Mein Sensitivity Reader meint: Du schreibst nicht woke genug!

Ich bin zerknirscht. Jetzt habe ich es quasi amtlich: Meine Texte sind nicht woke genug. Immer wieder entfleuchen mir verletzende oder missverständliche Darstellungen und Ausdrucksweisen oder Mikroaggressionen. Das hat mir mein Sensitivity Reader bescheinigt. Zuletzt habe ich pauschal von den „lieben Ossis“ gesprochen. Das ist diskriminierend und geht gar nicht. Auch achte ich nicht genug auf eine gendersensible Sprache. Ganz zu schweigen von Wörtern wie N****, Schw***, Ind****, usw. Ich kann mir allerdings nicht, wie es die großen Verlage tun, einen festangestellten Sensitivity Reader leisten. Auf der Website https://sensitivity-reading.de/ wird eine entsprechende Dienstleistung ehrenamtlich, also gegen Spende, angeboten, von „Elif und Victoria, zwei Women of Color, die sich für eine authentischere Repräsentation von marginalisierten Menschen einsetzen“ (wer möchte das nicht). Auf der Seite heißt es: „Was ist eine authentische Darstellung und wie findet man heraus, ob sich nicht unabsichtlich abwertende Beschreibungen wie Mikroaggressionen in den Text geschlichen haben?“ Dazu muss ich bekennen: Bei mir schleichen sich keine Aggressionen in den Text ein, schon gar keine Mikro! Und abwertende Beschreibungen erfolgen bei mir in der Regel in voller Absicht!

Aber vielleicht sollte ich Besserung geloben und mich um eine geschlechterbewusste und diskriminierungssensible Sprache bemühen. Dabei könnte zum Beispiel die Seite: https://www.aug.nrw/presse/schreibtipps/ helfen. Oder hat etwa Google schon längst eine App entwickelt, mit der ich meine Texte vor der Veröffentlichung einer Wokeness- und Diversity-Prüfung unterziehen kann? So ähnlich wie der Bla-Bla-Meter (Wie viel Bullshit steckt in Ihrem Text? Für Hinweise meiner geneigten Leser*innenschaft bin ich wie immer dankbar.