Merz, Scholz, Weidel, Wagenknecht, Habeck: Wer kann Kanzler/in?

Um gleich zur Sache zu kommen: Ich werbe dafür, Grün zu wählen. Jetzt bitte nicht gleich losbrüllen: Die Bedenken und Vorbehalte gegen grüne Politik und grünes Personal sind mir hinlänglich bekannt. Ich bin längst nicht mit allem einverstanden, was die Grünen in der Regierung mitverantwortet haben. Aber habt Ihr Euch mal die Wahlprogramme der anderen Parteien und deren Kandidatinnen und Kandidaten für das Kanzleramt angeschaut? Robert Habeck als Spitzenkandidat der Grünen hat zwar keine realistische Chance, Kanzler zu werden. Das Zeug dazu hätte er allemal. Warum ich ihn für geeignet halte?  Weil Markus Söder ihn für ungeeignet hält! Söder, der bekannteste Foodinfluencer der Republik und Kämpfer für freie Leberkäs- und Bratwurstwahl an allen Schulkantinen des Landes, hält sich ja ohnehin für den besten aller denkbaren Kandidaten.

Aber zurück zu Robert Habeck: Im empfehle, seine „Neujahrsansprache“ anzuhören – dauert bloß acht Minuten – und diese mit der des amtierenden Bundeskanzlers zu vergleichen. Die Rede hat ihm viel Lob, aber auch Hohn, Spott und Häme eingebracht. Ich lade dazu ein, sich selbst ein Urteil zu bilden:

Gegner von Habeck führen gerne an, dass er bloß Kinderbücher geschrieben habe und ansonsten nichts könne. Mal abgesehen davon, dass das dumpfbackige Polemik ist: Mir wäre ein Kinderbuchautor als Kanzler lieber als ein Friedrich Merz, Millionär, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender von BlackRock, Spitzenreiter an Nebentätigkeiten im Bundestag, verdient jährlich eine Million Euro und hat sich – Überraschung! – gegen eine Vermögensabgabe oder Vermögenssteuer für Reiche ausgesprochen. Er hat zusammen mit anderen Abgeordneten beim Bundesverfassungsgericht gegen die Offenlegung von Nebeneinkünften geklagt. Bei seiner Bierdeckel-Steuerrechnung hat sich Merz verrechnet, und zu ukrainischen Flüchtlingen meinte er: „Wir erleben mittlerweile einen Sozialtourismus dieser Flüchtlinge: nach Deutschland, zurück in die Ukraine, nach Deutschland, zurück in die Ukraine.“ Über ausreisepflichtige Asylbewerber: „Die sitzen beim Arzt und lassen sich die Zähne neu machen, und die deutschen Bürger nebendran kriegen keine Termine“ – was erwiesenermaßen nicht nur falsch ist, sondern durchaus als Volksverhetzung bewertet werden kann.

Auch wenn Merz immer wieder wegen sprachlicher Entgleisungen von der eigenen Partei kritisiert wird: Seine ausländerfeindliche Gesinnung wird er auch als Bundeskanzler nicht ablegen. Er will „regelmäßig abschieben“, auch nach Afghanistan und Syrien. Umweltverbände wie Greenpeace und NABU hat er als Gegner von Demokratie und Marktwirtschaft beschimpft.

Friedrich Merz (CDU-Parteivorsitzender); Porträt, Einzelbild

Trotz alledem: Die nächste Regierung wird wohl von Friedrich Merz geführt werden. Moral, Menschlichkeit, Anstand und Aufrichtigkeit (Habeck) sind nicht seine Stärken. Hätten die Wählerinnen und Wähler die direkte Wahl zwischen Merz und Habeck, und stünden ihnen die objektiven Fakten zu Kompetenz, persönlichen Einstellungen und charakterlicher Eignung für das Amt des Bundeskanzlers/der Bundeskanzlerin zur Verfügung, wie würden sie dann wohl entscheiden? 


Von Söders Gnaden: Merz darf Kanzler

Söder zu Merz: Friedrich, Dir ist schon klar, dass ich der bessere von uns beiden bin. Meine Sympathiewerte sind viel höher als deine. Bei den Frauen hast du, anders als ich,  keine Chance; viele Frauen hätten gern ein Kind von mir. Aber ich lasse dir den Vortritt für die Kanzlerkandidatur, wenn du mir eines versprichst:

KEINE KOALITION MIT DEN GRÜNEN!!!!

Und du sorgst bitte dafür, dass das Recht auf Schweinsbraten im Grundgesetz garantiert wird, meinetwegen anstelle des Rechts auf Asyl. Haben wir uns verstanden?


2023: Darauf dürfen wir uns freuen

Nachdem die Jahresrückblicke a la „Menschen, Bilder, Emotionen“ mit Johannes B. Kerner – oder war es Jörg Pilawa (gähn)? – vorüber sind, keine weiteren Comedyshows mit Dieter Nuhr (och nee) drohen und die Intellektuellen unter uns sich mit dem „Jahresrückblick 2022“ in der Sonderausgabe der ZEIT begnügt haben, ist es an der Zeit, nach vorne zu blicken. Eigentlich kann ja alles nur noch besser werden.

Hier unser Jahresvorblick (alle Angaben ohne Gewähr):

Januar: Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, verspricht, keine Interviews mehr zu geben und sich über ihre Ämter im Förderkreis Deutsches Heer e.V. und bei der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. auf ihre Lobbyarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie zu fokussieren.

12. Februar: In Berlin wird die verkackte Wahl zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksparlamenten wiederholt. Weil am gleichen Tag die Berliner Verkehrsbetriebe bestreikt werden, in mehreren Wahllokalen der Strom ausfällt und dort die Wahlzettel statt in der Urne in der Papiertonne landen, muss das Wahlergebnis geschätzt werden. Ergebnis: Franziska Giffey bleibt Regierende Bürgermeisterin.

März: Friedrich Merz heiratet Fürstin Gloria von Thurn und Taxis und lässt anlässlich seiner Hochzeitsfeier auf der Burg Hohenzollern mit seinem Privatjet 50 nur unwillig geduldete Flüchtlinge nach Kamerun ausfliegen (Originalton Merz: sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst).

April (Erster): Außenministerin Annalena Baerbock wird in Moskau von ihrem Amtskollegen Sergei Lawrow mit militärischen Ehren empfangen. Nach einer gemeinsam durchzechten Nacht besuchen die beiden Politiker die gemischte Sauna im Kreml. Später kommt auch Putin hinzu. Nachdem Annalena sich anerkennend über dessen ausgeprägtes Gemächt geäußert hat, erklärt Putin einen einseitigen Waffenstillstand und lädt Wolodymyr Selenskyj zu Friedensverhandlungen an seinem langen Tisch ein.

17. Mai: Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, erhält anlässlich seines 75. Geburtstags den Kurzduscherorden am Waschlappen.

Juni: Unter der Schirmherrschaft von Bundespeinlichkeitsministerin Christine Lambrecht rufen die kirchlichen Hilfswerke Misereor, Brot für die Welt und Caritas international zu einer Spendensammlung für die Bundeswehr auf. Stichwort: Böllerverbot für Kampfpanzer.

Juli: Die Bundesregierung lockert die Maskenpflicht und veröffentlicht dazu eine 150-seitige Handreichung unter dem Titel: „Maskenpflicht – wenn ja, warum nicht, wo, welche Farbe und wie lange?“

August: Die Fidschi-Inseln müssen wegen des steigenden Meeresspiegels evakuiert werden. Macht aber nix, die knapp eine Million Einwohner werden nach Grönland umgesiedelt, wo es auch ganz schön warm ist.

September: Das neue Bundesamt für Wokeness ordnet an, dass alle Winnetou-Filme aus den 60er Jahren neu verfilmt werden müssen. „Der Schatz im Silbersee“ wird umgetauft in „Der Schatz im Bodemuseum“, die Rolle des Winnetou wird mit einem native Irokesen besetzt (Sascha Lobo), der Bösewicht Colonel Brinkley wir von Markus Braun, ehemaliger CEO von Wirecard, gespielt.

Oktober: Karl-Theodor zu Guttenberg, ehemaliger Selbstverteidigungsminister, wird an die Spitze der Reichsbürger-Bewegung gewählt und ruft die Monarchie in den Grenzen des Deutschen Reichs aus.   

November: WikiLeaks-Gründer Julian Assange wird an die USA ausgeliefert und in Guantanamo unter Folter gezwungen zuzugeben, dass er die Wahrheit gesagt hat.

Dezember: Der Globus ist ausgelaugt und kommt auf die Sperrmüllabfuhr des Universums. Macht aber nix, es gibt eine neue Welt, die viel schöner und nicht so sensibel ist: Das Metaversum (dreidimensionale virtuelle Welt). Elon Musk wird UN-Generalsekretär des Metaversums.


Warum der Merz ein Amt braucht

Dreimal musste Friedrich Merz nun eine Niederlage im Wettbewerb um ein CDU-Amt hinnehmen. Der Karrikaturist Stuttmann hat das in der Badischen Zeitung von heute so verarbeitet:

Der an-/ge-/abgeschlagene Merz reagiert angepisst: „Männo! Dann will ich wenigstens Minister sein!“ Oh, wie peinlich. Er will ein Amt, egal wie. Max Weber hat dazu in seinem Vortrag „Politik als Beruf“ (von 1919!) gemeint, der Politiker müsse seine Eitelkeit überwinden, seine hochfliegenden Pläne zur Rettung der Menschheit mit Abstand betrachten und vor allem Enttäuschungen wegstecken können. Und was meint der Psychoanalytiker Carl-Gustav Jung (der neben viel Klugem auch manchen Stuss verzapft hat) richtigerweise dazu: „Die Identifikation mit Amt und Titel hat etwas Verführerisches, weshalb viele Männer nichts anderes sind, als ihre von der Gesellschaft ihnen zugebilligte Würde. Es wäre vergeblich, hinter dieser Schale eine Persönlichkeit zu suchen, man fände bloß ein erbärmliches Menschlein. Darum eben ist das Amt … so verführerisch, stellt es doch eine billige Kompensation für persönliche Unzulänglichkeiten dar“ (C.G. Jung, Gesammelte Werke VII).

Dazu fällt einem nicht nur der Name Friedrich Merz ein.