Reichtum: Was Onkel Dagobert, Karl Marx, Sitting Bull und ich dazu meinen
Veröffentlicht: 9. April 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Wirtschaft | Tags: Armut, Buffalo Bill, Dagobert Duck, Die Geißens, Karl Marx, Reichtum, Susanne Klatten 4 KommentareDisclaimer: Für die im folgenden Text enthaltenen Diffamierungen noch lebender oder verstorbener Personen sowie für die Verwendung politisch nicht korrekter Identitätsbezeichnungen (Indianer), nicht diversitätssensibler Sprache und an den Grundfesten unserer liberalen Wirtschaftsordnung rüttelnde, sozialromantische Umverteilungsforderungen übernehme ich keine Haftung.
Wohin mit dem Geld? Von der Bürde des Reichseins
In diesem Beitrag geht es um Reichtum. Genauer: um großen Reichtum, exorbitanten Reichtum, obszönen Reichtum. Worauf das hinauslaufen wird, kann man sich denken. Bevor wir aber zur verbal-moralischen Exekution der Superreichen schreiten und die spitze Feder in das mit Neid getränkte Tintenfass tauchen, zunächst ein paar nicht-alternative Fakten. Damit nicht wieder Meinung und Fakten zu einem homogenen Brei püriert werden.
Ab wann ist der Mensch reich? Nehmen wir als Indikator das Vermögen oder das Einkommen oder beides? Die Statistiken unterscheiden zwischen Vermögensreichtum (> 77.000 €) und Einkommensreichtum (> 3.400 € im Monat). Das scheint mir zu niedrig angesetzt. Dann wäre ja jede Familie mit mittlerem Einkommen und Eigenheim reich. Wir nehmen hier mal an, dass jemand dann als reich gilt, wenn er oder sie mindestens MillionärIn (Vermögen) ist und/oder mehr als 100.000 € im Monat verdient. Für weniger wird heutzutage kein Konzernchef einen Finger krümmen – Boni noch gar nicht mitgerechnet. In Deutschland gibt es rund 1,35 Millionen Vermögensmillionäre, doppelt so viele wie noch vor zwanzig Jahren. 2.400 Deutsche besitzen mehr als 100 Millionen Dollar. 2014 hatten die 45 reichsten Haushalte in Deutschland 214 Milliarden Euro Vermögen, so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Oxfam hat berechnet, dass die 85 reichsten Menschen so viel besitzen wie 3,5 Milliarden Menschen, also fast die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Das Vermögen von Amazonchef Jeff Bezos wuchs allein im letzten Jahr von 110 auf 190 Milliarden Dollar. Das dürfte selbst bei den Anhängern des „Leistung muss sich wieder lohnen-Prinzips“ Schnappatmung auslösen. Für den Vermögenszuwachs von Bezos haben die Amazon-Beschäftigten einiges geleistet, oder ist das schon wieder Polemik?
Reichtum versus Armut
Das Gegenteil von Reichtum ist Armut, und beide klaffen bekanntlich weit auseinander. Anders als beim Reichtum ist Armut – absolute und relative – recht klar definiert: Als absolut arm gilt eine Person, die weniger als 1,90 PPP-US-Dollar (= purchasing power parity / Kaufkraftparität) pro Tag zur Verfügung hat. Stillschweigend geht man wohl davon aus, dass Menschen mit einem so geringen Einkommen kein Vermögen haben, bis auf vielleicht eine armselige Lehmhütte, ein Kochgeschirr, eine Ziege, ein Fahrrad, ein Flüchtlingszelt oder ein klappriges Fischerboot. Es gibt einen erweiterten Armutsbegriff, der sich nicht allein am Einkommen orientiert, sondern weitere Kategorien wie durchschnittliche Lebenserwartung, Gesundheitsversorgung, Ernährung, Zugang zu Bildungseinrichtungen usw. einbezieht. Bei der relativen (Einkommens-) Armut wird das mittlere Einkommen eines Landes als Maßstab genommen, mit dem Ergebnis, dass z.B. in Deutschland rund 16 % der Bevölkerung als armutsgefährdet gelten, weil ihr Einkommen weniger als 60 % des mittleren Einkommens beträgt. D. h. eine Einzelperson mit 1.074 € netto monatlich gilt hier als armutsgefährdet.
Und was sagen Onkel Dagobert und Genosse Marx dazu?
Soweit mal zu den wichtigsten Fakten. Jetzt zur angekündigten Kritik. Gerne hätte ich an dieser Stelle mit Bibelzitaten und tiefschürfenden Erkenntnissen antiker, mittelalterlicher und neuzeitlicher Philosophen und Denker um mich geworfen: Platon, Aristoteles, Nietzsche, Kant, Hegel, Popper – die haben doch alle bestimmt zu diesem Thema etwas Kluges gesagt. Ich war zu faul, um dazu bei Wikipedia zu recherchieren. In meiner von bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen geprägten Kindheit begegnete mir Reichtum erstmals in der Gestalt von Dagobert Duck, ein fieser und übelgelaunter, superreicher skrupelloser Großkapitalist, der von sich behauptete, trotz seines Reichtums ein anständiger Kerl geblieben zu sein. Da ist die Bibel bekanntlich anderer Meinung – siehe Markus (Mk 10,17-25), Lukas (Lk 18,18-25) und Matthäus (Mt 19,16-24) – die Sache mit dem Kamel im Himmelreich oder so.
Unbedingt zitieren muss ich hier allerdings den guten alten Karl Marx, allein schon deshalb, weil wir beide in Trier geboren sind und meine Kopf- und Bartbehaarung sich pandemiebedingt der von Karl Marx immer mehr annähert. In seinem bahnbrechenden Werk „Lohn, Preis und Pommes frites“ (oder war es „Das Kapital“? – ist ja egal) hat Marx dargelegt, dass der Ärger mit dem privaten Eigentum angefangen hat, als die Menschen sesshaft wurden. Bis dahin gab es nur gemeinschaftlichen Bodenbesitz. Durch die Aneignung von privatem Eigentum (z.B. Produktionsmittel, Land, Geld) und die damit einhergehende Trennung von Bedürfnis und Mittel zu dessen Befriedigung entstanden die beiden Klassen Bourgeoisie und Proletariat. Die Proletarier malochen und vermehren das Eigentum der Bourgeoisie, bleiben aber selber arm. Die marxsche Terminologie ist nicht mehr ganz zeitgemäß: statt Bourgeoisie würde man heute eher von Großaktionären sprechen, wie z.B. Susanne Klatten, BMW-Erbin mit einem Vermögen von geschätzten 25 Mrd. Euro. Was aber Marx noch nicht wissen konnte: Nicht allein das Proletariat hat für das Vermögen der BMW-Erbin geschuftet, sondern auch Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. So ganz unrecht hatte Karl Marx aber trotzdem nicht (übrigens nicht zu verwechseln mit Karl May, in dessen Schriften es mehr um Indianer und weniger um Proletarier geht): Das Gespenst des Kommunismus hat zwar irgendwann aufgehört, in Europa herumzugeistern, aber die Methode, exorbitanten Profit anzuhäufen, ohne dafür zu arbeiten, egal ob als Besitzer von Produktionsmitteln, Aktienpaketen oder Bitcoin, hat überlebt.
Apropos Indianer: Sitting Bull, Häuptling der Hunkpapa-Lakota-Sioux, sah die Sache ähnlich wie Marx: „Die Liebe zum Besitz ist bei ihnen (den Weißen) wie eine Krankheit. Diese Leute haben viele Gebote erlassen, welche von den Reichen gebrochen werden dürfen, von den Armen jedoch nicht. Sie erheben Abgaben von den Armen und Schwachen, um die Reichen und Herrschenden zu ernähren.“ – hugh, ich habe gesprochen. Vermutlich gibt es das Wort „Besitzstandswahrung“ in der Sprache der Hunkpapa nicht.
Lieber reich und gesund als arm und krank
Wer nun hier erwartet, dass von mir Reichtum prinzipiell verdammt und gleichgesetzt wird mit moralischer Verkommenheit, der irrt. Es gibt auch nette Reiche. Mehr noch: Es gibt Menschen, die sind außer reich auch noch schön, klug, sympathisch und erfolgreich – und das alles gleichzeitig. Eine solch einseitige Beanspruchung von positiven Charaktereigenschaften, Tugenden und Kompetenzen, gekoppelt mit materiellem Reichtum, finde ich schwer ungerecht. Wenn jemand reich ist und dumm wie ein Ziegelstein (Ivanka Trump?), dann finde ich das in Ordnung. Oder: Jemand ist reich, aber stinkt nach Maggi. Also stinkreich. Noch besser gefällt mir die Kombination: reich, dumm, ordinär und hässlich. Prototyp für diese Sorte von Reichen sind die Geißens, jene Familie, die ihren prolligen Lebensstil und ihren obszönen Luxuskonsum – shoppen bis die Kreditkarte glüht – beim Fernsehsender RTL exhibitioniert. Donald Trump könnte auch in diese Rubrik eingeordnet werden. Wie es mit der Intelligenz des Profifußballers Franck Ribéry bestellt ist, vermag ich nicht zu beurteilen, und sein Aussehen, nun ja. Soll er sich doch sein vergoldetes Steak für 1.200 Euro gönnen. Ob Jeff Bezos außer reich auch klug und sympathisch ist? Auf jeden Fall ist er clever und weiß, wie man sein Personal so geschickt ausbeutet, dass man in einem Jahr sein Vermögen um 80 Mrd. Dollar erhöht.
Was du ererbt von deinen Vätern hast
Worüber wir noch gar nicht geredet haben, ist das Thema erben. Wer kein Eigentum hat, schaut zunehmend in die Röhre. Grund und Boden, ein begrenztes Gut, wird immer teurer. Ein Eigenheim ist für eine Normalverdienerfamilie kaum mehr finanzierbar. „Der Eigentumserwerb scheitert daran, `dass die Ersparnisse und damit das Eigenkapital´ nicht mehr mit den explodierenden Preisen am Immobilienmarkt mithalten“ – so Elisabeth von Thadden in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 4.02.2021. Wer Glück hat und vermögende Vorfahren, der erbt Immobilien, Aktien und Geld und genießt als Erbe einen „unverdienten Wertzuwachs“, wie schon der Philosoph John Stuart Mill im 19. Jahrhundert gegen die Erben pestete.
Die Sozialpflichtigkeit des Eigentums im Grundgesetz
Grundgesetz Artikel 14.2: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“
Das Grundgesetz gilt für Herrn Bezos nicht. Aber hallo, Frau Klatten, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes: Wie wäre es, wenn Sie sich mit einer Milliarde Euro zufriedengeben und den Rest Ihres Vermögens in gemeinschaftliches Eigentum überführen? Wie früher, als die Menschen noch nicht sesshaft waren! Damit könnten Sie Wiedergutmachung für die Ausbeutung von Zwangsarbeitern leisten, für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen und die Besitzlosen in die Lage versetzen, am wirtschaftlichen Wohlstand teilzuhaben. Dann hätten Sie das Bundesverdienstkreuz wirklich verdient. War nur mal so ´ne Idee.
Nie wieder Krieg. Wann, wenn nicht jetzt?
Veröffentlicht: 11. April 2020 Abgelegt unter: Allgemein, Gesellschaft | Tags: Armut, Corona, Flüchtlinge, Klimawandel, Krieg 5 KommentareOstern, so will es die Bundesregierung, sollen wir weiterhin zu Hause bleiben. Wir halten uns daran. Ein Osterspaziergang (Vom Eise befreit, und so) ist natürlich erlaubt, aber kein Ostermarsch (hopp hopp hopp, Atomraketen stopp). Also Zeit zum Lesen. Der folgende Text ist längenmäßig zumutbar, inhaltlich herausfordernd und sprachlich passabel. Er wurde mit dem Blablameter (www.blablameter.de ) getestet und erreichte einen Bullshit-Index von 0,26. Das ist relativ gut. Es darf trotzdem Kritik geübt werden.
Die Coronakrise treibt seltsame Blüten. Verschwörungstheoretiker schwadronieren von einer „Machtergreifung unter dem Deckmantel der Volksgesundheit“, sehen als Verursacher der Pandemie wahlweise 5G-Strahlung, Bill Gates, die Pharmaindustrie, die Strafe Gottes, eine biologische Waffe, die zionistisch-kapitalistische Wasweißich oder die Chinesen. Andere wiegeln ab und meinen, die ganze Geschichte sei doch bloß – in Anlehnung an Bruno Labbadia – „von den Medien hochsterilisiert“. Sterilisieren kann in diesen Zeiten ja nicht schaden. Und gegen das Virus nehme man wahlweise ein Sonnenbad, eine aufgeschnittene Zwiebel oder MMS – zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Bestatter.
Was aber hilft gegen die tiefe Verzweiflung über so viel in den sozialen Medien verbreiteten Schwachsinn außer Zynismus? Mein persönliches Rezept lautet: Mundschutz ja – Maulkorb nein. Warum nicht mal die Welt nach Corona ganz neu denken? Seid realistisch, verlangt das Unmögliche! Wann, wenn nicht jetzt, wo das öffentliche Leben weitgehend zum Stillstand gekommen ist, wäre ein guter Zeitpunkt, Pläne für eine bessere Zukunft nach Corona zu schmieden? Gehe zurück auf Los und versuch´s noch mal, aber besser? Nach dem Motto: „Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen“ (Harald Welzer).
Hier meine unsortierten spontanen Vorschläge, wie wir leben könnten:
Nie wieder Krieg! Wann, wenn nicht jetzt, wäre ein guter Zeitpunkt, alle aktuellen Kriege und Gewaltkonflikte zu beenden (Syrien, Afghanistan, Libyen, Ukraine, Jemen, Mexico, etc.)? Da müsste man ja nicht einmal etwas tun, sondern nur etwas unterlassen. Verlierer wären die Warlords, die Kriegstreiber, die machthungrigen Despoten, die Waffenproduzenten, aber auf die können wir gerne verzichten. Zugegeben, so einfach ist das nicht. Manche Konflikte sind nicht mal eben so aufzulösen (Nahost). Schon einmal hat es einen günstigen Zeitpunkt für „Nie wieder Krieg“ gegeben, nämlich im Frühsommer 1945. Solche Gelegenheiten ergeben sich nicht oft in der Geschichte, also beim Schopf ergreifen!
Den Klimawandel stoppen: Wie das gehen kann, muss ich hier nicht erklären. Das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 war ein guter Ansatz. Jetzt muss gehandelt werden, global, national, lokal, jede/r im persönlichen Verhalten. Wer wissen will, wie es gehen kann, der/die lese das empfehlenswerte Buch von Rainer Grießhammer (siehe meinen vorherigen Blogbeitrag). Jonathan Franzen meint zwar, es sei eh zu spät („Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen“), hält aber klimaschonendes Verhalten dennoch nicht für sinnlos. Die „Fridays for Future“-Generation hat uns daran erinnert, dass es höchste Zeit ist, den Allerwertesten hochzukriegen.
Die Grenzen des Wachstums: Unsere Lebens- und Wirtschaftsweise ist nicht zukunftsfähig (Club of Rome). Stattdessen brauchen wir ein Konzept nachhaltiger Entwicklung. Was das heißt? Qualitatives statt quantitatives Wachstum, Nutzung alternativer Energien, Erhalt der natürlichen Umwelt, Produktion und Konsum umweltverträglich gestalten. Näheres siehe „Ziele für Nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen.

Armut bekämpfen: Zugegeben auch keine kleine Aufgabe, wenn man globale Armutsbekämpfung meint. Trotzdem ist und bleibt der Kampf gegen die Armut ein Gebot der Humanität, weil alle Menschen das Recht auf ein Leben ohne Hunger, ohne Angst, ohne Verfolgung haben.
Eine humane Flüchtlingspolitik: Wenn eine Pfarrerin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (Wort zum Sonntag) sagt: „Mit Verlaub, ich könnte kotzen“, angesichts der europäischen Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen, dann muss es wohl Ernst sein. Wir Europäer regen uns über die Mauer von Donald Trump auf, bauen aber selber Zäune und greifen zu Tränengas, um uns Flüchtlinge vom Hals zu halten. Seenotrettung: Fehlanzeige. Stattdessen Millionen für Frontex und die griechische Regierung, die das Asylrecht außer Kraft setzt. Jetzt (9. April) will Deutschland 50 minderjährige Geflüchtete aus den Elendslagern in Griechenland aufnehmen. Was wäre die Steigerung von kotzen?
Fazit: Ich denke, das reicht für´s Erste. Gesellschaftliche Utopien gäbe es noch mehr. Nun ist das mit den Utopien so eine Sache. Selbst die Philosophen sind sich da nicht einig. Karl Popper hält nichts von utopischen Idealen und schlägt stattdessen vor, reale Probleme zu bekämpfen. Dagegen plädiert Adorno für eine grundsätzlich utopische Haltung: „Empfindsam bleiben ist eine gleichsam utopische Haltung, die Sinne für ein Glück geschärft zu halten, das nicht kommen wird, jedoch uns in Bereitschaft für es vor den ärgsten Verrohungen schützt“. Adornos Texte erreichen übrigens bei Blablameter bessere Werte, als man zu vermuten geneigt ist.
In diesem Sinne: Frohe Ostern!
