Traumpaar Trump / Musk: Auf dem Weg zur Silicon Diktatur?

Es ist kein Zufall, dass sich Donald Trump und Elon Musk, zwei Repräsentanten der neoreaktionären Bewegung, unlängst zu ihrer wechselseitigen Liebe bekannten. Nein, dass die Beiden schwul sind, dafür gibt es keine Hinweise. Musk möchte Trump im Präsidentenamt sehen, weil er in ihm einen Gleichgesinnten sieht, der von Demokratie, sozialer Gerechtigkeit, Klimaschutz und solchem Gedöns nicht viel hält. Trump seinerseits findet Elon Musk „einen brillanten Kerl“ und bietet ihm schon mal einen Ministerposten in seinem Kabinett an.

In einem Artikel in der online-Version der Zeitschrift „Philosophie“ schreibt Moritz Rudolph am 21 August 2024: „Kann es sein, dass im Zentrum der demokratischen Welt eine antidemokratische Revolution stattfindet und die Geschichte in eine andere Richtung stupst? Ein neues, umgekehrtes 1789?“ Rudolph weist zum Beleg für seine Vermutung auf die Ernennung von J. D. Vance zum Running Mate von Trump hin. Zum Umfeld von Vance gehört Curtis Yarvin, angeblich einer der größten politischen Denker der Gegenwart, der laut Rudolph „auch als Hausphilosoph von Peter Thiel (gilt), der zusammen mit Elon Musk für eine rechtslibertäre Wende des Silicon Valleys steht und Politiker wie Blake Masters, Vance und Trump unterstützt.“

Yarvin ist ein Vertreter der „Deep State-Theorie“ und vertritt die These, „dass die USA keine Demokratie sind, sondern eine Oligarchie: Der aufgeblähte Staat befindet sich in den Händen gieriger Bürokraten, denen es egal ist, wer unter ihnen Präsident ist. Die politischen Kanäle sind verstopft, einen Machtwechsel kann es nicht geben. Selbst die Kontrollorgane dienen dem „Deep State“ und verschaffen ihm Legitimität. Medien, Universitäten, Aktivisten und das „Uniparty“-System aus Demokraten und Republikanern verschmelzen zu einem gigantischen Machtkomplex, an dem man sich die Zähne ausbeißt.“ (Zitat Rudolph)

Bild Future Image (Imago); bearbeitet

Folgerichtig plädiert Yarvin daher für die Führung des Staates durch einen Monarchen, er „soll das Land führen wie ein CEO sein Unternehmen.“ Also Elon Musk for President? Oder schon mal als Minister für Regierungseffizienz im Trumpschen Kabinett?

Wie das gemeinsame Regieren dann aussehen könnte, dafür haben die Beiden schon mal geübt und ein Tänzchen aufs Parkett gelegt, wie man in diesem Video sehen kann:


2023: Darauf dürfen wir uns freuen

Nachdem die Jahresrückblicke a la „Menschen, Bilder, Emotionen“ mit Johannes B. Kerner – oder war es Jörg Pilawa (gähn)? – vorüber sind, keine weiteren Comedyshows mit Dieter Nuhr (och nee) drohen und die Intellektuellen unter uns sich mit dem „Jahresrückblick 2022“ in der Sonderausgabe der ZEIT begnügt haben, ist es an der Zeit, nach vorne zu blicken. Eigentlich kann ja alles nur noch besser werden.

Hier unser Jahresvorblick (alle Angaben ohne Gewähr):

Januar: Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, verspricht, keine Interviews mehr zu geben und sich über ihre Ämter im Förderkreis Deutsches Heer e.V. und bei der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. auf ihre Lobbyarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie zu fokussieren.

12. Februar: In Berlin wird die verkackte Wahl zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksparlamenten wiederholt. Weil am gleichen Tag die Berliner Verkehrsbetriebe bestreikt werden, in mehreren Wahllokalen der Strom ausfällt und dort die Wahlzettel statt in der Urne in der Papiertonne landen, muss das Wahlergebnis geschätzt werden. Ergebnis: Franziska Giffey bleibt Regierende Bürgermeisterin.

März: Friedrich Merz heiratet Fürstin Gloria von Thurn und Taxis und lässt anlässlich seiner Hochzeitsfeier auf der Burg Hohenzollern mit seinem Privatjet 50 nur unwillig geduldete Flüchtlinge nach Kamerun ausfliegen (Originalton Merz: sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst).

April (Erster): Außenministerin Annalena Baerbock wird in Moskau von ihrem Amtskollegen Sergei Lawrow mit militärischen Ehren empfangen. Nach einer gemeinsam durchzechten Nacht besuchen die beiden Politiker die gemischte Sauna im Kreml. Später kommt auch Putin hinzu. Nachdem Annalena sich anerkennend über dessen ausgeprägtes Gemächt geäußert hat, erklärt Putin einen einseitigen Waffenstillstand und lädt Wolodymyr Selenskyj zu Friedensverhandlungen an seinem langen Tisch ein.

17. Mai: Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, erhält anlässlich seines 75. Geburtstags den Kurzduscherorden am Waschlappen.

Juni: Unter der Schirmherrschaft von Bundespeinlichkeitsministerin Christine Lambrecht rufen die kirchlichen Hilfswerke Misereor, Brot für die Welt und Caritas international zu einer Spendensammlung für die Bundeswehr auf. Stichwort: Böllerverbot für Kampfpanzer.

Juli: Die Bundesregierung lockert die Maskenpflicht und veröffentlicht dazu eine 150-seitige Handreichung unter dem Titel: „Maskenpflicht – wenn ja, warum nicht, wo, welche Farbe und wie lange?“

August: Die Fidschi-Inseln müssen wegen des steigenden Meeresspiegels evakuiert werden. Macht aber nix, die knapp eine Million Einwohner werden nach Grönland umgesiedelt, wo es auch ganz schön warm ist.

September: Das neue Bundesamt für Wokeness ordnet an, dass alle Winnetou-Filme aus den 60er Jahren neu verfilmt werden müssen. „Der Schatz im Silbersee“ wird umgetauft in „Der Schatz im Bodemuseum“, die Rolle des Winnetou wird mit einem native Irokesen besetzt (Sascha Lobo), der Bösewicht Colonel Brinkley wir von Markus Braun, ehemaliger CEO von Wirecard, gespielt.

Oktober: Karl-Theodor zu Guttenberg, ehemaliger Selbstverteidigungsminister, wird an die Spitze der Reichsbürger-Bewegung gewählt und ruft die Monarchie in den Grenzen des Deutschen Reichs aus.   

November: WikiLeaks-Gründer Julian Assange wird an die USA ausgeliefert und in Guantanamo unter Folter gezwungen zuzugeben, dass er die Wahrheit gesagt hat.

Dezember: Der Globus ist ausgelaugt und kommt auf die Sperrmüllabfuhr des Universums. Macht aber nix, es gibt eine neue Welt, die viel schöner und nicht so sensibel ist: Das Metaversum (dreidimensionale virtuelle Welt). Elon Musk wird UN-Generalsekretär des Metaversums.


Wochenrückblick in einfacher Sprache

Was war diese Woche nicht alles los: Die Bundeswehr hat nicht genug Schießpulver, die deutschen Kicker haben die Weltmeisterschaft verkackt, Olaf Scholz will trotzdem Bundeskanzler bleiben, immer mehr Geldautomaten werden gesprengt, Skifahren wird teurer, der Hype um E-Vapes ist gerade riesig, der südafrikanische Staatschef Cyril Ramaphosa hat eine halbe Million Dollar im Sofa versteckt, in den Residenzen der britischen Krone darf keine Gänsestopfleber (Foie Gras) mehr serviert werden, Helene Fischer zeigte sich komplett ungeschminkt und, während mein Blog mit 84 Abonnenten dahindümpelt, hat Donald Trump auf Twitter schon wieder 90 Mio. Follower – Qualität setzt sich eben durch.

Wir aber geben die Hoffnung auf bessere Nachrichten in der kommenden Woche nicht auf. Zum Beispiel diese:

  • Verkehrtminister Volker Wissing muss für 30 Tage in Vorbeugehaft wegen Ankündigung einer Straftat (will den Bau von Autobahnen schneller genehmigen)
  • Milka kündigt an, die nicht verkauften Schokoladenweihnachtsmänner der frierenden Bevölkerung in der Ukraine zur Verfügung zu stellen
  • Olaf Scholz von der Apothekenumschau zum Sexiest Man Alive gewählt
  • Ampel beschließt Bierpreisbremse (vulgo Bierdeckel)
  • Deutsche Kinder dürfen wieder unbekümmert Indianer spielen
  • Jürgen Lieser hat drei neue Follower.

Aber wahrscheinlich wird es wieder so sein wie in den vergangenen Wochen: Der Einzelhandel jammert über die mangelnde Kauflaune der Deutschen, der Benzinpreis steigt schon wieder, Elon Musk wird UN-Generalsekretär, Kamerun erreicht das WM-Halbfinale, Bundesbahn verspricht mehr Pünktlichkeit, oder so ähnlich.


Trump, Musk, die Midterm Elections und das großartige Amerika

Stand heute früh (10. November) zeichnet sich ab, dass aus dem erwarteten Erdrutschsieg der Republikaner nichts wird. Noch ist nicht klar, wie die Mehrheiten im Kongress am Ende aussehen werden. Im Repräsentantenhaus zeichnet sich eine leichte Mehrheit der Republikaner ab, im Senat gibt es ein Kopf an Kopf-Rennen. Donald Trump ist sauer, weil eher die gemäßigten republikanischen Kandidaten statt der von ihm favorisierten Hardliner gewählt wurden. Anlass zur Erleichterung ist das nicht unbedingt, denn immer noch zu viele amerikanischen Wählerinnen und Wähler sympathisieren mit reaktionären Verschwörungsaposteln und der „Make America Great Again“-Fraktion unter den Republikanern. Aber ist das ein Grund zur Freude, zur Erleichterung? Hier meine persönliche Ansprache an die Republikaner:

Liebe Amis, lieber Elon Musk,

echt jetzt? Habt Ihr eigentlich noch alle Latten am Zaun? Ja, Euch meine ich, die Ihr republikanische Kandidaten wählt und damit einer erneuten Kandidatur und möglichen Wiederwahl von Donald Trump den Boden bereitet. Ihr haltet tatsächlich Trump für geeignet, Euer Land zu regieren? Einen tumben, ungebildeten, ungehobelten, ordinären Egomanen und Hassprediger, der mit seinem miesen Charakter, seinem Sexismus, seiner fratzenhaften Mimik, seiner Unberechenbarkeit und seiner narzisstischen Selbstüberschätzung nicht nur als Präsident der USA ungeeignet ist, sondern auch zur Führung eines PKW? Ihr wollt also wirklich von Leuten regiert werden, die den Klimawandel leugnen, die einfach mal das Kapitol stürmen, wenn ihnen ein Wahlergebnis nicht passt, und die an Verschwörungsideologien a la QAnon glauben, rechtsextremistische und reaktionäre Ansichten vertreten und Putin die Stiefel lecken? Really?

Und Du, Elon Musk: Dass Du einen Morbus Bahlsen (für Nichtmediziner: einen an der der Waffel) hast, wussten wir ja schon. Jetzt hast Du zur Wahl für die Republikaner aufgerufen. Ich werde den Tesla, den ich letzte Woche bestellt habe, wieder abbestellen. Jawohl!

Und mal im Ernst: Was soll das alberne MAGA-Gelaber – Make America Great Again?  Was meint Ihr denn genau damit? Worin bestand denn das „großartige Amerika“, nach dem Ihr Euch zurücksehnt? Etwa darin:

  • Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki 1945
  • Vietnamkrieg mit dem Einsatz von Agent Orange und Napalmbomben gegen die Zivilbevölkerung und dem Massaker von My Lai
  • Unterstützung von Militärputschen gegen demokratische Regierungen in Lateinamerika
  • Watergate-Skandal unter Richard Nixon
  • völkerrechtswidriger Krieg gegen den Irak, begründet mit falschen Tatsachen (Massenvernichtungswaffen)
  • Gefangenenlager Guantanamo, wo Menschen ohne Gerichtsurteil festgehalten und gefoltert wurden („Waterboarding“)
  • extralegale Hinrichtungen mutmaßlicher Gegner mit Drohnen
  • Abschaffung der Sklaverei vor gerade mal 150 Jahren, aber immer noch manifester Rassismus bei Eurer Polizei …

Ok, als deutscher Staatsbürger kann ich Euch zugutehalten, dass Ihr mein Land unter großen eigenen Opfern von den Nazis befreit habt. Und Ihr habt dafür gesorgt, dass wir in den Nachkriegsjahren wirtschaftlich wieder auf die Beine kamen (Marschallplan). Andererseits habt Ihr auf unserem Territorium, auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel, Atombomben gelagert, die unsere Bundeswehr im Ernstfall für Euch ins Ziel bringen soll. Wenn Ihr euer Amerika wirklich „great again“ machen wollt, dann sorgt mal bitte dafür, peinliche Zeitgenossen wie Donald Trump oder Elon Musk aus dem Verkehr zu ziehen und in Guantanamo in Vorbeugehaft zu nehmen, bevor sie weiteren Schaden anrichten können. Das wäre really great.


Über den Umgang mit Menschen II: Benimmregeln für Superreiche

Auch Superreiche haben es nicht leicht. Schwer lastet die Bürde ihrer Besitztümer auf ihren Schultern. Nehmen wir Elon Musk. Er lässt sich gerade in Rotterdam ein Boot bauen. Nun ja, eine Jacht. Genauer: Die größte Segeljacht der Welt. 127 Meter lang, 430 Mio. Euro teuer. Hier ein Vergleich aus der linksradikalen, kommunistisch verbrämten Neidschublade: Davon könnten 430.000 Menschen in armen Ländern ein Jahr lang leben, wenn auch nur dürftig. Weshalb wir trotzdem Mitleid mit Musk haben sollten: Wie sich jetzt herausstellt, passt das fertiggebaute Schiff nicht unter der Koningshaven Brücke durch und kann somit nicht aufs offene Meer fahren. Aber Musk lässt seine Muskeln spielen und meint: „No problem. Brücke abbauen, Schiff durchfahren, Brücke wieder aufbauen. Ich bezahlen.“  Das wiederum gefällt nicht allen Menschen in Rotterdam. Die Stadtverwaltung hatte ihnen nämlich versprochen, dass die Brücke nach ihrer Renovierung 2017 nie abgebaut würde.

Nun sollte man dem armen reichen Elon Musk zugutehalten, dass er sein hart verdientes Salär ja irgendwie sinnvoll ausgeben will. Er konnte 2020 sein persönliches Vermögen von 25 auf 150 Milliarden Dollar vergrößern. Macht pro Tag einen Vermögenszuwachs von 347 Mio. Dollar. Hier mal ausgeschrieben für alle, die mit einem Hartz-IV-Regelsatz von 15 Euro pro Tag auskommen müssen: 347.000.000 Dollar. Pro Tag. Die Jacht kann Musk also mit einem Tageslohn fast komplett finanzieren. Vom Klimaschutz und CO2-Fußabdruck wollen wir jetzt mal absehen. Die Fairness und die gewohnt ausgewogene Berichterstattung dieses Blogs gebietet es, darauf hinzuweisen, dass Musk eben mal fünf Mrd. Dollar in Form von Aktien gespendet hat – böse Zungen behaupten, um Steuern zu sparen. Dabei dachten wir immer, dass solche Leute gar keine Steuern zahlen?

Daraus leiten wir die Benimmregel Nr. 1 für Superreiche ab: Den „Sozialverträglichkeitsindex“ (SVI) beachten. Dieser von mir soeben in die Sozialwissenschaften eingeführte Index besagt, dass der Preis von Jachten, Privatjets, Luxusvillen und anderem Klimbim das Jahreseinkommen von einer Million Armen nicht übersteigen darf, um keine sozialen Spannungen zu provozieren.  Hallo Jeff Bezos, Bill Gates, Mark Zuckerberg: Das sollte doch machbar sein, oder?  

Bei unseren Benimmregeln für die Schönen, Reichen und Mächtigen schließen wir fürsorglich auch die Aristokraten ein. Ja, für den Adel gelten auch heute noch eigene Regeln, auch wenn die Monarchie in Deutschland vor über hundert Jahren abgeschafft wurde. Nehmen wir beispielhaft das schwäbische Adelsgeschlecht derer von Fürstenberg. Zu den vielen Besitztümern der Familie gehört das Schloss Heiligenberg am Bodensee.

Foto: Arnulf Hettrich (Imago Images)

Dort wohnt Seine Durchlaucht, der Erbprinz Christian von Fürstenberg mit seiner Frau und den vier Kindern – allesamt Prinzen und Prinzessinnen. Bisher konnte das Schloss auch von nichtadeligen Untertanen besichtigt werden, natürlich streng abgeschirmt vom privaten Bereich der fürstlichen Herrschaften. Nun will die Familie das ganze Schloss nur noch für sich selbst nutzen und hat Eigenbedarf angemeldet (Quelle: Badische Zeitung vom 18.02.2022). Dafür hat man Verständnis, denn eine sechsköpfige Familie braucht natürlich viel Platz. Wie die Badische Zeitung berichtet, ist die Anzahl der Zimmer im Schloss derart groß, „dass die Schlossführer nicht exakt sagen können, „wie viele Räume der alte Komplex denn nun umfasst“.

Unsere Benimmregel Nr. 2 für Superreiche, in diesem Falle für den Hochadel, lautet: Den Wohnungsgrößenindex (WGI) beachten. Dieser von mir soeben ausgetüftelte Index besagt: Übersteigt die Anzahl der Wohnräume dividiert durch die ständigen Bewohner*innen plus x gelegentliche Besucher*innen aus dem europäischen Hochadel die Maßzahl 25, sind die überzähligen Zimmer für Wohnungslose zur Verfügung zu stellen. Das sollte doch machbar sein, oder?