Gegen Demokratiekritik und Politikverdrossenheit: Wählen gehen aber richtig!

Am kommenden Sonntag sind Wahlen zum Europaparlament, in Baden-Württemberg außerdem Kommunalwahlen. Im Rahmen des Wahlkampfs während der letzten Wochen sind mir auch Menschen begegnet, die kein Vertrauen mehr in die parlamentarische Demokratie haben und folglich nicht zur Wahl gehen. Meine hilflosen Überzeugungsversuche, dass damit dem Autoritarismus und rechtsextremen Strömungen Vorschub geleistet wird, waren vermutlich vergeblich.

Wahrscheinlich sind Sie / seid Ihr, liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, der falsche Adressatenkreis für eine Moralpredigt, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. Trotzdem möchte ich Euch und Ihnen heute einen Vortrag ans Herz legen, der im Rahmen der Freiburger Samstags-Uni in der Reihe „Demokratie – Grundlagen und Herausforderungen“ am 18.05.2024 von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Andreas Voßkuhle (ehemals Präsident des Bundesverfassungsgerichts und heute u.a. Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“) gehalten wurde: Demokratie und Grundgesetz: Eine „Tour d´Horizon“ (dauert eine Stunde, lohnt sich sehr und kann hier angeschaut und angehört werden).

Hier die inhaltliche Zusammenfassung des Vortrags: „Die Idee der Demokratie geht bis auf die Antike zurück und existiert in sehr unterschiedlichen Ausgestaltungen und Spielarten. Auch das sich nach dem Zweiten Weltkrieg etablierende sog. westliche Demokratiemodell kennt viele unterschiedliche Varianten. Das wird sofort deutlich, wenn man etwa die politischen Systeme in Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und den USA mit dem der Bundesrepublik Deutschland vergleicht. Was diese Staaten aber eint, ist der allgemeine Verlust an Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der repräsentativen Demokratie, der deutlich über die regelmäßig aufflammende Politikverdrossenheitsdebatte hinausgeht.  Der 75. Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai in diesem Jahr ist daher ein guter Anlass, nach dem spezifischen Demokratieverständnis der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland zu fragen. Seine Kernelemente sollen vor dem Hintergrund der weltweiten Renaissance des Autoritarismus und der aktuellen Herausforderungen durch den Rechtsextremismus in Deutschland in Form einer kritischen „Tour d`horizon“ auf Schwächen und Stärken und mögliche Entwicklungspotentiale abgeklopft werden.“


Kimmt er oder kimmt er net? Beobachtungen aus dem Gemeinderat

Bald sind in Baden-Württemberg wieder Kommunalwahlen. Ich werbe in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sehr dafür, für den Gemeinderat in unserem Dorf zu kandidieren. Die meisten wehren ab: Keine Zeit, das traue ich mir nicht zu, ich kann nicht gut reden, man wird kritisiert oder sogar angefeindet, usw. Dazu sage ich: Ja, es kostet Zeit, ja, man muss mit Kritik rechnen. Es ist, wenn man so will, ein undankbares Amt. Drei Amtsperioden haben bei mir ihre Spuren hinterlassen.

Aber: Gegen Politikverdrossenheit und Resignation hilft am ehesten, wenn man selbst aktiv wird. Und tatsächlich wird auf der lokalen Ebene Demokratie ganz konkret und handfest erlebbar. Richtig große Politik wird bei uns im Dorf (1.500 EinwohnerInnen) nicht gemacht. Es geht eher um so Sachen wie klappernde Gullideckel, ob die Gaube im Neubau etwas größer als erlaubt sein darf und ob der Schützenverein einen Zuschuss aus dem Gemeindesäckel für die neue Schießanlage kriegen soll. Die Kita kostet uns den halben Jahresetat, der Rest geht drauf für den Unterhalt der Infrastruktur (Straßen, Wege, Beleuchtung, Friedhof, Wasser, usw.). Für Klima-, Natur- und Umweltschutz müssten wir eigentlich viel mehr tun, haben dafür aber kein Geld. Trotzdem wird hier und da ein Bäumchen gepflanzt, eine Photovoltaikanlage auf dem Vereinshaus installiert, eine verkehrsberuhigte Zone eingerichtet.

Ich meine das nicht abwertend. Die Entscheidung, wie und wo die Flüchtlinge im Dorf untergebracht werden, ob die Windkraft auf unserer Gemarkung ausgebaut werden soll, ob im neuen Baugebiet ein Wärmenetz statt individueller Heizungslösungen geplant wird – das alles sind keine Kleinigkeiten. Auch wenn die Gegenstände, um die wir streiten, oft eher belanglos und kleinkariert sind: Wir lernen, mit sachlich fundierten Argumenten um gute Lösungen zu streiten und widerstreitende Interessen zu einem hoffentlich guten Kompromiss zusammenzuführen. Was richtig oder falsch ist, dazu gibt es nicht immer eine eindeutige Antwort. Manchmal stellt sich erst einige Jahre später heraus, ob wir richtig entschieden haben.

Wir bemühen uns, mit Geduld und Verstand die Dinge zu prüfen und zu beurteilen, die uns zur Entscheidung vorgelegt werden.  Neben Geduld und Sachverstand gehört auch Mut zu den notwendigen Eigenschaften von Gemeinderätinnen und Gemeinderäten. Mut deshalb, weil man gelegentlich auch unpopuläre Entscheidungen treffen muss, für die man Kritik einstecken muss, oder auch Mut, etwas grundsätzlich zu hinterfragen, was einem als alternativlos verkauft wird.

Der Philosoph Kant hat 1784 das lateinische „Sapere aude“ zum Wahlspruch der Aufklärung gemacht und es so übersetzt: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ – dieser Leitgedanke ist auch eine brauchbare Maxime für die Gemeinderatsarbeit. Und auch aus dem berühmten Vortrag von Max Weber von 1919 lässt sich heute noch etwas lernen: dass nämlich, wer Politik macht, seine Eitelkeit überwinden muss, seine hochfliegenden Pläne zur Rettung der Menschheit mit Abstand betrachten und Enttäuschungen wegstecken können muss.

Manche Debatten im Gemeinderat waren, so meine persönliche Erfahrung, nur mit einer Portion Heiterkeit und Gelassenheit zu ertragen (was mir und meinem Temperament nicht immer gelungen ist).

Gerhard Polt hat auf seine unnachahmliche Weise aus dem Gemeinderat geplaudert („Kimmt er oder kimmt er net“). Das trifft natürlich nur auf Gemeinderäte in Bayern zu, oder?


Wie wollen wir leben? Der alternative Wahl-O-Mat

2021 darf wieder viel gewählt werden. Außer der Bundestagswahl im September wird in sechs Bundesländern gewählt. Zwei haben das schon erledigt: Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Bundeszentrale für Politische Bildung bietet wieder das interaktive Wahltool Wahl-O-Mat an. Gibt´s natürlich auch als App für´s Smartphone.

Der Nachteil dieses inzwischen von vielen Menschen genutzten Instruments: Die wirklich wichtigen und relevanten Fragen und Streitthemen werden gar nicht abgefragt. Nur so langweilige Sachen wie: Reduzierung des CO2-Ausstoßes, mehr Geld für Rüstung, Abschaffung des Euro, und so weiter.

Neben dem offiziellen Fragenkatalog bieten wir hier die Möglichkeit, sich zu weiteren schwer relevanten Zukunftsfragen eine Meinung zu bilden. Bitte die Tabelle ausschneiden, ausfüllen und an den Verfasser des Blogs zurückschicken (Wir werden Ihre Antworten selbstverständlich unter Missachtung des Datenschutzes an den Verfassungsschutz weiterleiten). Unter den ersten 1000 Teilnehmern verlosen wir drei attraktive Preise: Erster Preis: Das neue Buch von Michael Grandt über die Klimahysterie, erschienen im Kopp-Verlag (würg): Kommt die Klimadiktatur? Zweiter Preis: Eine gebrauchte Zahnspange von Greta Thunberg. Dritter Preis: Ein Besuch in der Redaktion dieses Blogs mit der Möglichkeit, den Blogger Jürgen Lieser persönlich kennenzulernen und zu beschimpfen.

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Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten bis zur Höhe von 29,95 € sind offenzulegen. Bagatellbeträge über 100.000 Euro bleiben unberücksichtigt   
Einführung von „Warte warte nur ein Weilchen“ als verbindliche Warteschlangenmusik   
Betäubungslose Kastration von Autoposern   
Wiedereinführung der Todesstrafe für auf Radwegen falschparkende Lieferdienstfahrer*innen (Ausnahme: Ottoversand, da habe ich gerade was bestellt)   
Umwidmung der Nordstream-2-Pipeline zur längsten Röhrenrodelbahn der Welt   
Keine neuen Atomraketen, bevor die alten nicht verbraucht sind   
Flache Hierarchien   
Strategische Partnerschaft mit den Fidschi-Inseln   
6-wöchiges Umerziehungslager in Nordkorea für #allesdichtmachen- Schauspielerinnen und Schauspieler   
Ablösung von Regierungssprecher Seibert durch Bernd das Brot   
Absenkung des Meeresspiegels südlich des Äquators   
Friedensnobelpreis für Annegretkrampfkarrenbauer   
    
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