Was Olaf Scholz von Taylor Swift lernen kann
Veröffentlicht: 28. September 2024 | Autor: Jürgen Lieser | Abgelegt unter: Demokratie, Innenpolitik, Wahlen | Tags: Bundestagswahlen, Kanzler, Olaf Scholz | 2 KommentareDas Rennen um die Kanzlerschaft ist eröffnet. Scholz will unbedingt Kanzler bleiben, Merz will ihn aus dem Amt vertreiben. Söder hätte auch gerne gewollt, aber er „ist fein“ mit Merz. Sagt er. Für die AfD geht Alice Weidel ins Rennen. Die Grünen und die FDP haben sich noch nicht erklärt. Wenn, dann kommen wohl nur Habeck und Lindner in Frage. Wobei: Wollt ihr im Ernst eine Kanzlerkandidatur anmelden, wenn ihr gerade mal froh sein könnt, die Fünfprozenthürde zu schaffen? Sarah Wagenknecht vom BSW sagt: Wenn alle kleinen Parteien einen Kanzlerkandidaten stellen (sie gendert nicht), dann müssen wir notgedrungen auch. Dreimal darf geraten werden, wer das dann sein wird.
Wir wollen hier in den nächsten Monaten die Kandidatinnen und Kandidaten für die Kanzlerschaft unter die Lupe nehmen, ihre jeweiligen Erfolgsaussichten analysieren und Empfehlungen für einen erfolgreichen Wahlkampf geben. Den Anfang macht Olaf Scholz.
Mehr Glitzer
Was Olaf Scholz, aber auch die anderen Aspiranten von Taylor Swift lernen können: Für seine öffentlichen Auftritte wäre mehr Glitzer hilfreich. Taylor Swift ist eine Pop-Ikone mit Kultstatus. Sie ist überaus erfolgreich im Musikgeschäft, sieht gut aus, setzt sich für Frauenrechte ein, hat Millionen von Fans, die sich Swifties nennen und für ein Konzert ihres Idols um die halbe Welt reisen. Das alles kann Olaf Scholz nicht für sich in Anspruch nehmen. Sein Aussehen, sein Auftreten, seine gesanglichen Fähigkeiten, seine Fans – da gibt es doch einen deutlichen Abstand zu Swift. Die Zahl der Scholzies ist noch sehr überschaubar. Scholz muss also noch hart an seinem Kultstatus arbeiten und seine Beliebtheitswerte beim ZDF-Politbarometer oder auf dem Likeometer (www.likeometer.co in die Höhe treiben. Das fängt mit der Körperhaltung an: Warum immer die linke Hand stocksteif am mittleren Knopf des Jackets halten? Warum sich beim Staatsempfang in der Türkei nicht mal in den Schritt greifen? Erdogan würde das sofort als Zeichen der Solidarität verstehen.
Herr Ober, bitte eine Portion Führung!
Scholz muss sich unbedingt als Markenzeichen einen anderen Spruch ausdenken. „Wer bei mir Rührei bestellt, der bekommt Rührei“ reißt die Wählerschaft nicht aus dem Tiefschlaf. Donald Trump hat sein MAGA (Make America Great Again). Otto Rehagel sein „Hier kann jeder sagen, was ich will“ und Boris Pistorius sein „Wir müssen kriegstauglich werden“. Damit hat er es glatt zum beliebtesten Politiker Deutschlands geschafft. Was könnte man Scholz empfehlen? „You’ll never walk alone?“ „Man muss dafür Sorge tragen“? „Daran kann ich mich nicht mehr erinnern?“
Wie man die Jugend gewinnt
Wenn Scholz den Bundestag betritt, dann meistens mit seiner legendären, speckigen Aktentasche. Manchmal schleppt er sie auch bei offiziellen Anlässen mit sich. Was da alles so drin ist, hat er neulich mal auf TikTok zum Besten gegeben. Ob er damit mehr Anhänger unter den jugendlichen Wählern gewinnen konnte? Dafür müsste Scholz schon eher mal mit dem Skateboard in den Bundestag rauschen, mit weißen Sneakers und einem Hoodie mit „Fuck AfD“-Aufdruck bekleidet, und zu seinem Vizekanzler Habeck sagen: „Ey Digga, der Merz macht wieder voll Stress. Ich mach aber heute eher auf Lock“. Oder wäre das etwa mega cringe?
Das schlumpfige Grinsen muss weg
Der schwierigste Part für Scholz dürfte sein, sich sein schlumpfiges „Das weiß ich besser-Grinsen“ abzugewöhnen und stattdessen bei jedem öffentlichen Auftritt ein gewinnendes, strahlendes Lächeln aufzusetzen – abzuschauen bei Kamala Harris. Damit könnte er das Sparkassenfilialleitergesicht seines schärfsten Konkurrenten Friedrich Merz, den die Frauen nicht mögen, aus dem Rennen werfen. Ollie, mach dich locker!
