Gegen Demokratiekritik und Politikverdrossenheit: Wählen gehen aber richtig!
Veröffentlicht: 6. Juni 2024 Abgelegt unter: Demokratie, Gesellschaft, Innenpolitik, Kommunalpolitik, Wahlen | Tags: Demokratie, Wahlen Hinterlasse einen KommentarAm kommenden Sonntag sind Wahlen zum Europaparlament, in Baden-Württemberg außerdem Kommunalwahlen. Im Rahmen des Wahlkampfs während der letzten Wochen sind mir auch Menschen begegnet, die kein Vertrauen mehr in die parlamentarische Demokratie haben und folglich nicht zur Wahl gehen. Meine hilflosen Überzeugungsversuche, dass damit dem Autoritarismus und rechtsextremen Strömungen Vorschub geleistet wird, waren vermutlich vergeblich.
Wahrscheinlich sind Sie / seid Ihr, liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, der falsche Adressatenkreis für eine Moralpredigt, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. Trotzdem möchte ich Euch und Ihnen heute einen Vortrag ans Herz legen, der im Rahmen der Freiburger Samstags-Uni in der Reihe „Demokratie – Grundlagen und Herausforderungen“ am 18.05.2024 von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Andreas Voßkuhle (ehemals Präsident des Bundesverfassungsgerichts und heute u.a. Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“) gehalten wurde: Demokratie und Grundgesetz: Eine „Tour d´Horizon“ (dauert eine Stunde, lohnt sich sehr und kann hier angeschaut und angehört werden).

Hier die inhaltliche Zusammenfassung des Vortrags: „Die Idee der Demokratie geht bis auf die Antike zurück und existiert in sehr unterschiedlichen Ausgestaltungen und Spielarten. Auch das sich nach dem Zweiten Weltkrieg etablierende sog. westliche Demokratiemodell kennt viele unterschiedliche Varianten. Das wird sofort deutlich, wenn man etwa die politischen Systeme in Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und den USA mit dem der Bundesrepublik Deutschland vergleicht. Was diese Staaten aber eint, ist der allgemeine Verlust an Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der repräsentativen Demokratie, der deutlich über die regelmäßig aufflammende Politikverdrossenheitsdebatte hinausgeht. Der 75. Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai in diesem Jahr ist daher ein guter Anlass, nach dem spezifischen Demokratieverständnis der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland zu fragen. Seine Kernelemente sollen vor dem Hintergrund der weltweiten Renaissance des Autoritarismus und der aktuellen Herausforderungen durch den Rechtsextremismus in Deutschland in Form einer kritischen „Tour d`horizon“ auf Schwächen und Stärken und mögliche Entwicklungspotentiale abgeklopft werden.“
In eigener Sache: Geht wählen!
Veröffentlicht: 22. Mai 2024 Abgelegt unter: Innenpolitik, Kommunalpolitik, Wahlen | Tags: Europawahl, Kommunalwahlen Hinterlasse einen KommentarAm 9. Juni, gleichzeitig mit der Europawahl, finden in Baden-Württemberg Kommunalwahlen statt. Ich stehe wieder als Wahlbewerber für den Gemeinderat meiner Wohngemeinde Wittnau (Liste „Natürlich Wittnau“) und für den Kreistag Breisgau-Hochschwarzwald, Wahlkreis 3, für BÜNDNIS 90 / Die Grünen zur Verfügung. Diejenigen, die in Wittnau wählen dürfen, können sich in unserem Wahlflyer und auf unserer Website www.natuerlich-wittnau.de über unsere Ziele informieren. Für die Wahlen zum Kreistag kann man sich hier kundig machen: https://gruene-breisgau-hochschwarzwald.de/kreistagswahl/wahlkreis-3-ehrenkirchen-2/



Wer meine Kandidatur in Wittnau und/oder im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald unterstützen möchte, kann dies tun, indem er/sie die Möglichkeit des Kumulierens nutzt: Bis zu drei Stimmen können einem Kandidaten/einer Kandidaten gegeben werden.
Für die Europawahl sind 35 Parteien und Wählervereinigungen zugelassen. Wem die Entscheidung schwerfällt, dem empfehle ich den Wahl-O-Mat für die Europawahl: https://www.wahl-o-mat.de/europawahl2024/app/main_app.html Ich hab´s gemacht, aber das Ergebnis verrate ich nicht!
Wählen gehen – aber richtig!
Veröffentlicht: 28. Januar 2024 Abgelegt unter: Gesellschaft, Innenpolitik, Kommunalpolitik, Wahlen | Tags: Björn Höcke Hinterlasse einen Kommentar2024 wird in den USA ein neuer Präsident gewählt, und ich selbst kandidiere – nein, nicht gegen Trump, sondern in meiner Wohngemeinde für den Gemeinderat. Parallelen zwischen beiden Ereignissen zu ziehen, etwa hinsichtlich ihrer historischen und globalpolitischen Bedeutung, verbiete ich mir an dieser Stelle. Hervorheben möchte ich jedoch die Unterschiede: Gegen mich gibt es keine laufenden Strafverfahren, außer einem drohenden Bußgeld wegen Falschparkens (mit dem halben Vorderreifen auf dem Gehweg) und einer anonymen Anzeige gegen meinen Hund wegen unerlaubten Bellens während der mittäglichen Ruhezeit. In beiden Fällen habe ich – wozu hat man schließlich eine Rechtsschutzversicherung – die Anwälte meines Vertrauens damit beauftragt, Widerspruch einzulegen und nötigenfalls durch alle Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof zu klagen. Da bin ich wieder ganz bei Trump.
Aber wir waren ja beim Thema Wahlen. Solche wird es 2024 für das EU-Parlament geben und für die Landtage von Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Berlin darf am 11. Februar nochmal üben, wie richtig wählen geht (Teilwiederholungswahl für den Bundestag). Es wird also spannend. Wird Berlin es dieses Mal schaffen, genügend Wahlzettel zu drucken? Werde ich mehr Stimmen bekommen als mein Blog Follower hat? Wird Donald Trump seine Amtseinführung in Handschellen zelebrieren? Wird die AfD in den drei Bundesländern die meisten Wählerstimmen bekommen? Wird Björn Höcke Ministerpräsident und 2025 vielleicht sogar Bundeskanzler? OMG!!! Und was wird Agnes Strack-Zimmermann dazu sagen – falls sie bis dahin nicht nach Brüssel weggewählt ist?
Ich schließe mich dem Nachrichtensprecher der ARD-Tagesthemen Ingo Zamperoni an und schließe mit: „Bleiben Sie zuversichtlich“. Fällt allerdings schwer angesichts der erwartbaren Ergebnisse im „Superwahljahr“. Besser wäre wohl zu sagen: „Geht wählen – aber richtig!“
Kimmt er oder kimmt er net? Beobachtungen aus dem Gemeinderat
Veröffentlicht: 6. September 2023 Abgelegt unter: Gesellschaft, Innenpolitik, Kommunalpolitik | Tags: Wahlen Ein KommentarBald sind in Baden-Württemberg wieder Kommunalwahlen. Ich werbe in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sehr dafür, für den Gemeinderat in unserem Dorf zu kandidieren. Die meisten wehren ab: Keine Zeit, das traue ich mir nicht zu, ich kann nicht gut reden, man wird kritisiert oder sogar angefeindet, usw. Dazu sage ich: Ja, es kostet Zeit, ja, man muss mit Kritik rechnen. Es ist, wenn man so will, ein undankbares Amt. Drei Amtsperioden haben bei mir ihre Spuren hinterlassen.
Aber: Gegen Politikverdrossenheit und Resignation hilft am ehesten, wenn man selbst aktiv wird. Und tatsächlich wird auf der lokalen Ebene Demokratie ganz konkret und handfest erlebbar. Richtig große Politik wird bei uns im Dorf (1.500 EinwohnerInnen) nicht gemacht. Es geht eher um so Sachen wie klappernde Gullideckel, ob die Gaube im Neubau etwas größer als erlaubt sein darf und ob der Schützenverein einen Zuschuss aus dem Gemeindesäckel für die neue Schießanlage kriegen soll. Die Kita kostet uns den halben Jahresetat, der Rest geht drauf für den Unterhalt der Infrastruktur (Straßen, Wege, Beleuchtung, Friedhof, Wasser, usw.). Für Klima-, Natur- und Umweltschutz müssten wir eigentlich viel mehr tun, haben dafür aber kein Geld. Trotzdem wird hier und da ein Bäumchen gepflanzt, eine Photovoltaikanlage auf dem Vereinshaus installiert, eine verkehrsberuhigte Zone eingerichtet.
Ich meine das nicht abwertend. Die Entscheidung, wie und wo die Flüchtlinge im Dorf untergebracht werden, ob die Windkraft auf unserer Gemarkung ausgebaut werden soll, ob im neuen Baugebiet ein Wärmenetz statt individueller Heizungslösungen geplant wird – das alles sind keine Kleinigkeiten. Auch wenn die Gegenstände, um die wir streiten, oft eher belanglos und kleinkariert sind: Wir lernen, mit sachlich fundierten Argumenten um gute Lösungen zu streiten und widerstreitende Interessen zu einem hoffentlich guten Kompromiss zusammenzuführen. Was richtig oder falsch ist, dazu gibt es nicht immer eine eindeutige Antwort. Manchmal stellt sich erst einige Jahre später heraus, ob wir richtig entschieden haben.
Wir bemühen uns, mit Geduld und Verstand die Dinge zu prüfen und zu beurteilen, die uns zur Entscheidung vorgelegt werden. Neben Geduld und Sachverstand gehört auch Mut zu den notwendigen Eigenschaften von Gemeinderätinnen und Gemeinderäten. Mut deshalb, weil man gelegentlich auch unpopuläre Entscheidungen treffen muss, für die man Kritik einstecken muss, oder auch Mut, etwas grundsätzlich zu hinterfragen, was einem als alternativlos verkauft wird.
Der Philosoph Kant hat 1784 das lateinische „Sapere aude“ zum Wahlspruch der Aufklärung gemacht und es so übersetzt: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ – dieser Leitgedanke ist auch eine brauchbare Maxime für die Gemeinderatsarbeit. Und auch aus dem berühmten Vortrag von Max Weber von 1919 lässt sich heute noch etwas lernen: dass nämlich, wer Politik macht, seine Eitelkeit überwinden muss, seine hochfliegenden Pläne zur Rettung der Menschheit mit Abstand betrachten und Enttäuschungen wegstecken können muss.
Manche Debatten im Gemeinderat waren, so meine persönliche Erfahrung, nur mit einer Portion Heiterkeit und Gelassenheit zu ertragen (was mir und meinem Temperament nicht immer gelungen ist).
Gerhard Polt hat auf seine unnachahmliche Weise aus dem Gemeinderat geplaudert („Kimmt er oder kimmt er net“). Das trifft natürlich nur auf Gemeinderäte in Bayern zu, oder?
Festhalten: Die neue Deutschland-Geschwindigkeit kommt!
Veröffentlicht: 23. Januar 2023 Abgelegt unter: Gesellschaft, Kommunalpolitik, Wirtschaft | Tags: Deutschland-Geschwindigkeit, Langsamkeit 6 KommentareWer immer noch meint, in Deutschland gehe alles ewig langsam – Genehmigungen für Windräder, Bau neuer Flughäfen, die Verkleinerung des Bundestages, Aufdeckung rechtsradikaler Strömungen in Bundeswehr, Verfassungsschutz und Polizei – der oder die irrt. Wir können auch schnell. Ratzfatz wurden zwei LNG-Terminals aus dem Boden gestampft.

Vor einem Jahr wussten wir noch gar nicht, was das ist. Es geht also. SPD-Chef Klingbeil droht sogar an, dieses Tempo jetzt bei allen Modernisierungsvorhaben einzuschlagen. Wow!
Da sollten wir uns schon mal anschnallen. Was wohl alles im Eiltempo jetzt auf uns zukommt? Tempolimit auf Autobahnen, gleiche Bezahlung für Frauen, Enteignung von leerstehendem Wohnraum, Bau von ganz vielen Windrädern, Lieferung von Kampfpanzern, Kampfdrohnen und anderen Kampfsachen an die Ukraine, Rückgabe aller geraubten Kunstschätze aus den ehemaligen Kolonien, der Ausbau von Fahrradwegen? Mehr Schnelligkeit erhoffen wir uns auch beim Sprechtempo von Olaf Scholz, bei der Bearbeitung von Wohngeldanträgen, beim Hochfahren unseres PC (jahaa, ich weiß, dass das „booten“ heißt!), beim Download von Filmchen aus dem Netz.
Aber Moment mal: Ist nicht vielmehr die Entdeckung der Langsamkeit gerade zeitgeistmäßig angesagt? Sten Nadolny hat mit seinem gleichnamigen Roman gegen die Schnelllebigkeit der Zeit angeschrieben und damit einen Bestseller gelandet. Das ist aber auch schon wieder 40 Jahre her. Vor rund zehn Jahren schrieb der Journalist Jochen Bittner in der Wochenzeitung Die Zeit: „Wie sehr kann Politik an Tempo zulegen, ohne sich selbst zu beschädigen? Demokratie ist nicht für Hochgeschwindigkeit geschaffen, im Gegenteil, sie setzt Diskurse und Abwägungen voraus. Je komplexer die Themen werden, desto mehr Zeit müssten sich Politiker nehmen. Tatsächlich geschieht das Gegenteil. Ist die gute Staatsführung also akut gefährdet – durch einen Mangel an Nachdenklichkeit, zu wenig Ruhepausen?“ (Jochen Bittner, Zeit ist Macht, in Die Zeit Nr. 31/2012 vom 26.07.2012).
Da ich selbst politisch aktiv bin – wenn auch nur auf der kommunalen Ebene – habe ich die Erfahrung gemacht, dass allzu oft wichtige Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden, ohne dass man sich ausreichend Zeit genommen hat, die Sache, um die es geht, abzuwägen, in Ruhe von allen Seiten zu beleuchten, um dann zu einer hoffentlich guten Entscheidung zu kommen. Häufig kommen die Verantwortlichen erst im Nachhinein zu der Einsicht und Erkenntnis, dass falsch entschieden wurde, der Fehler aber nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.
Ein Gespenst geht um in Deutschland: Verbot von Einfamilienhäusern!
Veröffentlicht: 24. Februar 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Gesellschaft, Kommunalpolitik, Wirtschaft | Tags: Bauland, Einfamilienhäuser, Wohnungsbau 2 KommentareDie aktuelle Diskussion um den Bau von Einfamilienhäusern, ausgelöst durch eine Entscheidung in Hamburg-Nord, bei neuen Baugebieten keine Einfamilienhäuser mehr zuzulassen, zeigt vor allem eines: Es geht nicht um Sachargumente und Fakten, sondern um eine scheinheilige, Tatsachen verdrehende, ideologisch verbrämte Schlammschlacht aus rechten CDU-Kreisen gegen die „Verbotspolitik der Grünen“ und deren „grundsätzliche Abneigung gegenüber Eigentum“ – so der Vorsitzende des CDU-Wirtschaftsrats Hamburg, Hennecke Lütgerath. Der CDU-Landesvorsitzende aus Thüringen, Christian Hirte schwadroniert von der „grünen Verbotspartei mit dem Einfamilienhaus als Feindbild“. Andere reden vom „Traum linker Ideologen“. CSU-Landesgruppenchef Dobrinth glaubt einen „ideologischen Kampf von links-grün gegen das Eigentum“ ausmachen zu können. Was der Verband der Haus- und Grundbesitzer dazu meint, wollen wir erst gar nicht wissen.
Leute, haltet einfach mal kurz die Luft an, wischt Euch den Schaum vor dem Mund ab, dimmt Euren Wutpegel runter und schaltet Euer Hirn ein!
Über das Privateigentum an Grund und Boden, die damit in Zusammenhang stehenden Profitinteressen und die Sozialbindung des Eigentums, wie sie das Grundgesetz versteht, wäre noch viel zu sagen. Das möchte ich Menschen überlassen, die davon mehr verstehen als ich. Man muss sich dazu auch nicht durch die 1100 Seiten des Marx´schen Opus „Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie“ (Dietz Verlag Berlin 1974) quälen. Hier ein paar Tatsachen, die selbst ich verstanden habe:
- Boden ist ein knappes, nicht vermehrbares Gut. Einfamilienhäuser verbrauchen mehr Fläche als Mehrfamilienhäuser. Es ist also grundsätzlich vernünftig, flächenschonend zu bauen und mehr Wohnraum auf begrenzt verfügbarem Bauland zu schaffen. Das entspricht auch dem Bedarf und der Nachfrage insbesondere von Familien nach bezahlbaren Wohnungen.
- Über den Wohnungsbau entscheiden die Kommunen vor Ort. Auch auf dem Land führt die Knappheit an Bauland zu verstärktem Bau von Mehrfamilienhäusern.
- Eigentum verpflichtet (Art. 14 GG). Enteignungen sind nach dem Grundgesetz möglich. Spekulation mit Bauland ist nicht im Interesse des Gemeinwohls. Dem einen Riegel vorzuschieben ist sozialpolitisch geboten.
Also: Oma darf ihr klein Häuschen behalten. Die Debatte darüber, wie eine sozial orientierte Wohnungsbaupolitik aussehen soll, muss geführt werden, aber nicht ideologievergiftet, sondern mit Sachargumenten.
