Bar oder mit Karte? Wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz unser Leben verändern

Ein Beitrag über Künstliche Intelligenz (KI), mit dem ich schon eine Weile schwanger gehe, will endlich das Licht der Welt auf diesem Blog erblicken. Er erweist sich indes als schwere Geburt. Zu viel Material hat sich bei mir angesammelt: Über die zunehmende Fremdbestimmung im digitalen Alltag und welche Entwicklungen der digitalen Revolution wir noch erwarten müssen, über die unkontrollierte Macht der Tech-Konzerne und ihren Kampf um die Vorherrschaft auf dem globalen Markt, über sklavenähnliche Arbeitsbedingungen in der KI-Branche, über den Energiehunger der KI-Chatbots, über den Einsatz von KI in der Kriegsführung, … Beim Versuch, alle relevanten Aspekte zu berücksichtigen, habe ich mich heillos verzettelt.

Nun ist der Papst mir zuvorgekommen mit seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“[i] über die KI. Für alle, die keine Zeit haben, das Lehrschreiben zu lesen (lohnt sich! Alle Quellenangaben und -empfehlungen am Ende dieses Blogs), habe ich die zentralen Aussagen weiter unten in einem Abschnitt zusammengefasst. Falls jemand fragt: Ohne Zuhilfenahme von KI! Hat der Papst eigentlich das Lehrschreiben selbst verfasst oder hat er ChatGPT schreiben lassen?

Die KI und ich: Eine schwierige Beziehung

In meiner Bäckerei mahnt ein Schild auf der Verkaufstheke, doch bitte bargeldlos zu bezahlen. Zwei Brötchen für 1,20 Euro. Ich weigere mich und bestehe auf abgezählten Münzen. Wie lange das noch geht? Meine Bank erpresst mich und nennt das beschönigend „Änderungsangebot“. Ich soll zustimmen, meine bisherige girocard durch die neue girocard „VPay“ zu ersetzen. Wenn ich nicht zustimme, droht die Bank mit der Kündigung meines Kartenvertrags. Ohne Karte, egal ob Giro oder VPay, bin ich digital kastriert und im um sich greifenden bargeldlosen Zahlungsverkehr nicht überlebensfähig. Dabei gibt es doch ein

Recht auf analoges Leben?

Das fordert zum Beispiel Heribert Prantl in seinem wöchentlichen Newsletter „Prantls Blick“ vom 26.04.2026[ii]. Darin schreibt er: „Es gibt ein Recht auf ein analoges Leben. Es gibt dieses Recht, auch wenn es tagtäglich und millionenfach missachtet wird. Es gibt dieses Recht, auch wenn so getan wird, als sei der Mensch nur dann ein richtiger Mensch und Bürger, wenn er digital unterwegs ist – wenn er also ein Smartphone mit sich führt und im Internet zu Hause ist. Es gibt dieses Recht, weil es aus dem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht und aus dem Gleichbehandlungsgebot folgt. Es gibt dieses Recht, auch wenn die Terminbuchung bei Behörden oder beim Arzt immer öfter nur noch online funktioniert. Es gibt dieses Recht, auch wenn Theater- und Konzertkarten nur noch online erworben werden können. Es gibt dieses Recht, auch wenn die Deutsche Post ihre Packstationen so umgerüstet hat, dass man sein Paket nur dann noch abholen kann, wenn man ein Smartphone mit extra installierter Post- und DHL-App hat.“
Der Verein „Digitalcourage“ hat eine „Petition gegen Digitalzwang“ initiiert, die am 21. Mai 2026 mit mehr als 70.000 Unterschriften (auch mit meiner) eingereicht wurde und den Bundestag auffordert, das Recht auf ein Leben ohne Digitalzwang ins Grundgesetz aufzunehmen und damit gesetzlich zu verankern.[iii]

Andererseits: Für Menschen, die auf der Straße leben, ist der Zugang zu digitalen Diensten mit einem funktionierenden Handy von existenzieller Bedeutung. Ohne Datenvolumen, Zugang zu WLAN und Lademöglichkeit fürs Smartphone bleiben diese Menschen von der Teilhabe am Leben ausgeschlossen.

Was wäre, wenn …

Ja, auch ich nutze die digitalen Dienste. Wir haben uns an deren Bequemlichkeiten im Alltag gewöhnt. Für nahezu alles gibt es Apps, Bots und Algorithmen, die uns beraten, orientieren und Entscheidungen abnehmen. Die KI übernimmt Aufgaben für uns, beantwortet Mails, führt uns mit dem Navi zum Ziel, organisiert Termine, schreibt Texte, wählt die perfekte Partnerschaft für uns aus.  Dass wir dadurch in eine fatale Abhängigkeit geraten, blenden wir aus. Kann noch jemand einen gedruckten Straßenatlas, einen Stadtplan oder einen Busfahrplan lesen, wenn die digitalen Dienste ausfallen? Der Verein Philosophicum Lech bietet im September in Lech am Arlberg eine Veranstaltung mit dem Titel „Betreutes Denken. Die neue Lust an der Unmündigkeit“ an[iv], bei dem die Plätze jetzt schon ausverkauft sind.

Gibt es überhaupt noch einen Weg zurück aus der alle Lebensbereiche umfassenden Digitalisierung, zurück ins analoge Zeitalter? Fahrscheine, die bei der Deutschen Bahn ja schon lange „Tickets“ heißen, kann man nicht mehr im Zug beim Schaffner, der auch nicht mehr so heißt, kaufen. Heute braucht man dazu die Bahn-App „DB Navigator“ auf dem Smartphone. Was wohl bei einem flächendeckenden Stromausfall, einem Blackout[v], mit den ganzen Dingern da, den Apps auf dem Smartphone, passiert? Da helfen die für den Notfall im Keller gelagerten Kerzen, Lebensmittelkonserven und Batterien nicht wirklich.

Wie alles anfing und wie es (vielleicht) weitergeht

Wann hat das mit der „Digitalisierung“ eigentlich angefangen? Die Antwort darauf liefern wahlweise die KI, Wikipedia oder die Bundeszentrale für politische Bildung. In einem Beitrag von Sybille Krämer über die Kulturgeschichte der Digitalisierung[vi] vertritt die Autorin die Kernthese, was sie die „embrionale Digitalität des Alphanumerischen“ nennt. Damit meint sie, dass die Digitalisierung nicht erst mit dem Computer beginnt, sondern schon der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1719) „mit seinen Arbeiten zur Kalkülisierung, zum Binäralphabet, zur Rechen- und Chiffriermaschine und zur Vernetzung entscheidende Schritte auf dem Weg zur Digitalisierung“ beschritten hat.

Manche datieren die Anfänge der Digitalisierung noch sehr viel früher: „Die grundlegenden Rechenmethoden, die Computer benutzen, wurden zum Teil schon in der Antike entwickelt“ – meint Jochen Wegner in der ZEIT[vii]. Wegner entwirft in seinem Beitrag ein Zukunftsszenario und formuliert eine fiktive Mail mit Datum 8. Februar 2106 an sich selbst, in der er über die mögliche Entwicklung der Computer und die Zukunft der ganzen Welt phantasiert: „Was ist die ferne Zukunft der Informationstechnologie?“ fragt er und schreibt: „Das, was Du zu Deiner Zeit als erste, rohe Form der künstlichen Intelligenz kennenlernst, ist spätestens Mitte 2060 in alle Dinge gewandert und seither unsichtbar … Wenn Du Deine Wohnung verlässt, weiß die Welt längst, wohin Du willst, ein selbstfahrendes Vehikel wartet auf Dich … 2099 übergibt China als erstes Land die Organisation des Staates einer höheren Intelligenz, versehen mit einem bindenden ethischen Auftrag …“

Wegner ist offenbar überzeugt davon, dass sich KI und Digitalisierung zum Wohle der Menschheit weiterentwickeln werden. Das zu glauben, fällt allerdings schwer.

Was der Papst zur KI meint

Papst Leo geht in seiner Enzyklika davon aus, dass „die Technik an sich nicht als eine menschenfeindliche Kraft zu betrachten (ist); im Gegenteil, sie ist von Anfang an in unserer Geschichte verwurzelt, als »eine zutiefst menschliche Erscheinung, die an die Autonomie und Freiheit des Menschen geknüpft ist«. Allerdings sieht er durchaus die Gefahr der Entmenschlichung, „in der Zeit der Künstlichen Intelligenz, in der die Menschenwürde aufgrund neuer Formen von Entmenschlichung in den Hintergrund zu treten droht… …die Vergötterung des Profits, die die Schwachen opfert; die Einförmigkeit, die Unterschiede nivelliert; den Anspruch einer einzigen – auch digitalen – Sprache, die in der Lage ist, alles, sogar das Geheimnis der Person, in Daten und Leistung zu übersetzen. Dies ist die Gefahr der Entmenschlichung“.

Deshalb fordert der Papst „verantwortungsvolle Planung, Abwägung der Auswirkungen für Mensch und Gesellschaft, Einbeziehung der Schwächsten, eine breite Vermittlung digitaler Kompetenz sowie durch eine auf Gerechtigkeit und Frieden ausgerichtete Forschung und Industrie.“. Weitere Gefahren, vor denen der Papst warnt: Verlust von Arbeitsplätzen, gezielte Falschinformation im Internet, die Macht von KI und die Kontrolle durch wenige Technologieunternehmen (digitaler Kolonialismus). Er fordert, dass diese Technik der gesamten Allgemeinheit gehören sollte und nicht das Privateigentum einiger weniger Großkonzerne sein darf: „Im digitalen Bereich liegt die Kontrolle über Plattformen, Infrastrukturen, Daten und Rechenleistung in vielen Fällen nicht in der Hand der Staaten, sondern von großen wirtschaftlichen und technologischen Akteuren, die de facto die Zugangsbedingungen, die Regeln der Sichtbarkeit und die Möglichkeiten der Teilhabe selbst festlegen. Wenn sich solche Macht in wenigen Händen konzentriert, besteht die Gefahr, dass sie undurchsichtig wird und sich der öffentlichen Kontrolle entzieht. Das erhöht das Risiko einer schiefen Entwicklung, die neue Abhängigkeiten, Ausgrenzungen, Manipulationen und Ungerechtigkeit erzeugt.“ Und weiter heißt es: „Solidarität verlangt, dass Entscheidungen in Bezug auf Daten, Algorithmen, Plattformen und Künstliche Intelligenz nicht nur den unmittelbaren Vorteil einiger weniger berücksichtigen, sondern auch die Auswirkungen auf die Gesamtheit der Völker und auf künftige Generationen.“

Die Forderung nach öffentlicher Kontrolle wird an mehreren Stellen des päpstlichen Lehrschreibens betont: „Eine gerechte soziale Ordnung im digitalen Zeitalter ist eine, die allen einen gleichberechtigten Zugang zu Chancen garantiert, die Jüngsten und die Fragilsten schützt, Hass und Desinformation bekämpft und die Nutzung von Daten und Technologien einer öffentlichen Kontrolle unterwirft, damit nicht der bloße Profit zum Maßstab wird, sondern die Würde eines jeden Menschen und das Wohl der Völker …Es ist notwendig, angemessene Regulierungsinstrumente einzuführen, die in der Lage sind, die Gerechtigkeit zu schützen und die verzerrenden Auswirkungen von technologischer Macht einzudämmen.“

Die Macht der Tech-Konzerne

Bei der zweiten Amtseinführung von Donald Trump – nach eigenen Worten von Gott auserwählt für dieses Amt -, wurde die ganze Welt Zeuge vom Einfluss der mächtigsten (und zugleich reichsten) Chefs der großen Tech-Konzerne, die dem Präsidenten in geradezu abstoßender Devotheit ihre Aufwartung machten: Mark Zuckerberg von Meta, Tim Cook (Apple), Jeff Bezos (Amazon), Elon Musk (X, Tesla und SpaceX), Sundar Pichai (Google, Alphabet), Sam Altman ( OpenAI).

Das zeigt, dass die Macht in den Händen von wenigen Tech-Milliardären liegt. Diese Macht ist nicht auf die Wirtschaft beschränkt, sondern beeinflusst und lenkt auch die Politik.  Die großen US-Tech-Konzerne sind eng verbunden mit der Trump-Regierung. Vergessen scheint die ursprüngliche Idee vom Internet als demokratisch kontrollierte Plattform. OpenAI, von Sam Altman anfangs als Non-profit-Unternehmen gegründet, beteiligt sich längst am Kampf um Marktanteile und am Verdrängungswettbewerb in der KI-Branche[viii]. Das zeigt etwa die Beteiligung von Microsoft an OpenAI/ChatGPT. Google seinerseits beteiligt sich an Anthropic und Nvidia, Amazon investiert fünf Milliarden Dollar in die Entwicklung des Chatbots Claude.

Beispielhaft für die Abhängigkeit Europas von den US-amerikanischen KI-Unternehmen ist Microsoft als marktführende Software bei privaten und öffentlichen Nutzern oder die Software Palantir des Unternehmers Peter Thiel. Sie wurde entwickelt, um Terroristen aufzuspüren, und wird heute von der Trump-Regierung für ihre Abschiebepolitik genutzt. In Hessen, Bayern und zuletzt auch in Baden-Württemberg wird Palantir von der Polizei eingesetzt, eine politisch äußert umstrittene Entscheidung.

Die Abhängigkeit von diesen Firmen und ihren wechselseitigen Verflechtungen wird immer größer. Dabei hat es ursprünglich die Utopie vom Internet als Demokratie-Maschine gegeben. Wie es Europa schaffen kann, sich unabhängiger zu machen, ist Thema auf der Digital-Messe „re:publica“.

KI als Werkzeug der Kriegsführung?

Wenig überraschend ist die Tatsache, dass KI-Werkzeuge zunehmend in der Kriegsführung eingesetzt werden. Die gezielte Tötung politischer Gegner mit Hilfe von KI wurde von Israel im Gaza-Krieg praktiziert: „When Israeli forces began their military campaign in Gaza following the October 7, 2023 Hamas attack, they did so with a targeting apparatus unlike anything previously disclosed in the history of modern warfare. For the first time, a military had publicly — through both leaks and partial official acknowledgment — deployed an interconnected network of AI systems designed to identify, prioritize, locate, and schedule the killing of human targets at industrial scale.

The system was not a single program but an ecosystem: four distinct AI tools, each handling a different stage of the kill chain, collectively enabling a tempo of strikes that would have been impossible using traditional intelligence analysis. …The implications extend far beyond Gaza. What Israel demonstrated — intentionally or not — is a proof of concept for machine-assisted war that every major military on Earth is now studying closely.“[ix]

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Nutzung von Satelliten wie Starlink[x]. Das Raumfahrtunternehmen Space X von Elon Musk erlaubt diesem persönlich zu entscheiden, welche Kriegspartei Starlink für seine militärischen Ziele nutzen darf: „Musk ist zugleich ein Warlord der neuesten Generation, der offenbar persönlich darüber entscheidet, welche Kriegspartei in der Ukraine die Dienste von Starlink wo nutzen kann, und damit z.B. massivere ukrainische Angriffe auf die Krim verunmöglicht hat, die mit seiner Unterstützung möglich gewesen wären.“ Das sagt der Politikwissenschaftler Christoph Marischka, Mitglied im Vorstand der Informationsstelle Militarisierung (IMI) in Tübingen.

Die Schattenseiten der KI-Entwicklung

Die Nutzung als Werkzeug der Kriegsführung ist nicht die einzige Schattenseite der KI. Zu nennen wären weitere Aspekte wie:

Die Ausbeutung von Arbeitern in der weltweiten digitalen Wirtschaft: Wie prekär sind die Arbeitsbedingungen derjenigen, die an der Entwicklung von KI-Systemen vor allem im globalen Süden arbeiten? Wie hoch ist ihr Lohn und ihre psychische Belastung?[xi]

Ressourcenverbrauch: Dazu ein Zitat aus der Papst-Enzyklika: „Aktuelle KI-Systeme erfordern große Mengen an Energie und Wasser, haben erhebliche Auswirkungen auf den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß und verbrauchen Ressourcen in großem Umfang. Mit zunehmender Komplexität, insbesondere bei großen Sprachmodellen, wächst auch der Bedarf an Rechenleistung und Speicherkapazität. Das bedeutet wiederum die Notwendigkeit einer Vielzahl von Maschinen, Kabeln, Datenverarbeitungszentren und energieintensiver Infrastruktur. Daher ist es unerlässlich, nachhaltigere technologische Lösungen zu entwickeln, um die Umweltauswirkungen zu verringern und unser gemeinsames Haus zu schützen.“

Vernichtung von Arbeitsplätzen: Dazu empfehle ich den Blogbeitrag von Stephan Pfeifer:  Wie der KI-Hype Arbeitsplätze vernichtet und Milliarden zirkulieren lässt[xii].

Sein Fazit, dem ich mich anschließe, lautet:Ich glaube, dass KI vieles verändern wird. Das tut sie schon. Aber das Narrativ, das gerade jede Quartalsmeldung durchzieht, ist bedenklich und erinnert an die Dotcom-Blase: Zukunftsinvestition, Kostensenkung und technologischer Führungsanspruch in einer einzigen Pressemitteilung. Sehr viele heiße Luft, zu wenig Substanz und messbare Erfolge, scheint mir. Diese Art von Disruption hatten wir schon einmal. Es wird Zeit, uns zu erden, Künstliche Intelligenz nüchterner zu betrachten, die europäische KI-Industrie zu stärken und nicht jeder mythischen Ankündigung und US-Pressemitteilung zu glauben.


[i] Enzyklika MAGNIFICA HUMANITAS, ÜBER DIE BEWAHRUNG DES MENSCHEN IM ZEITALTER DER KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ, von Papst Leo XIV. https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html

[ii] Prantls Blick vom 26.04.2026: https://heribertprantl.de/prantls-blick/das-recht-auf-ein-analoges-dasein/

[iii] Petition gegen Digitalzwang: https://digitalcourage.de/digitalzwang

[iv] www.philosophicum.com

[v] Ein Video des Bayrischen Rundfunks „Blackout. Gefahr oder Panikmache? Zeigt eindrücklich, was uns beim Stromausfall erwartet; siehe: https://www.youtube.com/watch?v=nXRjKGWvLaM&t=162s

[vi] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/digitale-gesellschaft-2022/505679/kulturgeschichte-der-digitalisierung/

[vii] Jochen Wegner: Von johoeher02gmail.com An mich, in DIE ZEIT Nr. 9 vom 21. Februar 2026
https://www.zeit.de/2026/09/zukunft-computer-geschichte-ki-smartphone-e-mail

[viii] Über die Entwicklung von OpenAI informiert ein sechsteiliger Podcast des Deutschlandfunks „Die OpenAI-Story“; https://www.deutschlandfunk.de/die-openai-story-1-6-der-grosse-verkaeufer-100.html

[ix] https://artificialweapons.com/case-studies/israel-ai-targeting-gaza

[x] Starlink ist ein von dem US-Raumfahrtunternehmen SpaceX betriebenes Satellitennetzwerk, das seit 2020 in den USA Internetzugang bietet, seit 2023 weltweit. Zum Kerngeschäft von Starlink zählen die Bereitstellung von Internetzugängen mit besonders geringer Paketumlaufzeit und die Abdeckung von Gebieten, in denen zuvor keine oder eine nicht ausreichende Internetverbindung zur Verfügung stand.

[xi] Plattformarbeit: Die unsichtbare Arbeit hinter der KI – Tagesspiegel Background

[xii] https://stefanpfeiffer.blog/2026/05/27/ki-hype/


Herbstblues? Schreibkrise? Nachlassendes Interesse? Jammern auf niedrigem Niveau

Heute machen wir mal eine Ausnahme von der Regel: Du sollst Deinen Mitmenschen nicht mit Jammern auf die Nerven gehen. Nicht mit altersbedingten Wehwehchen und nicht mit larmoyantem Genöle über Klimawandel, Friedrich Merz´ Stadtbildgelaber, Krieg, Krisen oder das Halloween-Kostüm von Heidi Klum.  Apropos Krise: Zu einem persönlichen, jährlich zuverlässig wiederkehrenden Herbstblues gesellen sich in meinem Fall in diesem Jahr eine Reihe weiterer Krisen, so dass ich von einer veritablen multiplen Krise sprechen darf. Meine hedonistische Kalibrierung zeigt ungewohnte Ausschläge nach unten, der geplante Bestsellerroman ist immer noch nicht veröffentlicht (auch noch nicht angefangen), der Friedensnobelpreis ging auch in diesem Jahr nicht an mich, der Keller gehört mal wieder aufgeräumt, auf dem Notebook gibt es keinen Support mehr für Windows 10.

Und nun auch noch die Bloggerkrise: Nach fast sechs Jahren als „Content Creator“ frage ich mich, für wen oder was ich eigentlich schreibe. Das Interesse an meinen bomforzionösen Beiträgen, ablesbar an den Aufrufzahlen, lässt deutlich nach. Keine Ahnung, woran das liegen könnte. Zu wenig Krawall, Provokation, Blödelei? Zu viel Analyse, Politikerschelte, Kapitalismuskritik? Zu wenig Schmink- und Kosmetiktipps, zu wenig Positives aus der Welt des europäischen Hochadels?

Die Zahl meiner Abonnent*innen stagniert bei 115. Das Blogverzeichnis „Bloggeria.de“ ordnet meinen Blog unter den top ten von 81 Politikblogs ein. Immerhin. Die durchschnittlichen täglichen Aufrufe mäandern um die zehn bis fünfzehn. Im August gabs mal an einem einzigen Tag über 1100 Aufrufe! Das war leider nicht der erhoffte große Durchbruch zum top influencer, sondern wohl ein Hackerangriff. Die Russen? Elon Musk? Erdoğan?

Mir geht es gerade so ähnlich wie Michael Scholz alias Charles Canary, Autor des Blogs „Das Bullauge“. In einem Beitrag vom 10. Oktober unter der Überschrift Ich schreibe, also denke ich beklagt Charles: „Das Interesse lässt nach. Die Klickzahlen fürs Bullauge nehmen ab. … Umso offensichtlicher drängt sich die Frage nach dem Sinn und Unsinn einer solchen Kolumne auf. Zur Erörterung benötigt es das Festzurren einer essentiellen Ausgangskondition: für wen oder was wird so ein Beitrag überhaupt geschrieben? …der eigentliche Grund für das Verfassen der Beiträge ist nicht die Befriedigung der Leselust. Oder gar der Begierde nach eine paar nett, dahingeschriebenen Zeilen. Nein, der wahre Grund strotzt vor Eigennutz und Egoismus. Ich schreibe für mich. Die Tätigkeit dient  dazu, um Gedanken zu sortieren. Um erhaltene Informationen besser zu durchdringen. Alles was ich so lese. Alles worüber ich mich unterhalte. Alles was ich wahrnehme. Dieser Informationswust wird sortiert und verarbeitet. Ich destilliere und verabreiche den Lesern eine Essenz. Prost!“

Soweit der Bloggerkollege Charles Canary. Seinen Ausführungen kann ich mich vollumfänglich anschließen. Er hat 21 Abonnenten; mehr noch als ich kann er daher sagen: Ich schreibe für mich. Und wer mit sechsstelligen Followerzahlen rumstrunzt, dem sollte das hier zu denken geben: „Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen.“ Soll Heiner Geißler gesagt haben. 


SaveSocial: Gegen das Monopol der Tech-Konzerne

Heute möchte ich für die Initiative „SaveSocial – Soziale Netzwerke als demokratische Kraft retten“ werben. Ich habe den Aufruf unterzeichnet und würde mich freuen, wenn möglichst viele meiner Abonnent*innen das ebenfalls tun. Mehr als 100 prominente Vertreter*innen aus Medien, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft haben sich dem Aufruf bereits angeschlossen.

Worum geht es?

„Im digitalen Raum lenken wenige vorwiegend US-amerikanische und chinesische Tech-Konzerne Information und öffentliche Debatte. Deren Plattformen erlauben keinen ungehinderten Zugang: Denn Nutzende müssen für diesen Zugang persönlichste Daten preisgeben. Gleichzeitig filtern Algorithmen intransparent, was Nutzende zu sehen bekommen und was nicht – Algorithmen, die einzig den Gesetzen der Aufmerksamkeitsökonomie folgen, befreit von Gemeinwohlorientierung und journalistischen Qualitätsansprüchen. Mit einer Flut von Hass, Häme, Hetze und Desinformation zersetzen wenige Monopolplattformen unsere Demokratien und gefährden jeden Menschen.

Unabhängige Angebote verlieren derweil auf eigenen Verbreitungswegen zunehmend ihr Publikum und ihre Finanzierungsgrundlage: Journalismus wird zum Verlustgeschäft, weil Big-Tech-Konzerne den Großteil der Werbeeinnahmen vereinnahmen. Journalist*innen und Medienunternehmen müssen sich und ihre Inhalte den Plattformen und deren Algorithmen unterordnen. Auch einzelne Kreative und weitere Akteur*innen geraten in wachsende Abhängigkeit.“ (Auszug aus dem Aufruf)

Was die Unterzeichnenden wollen:

„Die Unterzeichnenden sehen dringenden Handlungsbedarf für alle, für Unternehmen, Verbände, gesellschaftliche Institutionen und die Politik auf nationaler und europäischer Ebene. Demokratiestärkende Angebote müssen ausgebaut, demokratieschädliche Plattformmonopole sollten ihre massiven Privilegien umgehend verlieren. Unsere Gesellschaft braucht andere Plattformen für soziale Vernetzung, Austausch und Debatte als die chinesischer und US-amerikanischer Monopolkonzerne. In den vergangenen 15 Jahren sind solche alternativen Netzwerke und Angebote entstanden (zum Beispiel Mastodon oder Friendica im Fediverse). Sie können unsere Demokratie stärken, weil sie auf Basis offener und anerkannter Standards in dezentralen Strukturen gesellschaftlichen Austausch und Debatte fördern. Politik und Gesellschaft müssen diese Angebote stärken und ausbauen.“

Unterzeichnen kann man den Aufruf über die Plattform WeAct: Selbst unterzeichnen (WeAct)


Wie gefährlich ist Künstliche Intelligenz (II)?

Im ersten Teil meines Blogbeitrags über Künstliche Intelligenz (KI) ging es um die Chancen und Risiken der KI, wie sie unsere Gesellschaft verändert und wie sie von Militärs für das gezielte Töten von politischen Gegnern (targeted killing) genutzt wird. Heute möchte ich zwei weitere Aspekte der KI beleuchten: Wie verändern digitale Zwillinge (KI-Avatare) unsere sozialen Beziehungen, und was hat es mit dem Metaversum auf sich?

Ich bin kein Roboter. Oder vielleicht doch?

Oder, anders gefragt in Anlehnung an einen Buchtitel von Richard David Precht: Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Man kann nicht sicher sein, ob in der digitalen Welt nicht schon längst eine oder mehrere KI-Kopien vom eigenen Ich herumlaufen, digitale Zwillinge oder Avatare, wie die Dinger heißen. Es gibt sogar schon Software-Programme für die Erstellung von Avataren. In der harmlosen Variante kommen diese virtuellen Klone schon länger bei Computerspielen zum Einsatz. Mit originalgetreu geklonten Stimmen oder Gesichtern prominenter Persönlichkeiten lässt sich die öffentliche Meinungsbildung manipulieren. Über die digitalen Zwillinge hat Adrian Lobe in einem kürzlich erschienener Artikel (30.06.2024) in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unter der Überschrift „So frei wie eine Billardkugel“ beängstigende Szenarien beschrieben und auf die ethische Problematik der „digitalen Verdoppelung“ hingewiesen.

Was sind digitale Zwillinge?

Digitale Zwillinge sind nahezu identische Nachbildungen von physischen Objekten, aber auch von real existierenden Personen, also nicht bloße Playmobilfiguren von prominenten Fußballern. Digital erzeugte Klone verfügen über das gleiche Aussehen, die gleiche Stimme, über identische Bewegungsmuster des Originals. Und noch mehr: Gleiche Präferenzen, gleiche Krankheiten, gleiche Charaktereigenschaften. Wozu das gut sein soll? Man kann zum Beispiel seinen digitalen Zwilling an einem Videomeeting teilnehmen lassen, wenn man selbst keine Zeit oder keine Lust dazu hat. Auch Heiratsschwindler können ihren Job stressfreier ausüben. Aber aufgepasst: Wer seinen digitalen Doppelgänger dazu nutzt, gleichzeitig mit mehreren PartnerInnen ein Techtelmechtel über eine Kuppelbörse anzufangen, könnte Ärger kriegen. Da wären wir wieder im richtigen Leben angekommen. Wer ungern feste Beziehungen eingeht und das Zusammenleben unter einem Dach in der Realität zu riskant findet, der kann seinen digitalen Zwilling mit dem digitalen Partner oder der digitalen Partnerin testweise zusammenleben lassen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?   

Wenig überraschend ist, dass digitale Zwillinge für kommerzielle Interessen genutzt werden, wenn es zum Beispiel um Konsumpräferenzen geht. Oder, um eine positive Nutzungsmöglichkeit zu nennen, die Früherkennung von Krankheiten: Die Medizinforschung kann an einem digitalen Patienten Krankheiten simulieren und Therapien erproben. „Bevor die reale Person krank wird, können vorbeugende Maßnahmen wie eine präventive Operation ergriffen werden“, schreibt Lobe in seinem Beitrag. Ein Ziel der Untersuchungen an virtuellen Klonen ist, Verhalten und Entscheidungen vorherzusagen. Wenn es sich also um eine möglichst perfekte digitale Kopie des Originals handelt, ließe sich zum Beispiel eine Kauf- oder Wahlentscheidung antizipieren. Wer das konsequent weiterdenkt, muss zu der erschreckenden Erkenntnis kommen, dass individuelles Verhalten real existierender Personen vorhersagbar wird, was sich wiederum kommerzielle Unternehmen oder politische Gruppierungen für ihre Zwecke zunutze machen könnten. Lt. Lobe habe sich Amazon vor einigen Jahren ein vorausschauendes Logistiksystem („anticipatory shipping“) patentieren lassen, „bei dem Waren verschickt würden, noch bevor der Kunde auf den Bestellknopf gedrückt hat“.

Tod, wo ist dein Stachel?

Was passiert nach dem Tod des Individuums mit dem oder den digitalen Doppelgängern? Die haben ja keine mit dem Original verknüpfte Abschaltautomatik und geistern weiter in der Cloud herum und treiben da ihr Wesen oder Unwesen. Dass die trauernden Hinterbliebenen zumindest mit der digitalen Version ihres verstorbenen Familienmitglieds noch interagieren können, ist eine eher ungemütliche Vorstellung.

Das Metaversum: Kein richtiges Leben im falschen

Wem das reale Leben mit Kriegen, Krankheiten, Beziehungsstress, Leistungsdruck auf der Arbeit oder in der Schule zu anstrengend wird, dem bietet das Metaversum einen virtuellen, digitalen Raum als Ausweg. Für alle, die mit diesen Dingen bisher nichts oder wenig anfangen können: Im Metaversum können Menschen ihre eigene Welt gestalten. Sie können dort „leben, lernen, arbeiten und feiern“. Sie können sogar mit digitaler Währung in Form von NFTs (Non-Fungible Token) virtuelles Land oder Kunstwerke kaufen und damit spekulieren. In spielerischer Form tauchte das Metaversum 2003 als Plattform Second Life im Internet auf. Im Metaversum findet eine Verschmelzung von realer und virtueller Welt statt, das nennt sich dann „mixed realities“ oder „augmented realities“.

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Wann das alles genau angefangen hat? Vielleicht schon mit Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ von 1932? Oder mit Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren von 1944? Vielleicht aber auch erst 1992 in dem Science-Fiction-Roman „Snow Crash“ von Neal Stephenson, der angeblich zum ersten Mal die Begriffe Metaversum und Avatar benutzte? Und dass eine Plattform digitaler Sozialbeziehungen wie Facebook sich jetzt Meta nennt, ist eine konsequente Folge dieser Entwicklung.

Das Tolle ist: Ich kann im Metaverse in eine künstliche Welt entfliehen (Stichwort Eskapismus), kann mich den Mühen und Unwägbarkeiten des realen Lebens entziehen, muss nicht mehr einkaufen, putzen, waschen oder mich mit real existierenden Idioten rumärgern, ich kann einfach im Metaverse meine eigene Welt schaffen und alles was mich nervt, stresst oder sonstwie im realen Leben einfach nur anstrengt, ausblenden: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt! Ja ist das nicht mega bzw. meta?


Wie gefährlich ist Künstliche Intelligenz?

In meiner Blogwerkstatt liegt schon länger ein unfertiger Beitrag zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) auf Halde, steckengeblieben in einem Wust von Fragen: Wo liegen die Chancen und Risiken? Wie verändert KI unsere Gesellschaft? Fördert KI das Aufkommen radikaler Parteien? Welche ethischen Fragen stellen sich bei der militärischen Anwendung, z.B. in Form von autonomen Waffen? Wie verändern digitale Zwillinge (KI-Atavare) unsere sozialen Beziehungen?

Diese und weitere Fragen zu beantworten würde diesen Blogbeitrag sprengen – ich sähe mich dazu auch gar nicht in der Lage. Deshalb möchte ich mich hier, nach einer kurzen persönlichen Einführung, auf drei lesens- bzw. hörenswerte Quellen zu diesem Thema beziehen: Einen online-Vortrag von Dr. Katharina Gerl vom Düsseldorfer Institut für Internet und Demokratie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: KI verändert unsere Gesellschaft. Zu den Folgen des aktuellen technologischen Wandels, die Rede von Meredith Whittaker Mitte Mai bei der Preisverleihung des Helmut-Schmidt-Zukunftspreises in Hamburg. Eine leicht gekürzte Fassung ist erschienen auf ZEIT-online und schließlich einen kürzlich erschienener Artikel (30.06.2024) von Adrian Lobe in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Digitale Zwillinge: So frei wie eine Billardkugel (davon habe ich leider keinen Link).

Anmerkung: Um die Geduld meiner Leserinnen und Leser nicht zu sehr zu strapazieren, erscheint dieser Beitrag in zwei Teilen. (Übrigens: Eine Passage in diesem Text stammt nicht aus meiner Feder. Ich habe ihn von ChatGPT schreiben lassen. Mal sehen, ob jemand rausfindet, welcher Abschnitt gemeint ist …)

Künstliche Intelligenz versus natürliche Dummheit

Der Hype um die Künstliche Intelligenz (KI) nervt. Jeden Tag neue aufsehenerregende Meldungen von angeblich erstaunlichen Leistungen. Nicht nur ganze Texte nach Stichwörtern kann die KI formulieren, sondern auch täuschend echt wirkende Bilder erzeugen, Stimmen nachmachen, sich selbst als Avatar in einer virtuellen Realität auftreten lassen. Ob selbstfahrende Autos, auch ein Produkt der KI, die Menschheit entscheidend voranbringen? Die KI sei der natürlichen Intelligenz weit überlegen, heißt es. Bei der Lösung komplexer Aufgaben stimmt das wohl. Es ist die größere Rechenleistung, etwa beim Schach, die die KI überlegen macht.

Während die einen vor den angeblichen Gefahren der KI warnen, verweisen andere auf deren Vorzüge und Errungenschaften. Es gibt Anwendungsgebiete, wo die KI von großem Nutzen sein kann, wie zum Beispiel in der Medizintechnik, Weltraumforschung, bei Texterkennungs- und Übersetzungsprogrammen. Eher unheimlich sind dagegen militärische Anwendungen wie etwa bei autonomen Waffen. Manche befürchten, die KI könne bald unser Leben beherrschen. Andererseits: Gegen die natürliche Dummheit kann die KI auch nichts ausrichten. Und die ist, in Kombination mit politischer Verantwortung, wirklich gefährlich. Wozu die KI unfähig ist: Sich ihrer „intelligenten“ Grenzen bewusst zu sein, wie es Sokrates nachgesagt wird: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Chancen und Risiken

KI hat in den letzten Jahren einen enormen Einfluss auf unsere Gesellschaft ausgeübt und wird dies auch in Zukunft weiterhin tun. Die Chancen, die sich durch den Einsatz von KI ergeben sind vielfältig. Zum einen kann KI daz beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten und Arbeitsabläufe zu optimieren. Dadurch können Unternehmen Kosten senken und ihre Produktivität steigern. Darüber hinaus ermöglicht KI auch die Entwicklung neuer Technologien und Innovationen, die unser tägliches Leben erleichtern können.

Auf der anderen Seite birgt die Verwendung von KI auch Risiken für unsere Gesellschaft. Ein zentrales Thema ist die Frage nach der ethischen Verantwortung im Umgang mit KI. Es besteht die Gefahr, dass KI-Systeme aufgrund von Voreingenommenheit oder unzureichender Datengrundlage diskriminierende Entscheidungen treffen. Zudem könnten durch den Einsatz von KI Arbeitsplätze verloren gehen und soziale Ungleichheiten verstärkt werden.

Es ist daher entscheidend, dass wir als Gesellschaft einen verantwortungsvollen Umgang mit KI fördern und sicherstellen, dass ethische Standards eingehalten werden. Nur so können wir die Chancen der KI nutzen, ohne die Risiken zu vernachlässigen. Es liegt an uns allen, gemeinsam eine Zukunft zu gestalten, in der KI zum Wohl der Gesellschaft eingesetzt wird.

KI verändert unsere Gesellschaft

Eine gute Einführung in die Thematik bietet der online-Vortrag von Dr. Katharina Gerl vom Düsseldorfer Institut für Internet und Demokratie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: KI verändert unsere Gesellschaft. Zu den Folgen des aktuellen technologischen Wandels, aufgenommen am 28.09.2023 (Dauer 45 Minuten).

Gerl nennt die weit verbreiteten Anwendungsgebiete der KI, die eine immer größere Rolle in unserem Alltag spielen (Smartphone, PC, online-shopping, autonome Autos, automatische Übersetzung, Smart farming, usw.) und sieht die Chancen der KI darin, dass sie Optimierungswerkzeuge bereitstellen, die uns Zeit sparen, in der Medizin die Erkennung von Krankheiten erleichtern oder Verbesserung von Verwaltungsdienstleistungen ermöglichen – um nur einige Bespiele zu nennen.

Gefahr für die Demokratie?

Neben diesen Chancen fragt Gerl nach den Auswirkungen der KI auf unser demokratisches Miteinander und auf die sozialen Implikationen: Wessen Daten werden zu welchen Zwecken gesammelt und wer hat Zugang dazu? Beispiele für den missbräuchlichen Einsatz von KI, etwa die Diskriminierung von Frauen oder ethnischen Minderheiten sind keine abstrakte Gefahr, sondern reale Erfahrungen. Besonders das manipulative Potenzial der KI, etwa in der demokratischen Öffentlichkeitsarbeit und politischen Meinungsbildung durch gefakte Bilder, deepfakes und Falschinformationen stellt eine konkrete Gefahr für die Demokratie dar. Um diesen Gefahren zu begegnen, schlägt Gerl vor: individuelle Kapazitäten im Umgang mit KI stärken, Medienkompetenz entwickeln, demokratische Kontrolle. Gerls Fazit: Weil KI gestaltbar ist, sollte sie öffentlich diskutiert, transparent, nachvollziehbar und nutzerzentriert sein.

Das toxische Geschäftsmodell der Überwachung

Die KI-Forscherin Meredith Whittaker hat Mitte Mai den Helmut-Schmidt-Zukunftspreis erhalten. Bei der Preisverleihung in Hamburg hielt sie eine Rede, die auf ZEIT online in einer leicht gekürzten Fassung veröffentlicht wurde.

Für Whittaker ist die KI ein „toxisches Geschäftsmodell der Überwachung“, das sich weder um den Datenschutz noch um die bürgerlichen Grundfreiheiten schert. Ein Modell, das den großen Tech-Konzernen und der Werbeindustrie dient und sich zu einer gigantischen Überwachungsindustrie entwickelt hat. Katharina Gerl hat in dem erwähnten Vortrag auf die totale Überwachung unter autoritären Regimen wie China verwiesen. Nach Whittaker drohen solche Entwicklungen auch im kapitalistischen Westen: „Damit bereiten die großen Unternehmen den Boden für eine Vormachtstellung, wie es sie noch nie gab. Indem sie ihre Produkte und Dienstleistungen als Gipfel des menschlichen Fortschritts und der Weiterentwicklung der Wissenschaft verkaufen, weiten diese Unternehmen und ihre Förderer ihre Reichweite und Kontrolle auf nahezu alle Lebensbereiche und in fast jede Region der Erde aus. Sie stellen die Infrastruktur für Staaten, Unternehmen, Medien und Militär bereit und verkaufen die Derivate des toxischen Geschäftsmodells Überwachung als Produkt wissenschaftlicher Innovation.“

Und weiter: „Das ist ungeheuer gefährlich. Das vom Anteilseigner-Kapitalismus befeuerte Streben nach grenzenlosem Wachstum und Ertrag, das sich metastasenartig ausbreitet und der eigentliche Antrieb dieser Riesenkonzerne ist, führt in vielen Punkten weg vom Pfad in eine lebenswerte Zukunft.“

Targeted Killing mit KI-Systemen

Als besonders beunruhigenden Trend sieht Whittaker, dass die KI-Überwachungskonzerne dabei sind, sich zu Rüstungsunternehmen zu wandeln, d.h. dass sie Waffen und Überwachungsinfrastrukturen an Streitkräfte und Staaten liefern. Und mehr noch: Ähnlich wie die KI-basierte zielgerichtete kommerzielle Produktwerbung auf der Auswertung großer Datenmengen basiert, so funktioniert im militärischen Bereich das Konzept des „signature strike“, also die Auswahl eines Tötungsziels auf der Basis von Datenmustern und Verhaltensüberwachung. Das heißt: „Bei signature strikes werden Menschen im Prinzip aufgrund von Datenprofilen getötet.“

So arbeitet etwas die israelische Armee im Gaza mit einem KI-System namens Lavender. „Lavender schaltet keine Werbeanzeigen, sondern setzt Menschen automatisch auf eine Tötungsliste, sobald ihre durch Überwachung gesammelten Datenmuster mit den Datenmustern angeblicher Kämpfer übereinstimmen – obwohl wir als Fachleute wissen, dass dieses Verfahren extrem ungenau ist.“

Whittaker fordert daher im Einklang mit dem deutschen Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung die Praxis des `Targeted Killing´ mit unterstützenden KI-Systeme als Kriegsverbrechen einzustufen.  

In der zweiten Folge dieses Beitrags „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ geht es um Digitale Zwillinge oder KI-Avatare, also digitale Nachbildungen real existierender Personen. Und um das Metaversum, eine besondere Spielart Künstlicher Intelligenz.


Mein Sensitivity Reader meint: Du schreibst nicht woke genug!

Ich bin zerknirscht. Jetzt habe ich es quasi amtlich: Meine Texte sind nicht woke genug. Immer wieder entfleuchen mir verletzende oder missverständliche Darstellungen und Ausdrucksweisen oder Mikroaggressionen. Das hat mir mein Sensitivity Reader bescheinigt. Zuletzt habe ich pauschal von den „lieben Ossis“ gesprochen. Das ist diskriminierend und geht gar nicht. Auch achte ich nicht genug auf eine gendersensible Sprache. Ganz zu schweigen von Wörtern wie N****, Schw***, Ind****, usw. Ich kann mir allerdings nicht, wie es die großen Verlage tun, einen festangestellten Sensitivity Reader leisten. Auf der Website https://sensitivity-reading.de/ wird eine entsprechende Dienstleistung ehrenamtlich, also gegen Spende, angeboten, von „Elif und Victoria, zwei Women of Color, die sich für eine authentischere Repräsentation von marginalisierten Menschen einsetzen“ (wer möchte das nicht). Auf der Seite heißt es: „Was ist eine authentische Darstellung und wie findet man heraus, ob sich nicht unabsichtlich abwertende Beschreibungen wie Mikroaggressionen in den Text geschlichen haben?“ Dazu muss ich bekennen: Bei mir schleichen sich keine Aggressionen in den Text ein, schon gar keine Mikro! Und abwertende Beschreibungen erfolgen bei mir in der Regel in voller Absicht!

Aber vielleicht sollte ich Besserung geloben und mich um eine geschlechterbewusste und diskriminierungssensible Sprache bemühen. Dabei könnte zum Beispiel die Seite: https://www.aug.nrw/presse/schreibtipps/ helfen. Oder hat etwa Google schon längst eine App entwickelt, mit der ich meine Texte vor der Veröffentlichung einer Wokeness- und Diversity-Prüfung unterziehen kann? So ähnlich wie der Bla-Bla-Meter (Wie viel Bullshit steckt in Ihrem Text? Für Hinweise meiner geneigten Leser*innenschaft bin ich wie immer dankbar.


chatGPT: Brillant oder dumm wie Brot?

Warum mache ich mir eigentlich noch die Mühe und schreibe die Texte für diesen Blog selbst? Der KI-ChatBot kann´s doch auch. Ich hab´s ausprobiert und – voilá! es hat funktioniert. Hier das Ergebnis meines Tests:

Lieber Textroboter: Schreib doch mal eine Glosse für den Blog vom Lieser! Gerne, wenn Du mir sagst, worüber. Vielleicht über Künstliche Intelligenz? Kannst du bitte noch konkreter werden? Kann ich. Bitte begründe, warum ich die Texte für diese Glosse besser von dir schreiben lassen soll. Aber laber nicht lange rum, du hast dafür maximal zehn Zeilen.

Alles klar. Bisher werden die Texte für diese Glosse von Menschen und nicht von Computern geschrieben. Dabei können Computer das inzwischen auch. Deshalb werden Sie, liebe Leserinnen und Leser des Blogs von Jürgen Lieser, an dieser Stelle künftig Texte lesen, die von einem intelligenten Computerprogramm geschrieben sind. Dieses Programm heißt chatGPT. Heute können Sie den vom Computer geschriebenen Text noch daran erkennen, dass er kursiv gesetzt ist. In Zukunft müssen Sie selbst herausfinden, ob der Text von einem Computer oder einem Menschen geschrieben wurde. Sie werden den Unterschied vermutlich gar nicht merken.

An alle Brote: Ich bitte die despektierliche Überschrift zu entschuldigen, wollte Euch nicht beleidigen…


In eigener Sache: Was gibt´s Neues vom Blog?

Rund zweieinhalb Jahre gibt es diesen Blog. Deshalb heute mal eine kleine Zwischenbilanz und Hinweise auf Neuerungen.

Huch, was ist da jetzt anders?
Erstens: Wer bisher per Mail über einen neuen Beitrag auf meinem Blog informiert wurde, müsste es bemerkt haben: Statt des ganzen Textes gibt es jetzt nur einen „Teaser“, einen „Anreißer“, der neugierig machen soll auf den ganzen Beitrag. Ein Klick auf „Mehr von diesem Beitrag lesen“ führt dann auf die Blogseite. Man kann die Ankündigungsmail auch einfach löschen (don´t you dare!!!). Ich muss mir einfach gute Überschriften ausdenken, die Lust auf mehr machen.

Zweitens: Apropos Überschriften: Wie „strong“ ist das denn? Aufmerksame Leser*innen werden bemerkt haben, dass bei zwei kürzlichen Blogbeiträgen die Überschrift eingerahmt war von Formatierungen: <strong>Hast du speed bist du high</strong>. Ich habe keine Ahnung, wie das da reinkommt und hoffe, den Fehler bald zu beseitigen.

Nicht jeder Beitrag ist literaturpreiswürdig

So etwa der Letzte: „Hast du speed bist du high“. Das war Kokolores, gehobener Schwachsinn, einfach zu unhabermasisch. Gleichwohl: Ein Test auf dem Blablameter ergibt selbst für diesen seichten Text einen Bullshit-Index von lediglich 0,16 („Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf `Bullshit´-Deutsch“). Wenigstens das.

Kommentare sind willkommen

Aber nicht jede/r will sich gerne öffentlich äußern. Das verstehe ich. Und dann bekomme ich immer wieder mal die Rückmeldung, dass ein Kommentar nicht gepostet werden konnte, weil man sich dafür bei WordPress anmelden muss. Das ist blöd. Vielleicht hat jemand einen Tipp, wie es auch ohne WordPress-Account geht?

Und dann: Worüber also soll ich schreiben?

Vielleicht teilt Ihr meine Abneigung gegen die grassierende Feedbackeritis. Überall soll ich bewerten, wie zufrieden ich mit einer Leistung war. Das nervt. Natürlich wüsste ich gern, wie Du oder Sie als Follower den Blog insgesamt bewertest. Was interessiert, welche Inhalte, welche Themen? Zu viel, zu wenig Beiträge? Nicht so viel Satire, nicht so viel Blödelei, lieber Ernstes, Nachdenkliches?

Wie man hört, hat Donald Trump im Mai letzten Jahres einen Blog begonnen: From the desk of Donald J. Trump. Hat bloß kein Schwein interessiert, weshalb er den Blog schon bald wieder aufgegeben hat. Der Mann braucht Aufmerksamkeit. Das kann ich gut verstehen. So ähnlich geht es mir auch. Wenn der Applaus der Masse ausbleibt, geht die Lust am Bloggen leicht verloren. Die meisten Blogger*innen erleben früher oder später diese Sinnkrise: Keine Sau liest meine doch so wahnsinnig tollen und wichtigen Beiträge. Die Frage, ob ich als Blogger lediglich meine narzisstische Persönlichkeitsstörung auslebe oder der Welt Wichtiges mitzuteilen habe (oder beides?), haben sich viele Betreiber*innen eines Blogs sicher schon mal gestellt. Wer sich in der Bloggerszene ein wenig umschaut, wird schnell erkennen: Es tummeln sich dort unzählige Welterklärer, Schönerlebenempfehler, Kosmetik-, Koch- und Gartenratgeber, usw. Von Computerblogs über Funnyblogs, Gourmetblogs, Hobbyblogs, Kultur, Glamour, Literatur, Medizin, Reise bis zu „Nachhaltig Haarewaschen“. Es sind tausende allein im deutschsprachigen Raum. Jede und jeder kann seinen eigenen Blog starten und die Welt beglücken mit harmlosen Belanglosigkeiten, rechtem Verschwörungsgeschwurbel oder guten Literaturtipps. Die Chancen, zur Kenntnis genommen zu werden, verringern sich allerdings in dem Maße, wie die Anzahl der Blogs zunimmt. Schließlich will jede und jeder zur Kenntnis genommen werden. Die Droge des Bloggers/der Bloggerin sind die Aufrufe, die Klicks, die Follower. Ab einer signifikanten Zahl von Followern kann man damit auch Geld verdienen, indem man Werbeanzeigen auf seiner Seite einbindet. Das ist mir allerdings bisher noch nicht gelungen, obwohl ich mehrfach die Zeitschrift „Beef“ lobend erwähnt habe, ebenso wie die Apothekenumschau, die „Autotuning“ und den Verband der Deutschen Geflügelzüchter.

Zum Schluss noch etwas Statistik:

Zum Start meines Blogs am 8. März 2020 habe ich an einen Kreis von Freunden und Bekannten geschrieben: Ich lade Euch ein, meinen neuen Blog zu besuchen: www.juergen-lieser.de und freue mich, wenn Ihr den Block abonniert (kostet nix, tut nicht weh, ist nicht ansteckend). Warum ich – im 8. Lebensjahrzehnt – zum Blogger werde, könnt Ihr dort nachlesen. Über Kommentare freue ich mich. In diesen Tagen, wo das öffentliche Leben mehr und mehr zum Erliegen kommt und empfohlen wird, soziale Kontakte auf das absolut notwendige Maß zu beschränken, ist dies zumindest eine Möglichkeit, im Kontakt zu bleiben. 

Bis heute habe ich 187 Beiträge veröffentlicht und 80 Follower haben den Blog abonniert. Die Aufrufstatistik (Klicks) zeigt eine steigende Tendenz: zwischen 10 und 15 Aufrufe pro Tag im Durchschnitt. Über solche Klickzahlen werden Influenzer*innen nur müde lächeln. Ich bin für diese freundliche Aufmerksamkeit dankbar. Sie ermutigt mich, auch weiter Beiträge zu veröffentlichen. Hoffentlich bald wieder ohne <strong> in der Überschrift, und vielleicht in weniger kurzen Abständen und mit niedrigem Bullshit-Index.


Hast du speed bist du high

Bitte, liebe Gegner der Anglizismen in der deutschen Sprache, seht mir dieses dämliche Wortspiel nach! „Speed“ steht für die Droge Amphetamin, hilft also beim Highwerden. Es gibt aber auch ein Kartenspiel gleichen Namens. Oder einen Schokoriegel von Aldi. Aber eigentlich denken die Leute bei Speed mehr an das Internet. Das Highspeed-Internet scheint als menschliches Grundbedürfnis, also gewissermaßen als basic human need, unumstritten. Ein Leben ohne Highspeed-Internet ist für viele Menschen urbaner Gesellschaften schlicht undenkbar. Selbst in den bolivianischen Anden fordern Quechua-Indios – sorry: ich meine natürlich Indigene – mindestens 100 MB Übertragungsgeschwindigkeit, um den Preis ihrer Kartoffeln auf dem Internationen Kartoffelmarkt richtig einordnen zu können.

Es gibt aber auch Menschen, denen ist HSI (High-Speed-Internet) nicht so wichtig, ja sogar zuwider, weil sie der Gruppe der HSP angehören (Highly Sensitive Persons). Denen machen die ganzen Strahlen schwer zu schaffen. Zwar ist wissenschaftlich festgestellt, dass von den Schallwellen, die von Windparks ausgehen, keine Gesundheitsgefährdung ausgeht, aber die Wissenschaftler, die das untersucht haben, waren halt auch nicht hochsensibel. Aber was haben eigentlich Windräder mit dem Internet zu tun? Nix, oder?

Hm, jetzt haben wir irgendwie den roten Faden in diesem Beitrag verloren. Ach so, ja, Highspeed Internet war das Thema. Das braucht man zum Beispiel, um Radio, Filme und Spiele aus dem Internet zu übertragen. Das nennt man dann Streaming. Und wenn man keine schnelle Internetverbindung hat, dann ruckelt es. Man merkt das, wenn das Bild plötzlich stehen bleibt. In meiner Kindheit und Jugend gab es noch kein Internet. Aber in dem Kino, in das wir sonntags gingen, um Western anzuschauen (Eintritt 50 Pfennig), riss manchmal der Film. Eigentlich fast immer mindestens einmal. Dann johlte die ganze Bude, bis der Vorführer den Film wieder zusammengeklebt hatte und Winnetou weiterreiten konnte. Heute würde das ja auch nicht mehr gehen allein schon wegen der kulturellen Aneignung.

Wo waren wir stehengeblieben? Egal. Hauptsache wieder irgendwas dahergeschwurbelt.    


Barrierefreiheit am PC

Asdf jklö. Na, klingelts? Genau – die gute alte Schreibmaschine! Papier einspannen, mit Kohlepapier für Durchschläge, Ränder einstellen, losschreiben. Wenn die Zeile zu Ende war und der Umschalthebel betätigt werden musste, hat´s geklingelt. War man zu schnell, verhakten sich die Buchstabenhebel. Wer mehr als 300 Anschläge in der Minute schaffte, die war schon richtig gut. Ja, richtig gehört, Frauen sind in diesem Fall nicht nur mitgemeint. Schreibkraft oder Sekretärin, auch Stenotypistin (vulgo Tippse) war lange ein reiner Frauenberuf (isses ja irgendwie immer noch). „Fräulein Meier, zum Diktat!“ riefen die männlichen Chefs, die sich zu schade oder zu dämlich waren, ihre unausgegorenen Sprachkreationen selbst zu Papier zu bringen.

Ich bin meinen Eltern heute noch dankbar dafür, dass sie mir ermöglichten, Schreibmaschinenschreiben zu lernen – blind und mit zehn Fingern! Wochenlang nur asdf jklö in die Tasten klopfen. Das war in der achten Volksschulklasse und sollte mir zu einem erfolgreichen Start in das Berufsleben verhelfen. Ich schaffte es allerdings nur bis 240 Anschläge pro Minute. Später machte ich mich lustig über Leute, die nach dem „Einfingersuchsystem“ tippten oder nach dem – Achtung Kalauer! – „Baader-Meinhof-System“ (Pro Tag ein Anschlag). Schreibmaschinen gibt es schon lange nicht mehr, aber die ursprüngliche Tastaturbelegung ist bei modernen Endgeräten (Laptop, Handy etc.) erstaunlicherweise geblieben. Fein raus ist da, wer noch das klassische Zehnfingersystem gelernt hat. Trotzdem kann es mühsam sein, längere Texte auf dem Computer oder dem zu kleinen Tastaturfeld des Smartphones zu tippen. Menschen mit dicken Fingern und/oder schlechten Augen sehen da alt aus. Doch es gibt Abhilfe: Handys und moderne Textprogramme wie etwa Microsoft Office haben eine Diktierfunktion. Man schaltet das Mikrofon ein und die gesprochene Sprache wird in Text übertragen. Funktioniert erstaunlich gut. Aber Vorsicht: Man sollte das Ergebnis nochmal kritisch prüfen. Denn aus „Doppelpunkt“ macht das Programm „Google kommt“, und aus „Neger“ wird „*****“, aber das darf man ja sowieso nicht mehr sagen.