Freiwillige gesucht: Im Kriegsfall pro Tag 1000 Soldaten tot oder verwundet
Veröffentlicht: 25. Oktober 2025 Abgelegt unter: Bundeswehr, Gesellschaft, Innenpolitik, Krieg, Pazifismus, Rüstung | Tags: Bundeswehr, Patrick Sensburg, Wehrdienst, Wolfram Beyer Hinterlasse einen KommentarMit 1000 toten oder verwundeten Soldaten pro Tag rechnet die Bundeswehr im Kriegsfall. Das verkündet Patrick Sensburg, MdB / CDU und Präsident des Reservistenverbands der Bundeswehr. „Das klingt jetzt brutal, ich weiß“, ergänzt Sensburg seine nüchternen Überlegungen, „die Verluste müssten dann durch Reservisten ersetzt werden“.
Das militärische Personal der Bundeswehr beträgt aktuell 180.000. Geplant ist, mit dem neuen Wehrdienst auf 260.000 aktive Soldaten und 200.000 Reservisten zu kommen. Das würde dann, bei 1000 Verlusten pro Tag, immerhin für 460 Tage Krieg reichen. Aber reicht das? Und wenn es 2000 Verluste pro Tag sind oder 5000? Wo käme der Nachschub her, wenn das Kanonenfutter verbraucht, der Krieg aber noch nicht zu Ende ist?
Mal im Ernst: Wie kommen die Bundeswehr und der Reservistenchef auf diese Zahlen? Das hätte man gerne gewusst. Alle potenziell Wehrpflichtigen sollten dem Herrn Sensburg dankbar sein dafür, dass er Klartext spricht statt der beschönigenden Werbung der Bundeswehr über einen attraktiven Arbeitsplatz mit Abenteuer- und Eventcharakter. Fürs Vaterland zu sterben ist mega, weil Heldentod. Vor allem, wenn man einen Heldentodabgang zugelost bekommen hat.
Dazu erklärt der Sprecher der Internationale der Kriegsdienstgegner*innen (IDK), Wolfram Beyer: „Aus den Äußerungen von Sensburg spricht blanker Zynismus und unverhohlene Menschenverachtung. Sie bestätigen in dankenswerter Klarheit, worauf Kriegsdienstgegner*innen schon immer warnend hingewiesen haben: Die Bundeswehr sucht Menschen, die sie im sogenannten Ernstfall als „Kanonenfutter“ verheizen kann. Das ist jenseits des offiziellen Geredes von der „Verteidigung der Freiheit“ der wahre Kern der gegenwärtigen Wehrdienstdebatte. Soldatsein ist eben kein Job wie jeder andere, wie uns die Bundeswehr in ihren „Karrierezentren“ vorgaukeln will, sondern ein Himmelfahrtskommando. Jeder junge Mensch, den die Bundeswehr demnächst „erfassen“ will, sollte sich fragen, ob er sich wirklich auf diesen Wahnsinn einlassen kann und will.“ (https://www.idk-info.net/themen/ )
Drastische Kürzung im Bundeshaushalt bei Humanitärer Hilfe und Friedenssicherung: Geht so feministische Außenpolitik?
Veröffentlicht: 9. September 2023 Abgelegt unter: Bundeswehr, Gesellschaft, Innenpolitik, Wahlen, Wirtschaft | Tags: Annalena Baerbock, Bundeswehr Hinterlasse einen KommentarDie Bundesregierung muss sparen. Das verstehen wir. Diese Woche war die erste Lesung des Bundeshaushalts 2024 im Deutschen Bundestag. 445,7 Milliarden Euro an Ausgaben sind geplant. Das sind 30,6 Milliarden Euro weniger als 2023. Eingespart wird dieses Geld nicht im Verteidigungshaushalt, das hatten wir schon vermutet.

Der Haushalt des Verteidigungsministeriums wächst seit 2017 kontinuierlich, also nicht erst seit dem Ukrainekrieg. Fast zwei Milliarden mehr lässt sich Deutschland 2024 seine Verteidigung kosten, und dazu kommt noch 19,2 Milliarden aus den Sondervermögen. Dafür werden jeweils um ein Drittel die Mittel für humanitäre Hilfe und Friedenssicherung gekürzt. Beide Haushaltstitel sind beim Auswärtigen Amt angesiedelt. Hallo, Frau Baerbock: Wie war das nochmal mit der feministischen Außenpolitik? Und war nicht „Fluchtursachen bekämpfen“ mal die Forderung, um Migration zu begrenzen?

Gekürzt werden auch die Mittel für Bundesfreiwilligendienste, für das Bafög, für die Bundeszentrale für politische Bildung, für Wohngeld, für Jugend- und Familienhilfe, für das Müttergenesungswerk und lauter son Gedöns. Das alles mit Zustimmung der Ampel-Parteien SPD, Grüne, FDP. Mich hat mal wieder keiner gefragt. Ich hätte auch Sparschläge gehabt: Streichung der Subventionen für Flugbenzin, Dienstwagen, die zehn (!) Milliarden für die geplante Chip-Fabrik in Magdeburg, die blödsinnige Förderung von Hausbesitzern, die sich eine PV-Anlage und ein E-Auto kaufen …
Leute, überlegt Euch, wen Ihr nächstes Mal wählt. Bleiben ja nicht mehr viele Parteien übrig, aber bitte nicht die AfD. Oder: Redet mal mit Euren Abgeordneten und sagt ihnen, was Ihr davon haltet!
Und hier noch eine Protestaktion gegen die geplanten Kürzungen, veranstaltet von Friedensgruppen vor dem Deutschen Bundestag:
Entrüstung bei der Rüstungsindustrie: Bund verfehlt das Zwei-Prozent-Ziel. Weihnachtsleckereien werden teurer
Veröffentlicht: 21. August 2023 Abgelegt unter: Bundeswehr, Gesellschaft, Innenpolitik, Krieg, Pazifismus, Rüstung | Tags: Bundeswehr Hinterlasse einen KommentarDie deutsche Außen- und Sicherheitspolitik hat einen – nicht nur feministischen – Kurswechsel vollzogen. Seit der scholzigen „Zeitenwende“ müssen wir braven Medienkonsumenten täglich und voller Staunen neue Details über militärisches Gerät lernen: Was ist eine Panzerhaubitze, welche Rakete wie weit fliegt, welcher Panzer wo repariert wird,

wer welche Kampfflugzeuge liefert bzw. warum nicht und was Marie-Agnes Strack-Zimmermann dazu meint. Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Verteidigung, das wissen wir inzwischen, ist unbedingt für mehr Waffen. Und das hat natürlich nichts zu tun mit ihrer engen Verflechtung mit der Rüstungsindustrie und deren Interessenverbänden (Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik sowie beim Förderkreis Deutsches Heer). Und dass ein Verteidigungsminister die Beliebtheitsskala der Politiker in Deutschland anführt, hätten sich Christine Lambrecht oder Karl-Theodor zu Guttenberg auch gewünscht.
Endlich darf wieder ohne Scham über Aufrüstung gesprochen werden. Der Ukraine-Krieg macht´s möglich. 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr, zusätzlich zu einem regulären Jahresetat für Verteidigung von 51,8 Milliarden (Sollwert 2024). Darüber sollte sich die Rüstungsindustrie eigentlich freuen. Jahrelang musste sie darben und mit dem Slogan werben „Keine neuen Raketen, bevor die alten nicht verbraucht sind“. Trotzdem jammert Herr Atzpodien, Vorsitzender des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV): „Meine Sorge bezieht sich auf die Zeit nach 2026, wenn das Sondervermögen verbraucht sein wird. Ohne die von Minister Pistorius vergeblich geforderte kräftige Erhöhung des regulären Verteidigungsetats um zehn Milliarden Euro und mehr pro Jahr werden wir ab 2027 das Zwei-Prozent-Ziel erneut verfehlen“. (lt. Badische Zeitung vom 21.08.23)
Atzpodien fordert unsere Gesellschaft auf, deutlich mehr Geld als bisher für die Bundeswehr bereitzustellen. Wo man das einsparen soll, sagt er nicht. Beim Sozialetat? Entwicklungshilfe? Klimaschutz? Bildung und Forschung?
Nicht nur um unsere Sicherheit, sondern auch um unseren Wohlstand müssen wir uns Sorgen machen. Dazu diese Schreckensmeldung des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie: „Für Lebkuchen, Stollen und andere Weihnachtsleckereien könnten die Verbraucherinnen und Verbraucher in diesem Jahr mitunter mehr zahlen müssen. Die seit Beginn des Ukraine-Krieges stark gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten belasten … die Unternehmen in der Branche …Manche unserer Zutaten haben sich auch in diesem Jahr im Preis noch mal fast verdoppelt“. (BZ 21.08.23)
Auch dafür muss also der Ukrainekrieg herhalten. Für die Friedensbewegung wiederum, die es in diesen waffenstrotzenden Zeiten schwer hat, könnten die unterschiedlichen Interessen von Rüstungs- und Süßwarenindustrie zu einem neuen Slogan führen: „Frieden schaffen ohne Waffeln“ (Für diesen Kalauer bitte ich schon mal vorab um Entschuldigung).
Panne beim Regierungsflieger: Peinlich oder Ironie des Schicksals?
Veröffentlicht: 15. August 2023 Abgelegt unter: Bundeswehr, Internationale Politik, Klimawandel | Tags: Annalena Baerbock, Bundeswehr, Strack-Zimmermann Hinterlasse einen KommentarJa, Außenministerin Annalena Baerbock musste ihren geplanten Besuch in der Pazifikregion wegen eines technischen Defektes am Regierungsflieger abbrechen. Nein, wir werden hier nicht in den Chor derer einstimmen, die jetzt Kübel von Häme und Spott über die Bundeswehr und ihr marodes Gerät und über die angeblich so peinliche Panne für die Bundesregierung ausschütten. Ohne ordnungsgemäß geschlossene Klappe kann die A340 der Bundeswehr nun mal nicht weiterfliegen. Eine geschlossene Klappe möchte man auch der unsäglichen FDP-Politikerin Strack Zimmermann wünschen, die den Vorfall „einfach nur peinlich“ fand.
Wieso eigentlich? Zweimal musste der Weiterflug abgebrochen werden. Ja und? Eine eher groteske Ironie des Schicksals ist, dass ausgerechnet eine grüne Ministerin auf dem Weg nach dem südpazifischen Fidschi, das wegen des Klimawandels im Meer zu versinken droht, 160 Tonnen Kerosin ins Meer kippen muss. Wenn es also demnächst im Supermarkt preisgünstige Ölsardinen gibt, wissen wir warum.
Spaß beiseite: Was ist daran eigentlich so peinlich, wenn nicht alles wie geplant läuft? Ist es nicht vielmehr sympathisch, wenn ausgeklügelte Staatsbesuche, an deren Vorbereitung Ministerialbeamte und Botschaftsangehörige vor Ort monatelang gearbeitet haben, wegen einer dämlichen Klappe in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus? Unter anderem sollte bei dem Besuch von Missionaren geklaute indigene Kunst zurückgegeben werden. Das kann man sicher nachholen, ohne dafür eine Ministerin samt kompletter Regierungsdelegation und Journalistentross in einen schrottreifen Regierungsflieger zu setzen.

Allen, die jetzt die abgebrochene Reise voller Häme und Spott kommentieren, sei im übrigen die Lektüre von Hartmut Rosas 2020 erschienenen Buch „Unverfügbarkeit“ empfohlen.
Warum? Einfach mal lesen.
Können wir Krieg? fragt die ARD. Echt jetzt?
Veröffentlicht: 5. April 2023 Abgelegt unter: Bundeswehr, Internationale Politik, Krieg, Pazifismus, Rüstung | Tags: Bundeswehr, Hart aber fair, Krieg Ein KommentarDie ARD startete am Montag dieser Woche im besten Abendprogramm mit einer Doku über die Bundeswehr unter der Überschrift „Können wir Krieg“? Natürlich durfte da wieder die unsägliche FDP-Tante Marie-Agnes Strack-Zimmermann ihren Senf zu dem Thema abgeben. (Warum sagt eigentlich niemand im Vorspann, dass diese Dame auch wichtige Aufsichtsratsposten bei Rüstungsbetrieben hat? Egal.)
Damit war auch das Thema für die anschließende Talkshow „Hart aber fair“ gesetzt. Dort durfte zunächst ein im Kosovo und Afghanistan-Einsatz bewährter Bundeswehrveteran (Rüdiger Hesse) die Frage, ob die Bundeswehr Krieg kann, mit „Ja!!!!“ beantworten und die Bundeswehr als „geilen Arbeitgeber“ anpreisen. Der vierschrötige Mann, Gründer des Vereins „Combat Veteran e.V.“ (Motto: „Von Veteranen für Veteranen“) durfte über seinen Afghanistan-Einsatz erzählen: „Wir gehen da nicht auf Kindergeburtstag“ – ach so. Dass die Soldaten dort für einen fragwürdigen und am Ende gescheiterten Einsatz verheizt wurden – das hätte man in diesem Zusammenhang gerne erfahren. Ich selbst war mehrmals in Afghanistan, nicht im militärischen Einsatz, aber ich hätte erzählen können, was aus Sicht von humanitären Hilfsorganisationen dort nicht gut gelaufen ist, zum Beispiel die von der Bundesregierung gewünschte „zivil-militärische Zusammenarbeit“ mit der Bundeswehr.
In der anschließenden Talk-Runde berichtete eine Ukrainerin (Mariya Maksymtsiv) über ihren Bruder an der Front, mit dem sie im ständigen Kontakt steht. Außer ihr in der Runde: Ein Kriegsreporter der Bildzeitung (Paul Ronzheimer, der hatte natürlich den Bonus, dass keiner außer ihm selbst wirklich im Kriegsgebiet war), ein Bundestagsabgeordneter (Michael Roth, SPD, sich selbst bemitleidend, weil man ihn als „Kriegstreiber“ verunglimfe), eine Journalistin (Ulrike Winkelmann, Chefredakteurin der taz) und der Journalist, Buchautor und Friedensaktivist Franz Alt. Auf die Frage des Moderators: Können wir, kann die Bundeswehr Krieg? war die trockene Antwort von Alt, der wohl als Alibi-Pazifist eingeladen war: „Das Deutschland Krieg kann, hat die Welt auf furchtbare Weise im letzten Jahrhundert zweimal erlebt. Daraus wurde nach 1945 der Grundgesetzauftrag: nie wieder Krieg von deutschem Boden aus! Deshalb ist mir nicht ganz wohl bei der Frage, ob Deutschland Krieg können muss. Wichtiger wäre, dass wir Frieden können.“ Alt ist Mitunterzeichner eines von Peter Brandt initiierten Friedensappells und wurde dafür in der Talkrunde vom wutschäumenden Michael Roth scharf attackiert, weil der Appell den russischen Angriffskrieg nicht deutlich genug verurteile. Offenbar muss heute jeder, bevor er oder sie die Wörter „Verhandlungen“, „Frieden“ oder „Waffenstillstand“ in den Mund nimmt, hundertmal schreiben „Ich verurteile den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine“. Der ukrainische Ex-Botschafter und jetzige Vizeaußenminister Andrij Melnyk dazu auf twitter: „Hallo Peter Brandt & Co., schert euch zum Teufel mit eurer senilen Idee, einen “schnellen Waffenstillstand” zu erreichen und “den Frieden nur mir Russland zu schaffen”. Die Ukrainer lehnen diesen Firlefanz ab. Punkt. Schönen Samstag noch“. Hat er sich da etwa am donaldtrumpschen Sprachniveau orientiert? Der aktuelle ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev bezeichnete den Friedensappell als „puren Zynismus gegenüber den zahlreichen Opfern der russischen Aggression“. Vielleicht sollte man den Ukrainern außer Waffen auch etwas Hirn für bestimmte Politiker liefern?
Zurück zur ARD: Mich jedenfalls hat die Fragestellung „Können wir Krieg?“ irritiert. Die Frage müsste doch, wie Franz Alt richtig anmerkte, eher lauten: Können wir Frieden? Die Forderung nach „Frieden schaffen. Waffenstillstand und Gemeinsame Sicherheit jetzt!“ – so die Überschrift des von Peter Brandt initiierten Appells – ist eben keine „politische Romantik“ (Politikwissenschaftler Herfried Münkler), sondern ein Gebot der Vernunft. „Entscheidend ist es, die Eskalation des Krieges zu stoppen und einen Waffenstillstand zu erreichen“ und dafür ermutigt der Appell „den Bundeskanzler, zusammen mit Frankreich insbesondere Brasilien, China, Indien und Indonesien für eine Vermittlung zu gewinnen, um schnell einen Waffenstillstand zu erreichen. Das wäre ein notwendiger Schritt, um das Töten zu beenden und Friedensmöglichkeiten auszuloten“.
Ob es dafür eine realistische Perspektive gibt – Münkler bestreitet das -, wissen die Autoren des Appells nicht. Auch nicht, wie Waffenstillstand und Verhandlungen konkret erreicht werden könnten. Trotzdem muss man Menschen, deren Äußerungen von großer Sorge vor einer militärischen Eskalation geprägt sind, nicht so niederschreien. So klein die Erfolgsaussichten auch sein mögen – jeder Versuch, die Kriegshandlungen zu beenden, ist es wert.
Powershopping bei der Rüstungsindustrie: 600 Mrd. Dollar Umsatz 2021
Veröffentlicht: 5. Dezember 2022 Abgelegt unter: Bundeswehr, Internationale Politik, Krieg, Rüstung | Tags: Bundeswehr, Rüstungsindustrie, Tarnkappenbomber Hinterlasse einen KommentarDie Rüstungsindustrie brummt und verzeichnet neue Rekordverkäufe. Wie das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) heute meldet, haben die 100 größten Rüstungsunternehmen weltweit 2021 für 592 Milliarden US-Dollar Waffen und Militärdienste verkauft. Das sind rund zwei Prozent mehr als 2020. Nicht nur bei der Fußball-WM schafft es Deutschland nicht unter die besten 16 Mannschaften. Noch peinlicher: Auch der größte deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall ist im weltweiten Ranking nicht auf einem der vorderen Plätze zu finden. Da kann man sicher noch dran arbeiten. Beim Powershopping sind die Deutschen aber dabei: Die 100 Milliarden für die Bundeswehr müssen ja irgendwie ausgegeben werden. Für 35 moderne Kampfflugzeuge, die in den USA bestellt sind, geht schon mal ein dicker Batzen weg. Die Tarnkappenjets gibt es bei Lockheed Martin gerade zum vorweihnachtlichen Schnäppchenpreis von 10 Milliarden Euro, bzw. zum Stückpreis von 235 Millionen Euro. Preisfrage: Wie viele Pflegekräfte, Erzieher*innen, Lehrer*innen und Friedensfachkräfte könnte man davon ein Jahr lang finanzieren? Richtig – 137.000.
Aber wir wollen nicht mit so einem Gedöns ablenken. Wir waren ja bei der Rüstungsindustrie. Um die muss man sich keine Sorgen machen. Höchstens darum, wohin mit dem ganzen Zeugs, was die produzieren und verkaufen. Kann man ja nicht einfach im Meer versenken, wie das noch im II. Weltkrieg passierte. Oder ins All schießen. Oder zum Sperrmüll legen. In meiner Jugend kursierte der Vorschlag „Keine neuen Atomraketen, bevor die alten nicht verbraucht sind“. Bei näherem Nachdenken scheint mir das aber auch keine vernünftige Lösung zu sein.
Immerhin gibt es Nationen, die sich große Mühe geben, das ganze Schießzeugs auch seinem originären Zweck zuzuführen, wie man auf dem folgenden Bild sehen kann (Es handelt sich um die eingesammelten Fragmente von Raketen, die in Charkiw eingeschlagen sind)

Bild: dpa.
Noch Fragen?
Wochenrückblick in einfacher Sprache
Veröffentlicht: 3. Dezember 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Bundeswehr, Gesellschaft, Innenpolitik, Sport, Wirtschaft | Tags: Bundeswehr, Elon Musk, Olaf Scholz Hinterlasse einen KommentarWas war diese Woche nicht alles los: Die Bundeswehr hat nicht genug Schießpulver, die deutschen Kicker haben die Weltmeisterschaft verkackt, Olaf Scholz will trotzdem Bundeskanzler bleiben, immer mehr Geldautomaten werden gesprengt, Skifahren wird teurer, der Hype um E-Vapes ist gerade riesig, der südafrikanische Staatschef Cyril Ramaphosa hat eine halbe Million Dollar im Sofa versteckt, in den Residenzen der britischen Krone darf keine Gänsestopfleber (Foie Gras) mehr serviert werden, Helene Fischer zeigte sich komplett ungeschminkt und, während mein Blog mit 84 Abonnenten dahindümpelt, hat Donald Trump auf Twitter schon wieder 90 Mio. Follower – Qualität setzt sich eben durch.
Wir aber geben die Hoffnung auf bessere Nachrichten in der kommenden Woche nicht auf. Zum Beispiel diese:
- Verkehrtminister Volker Wissing muss für 30 Tage in Vorbeugehaft wegen Ankündigung einer Straftat (will den Bau von Autobahnen schneller genehmigen)
- Milka kündigt an, die nicht verkauften Schokoladenweihnachtsmänner der frierenden Bevölkerung in der Ukraine zur Verfügung zu stellen
- Olaf Scholz von der Apothekenumschau zum Sexiest Man Alive gewählt
- Ampel beschließt Bierpreisbremse (vulgo Bierdeckel)
- Deutsche Kinder dürfen wieder unbekümmert Indianer spielen
- Jürgen Lieser hat drei neue Follower.
Aber wahrscheinlich wird es wieder so sein wie in den vergangenen Wochen: Der Einzelhandel jammert über die mangelnde Kauflaune der Deutschen, der Benzinpreis steigt schon wieder, Elon Musk wird UN-Generalsekretär, Kamerun erreicht das WM-Halbfinale, Bundesbahn verspricht mehr Pünktlichkeit, oder so ähnlich.
Großer Tannenzapfenstreich für Kramp-Karrenbauer
Veröffentlicht: 16. Dezember 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Bundeswehr, Krieg, Pazifismus | Tags: Annalena Baerbock, Bundeswehr 6 KommentareJetzt ist aber mal gut mit der ständigen Zapfenstreicherei: Erst für die Soldaten aus Afghanistan, dann für Merkel, jetzt für Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Bundeswehr kommt ja gar nicht mehr dazu, ihre eigentlichen Aufgaben wahrzunehmen (den Feind so lange aufzuhalten, bis richtige Soldaten kommen). Das ganze Brimborium mit zack-zack, Fackeln und Helm ab zum Gebet passt ja nun wirklich nicht mehr in unsere Zeit. Warum muss die Zeremonie überhaupt noch sein? Weil es so Tradition ist, erklärt man uns. Preußische Militärtradition halt, nicht zu vergessen die große Bedeutung in der NS-Zeit. Also jetzt bitte nicht schon wieder von Hitler anfangen! Zapfenstreich heißt das Ganze, weil damit die abendliche Sauferei der Soldaten beendet werden sollte.
Könnte man nicht, statt stundenlang vor dem Reichstag strammzustehen und sich den Arsch abzufrieren, die Sache etwas fröhlicher gestalten? Zum Beispiel ´ne Hüpfburg für Kriegsheimkehrer oder Preisschießen mit dem Schützenpanzer auf Taliban-Attrappen veranstalten? Dazu unter dem Motto „Wir.Dienen.Deutschland.“ (was sollen eigentlich die albernen Punkte? Oder sind das Einschusslöcher?) Würstchen aus der Gulaschkanone, während die Kapelle spielt „Wir lagen vor Mogadischu“?
Jetzt musste sogar Annalena Baerbock in ihrer neuen Rolle vor dem Reichstag sinnlos rumstehen, anstatt den einzigen freien Abend zu nutzen, um ihren Kindern vorzulesen, vielleicht aus dem Klassiker des 1. Weltkrieges: „Jeder Schuß ein Russ´! Jeder Tritt ein Brit´! Jeder Stoß ein Franzos´! Jeder Klapps ein Japs!“. Das Säbelrasseln gegenüber den Russen ist sie gerade schon fleißig am üben.
Wenn überhaupt etwas an dieser Zeremonie interessant ist, dann sind es die Liedwünsche derer, denen der ganze Quatsch gilt. Über die Wünsche von Angela Merkel ist genug geschrieben worden. Annegret Kramp-Knarrenbauer hat sich die Titelmelodie aus dem Italo-Western „Die glorreichen Sieben“ gewünscht – da wird ziemlich viel geschossen und getötet. Für eine Verteidigungsministerin ist das ja ok. Einer ihrer Vorgänger, Franz-Josef Strauß, ließ zu seiner Verabschiedung den „Starfighter-Marsch“ und „Panzerschiff Deutschland“ spielen- das passt. Der unvergessene Karl-Theodor zu Guttenberg wünschte sich „Smoke on the Water“ von Deep Purple. „Du hast mich tausend Mal belogen“ von Andrea Berg wäre hier passender gewesen.
Auch Bundespräsidenten werden mit dem Tannenzapfenstreich ausgemustert. Joachim Gauck hatte sich u.a. „Über sieben Brücken musst du gehen“ von Karat gewünscht („Manchmal wünsch ich mir mein Schaukelpferd zurück“). Sollte ich selbst mal dran sein, wäre jetzt schon klar, was ich mir wünsche: „Es ist an der Zeit“ von Hannes Wader. Anders als Angela Merkel, müsste ich dann aber heulen. Wie eigentlich immer, wenn ich mir diesen Auftritt von Konstantin Wecker, Reinhard Mey und Hannes Wader anschaue:
Bundeswehr in Mali: Heia Safari?
Veröffentlicht: 21. November 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Bundeswehr, Pazifismus | Tags: Bundeswehr, Mali 5 KommentareWas macht die Bundeswehr in Mali? Sie beteiligt sich mit ca. 900 Soldatinnen und Soldaten an der UN-Blauhelm-Mission MINUSMA (Mission multidimensionnelle intégrée des Nations Unies pour la stabilisation au Mali). Der Einsatz ist politisch umstritten und gilt als gefährlich. Zuletzt wurden auch Bundeswehrangehörige bei einem Sprengstoffanschlag schwer verletzt. Aber hier soll es mal nicht um eine politische Bewertung dieses Auslandseinsatzes deutscher Soldatinnen und Soldaten gehen. Sondern um die Frage, was unsere Jungs – auch Mädels sind dabei – abends so singen, während sie ihre aus Deutschland eingeflogenen Bierrationen verzehren. Hat die Bundeswehr eigentlich auch ein eigenes Liedgut? Ja, hat sie. Bis vor kurzem noch sang die Truppe aus dem Liederbuch „Kameraden singt“ das bei den Nazis beliebte „Panzerlied“ oder „Schwarzbraun ist die Haselnuss“. Und – haltet euch fest – „Deutschland, Deutschland über alles“. Wegen solcher und anderer Peinlichkeiten hat das Verteidigungsministerium das Liederbuch 2017 aus dem Verkehr gezogen. Ein neues ist angeblich in Vorbereitung.
Ob das vom Bund deutscher Fallschirmjäger 1983 herausgegebene Liederbuch noch im Gebrauch ist, wissen wir nicht. Das enthaltene Liedgut knüpft auch hier nahtlos an die militaristische Tradition des Dritten Reiches an.
Vielleicht wird das alte Liedgut dennoch weiter gepflegt. Unter geographischen Aspekten würde es sich anbieten, in Mali das Lied von den Trägern und Askari – heia, heia, Safari zu singen: „Wie oft sind wir geschritten auf schmalem Negerpfad…“ – dieses dem Genre der Kolonialismus-Lieder zugeordnete Stück hat der Komponist Robert Götz um 1920 zu einem Text von Hans Riedel geschrieben. Von ihm stammen auch so Knaller wie „Gebt Raum, ihr Völker, unserm Schritt“ oder „Wildgänse rauschen durch die Nacht“ – was dann endet mit „Und fahrn wir ohne Wiederkehr, rauscht uns im Herbst ein Amen“.
Die Nazis haben diese und andere kriegsverherrlichende Lieder gerne der Jugend in ihren Liederbüchern empfohlen. Für das neue Liederbuch der Bundeswehr müsste das mit dem heia Safari natürlich politisch korrekt heißen: „Wie oft sind wir geschritten, auf schmalem N-Wort Pfad“ – würde auch rhythmisch gut passen. Ich habe „Heia Safari“ und „Wildgänse“ in meiner Jugend auch noch voller Imbrunst und ohne Nachdenken gesungen. Sind ja irgendwie auch schöne eingängige Melodien. Über die Texte haben wir jungen Leute damals nicht weiter nachgedacht. Nachdenken darüber sollte man aber von der Bundeswehr schon erwarten.
Ehrung für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan: Und was ist mit den zivilen Helferinnen und Helfern?
Veröffentlicht: 12. Juli 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Bundeswehr, Gesellschaft, Innenpolitik, Internationale Politik | Tags: Afghanistan, Bundeswehr, Großer Zapfenstreich, Zivile Hilfsorganisationen Ein KommentarViele Stimmen aus der Politik und aus dem Verteidigungsministerium fordern, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan mit einer öffentlichen Veranstaltung zu ehren. Derzeit streitet man noch darum, ob diese öffentliche Würdigung in Form eines Großen Zapfenstreiches – also mit militärischem Brimborium – im Bentlerblock oder auf der Wiese vor dem Reichstagsgebäude passieren soll. Von den vielen tausend deutschen Soldaten, die seit 2001 in Afghanistan eingesetzt waren, haben 59 den Einsatz mit ihrem Leben bezahlt. Ein Einsatz übrigens, dessen Sinnhaftigkeit und Wirkung auch heute, 20 Jahre nachdem die ersten Soldaten nach Afghanistan geschickt wurden, höchst umstritten ist.
Eine Statistik, wie viele deutsche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Hilfsorganisationen in Afghanistan seit 2001 getötet wurden, habe ich auf die Schnelle nicht finden können. In der Regel unterscheiden die Hilfsorganisationen bei den Opfern nicht zwischen deutschen und einheimischen Mitarbeiter*innen. Es gibt kaum eine internationale Hilfsorganisationen, die nicht Todesopfer unter ihren Mitarbeiter*innen zu beklagen hätte. Von den deutschen Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und Deutsche Welthungerhilfe weiß ich, dass sie Mitarbeiter*innen beim Afghanistaneinsatz verloren haben. Die UNAMA, die UN-Mission für Afghanistan, führt eine Statistik der im Afghanistan-Krieg getöteten Zivilisten – im Durchschnitt 3.000 bis 4.000 in den letzten fünf Jahren.
Egal, wie hoch die Zahl der im Afghanistan-Einsatz getöteten deutschen Helferinnen und Helfer im Vergleich zur Bundeswehr sein mag: Gebührt ihnen nicht mindestens die gleiche öffentliche Würdigung wie den Überlebenden und Opfern aus den Reihen der Bundeswehr? Die schlechter geschützten, schlechter bezahlten und schlechter öffentlich gewürdigten zivilen Helferinnen und Helfer haben unter sehr prekären Sicherheitsbedingungen ihre Arbeit in Afghanistan gemacht, und sie werden auch nach dem Abzug der Bundeswehr weiter humanitär und entwicklungspolitisch in Afghanistan tätig sein. Für sie gibt es kein Bundestagsmandat, keine eingeflogenen Bierrationen (ok, das ist jetzt polemisch, aber trotzdem wahr) und keine öffentliche Aufmerksamkeit, wenn wieder ein Sarg nach Deutschland zurückgeflogen werden muss.
Deshalb mein Vorschlag an die politisch Verantwortlichen: Wenn schon eine öffentliche Würdigung für diejenigen, die in Afghanistan im Einsatz waren und die dort ihr Leben gelassen haben, dann bitteschön nicht nur für die Soldatinnen und Soldaten, sondern auch für die zivilen Hilfskräfte!

