Mein Sensitivity Reader meint: Du schreibst nicht woke genug!
Veröffentlicht: 4. Juli 2023 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Internet | Tags: Sensitivity Reader, Wokeness 2 KommentareIch bin zerknirscht. Jetzt habe ich es quasi amtlich: Meine Texte sind nicht woke genug. Immer wieder entfleuchen mir verletzende oder missverständliche Darstellungen und Ausdrucksweisen oder Mikroaggressionen. Das hat mir mein Sensitivity Reader bescheinigt. Zuletzt habe ich pauschal von den „lieben Ossis“ gesprochen. Das ist diskriminierend und geht gar nicht. Auch achte ich nicht genug auf eine gendersensible Sprache. Ganz zu schweigen von Wörtern wie N****, Schw***, Ind****, usw. Ich kann mir allerdings nicht, wie es die großen Verlage tun, einen festangestellten Sensitivity Reader leisten. Auf der Website https://sensitivity-reading.de/ wird eine entsprechende Dienstleistung ehrenamtlich, also gegen Spende, angeboten, von „Elif und Victoria, zwei Women of Color, die sich für eine authentischere Repräsentation von marginalisierten Menschen einsetzen“ (wer möchte das nicht). Auf der Seite heißt es: „Was ist eine authentische Darstellung und wie findet man heraus, ob sich nicht unabsichtlich abwertende Beschreibungen wie Mikroaggressionen in den Text geschlichen haben?“ Dazu muss ich bekennen: Bei mir schleichen sich keine Aggressionen in den Text ein, schon gar keine Mikro! Und abwertende Beschreibungen erfolgen bei mir in der Regel in voller Absicht!
Aber vielleicht sollte ich Besserung geloben und mich um eine geschlechterbewusste und diskriminierungssensible Sprache bemühen. Dabei könnte zum Beispiel die Seite: https://www.aug.nrw/presse/schreibtipps/ helfen. Oder hat etwa Google schon längst eine App entwickelt, mit der ich meine Texte vor der Veröffentlichung einer Wokeness- und Diversity-Prüfung unterziehen kann? So ähnlich wie der Bla-Bla-Meter (Wie viel Bullshit steckt in Ihrem Text? Für Hinweise meiner geneigten Leser*innenschaft bin ich wie immer dankbar.
Wale, Wokeness und das Fischsterben in der Oder
Veröffentlicht: 22. August 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Internationale Politik, Katastrophen, Krieg | Tags: Fischsterben, Umweltkatastrophe, Wokeness Hinterlasse einen KommentarHeute mal wieder ein Beitrag für die Tierfreunde unter meiner treuen Leser*innenschaft. Wenn der Hund nicht mehr frisst, ist er krank oder er trauert um einen Verlust. Neulich hatte sich mal wieder ein Wal in die Seine verirrt. Das gesellige Tier verhungerte. Man vermutet als Ursache Einsamkeit. In einem japanischen Aquarium, so wurde dieser Tage gemeldet, sind Pinguine und Otter in einen Hungerstreik getreten, weil man ihnen Makrelen statt der bevorzugten Stöcker zum Fressen anbot. Makrelen – ja geht´s noch! Das wiederum erinnert an das Lied vom Hering und der Makrele, die „ein Herz und eine Seele“ waren. Was lernen wir daraus? Nicht nur Menschen, auch Tiere, egal ob Hund, Wal, Pinguin oder Makrele, können hochsensibel sein und verdienen unsere Wokeness.
Blöd ist jetzt, dass dieser Beitrag veröffentlicht wird, während in der Oder massenweise die Fische sterben. Das wird man als höchst unsensibel auslegen. Zumal das Fischsterben in der Oder zu ernsten Spannungen zwischen Polen und Deutschland führt. Der Jahrestag des Überfalls Nazi-Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 steht kurz bevor. Da sollte man von diesem Thema doch lieber die Finger lassen. Kann nur Ärger geben.
Mist: Wieder mal zu schnell auf „Veröffentlichen“ gedrückt.
Natürlich bin ich kein Rassist. Über Diskriminierung
Veröffentlicht: 30. Januar 2021 Abgelegt unter: Boulevard, Rassismus | Tags: Diskriminierung, Rassismus, Wokeness 3 KommentareWenn es stimmt, dass über Diskriminierung nur die Opfer derselben reden dürfen, dann habe ich als alter weißer Mann, der ich nun mal bin und daran wird sich voraussichtlich so schnell nichts ändern, zu schweigen. Ich habe keinen Migrationshintergrund, bin keine Frau, bin weder Neger, Krüppel noch Zigeuner, bin kein Jude, kein Moslem, nicht schwul, weder Bi noch Trans noch Inter – obwohl ich mich durchaus als bekennenden Feministen mit einer ausgeprägten Wokeness bezeichnen würde.

Karrikatur von Haitzinger, Badische Zeitung
Ich bin nicht mal in der AfD und auch kein Coronaprotestler, was mir freien Eintritt in die Opfercommunity bescheren würde. Ich kann auch keine schwere Kindheit anführen, keine Missbrauchserfahrung, und die Tatsache, armen Verhältnissen zu entstammen und den sozialen Aufstieg aus eigener Kraft geschafft zu haben, gehört heute zu jeder anständigen Biografie. Ich habe die Arschkarte, bin trotz meines Alterweißermannseins der Neger, habe den schwarzen Peter. Ja ich weiß, „schwarzer Peter“ und „Neger“ gehen gar nicht. Da hilft auch nicht der Hinweis auf den „Negerführer Martin Luther King“ (so die Wochenzeitung die ZEIT am 6.11.1964), der in seiner berühmten Rede vom 28. August 1963 das N-Wort mehrere dutzend Male benutzte.
Mein Kampf (upps, Vorsicht!) – mein bescheidenes Eintreten für #Gerechtergeschlechtigkeit, gegen #Racial Profiling, für ein #Fahrverbot für Bobbycars in Innenstädten und sone Sachen muss also weiter im Stillen erfolgen. Wobei ich mir noch einen Hinweis erlauben möchte: Auch lesbische schwarze Behinderte können ätzend sein! Das ist nicht von mir, sondern von Funny van Dannen (den ganzen Text gibt es hier).
Hassmails zu diesem Text bitte richten an: arschkarte(at)web.de
