Panne beim Regierungsflieger: Peinlich oder Ironie des Schicksals?

Ja, Außenministerin Annalena Baerbock musste ihren geplanten Besuch in der Pazifikregion wegen eines technischen Defektes am Regierungsflieger abbrechen. Nein, wir werden hier nicht in den Chor derer einstimmen, die jetzt Kübel von Häme und Spott über die Bundeswehr und ihr marodes Gerät und über die angeblich so peinliche Panne für die Bundesregierung ausschütten. Ohne ordnungsgemäß geschlossene Klappe kann die A340 der Bundeswehr nun mal nicht weiterfliegen. Eine geschlossene Klappe möchte man auch der unsäglichen FDP-Politikerin Strack Zimmermann wünschen, die den Vorfall „einfach nur peinlich“ fand.

Wieso eigentlich? Zweimal musste der Weiterflug abgebrochen werden. Ja und? Eine eher groteske Ironie des Schicksals ist, dass ausgerechnet eine grüne Ministerin auf dem Weg nach dem südpazifischen Fidschi, das wegen des Klimawandels im Meer zu versinken droht, 160 Tonnen Kerosin ins Meer kippen muss. Wenn es also demnächst im Supermarkt preisgünstige Ölsardinen gibt, wissen wir warum.

Spaß beiseite: Was ist daran eigentlich so peinlich, wenn nicht alles wie geplant läuft? Ist es nicht vielmehr sympathisch, wenn ausgeklügelte Staatsbesuche, an deren Vorbereitung Ministerialbeamte und Botschaftsangehörige vor Ort monatelang gearbeitet haben, wegen einer dämlichen Klappe in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus? Unter anderem sollte bei dem Besuch von Missionaren geklaute indigene Kunst zurückgegeben werden. Das kann man sicher nachholen, ohne dafür eine Ministerin samt kompletter Regierungsdelegation und Journalistentross in einen schrottreifen Regierungsflieger zu setzen.

Allen, die jetzt die abgebrochene Reise voller Häme und Spott kommentieren, sei im übrigen die Lektüre von Hartmut Rosas 2020 erschienenen Buch „Unverfügbarkeit“ empfohlen.

Warum? Einfach mal lesen.


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