Über den Umgang mit Menschen IV. Heute: Zweiradfahrer

Weil gerade die Tour de France läuft und ich selbst wegen Verzicht auf jegliches Doping und einem politischen Statement (siehe Foto) nicht zur Teilnahme zugelassen wurde, möchte ich heute mein besonderes Augenmerk auf die Radfahrer*innen richten.

Foto: Timo Dörr, Badische Zeitung

Meine kürzliche Polemik gegen das Autofahren im Allgemeinen und die benzinsaufenden SUVs im Besonderen („Wieviel(e) Auto(s) braucht der Mensch„) bedarf einer Relativierung. Auch unter Rad fahrenden Menschen gibt es jede Menge Vollpfosten. Zwar liegt die moralische Überlegenheit des Radfahrens auf der Hand – ist gesund, schont die Umwelt, macht keinen Krach, stinkt nicht und vieles mehr -, aber das Sozialverhalten mancher Radfahrerinnen und Radfahrern gibt Rätsel auf. Mein privates Forschungsprojekt „Social behaviour and potential for aggression of urban cyclists with special consideration of gender specific deviant behaviour“ ist noch nicht abgeschlossen. Ich kann aber heute bereits vorläufige Ergebnisse vorstellen.

Schrecken aller Autofahrer: Kampfradler im Angesicht des Todes

Die Spezies der Kampfradler gibt es vermutlich in allen deutschen Großstädten. Immer darauf bedacht, Autofahrer auf tatsächliches oder vermeintliches Fehlverhalten hinzuweisen, und zwar mittels Schlägen aufs Autodach, Tritten gegen die Tür, obszönen Gesten und anderen gesinnungsethischen Belehrungen. In Freiburg, so scheint es, haben die Kampfradler einen Ruf zu verteidigen. Vor einer Ampel wartende Autoschlangen gelten grundsätzlich als Herausforderung, sich im Zickzackkurs bis nach vorne durchzukämpfen und noch vor dem Umschalten der Ampel in schnellem Tritt davonzueilen, nicht ohne den bedauernswerten Gestalten in ihren Benzinkisten den Stinkefinger zu zeigen.  

Oma hat jetzt auch ein E-Bike

Die rasante Erfolgsgeschichte des E-Bikes hat erfreulicherweise dazu geführt, dass vermehrt Menschen, die sich im Alltag nicht ohne Aufstehhilfe vom Fernsehsessel erheben können und die zeitlebens der Fortbewegung auf zwei Rädern eher ablehnend gegenüberstanden, nun das Radfahren als Freizeitbeschäftigung für sich entdeckt haben. Das ist im Sinne der Volksgesundheit und des Klimaschutzes auf das Schärfste zu begrüßen. Allerdings macht diese Klientel nun den ohnehin knappen, für den Radverkehr vorgesehenen Verkehrsraum unsicher. „Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten“ möchte man mit Goethe angesichts übergewichtiger Renter*innen auf ihren hochmotorisierten Rädern seufzen, die, im Profirennradler-Outfit gekleidet, mit einer ihrem Reaktionsvermögen nicht angepassten Geschwindigkeit die komplette Breite des Radwegs beanspruchen.    

Freihändig fahrende Teenager im Daddelalter

Jugendliche so etwa zwischen zehn und vierzehn Jahren fahren vorzugsweise nur auf dem Hinterrad. Das ist nett anzuschauen, den Hund macht es allerdings ganz nervös. In der anschließenden, Pubertät genannten Entwicklungsphase, wenn aus Kindern Erwachsene werden, ändert sich nicht nur der Hormonhaushalt, sondern auch das Verhalten auf dem Rad. Sorglosigkeit, Ignoranz in Bezug auf mögliche Gefahren und Balzgebaren sind das Privileg der Jugend. Auch ich habe mit Fünfzehn den ersten Abflug über den Fahrradlenker absolviert, weil ohne Licht in der Nacht mit überhöhter Geschwindigkeit von einem querenden (nicht queeren, das gab es damals noch nicht) Autofahrer übersehen wurde.  Heute gilt: Im Alter von 14 bis 20 darf man sich auf keinen Fall dabei ertappen lassen, beim Radfahren die Hände am Lenker zu halten. Die werden nämlich dringender gebraucht, um das Smartphone zu bedienen. Dass dabei dem Gegenverkehr auf dem Radweg nicht die nötige Aufmerksamkeit zuteilwerden kann – nun ja.

Die tollkühnen Frauen in ihren wunderbaren Lastenrädern

Lastenräder sind die SUVs und den Fahrrädern. Eigentlich eine tolle Erfindung: Kinder, Getränkekisten, der Hund, Einkäufe bei IKEA – fast alles kann in einem Lastenrad transportiert werden. Und weil die mit Elektromotor ausgestattet sind – anders wären diese Monster ja gar nicht zu bewegen – sind sie auch erstaunlich schnell unterwegs. Während unsereins noch den Nachwuchs im Kinderwagen oder Buggy zum Einkaufen oder in die Kita geschoben hat, erfolgt der Transport der lieben Kleinen, gerne gebündelt im Zweier- oder Dreierpack, heute mit dem Lastenrad. Die Lastenraddichte ist in gehobenen urbanen Wohnbezirken mit starkem Anteil an jungen Familien inzwischen ähnlich hoch wie die der vor der Garage geparkten Bobbycars. Ohne Lastenrad bist du heute der letzte Depp.

Klingellose Rennradler im Angriffsmodus

Ein besonderes Kapitel meiner kurz vor der Veröffentlichung stehenden „Studie zum Sozialverhalten und Aggressionspotenzial städtischer Rad fahrender Menschen unter besonderer Berücksichtigung genderspezifischen abweichenden Verhaltens“ widmet sich den Rennradler*innen. Wenn du gemütlich auf dem Radweg unterwegs bist und es hinter dir pfeift, dann weißt du: Achtung Rennradler im Angriffsmodus! Du solltest dann schleunigst den Weg freimachen, denn es handelt sich um eine/n Angehörige/n dieser Gruppe. Selbige treten auch gerne im Pulk auf. In Sportgerät und Bekleidung wurden mehrere tausend Euro investiert. Eine Klingel für fünf Euro wäre da durchaus noch im Budget drin gewesen, gilt aber an einem solchen Hightechrad unter Insidern als völlig uncool. Hat man etwa jemals bei der Tour de France jemand klingeln gehört, um zum Überholen anzusetzen?


Tierschützer bitte mal weghören

Krähen sind eine Plage. Landwirte können ein Lied davon singen. Krähen sind aber auch kluge Vögel. Sie können Werkzeuge herstellen und benutzen. Ihre Methode, Walnüsse zu knacken, indem sie sie aus großer Höhe auf Asphalt fallen lassen, kann man jeden Herbst beobachten. Für die Gruselszenen im Hitchcock-Film „Die Vögel“ wurden sie angeblich dressiert, Menschen anzugreifen. In Schweden hat ein Mann Krähen beigebracht, Zigarettenstummel zu sammeln und zu entsorgen – gegen Belohnung, versteht sich. Fehlt jetzt noch das Dressurprogramm, mit dem man Krähen beibringt, Antipersonenminen aufzuspüren und mit dem Schnabel zur Explosion zu bringen. Das wäre dann eine sogenannte „win-win-Situation“ – allerdings mehr aus der Perspektive von Menschen- und nicht von Tierschützern.


Vom Licht, von Schwarzen Löchern und ob es Gott gibt

Heute mal wieder ein Beitrag zu den großen Fragen der Menschheit, dieses Mal aus der Astrophysik. Wie ist das Universum entstanden? Wieso gibt es Materie im Universum? Warum gibt es uns überhaupt? Gibt es Gott? Für etwaige Zweifler*innen an meiner fachlichen Kompetenz zu diesen Fragen erlaube ich mir den Hinweis, dass mein Entlassungszeugnis der „Katholischen (!) Volksschule – Knabensystem (!!)“ mir in den Fächern Katechismus (!!!) und Naturkunde jeweils ein „Sehr gut“ bescheinigt. Ich fühle mich also durchaus ausreichend gerüstet, über die Schöpfung aus biblischer Sicht und die Entstehung des Universums aus naturwissenschaftlicher Sicht kompetente Aussagen zu treffen.

„Und Gott sah, dass das Licht gut war“ (GEN 1,4):  Bei der Erschaffung der Welt hat Gott sich selbst für die Idee mit dem Licht die Note „gut“ gegeben. Ich hätte ihm auch ein „sehr gut“ dafür gegeben. Absolut. Denn Licht ist notwendig. Das hat Gott ganz richtig erkannt. Ohne Licht gäbe es kein Leben. Licht ist die Voraussetzung für die Photosynthese. Gemeint ist in diesem Falle allerdings das Sonnenlicht, nicht das vom Menschen mittels elektrischem Strom produzierte künstliche Licht. Elektrisches Licht gab es am Tag eins der Schöpfungsgeschichte noch nicht. Deshalb konnte Gott auch nicht wissen, dass man es mit dem Licht auch übertreiben kann. Aus dem All jedenfalls sieht der Globus ziemlich erleuchtet aus. Was wir nicht alles anstrahlen und beleuchten! „Lichtverschmutzung“ heißt das dann. Kostet viel Energie, und die Insekten finden es gar nicht gut. Und wenn wie im Krieg Bomben fallen, schützt weniger oder kein Licht nicht nur Insekten, sondern auch Menschen.

Die Kreationisten sind davon überzeugt, dass die Erschaffung der Welt genauso passierte wie in der Bibel beschrieben. Nichts mit Urknall und so. Der einzige Knall ist der, den sie selbst haben. Dabei ist die Sache mit dem Licht wirklich kompliziert und die biblische Beschreibung lässt dazu Fragen offen. Hier kommt jetzt Albert Einstein ins Spiel mit seiner Allgemeinen Relativitätstheorie und dem E=mc². Hat jede/r schon mal von gehört, oder? Energie kann sich in Masse verwandeln und Masse in Energie. Aus Licht wird Materie (Elektronen) und Antimaterie (Positronen) – und umgekehrt. Aber nur, weil aus fünf Milliarden Teilchen Antimaterie fünf Milliarden und eins Materie werden, gibt es uns. Warum diese Asymmetrie? Das hat bis heute noch kein Physik-Nobelpreisträger wirklich erklären können. Ich auch nicht. Echt krasse Geschichte.

Und dann noch diese Schwarzen Löcher. Es ist noch nicht lange her, da konnte man das erste Schwarze Loch fotografieren. Das geht nicht einfach so mit dem Smartphone, sondern dafür brauchte es ein ziemlich großes Teleskop, etwa so groß wie die Erde. Weil es so ein großes Teleskop nicht gibt, hat man sich beholfen und acht Teleskope genommen, die über die ganze Welt verteilt sind, das sog. Event Horizon Telescope (EHT).

Innerhalb eines solchen Schwarzen Lochs ist die Gravitation so stark, dass nicht einmal das Licht entweichen kann. Deshalb sieht man auf dem Foto des Schwarzen Lochs in der Nachbargalaxie Messier 87, die wiederum Teil des Galaxienhaufes Virgo ist, nur die heiße Materie, die sich ringförmig um das mega massereiche Schwarze Loch gesammelt hat. Und jetzt haltet Euch fest: Inzwischen ist auch unser eigenes Schwarzes Loch, also das unserer Galaxie, der Milchstraße (ob laktosefrei oder nicht, ist hier relativ unerheblich) entdeckt: Es heißt Sagittarius A*, ist 27.000 Lichtjahre von uns entfernt und hat die Masse von vier Millionen Sonnenmassen, ist aber von der Ausdehnung her kaum größer als unser Sonnensystem. Irre, oder? Die Entdecker, darunter ein Deutscher, haben dafür den Nobelpreis bekommen.

Aber zurück zur Genesis bzw. zur Erschaffung der Welt. Ob Gott damals auch schon die Allgemeine Relativitätstheorie kannte? Vermutlich nicht, denn die hat Albert Einstein gefunden. Die Frage, warum es Materie im Universum gibt, also auch uns selbst, hat er nicht wirklich beantwortet. Nach seiner Relativitätstheorie besteht das Licht aus Materie und Antimaterie. Und es krümmt sich im Raum. Aber warum gibt es den Menschen und warum besteht er aus 1029 Teilchen? Und die schweren Teilchen davon bestehen aus Quarks? Das haben wir im Katechismus- und Naturkundeunterricht in der Katholischen Volksschule nicht erschöpfend behandelt.

Deshalb muss ich hier die anfangs gestellte Frage, wie das Universum entstanden ist und ob Gott oder Albert Einstein recht hatten, offenlassen. Keiner von Beiden hat uns das wirklich erschöpfend erklärt. Oder habe ich da eine Sendung mit der Maus verpasst?   


Über den Urknall, die menschliche Dummheit und die Relativitätstheorie

Man findet sich nicht mehr zurecht. Die Nachrichtenlage wird immer verwirrender und unübersichtlicher, vom Ukrainekrieg ganz zu schweigen. Wem soll man noch glauben? Berlusconi und der Ex-Papst Ratzinger behaupten, dass sie niemals an einer „Bunga-Bunga-Party“ teilgenommen haben. Mit der Pipeline Nordstream II wird die längste Unterwasserrodelbahn der Welt eingeweiht. Eliza und Amelia Spencer, die Nichten von Prinzessin Diana, shoppen direkt vom Laufsteg. Rummenigge adelt Beckenbauer als wichtigste Person der Geschichte (also der des FC Bayern). Die MPK fährt zweigleisig. Der Ausbruch des Hunga Tonga-Hunga Ha´apai war eine phreatomagmatische Eruption. Und gegen Schluckauf soll auch Geschlechtsverkehr helfen.

Es gibt sie also noch, die guten Nachrichten. So auch diese: Das James-Webb Space Telescope (JWST) konnte erfolgreich ins All gestartet werden, ist schon voll entfaltet und muss nur noch kalibriert werden, was aber fünf Monate dauert. Das ist wenig angesichts der 13,8 Milliarden Jahre, die seit dem Urknall vergangen sind. Was damals passierte, also nach dem Big Bang, soll das JWST rauskriegen. Dann werden wir auch „alles Mögliche erfahren, darüber, wer wir sind, was wir sind, wo wir herkommen und ob es da draußen sonst noch jemanden gibt“ – sagt die NASA. Das Teleskop verfügt über einen Riesenlautsprecher, aus dem regelmäßig der Ruf tönt: „Hallo, ist da jemand“? So ungefähr muss man sich das wohl vorstellen. Mich persönlich hätte noch mehr interessiert, was vor dem Urknall los war. Angeblich gab es damals, also vor 13,81 Mrd. Jahren, weder ein Universum, noch Raum, Zeit, Materie oder Smartphones. Einfach nichts. Ist das möglich?

An dieser Stelle böte sich nun ein philosophischer Exkurs über das Nichts bei Heidegger, Sartre, Kant, Hegel und Dieter Bohlen an. Wir wollen jedoch diesen Blog nicht intellektuell überfrachten mit Dingen, die selbst ich noch nicht vollumfänglich verstanden habe. Allerdings ist es mir aufgrund meiner profunden Kenntnisse der Quantenphysik, also der Wissenschaft von den großen Stinkefüßen, unlängst gelungen, aufbauend auf der Allgemeinen Relativitätstheorie die Relative Allgemeinheitstheorie zu entwickeln. Diese besagt, dass die Krümmung von Zeit und Raum nach der Formel ∆t‘ = ∆t : √(1 – v² : c²) bei notorischen Schweißfüßen im allgemeinen relativ unerheblich ist.

Wo waren wir stehengeblieben? Richtig, beim Urknall und dem Riesenteleskop. Ob das denen, die den Knall immer noch nicht gehört haben, auf die Sprünge hilft? Zum Beispiel im Erzbistum Köln, im Kreml oder in der Zentrale des DFB? Man möchte es gerne glauben. Dass sowohl das Universum als auch die Dummheit unendlich sind, soll schon Einstein herausgefunden haben, mit der Einschränkung, dass er sich beim Universum noch nicht ganz sicher war. Klar scheint jedenfalls, dass sich beide, das Universum und die Dummheit, mit Lichtgeschwindigkeit ausdehnen. Und wir ahnen auch schon, wer das Rennen gewinnt.