Keine Sklaven gesehen: Franz Beckenbauer ist tot.

De mortius nihil nisi bene: Schaun mer mal. Die Medien triefen vor überschwänglichen Nachrufen auf den gestern verstorbenen Beckenbauer. Ein Highlight: Das Tagesthemen-Interview mit Markus Hörwick, ehemaliger Kommunikationsdirektor des FC Bayern München („Seine Menschlichkeit war unglaublich“).

Der Heiligsprechung dürfte nichts mehr im Wege stehen. Die Fußballnation, die FIFA-Mafia, die geldgierigen Funktionäre des FC Bayern München, die Ölscheichs um den Persischen Golf, der Verband russischer Gasproduzenten – sie alle trauern um Franz Beckenbauer. Der Kaiser, die Lichtgestalt, der begnadete Ball- und Schmiergeldjongleur, Lieblingspromi der Bildzeitung, ist tot. Man wird ihm wohl ein Denkmal setzen müssen. Schließlich rechnen wir ihm sein ehremamtliches Engagement im Organisationskomitee für die WM 2006 hoch an, für das er nur eine bescheidene Aufwandsentschädigung von 5,5 Millionen Euro erhalten hat. Mein Vorschlag für die Inschrift auf dem Denkmalsockel: „Hier stehe ich und kann mich nicht an schwarze Kassen erinnern. Und in Qatar habe ich nicht einen einzigen Sklaven gesehen“.


Die FIFA-Ethik und das Sommermärchen

Diese Meldung kam heute über die DTS Nachrichtenagentur: „Die Ethikkommission der FIFA hat entschieden, das Verfahren gegen Franz Beckenbauer, den Ex-DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und den früheren DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt zum WM-Sommermärchen 2006 nicht weiter zu verfolgen. Das Verhalten der Akteure „kann aufgrund des Ablaufs der geltenden Verjährungsfrist für die Strafverfolgung gemäß Artikel 12 des FIFA-Ethikkodex (FCE) nicht strafrechtlich verfolgt werden“, teilte der Fußball-Weltverband am Donnerstagnachmittag mit. DFB-Präsident Firtz Keller hatte zuvor immer wieder um Aufklärung zu den Vorgängen rund um die WM-Vergabe aufgerufen.“

Armer „Firtz“ Keller: Jetzt hat dich die FIFA im Regen stehengelassen. Sollte es Dir doch noch gelingen, die Machenschaften der DFB-Akteure bei der Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 aufzudecken, wird der FIFA-Ehrenkodex Dir wahrscheinlich den Titel „Nestbeschmutzer des Jahres“ verleihen. Dann komm halt nach Freiburg zurück, wir geben Dir Asyl, und Du darfst wieder Fritz heißen.