Ehrung für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan: Und was ist mit den zivilen Helferinnen und Helfern?
Veröffentlicht: 12. Juli 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Bundeswehr, Gesellschaft, Innenpolitik, Internationale Politik | Tags: Afghanistan, Bundeswehr, Großer Zapfenstreich, Zivile Hilfsorganisationen Ein KommentarViele Stimmen aus der Politik und aus dem Verteidigungsministerium fordern, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan mit einer öffentlichen Veranstaltung zu ehren. Derzeit streitet man noch darum, ob diese öffentliche Würdigung in Form eines Großen Zapfenstreiches – also mit militärischem Brimborium – im Bentlerblock oder auf der Wiese vor dem Reichstagsgebäude passieren soll. Von den vielen tausend deutschen Soldaten, die seit 2001 in Afghanistan eingesetzt waren, haben 59 den Einsatz mit ihrem Leben bezahlt. Ein Einsatz übrigens, dessen Sinnhaftigkeit und Wirkung auch heute, 20 Jahre nachdem die ersten Soldaten nach Afghanistan geschickt wurden, höchst umstritten ist.
Eine Statistik, wie viele deutsche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Hilfsorganisationen in Afghanistan seit 2001 getötet wurden, habe ich auf die Schnelle nicht finden können. In der Regel unterscheiden die Hilfsorganisationen bei den Opfern nicht zwischen deutschen und einheimischen Mitarbeiter*innen. Es gibt kaum eine internationale Hilfsorganisationen, die nicht Todesopfer unter ihren Mitarbeiter*innen zu beklagen hätte. Von den deutschen Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und Deutsche Welthungerhilfe weiß ich, dass sie Mitarbeiter*innen beim Afghanistaneinsatz verloren haben. Die UNAMA, die UN-Mission für Afghanistan, führt eine Statistik der im Afghanistan-Krieg getöteten Zivilisten – im Durchschnitt 3.000 bis 4.000 in den letzten fünf Jahren.
Egal, wie hoch die Zahl der im Afghanistan-Einsatz getöteten deutschen Helferinnen und Helfer im Vergleich zur Bundeswehr sein mag: Gebührt ihnen nicht mindestens die gleiche öffentliche Würdigung wie den Überlebenden und Opfern aus den Reihen der Bundeswehr? Die schlechter geschützten, schlechter bezahlten und schlechter öffentlich gewürdigten zivilen Helferinnen und Helfer haben unter sehr prekären Sicherheitsbedingungen ihre Arbeit in Afghanistan gemacht, und sie werden auch nach dem Abzug der Bundeswehr weiter humanitär und entwicklungspolitisch in Afghanistan tätig sein. Für sie gibt es kein Bundestagsmandat, keine eingeflogenen Bierrationen (ok, das ist jetzt polemisch, aber trotzdem wahr) und keine öffentliche Aufmerksamkeit, wenn wieder ein Sarg nach Deutschland zurückgeflogen werden muss.
Deshalb mein Vorschlag an die politisch Verantwortlichen: Wenn schon eine öffentliche Würdigung für diejenigen, die in Afghanistan im Einsatz waren und die dort ihr Leben gelassen haben, dann bitteschön nicht nur für die Soldatinnen und Soldaten, sondern auch für die zivilen Hilfskräfte!
