Panne beim Regierungsflieger: Peinlich oder Ironie des Schicksals?

Ja, Außenministerin Annalena Baerbock musste ihren geplanten Besuch in der Pazifikregion wegen eines technischen Defektes am Regierungsflieger abbrechen. Nein, wir werden hier nicht in den Chor derer einstimmen, die jetzt Kübel von Häme und Spott über die Bundeswehr und ihr marodes Gerät und über die angeblich so peinliche Panne für die Bundesregierung ausschütten. Ohne ordnungsgemäß geschlossene Klappe kann die A340 der Bundeswehr nun mal nicht weiterfliegen. Eine geschlossene Klappe möchte man auch der unsäglichen FDP-Politikerin Strack Zimmermann wünschen, die den Vorfall „einfach nur peinlich“ fand.

Wieso eigentlich? Zweimal musste der Weiterflug abgebrochen werden. Ja und? Eine eher groteske Ironie des Schicksals ist, dass ausgerechnet eine grüne Ministerin auf dem Weg nach dem südpazifischen Fidschi, das wegen des Klimawandels im Meer zu versinken droht, 160 Tonnen Kerosin ins Meer kippen muss. Wenn es also demnächst im Supermarkt preisgünstige Ölsardinen gibt, wissen wir warum.

Spaß beiseite: Was ist daran eigentlich so peinlich, wenn nicht alles wie geplant läuft? Ist es nicht vielmehr sympathisch, wenn ausgeklügelte Staatsbesuche, an deren Vorbereitung Ministerialbeamte und Botschaftsangehörige vor Ort monatelang gearbeitet haben, wegen einer dämlichen Klappe in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus? Unter anderem sollte bei dem Besuch von Missionaren geklaute indigene Kunst zurückgegeben werden. Das kann man sicher nachholen, ohne dafür eine Ministerin samt kompletter Regierungsdelegation und Journalistentross in einen schrottreifen Regierungsflieger zu setzen.

Allen, die jetzt die abgebrochene Reise voller Häme und Spott kommentieren, sei im übrigen die Lektüre von Hartmut Rosas 2020 erschienenen Buch „Unverfügbarkeit“ empfohlen.

Warum? Einfach mal lesen.


2023: Darauf dürfen wir uns freuen

Nachdem die Jahresrückblicke a la „Menschen, Bilder, Emotionen“ mit Johannes B. Kerner – oder war es Jörg Pilawa (gähn)? – vorüber sind, keine weiteren Comedyshows mit Dieter Nuhr (och nee) drohen und die Intellektuellen unter uns sich mit dem „Jahresrückblick 2022“ in der Sonderausgabe der ZEIT begnügt haben, ist es an der Zeit, nach vorne zu blicken. Eigentlich kann ja alles nur noch besser werden.

Hier unser Jahresvorblick (alle Angaben ohne Gewähr):

Januar: Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, verspricht, keine Interviews mehr zu geben und sich über ihre Ämter im Förderkreis Deutsches Heer e.V. und bei der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. auf ihre Lobbyarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie zu fokussieren.

12. Februar: In Berlin wird die verkackte Wahl zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksparlamenten wiederholt. Weil am gleichen Tag die Berliner Verkehrsbetriebe bestreikt werden, in mehreren Wahllokalen der Strom ausfällt und dort die Wahlzettel statt in der Urne in der Papiertonne landen, muss das Wahlergebnis geschätzt werden. Ergebnis: Franziska Giffey bleibt Regierende Bürgermeisterin.

März: Friedrich Merz heiratet Fürstin Gloria von Thurn und Taxis und lässt anlässlich seiner Hochzeitsfeier auf der Burg Hohenzollern mit seinem Privatjet 50 nur unwillig geduldete Flüchtlinge nach Kamerun ausfliegen (Originalton Merz: sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst).

April (Erster): Außenministerin Annalena Baerbock wird in Moskau von ihrem Amtskollegen Sergei Lawrow mit militärischen Ehren empfangen. Nach einer gemeinsam durchzechten Nacht besuchen die beiden Politiker die gemischte Sauna im Kreml. Später kommt auch Putin hinzu. Nachdem Annalena sich anerkennend über dessen ausgeprägtes Gemächt geäußert hat, erklärt Putin einen einseitigen Waffenstillstand und lädt Wolodymyr Selenskyj zu Friedensverhandlungen an seinem langen Tisch ein.

17. Mai: Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, erhält anlässlich seines 75. Geburtstags den Kurzduscherorden am Waschlappen.

Juni: Unter der Schirmherrschaft von Bundespeinlichkeitsministerin Christine Lambrecht rufen die kirchlichen Hilfswerke Misereor, Brot für die Welt und Caritas international zu einer Spendensammlung für die Bundeswehr auf. Stichwort: Böllerverbot für Kampfpanzer.

Juli: Die Bundesregierung lockert die Maskenpflicht und veröffentlicht dazu eine 150-seitige Handreichung unter dem Titel: „Maskenpflicht – wenn ja, warum nicht, wo, welche Farbe und wie lange?“

August: Die Fidschi-Inseln müssen wegen des steigenden Meeresspiegels evakuiert werden. Macht aber nix, die knapp eine Million Einwohner werden nach Grönland umgesiedelt, wo es auch ganz schön warm ist.

September: Das neue Bundesamt für Wokeness ordnet an, dass alle Winnetou-Filme aus den 60er Jahren neu verfilmt werden müssen. „Der Schatz im Silbersee“ wird umgetauft in „Der Schatz im Bodemuseum“, die Rolle des Winnetou wird mit einem native Irokesen besetzt (Sascha Lobo), der Bösewicht Colonel Brinkley wir von Markus Braun, ehemaliger CEO von Wirecard, gespielt.

Oktober: Karl-Theodor zu Guttenberg, ehemaliger Selbstverteidigungsminister, wird an die Spitze der Reichsbürger-Bewegung gewählt und ruft die Monarchie in den Grenzen des Deutschen Reichs aus.   

November: WikiLeaks-Gründer Julian Assange wird an die USA ausgeliefert und in Guantanamo unter Folter gezwungen zuzugeben, dass er die Wahrheit gesagt hat.

Dezember: Der Globus ist ausgelaugt und kommt auf die Sperrmüllabfuhr des Universums. Macht aber nix, es gibt eine neue Welt, die viel schöner und nicht so sensibel ist: Das Metaversum (dreidimensionale virtuelle Welt). Elon Musk wird UN-Generalsekretär des Metaversums.