Barrierefreiheit am PC
Veröffentlicht: 20. Juni 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Internet | Tags: Diktierfunktion, Schreibmaschine, Textprogramme 2 KommentareAsdf jklö. Na, klingelts? Genau – die gute alte Schreibmaschine! Papier einspannen, mit Kohlepapier für Durchschläge, Ränder einstellen, losschreiben. Wenn die Zeile zu Ende war und der Umschalthebel betätigt werden musste, hat´s geklingelt. War man zu schnell, verhakten sich die Buchstabenhebel. Wer mehr als 300 Anschläge in der Minute schaffte, die war schon richtig gut. Ja, richtig gehört, Frauen sind in diesem Fall nicht nur mitgemeint. Schreibkraft oder Sekretärin, auch Stenotypistin (vulgo Tippse) war lange ein reiner Frauenberuf (isses ja irgendwie immer noch). „Fräulein Meier, zum Diktat!“ riefen die männlichen Chefs, die sich zu schade oder zu dämlich waren, ihre unausgegorenen Sprachkreationen selbst zu Papier zu bringen.
Ich bin meinen Eltern heute noch dankbar dafür, dass sie mir ermöglichten, Schreibmaschinenschreiben zu lernen – blind und mit zehn Fingern! Wochenlang nur asdf jklö in die Tasten klopfen. Das war in der achten Volksschulklasse und sollte mir zu einem erfolgreichen Start in das Berufsleben verhelfen. Ich schaffte es allerdings nur bis 240 Anschläge pro Minute. Später machte ich mich lustig über Leute, die nach dem „Einfingersuchsystem“ tippten oder nach dem – Achtung Kalauer! – „Baader-Meinhof-System“ (Pro Tag ein Anschlag). Schreibmaschinen gibt es schon lange nicht mehr, aber die ursprüngliche Tastaturbelegung ist bei modernen Endgeräten (Laptop, Handy etc.) erstaunlicherweise geblieben. Fein raus ist da, wer noch das klassische Zehnfingersystem gelernt hat. Trotzdem kann es mühsam sein, längere Texte auf dem Computer oder dem zu kleinen Tastaturfeld des Smartphones zu tippen. Menschen mit dicken Fingern und/oder schlechten Augen sehen da alt aus. Doch es gibt Abhilfe: Handys und moderne Textprogramme wie etwa Microsoft Office haben eine Diktierfunktion. Man schaltet das Mikrofon ein und die gesprochene Sprache wird in Text übertragen. Funktioniert erstaunlich gut. Aber Vorsicht: Man sollte das Ergebnis nochmal kritisch prüfen. Denn aus „Doppelpunkt“ macht das Programm „Google kommt“, und aus „Neger“ wird „*****“, aber das darf man ja sowieso nicht mehr sagen.
