Über den Umgang mit Menschen II: Benimmregeln für Superreiche

Auch Superreiche haben es nicht leicht. Schwer lastet die Bürde ihrer Besitztümer auf ihren Schultern. Nehmen wir Elon Musk. Er lässt sich gerade in Rotterdam ein Boot bauen. Nun ja, eine Jacht. Genauer: Die größte Segeljacht der Welt. 127 Meter lang, 430 Mio. Euro teuer. Hier ein Vergleich aus der linksradikalen, kommunistisch verbrämten Neidschublade: Davon könnten 430.000 Menschen in armen Ländern ein Jahr lang leben, wenn auch nur dürftig. Weshalb wir trotzdem Mitleid mit Musk haben sollten: Wie sich jetzt herausstellt, passt das fertiggebaute Schiff nicht unter der Koningshaven Brücke durch und kann somit nicht aufs offene Meer fahren. Aber Musk lässt seine Muskeln spielen und meint: „No problem. Brücke abbauen, Schiff durchfahren, Brücke wieder aufbauen. Ich bezahlen.“  Das wiederum gefällt nicht allen Menschen in Rotterdam. Die Stadtverwaltung hatte ihnen nämlich versprochen, dass die Brücke nach ihrer Renovierung 2017 nie abgebaut würde.

Nun sollte man dem armen reichen Elon Musk zugutehalten, dass er sein hart verdientes Salär ja irgendwie sinnvoll ausgeben will. Er konnte 2020 sein persönliches Vermögen von 25 auf 150 Milliarden Dollar vergrößern. Macht pro Tag einen Vermögenszuwachs von 347 Mio. Dollar. Hier mal ausgeschrieben für alle, die mit einem Hartz-IV-Regelsatz von 15 Euro pro Tag auskommen müssen: 347.000.000 Dollar. Pro Tag. Die Jacht kann Musk also mit einem Tageslohn fast komplett finanzieren. Vom Klimaschutz und CO2-Fußabdruck wollen wir jetzt mal absehen. Die Fairness und die gewohnt ausgewogene Berichterstattung dieses Blogs gebietet es, darauf hinzuweisen, dass Musk eben mal fünf Mrd. Dollar in Form von Aktien gespendet hat – böse Zungen behaupten, um Steuern zu sparen. Dabei dachten wir immer, dass solche Leute gar keine Steuern zahlen?

Daraus leiten wir die Benimmregel Nr. 1 für Superreiche ab: Den „Sozialverträglichkeitsindex“ (SVI) beachten. Dieser von mir soeben in die Sozialwissenschaften eingeführte Index besagt, dass der Preis von Jachten, Privatjets, Luxusvillen und anderem Klimbim das Jahreseinkommen von einer Million Armen nicht übersteigen darf, um keine sozialen Spannungen zu provozieren.  Hallo Jeff Bezos, Bill Gates, Mark Zuckerberg: Das sollte doch machbar sein, oder?  

Bei unseren Benimmregeln für die Schönen, Reichen und Mächtigen schließen wir fürsorglich auch die Aristokraten ein. Ja, für den Adel gelten auch heute noch eigene Regeln, auch wenn die Monarchie in Deutschland vor über hundert Jahren abgeschafft wurde. Nehmen wir beispielhaft das schwäbische Adelsgeschlecht derer von Fürstenberg. Zu den vielen Besitztümern der Familie gehört das Schloss Heiligenberg am Bodensee.

Foto: Arnulf Hettrich (Imago Images)

Dort wohnt Seine Durchlaucht, der Erbprinz Christian von Fürstenberg mit seiner Frau und den vier Kindern – allesamt Prinzen und Prinzessinnen. Bisher konnte das Schloss auch von nichtadeligen Untertanen besichtigt werden, natürlich streng abgeschirmt vom privaten Bereich der fürstlichen Herrschaften. Nun will die Familie das ganze Schloss nur noch für sich selbst nutzen und hat Eigenbedarf angemeldet (Quelle: Badische Zeitung vom 18.02.2022). Dafür hat man Verständnis, denn eine sechsköpfige Familie braucht natürlich viel Platz. Wie die Badische Zeitung berichtet, ist die Anzahl der Zimmer im Schloss derart groß, „dass die Schlossführer nicht exakt sagen können, „wie viele Räume der alte Komplex denn nun umfasst“.

Unsere Benimmregel Nr. 2 für Superreiche, in diesem Falle für den Hochadel, lautet: Den Wohnungsgrößenindex (WGI) beachten. Dieser von mir soeben ausgetüftelte Index besagt: Übersteigt die Anzahl der Wohnräume dividiert durch die ständigen Bewohner*innen plus x gelegentliche Besucher*innen aus dem europäischen Hochadel die Maßzahl 25, sind die überzähligen Zimmer für Wohnungslose zur Verfügung zu stellen. Das sollte doch machbar sein, oder?