern Rheinmetall sponsern. Jeder fünfte Deutsche will mehr „weiße“ Nationalspieler. Das alles und noch viel mehr trübt den Spaß am Fußballschauen. Trotzdem wünsche ich der deutschen Nationalmannschaft einen erfolgreichen Verlauf. Und dass sich endlich mal deutsche Profifußballer zu ihrer Homosexualität bekennen und nicht nur von Vielfalt und Toleranz schwafeln.
Keine Sklaven gesehen: Franz Beckenbauer ist tot.
Veröffentlicht: 9. Januar 2024 Abgelegt unter: Boulevard, Gesellschaft, Korruption, Sport | Tags: Beckenbauer, FIFA 2 KommentareDe mortius nihil nisi bene: Schaun mer mal. Die Medien triefen vor überschwänglichen Nachrufen auf den gestern verstorbenen Beckenbauer. Ein Highlight: Das Tagesthemen-Interview mit Markus Hörwick, ehemaliger Kommunikationsdirektor des FC Bayern München („Seine Menschlichkeit war unglaublich“).
Der Heiligsprechung dürfte nichts mehr im Wege stehen. Die Fußballnation, die FIFA-Mafia, die geldgierigen Funktionäre des FC Bayern München, die Ölscheichs um den Persischen Golf, der Verband russischer Gasproduzenten – sie alle trauern um Franz Beckenbauer. Der Kaiser, die Lichtgestalt, der begnadete Ball- und Schmiergeldjongleur, Lieblingspromi der Bildzeitung, ist tot. Man wird ihm wohl ein Denkmal setzen müssen. Schließlich rechnen wir ihm sein ehremamtliches Engagement im Organisationskomitee für die WM 2006 hoch an, für das er nur eine bescheidene Aufwandsentschädigung von 5,5 Millionen Euro erhalten hat. Mein Vorschlag für die Inschrift auf dem Denkmalsockel: „Hier stehe ich und kann mich nicht an schwarze Kassen erinnern. Und in Qatar habe ich nicht einen einzigen Sklaven gesehen“.
Wochenrückblick in einfacher Sprache
Veröffentlicht: 3. Dezember 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Bundeswehr, Gesellschaft, Innenpolitik, Sport, Wirtschaft | Tags: Bundeswehr, Elon Musk, Olaf Scholz Hinterlasse einen KommentarWas war diese Woche nicht alles los: Die Bundeswehr hat nicht genug Schießpulver, die deutschen Kicker haben die Weltmeisterschaft verkackt, Olaf Scholz will trotzdem Bundeskanzler bleiben, immer mehr Geldautomaten werden gesprengt, Skifahren wird teurer, der Hype um E-Vapes ist gerade riesig, der südafrikanische Staatschef Cyril Ramaphosa hat eine halbe Million Dollar im Sofa versteckt, in den Residenzen der britischen Krone darf keine Gänsestopfleber (Foie Gras) mehr serviert werden, Helene Fischer zeigte sich komplett ungeschminkt und, während mein Blog mit 84 Abonnenten dahindümpelt, hat Donald Trump auf Twitter schon wieder 90 Mio. Follower – Qualität setzt sich eben durch.
Wir aber geben die Hoffnung auf bessere Nachrichten in der kommenden Woche nicht auf. Zum Beispiel diese:
- Verkehrtminister Volker Wissing muss für 30 Tage in Vorbeugehaft wegen Ankündigung einer Straftat (will den Bau von Autobahnen schneller genehmigen)
- Milka kündigt an, die nicht verkauften Schokoladenweihnachtsmänner der frierenden Bevölkerung in der Ukraine zur Verfügung zu stellen
- Olaf Scholz von der Apothekenumschau zum Sexiest Man Alive gewählt
- Ampel beschließt Bierpreisbremse (vulgo Bierdeckel)
- Deutsche Kinder dürfen wieder unbekümmert Indianer spielen
- Jürgen Lieser hat drei neue Follower.
Aber wahrscheinlich wird es wieder so sein wie in den vergangenen Wochen: Der Einzelhandel jammert über die mangelnde Kauflaune der Deutschen, der Benzinpreis steigt schon wieder, Elon Musk wird UN-Generalsekretär, Kamerun erreicht das WM-Halbfinale, Bundesbahn verspricht mehr Pünktlichkeit, oder so ähnlich.
FIFA-Boss Infantino: Von Gefühlen überwältigt
Veröffentlicht: 23. November 2022 Abgelegt unter: Boulevard, Internationale Politik, Sport | Tags: FIFA, Fußballweltmeisterschaft, Gianni Infantino 2 KommentareDer Weltfußballverband FIFA mit Sitz in der Schweiz ist eine Non-Profit-Organisation. Also, äh, gemeinnützig, gewissermaßen. Er wird geführt von einem kahlköpfigen Mann namens Gianni Infantino. Infantino ist zwar korrupt, aber der Mann hat auch Gefühle. Er kennt sich bestens aus mit Diskriminierung, Unterdrückung und sone Sachen. Hat er bei der Eröffnung der WM in Katar ausgeplaudert. Auch, wie es sich anfühlt, schwul zu sein oder arabisch oder behindert – ist ja alles irgendwie ähnlich. Er hat das selbst erlebt, als Kind (schluchz, schnief) – Infantino halt, nomen est omen. Er wurde diskriminiert und gemobbt wegen seiner roten Haare, sagt er. Damit kann man ihm jetzt nicht mehr kommen.
Jetzt ist er so reich und mächtig, dass er jeden noch so großen Bullshit erzählen kann, ohne dass ihm einer was kann. Bei einer Pressekonferenz anlässlich der WM-Eröffnung sagte er: „Heute fühle ich sehr starke Gefühle, heute fühle ich mich als Katarer, heute fühle ich mich als Araber, heute fühle ich mich afrikanisch. Heute fühle ich mich homosexuell. Heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant.“ So hat eben jeder seine Gefühle. Auch der Emir Tamim bin Hamad al-Thami, der oberste Scharfrichter von Katar, hat Gefühle. Wenn er ständig Todesurteile unterschreiben muss, dann geht ihm das sicher sehr nahe. Vielleicht wurde er auch als Kind gemobbt? Zu früh vom Töpfchen gezerrt? Irgendwas muss da gewesen sein.
Ach so, noch etwas: Die FIFA hat zuletzt 4,7 Mrd. Euro Gewinn erwirtschaftet. Da kann man schon mal in Tränen ausbrechen.
Über den Umgang mit Menschen IV. Heute: Zweiradfahrer
Veröffentlicht: 20. Juli 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Sport, Wissenschaft | Tags: E-Bike, Lastenräder, Radfahrer, Tour de France 3 KommentareWeil gerade die Tour de France läuft und ich selbst wegen Verzicht auf jegliches Doping und einem politischen Statement (siehe Foto) nicht zur Teilnahme zugelassen wurde, möchte ich heute mein besonderes Augenmerk auf die Radfahrer*innen richten.

Foto: Timo Dörr, Badische Zeitung
Meine kürzliche Polemik gegen das Autofahren im Allgemeinen und die benzinsaufenden SUVs im Besonderen („Wieviel(e) Auto(s) braucht der Mensch„) bedarf einer Relativierung. Auch unter Rad fahrenden Menschen gibt es jede Menge Vollpfosten. Zwar liegt die moralische Überlegenheit des Radfahrens auf der Hand – ist gesund, schont die Umwelt, macht keinen Krach, stinkt nicht und vieles mehr -, aber das Sozialverhalten mancher Radfahrerinnen und Radfahrern gibt Rätsel auf. Mein privates Forschungsprojekt „Social behaviour and potential for aggression of urban cyclists with special consideration of gender specific deviant behaviour“ ist noch nicht abgeschlossen. Ich kann aber heute bereits vorläufige Ergebnisse vorstellen.
Schrecken aller Autofahrer: Kampfradler im Angesicht des Todes
Die Spezies der Kampfradler gibt es vermutlich in allen deutschen Großstädten. Immer darauf bedacht, Autofahrer auf tatsächliches oder vermeintliches Fehlverhalten hinzuweisen, und zwar mittels Schlägen aufs Autodach, Tritten gegen die Tür, obszönen Gesten und anderen gesinnungsethischen Belehrungen. In Freiburg, so scheint es, haben die Kampfradler einen Ruf zu verteidigen. Vor einer Ampel wartende Autoschlangen gelten grundsätzlich als Herausforderung, sich im Zickzackkurs bis nach vorne durchzukämpfen und noch vor dem Umschalten der Ampel in schnellem Tritt davonzueilen, nicht ohne den bedauernswerten Gestalten in ihren Benzinkisten den Stinkefinger zu zeigen.
Oma hat jetzt auch ein E-Bike
Die rasante Erfolgsgeschichte des E-Bikes hat erfreulicherweise dazu geführt, dass vermehrt Menschen, die sich im Alltag nicht ohne Aufstehhilfe vom Fernsehsessel erheben können und die zeitlebens der Fortbewegung auf zwei Rädern eher ablehnend gegenüberstanden, nun das Radfahren als Freizeitbeschäftigung für sich entdeckt haben. Das ist im Sinne der Volksgesundheit und des Klimaschutzes auf das Schärfste zu begrüßen. Allerdings macht diese Klientel nun den ohnehin knappen, für den Radverkehr vorgesehenen Verkehrsraum unsicher. „Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten“ möchte man mit Goethe angesichts übergewichtiger Renter*innen auf ihren hochmotorisierten Rädern seufzen, die, im Profirennradler-Outfit gekleidet, mit einer ihrem Reaktionsvermögen nicht angepassten Geschwindigkeit die komplette Breite des Radwegs beanspruchen.
Freihändig fahrende Teenager im Daddelalter
Jugendliche so etwa zwischen zehn und vierzehn Jahren fahren vorzugsweise nur auf dem Hinterrad. Das ist nett anzuschauen, den Hund macht es allerdings ganz nervös. In der anschließenden, Pubertät genannten Entwicklungsphase, wenn aus Kindern Erwachsene werden, ändert sich nicht nur der Hormonhaushalt, sondern auch das Verhalten auf dem Rad. Sorglosigkeit, Ignoranz in Bezug auf mögliche Gefahren und Balzgebaren sind das Privileg der Jugend. Auch ich habe mit Fünfzehn den ersten Abflug über den Fahrradlenker absolviert, weil ohne Licht in der Nacht mit überhöhter Geschwindigkeit von einem querenden (nicht queeren, das gab es damals noch nicht) Autofahrer übersehen wurde. Heute gilt: Im Alter von 14 bis 20 darf man sich auf keinen Fall dabei ertappen lassen, beim Radfahren die Hände am Lenker zu halten. Die werden nämlich dringender gebraucht, um das Smartphone zu bedienen. Dass dabei dem Gegenverkehr auf dem Radweg nicht die nötige Aufmerksamkeit zuteilwerden kann – nun ja.
Die tollkühnen Frauen in ihren wunderbaren Lastenrädern
Lastenräder sind die SUVs und den Fahrrädern. Eigentlich eine tolle Erfindung: Kinder, Getränkekisten, der Hund, Einkäufe bei IKEA – fast alles kann in einem Lastenrad transportiert werden. Und weil die mit Elektromotor ausgestattet sind – anders wären diese Monster ja gar nicht zu bewegen – sind sie auch erstaunlich schnell unterwegs. Während unsereins noch den Nachwuchs im Kinderwagen oder Buggy zum Einkaufen oder in die Kita geschoben hat, erfolgt der Transport der lieben Kleinen, gerne gebündelt im Zweier- oder Dreierpack, heute mit dem Lastenrad. Die Lastenraddichte ist in gehobenen urbanen Wohnbezirken mit starkem Anteil an jungen Familien inzwischen ähnlich hoch wie die der vor der Garage geparkten Bobbycars. Ohne Lastenrad bist du heute der letzte Depp.
Klingellose Rennradler im Angriffsmodus
Ein besonderes Kapitel meiner kurz vor der Veröffentlichung stehenden „Studie zum Sozialverhalten und Aggressionspotenzial städtischer Rad fahrender Menschen unter besonderer Berücksichtigung genderspezifischen abweichenden Verhaltens“ widmet sich den Rennradler*innen. Wenn du gemütlich auf dem Radweg unterwegs bist und es hinter dir pfeift, dann weißt du: Achtung Rennradler im Angriffsmodus! Du solltest dann schleunigst den Weg freimachen, denn es handelt sich um eine/n Angehörige/n dieser Gruppe. Selbige treten auch gerne im Pulk auf. In Sportgerät und Bekleidung wurden mehrere tausend Euro investiert. Eine Klingel für fünf Euro wäre da durchaus noch im Budget drin gewesen, gilt aber an einem solchen Hightechrad unter Insidern als völlig uncool. Hat man etwa jemals bei der Tour de France jemand klingeln gehört, um zum Überholen anzusetzen?
