Betreutes Wählen Teil 3: Was haben die Grünen jemals für dieses Land getan?

Auch wenn´s langsam nervt: Ich muss mich nochmal in Sachen Bundestagswahl zu Wort melden. Angeblich kann man die Grünen nicht wählen, weil sie einem alles, was Spaß macht, verbieten wollen (mit 180 Sachen auf der Autobahn brettern, Fleisch essen, mit Öl heizen, in den Urlaub fliegen …) und weil sie an allem schuld sind, was in diesem Land schief läuft. Das behaupten jedenfalls Markus Söder, Hubsi Aiwanger, Elon Musk, Christian Lindner, Sahra Wagenknecht, Alice Weidel, Dieter Nuhr und die Bildzeitung. Dieser Schwachsinn ist durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt.

Aber mal ehrlich: Was haben die Grünen jemals für dieses Land getan? Darüber gibt der folgende Werbespot Auskunft:

Deshalb am Sonntag: Grün wählen!

Ganzseitige Anzeige in der Badischen Zeitung vom 15. Februar 2025


Betreutes Wählen Teil II: Wer wird Germany´s next Kanzler?

Für alle, die immer noch nicht wissen, wen oder was sie wählen sollen: Die letzte Phase des Wahlkampfs beschert dem Wahlvolk ab heute Abend fast täglich weitere Fernsehduelle der BewerberInnen um den Chefposten der Republik. Auch wenn diese nicht direkt gewählt werden, so stehen sie doch für die inhaltliche Ausrichtung der jeweiligen Parteien. Was uns erwartet:

Wer nicht genügend Durchhaltevermögen hat, unter Schlafentzug leidet und nicht genug Bier und Chips gebunkert hat, wird es schwer haben, die Woche unbeschadet durchzustehen. Man kann sich die ganzen Fernsehdebatten mit den immer gleichen Gesichtern und Argumenten allerdings auch sparen und einfach unserer Empfehlung im Rahmen des „Betreuten Wählens“, unserem Angebot der Woche für Unentschlossene, folgen. Wir haben die Spitzenkandidaten völlig neutral und unparteiisch auf Herz und Nieren geprüft und kommen zu folgendem Ergebnis:

Robert Habeck, Bündnis 90 / Die Grünen

Unser Topfavorit. Schriftsteller, Philosoph, Kriegsdienstverweigerer, Vizekanzler und Liebling der Frauen. Seriöses Privatleben, nix abgekupfert bei der Doktorarbeit, geht regelmäßig joggen. Kann Fehler zugeben. Das „Heizungsgesetz“ ist besser als sein Ruf. Er kann Kanzler. Deshalb am 23. Februar: Grün wählen!

Olaf Scholz, SPD:

Drei Jahre Kanzlerschaft sind genug. In der SPD nicht unumstritten. Hat viel politische Erfahrung, aber Erinnerungslücken. Anflüge von Größenwahn: Hält sich für den Einzigen, der die Regierung kompetent führen kann. Kommt nicht so gut rüber mit seiner verdrucksten Mimik. Sein Markenzeichen: Speckige Aktentasche.

Friedrich Merz, CDU:

Geht gar nicht. Möchtegern-Kanzler, hat keinerlei Erfahrung in politischer Verantwortung. Erzählt gern Tünkram über Geflüchtete und hält sein Wort nicht. Steht für eine inhumane Migrationspolitik und findet dafür Unterstützung bei der AfD. Will zurück zur Atomkraft und in die fossile Steinzeit. Reist gerne im Privatflugzeug. Leider hat er die besten Chancen, Kanzler zu werden. Verhindern könnte das wohl nur noch eine seiner üblichen verbalen Entgleisungen oder eine linke Koalition von SPD, Grünen und Linken.

Alice Weidel, AfD:

Hat keine Chancen, Kanzlerin zu werden und das ist auch gut so. Sie wäre in dem Job eine  krasse Fehlbesetzung. Tritt gerne mit hochgestelltem Kragen und Einstecktuch auf. Maßregelt Journalisten („sie framen mich“), lächelt gekünstelt, hält Hitler für einen Linken und ist Fan von Elon Musk, Trump und Putin. Schert sich nicht um Fakten, pöbelt gegen Ausländer und verwickelt sich in Widersprüche. Alice: Vergiss es!


Welche Regierung wollen wir haben?

Wahlentscheidung schon getroffen? Keine Zeit, Wahlprogramme zu lesen oder sich durch die 38 Fragen des offiziellen Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) durchzuackern? Wir haben am Ende dieses Beitrags eine Kurzfassung zur politischen Meinungsbildung für Eilige erstellt – nur sieben Fragen beantworten, und schon erfahren Sie, welche Partei für Sie die richtige ist. Sie können auch stattdessen oder zusätzlich die dreiminütige Zusammenfassung der Rede anschauen, die Robert Habeck von den Grünen gestern, bei der letzten Sitzung des Bundestages vor der Wahl, gehalten hat:

Und hier der Kurz-Wahl-O-Mat:

  1. Wir sollten an der Option Kernenergie festhalten: Unsere Atomkraftwerke sind sowas von sicher, und die strahlenden Abfälle lagern wir mit Hilfe von Elon Musk auf dem Mars ab

2. Bürgergeld abschaffen, wir brauchen eine Agenda für die Fleißigen: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Lieber die Reichen noch mehr entlasten

3. Recht auf Asyl abschaffen: Wir brauchen nicht nur ein Zustrombegrenzungsgesetz, sondern auch ein Abflussbeschleunigungsgesetz!

4. Weg mit dem Verbrennerverbot, kein Tempolimit auf deutschen Autobahnen: Freie Fahrt für freie Bürger!

5. Steuergeschenke für Gutverdienende, keine Vermögenssteuer oder Vermögensabgabe, Abschaffung des Soli für die Besserverdienenden: Reich sein kann ganz schön anstrengend sein …

6. Klimaschutz zurückstellen: läuft ja nicht weg, das Klima

7. Abschaffung des Lieferkettengesetzes: Das nervt ja bloß

Und hier Ihre Auswertung:

War doch gar nicht so schwer, oder? Bei drei oder mehr Zustimmungen: Dann treffen Sie mit der CDU/CSU, FDP oder AfD eine gute Wahl, die Unterschiede sind marginal! Übrigens: Das und noch Schlimmeres steht tatsächlich so oder so ähnlich in den Wahlprogrammen dieser drei Parteien!


Das Ende der Aufklärung: Wenn der Irrsinn zur Normalität wird

Ein irrer Straftäter mit imperialistischen Ambitionen wird Präsident der Großmacht USA, ein rechtsradikaler Scharfmacher wird Kanzler in Österreich, ein rechter Anarchokapitalist ist Präsident von Argentinien, Hitler war Kommunist (Alice Weidel), nur die AfD kann Deutschland retten (Elon Musk), ohne Atomkraft geht es nicht (Friedrich Merz), mehr Musk und Milei wagen (Christian Lindner) – mehr Irrsinn geht kaum noch, oder?

Eineinhalb Monate vor der Bundestagswahl drohen in Deutschland zwar (noch) keine österreichischen Verhältnisse, aber eine nach rechts abgedriftete, rückwärtsgewandte CDU/CSU-Wahlsiegerin, die nur mit SPD und Grünen eine Regierungsmehrheit zustande bekommt, will sie am Ende nicht doch mit der AfD unter die rechtsradikale Bettdecke kriechen.

Noch ist Zeit, das Schlimmste zu verhindern und den konservativen und antidemokratischen Kräften bei der Wahl die rote Karte zu zeigen! Soll niemand hinterher kommen und jammern, man habe es nicht kommen sehen!!