Rechte Volksfront: Neue Parteien, die das Land nicht braucht

Eine neue Seuche durchwabert das Land: Die Parteigründeritis. Warum bloß  werden dauern neue Parteien gegründet? Bernd Lucke hat es getan („Wir Bürger“), Steffen Große hat es getan („Bündnis Deutschland – für Freiheit, Wohlstand, Sicherheit“), Sahra Wagenknecht tut es demnächst mit ihrem links-konservativen „Bündnis Sahra Wagenknecht – Für Vernunft und Gerechtigkeit“. Und jetzt auch noch Hans-Georg Maaßen: der Ex-Verfassungsschutzpräsident mit AfD-Gesinnung, dem die CDU zu links ist, plant nach eigenem Bekunden die Gründung einer Partei.

(Quelle: Patrick Pleul / dpa)

Die rotzkonservative Werteunion, der Maaßen vorsteht, ist irgendwie gegen Flüchtlinge, gegen Gendern, gegen Corona, gegen Klima, gegen Lügenpresse und gegen die links-grün versiffte CDU unter Merz. Maaßen kann sich, wie er in Interviews verlauten lässt, auch eine Zusammenarbeit mit der AfD vorstellen. Höcke und Maaßen Hand in Hand mit Siegerpose am Wahlabend in Thüringen? Vielleicht mit Koalitionsangebot an das Bündnis Sahra Wagenknecht?

Wer aber soll diese rechte Volksfront stoppen? Etwa die Linken oder die Grünen? Die Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ wird ja gerne vom bajuwarischen Leberkäsapostel Markus Söder oder von Krawallpolitikern wie Hubert Aiwanger als Verbotspartei denunziert.

Diesen Titel tragen die Grünen zu Unrecht. Für eine wahrhaftige Verbotspartei fehlt ihnen einfach der Mumm und die Zivilcourage. Eine Verbotspartei, wie sie mir vorschwebt und für die ich mich schon mal als Kanzlerkandidat bewerbe, müsste – für den Fall, dass sie die Regierung bildet – mal so richtig in den Instrumentenkasten der Verbote reinlangen und per Gesetz zum Beispiel verbieten:

  • Kleinkinder mit dem Hausfrauenpanzer in die Kita fahren
  • Fenster von Bussen und Straßenbahnen mit Werbefolien zukleben
  • die Seuche, zu jedem Pups zu einer Bewertung aufgefordert zu werden
  • Radiogedudel in Frühstücksräumen von Hotels
  • „Herzlichen Glückwunsch Sie haben gewonnen“-Anrufe
  • Auftritte von Dieter Nuhr, Helene Fischer und Florian Silbereisen im Öffentlich-rechtlichen Fernsehen
  • Künstlichen Rennwagensound in Kleinst-PKWs einbauen
  • Usw.

Jedenfalls wäre damit schon mal ein Anfang gemacht. Und, nicht zu vergessen: Die Neugründung überflüssiger rechter Parteien verbieten. Ok, das riecht jetzt gewaltig nach Abschaffung der Demokratie und des Rechtsstaats, aber solange die richtigen Sachen verboten werden, kann man doch mal ein Auge zudrücken, oder? Hat das nicht Platon auch schon so ähnlich gemeint?


Leberkäspflicht statt Asylrecht: So begrenzen wir die Zuwanderung

Derzeit kursieren viele originelle Vorschläge, wie wir die unkontrollierte Zuwanderung in unsere Sozialsysteme begrenzen könnten. Die europäische Agentur Frontex zum Beispiel, die für ihren sensiblen Umgang mit Flüchtlingen bekannt ist (illegale pushbacks, hihi), soll die Flüchtlinge schon auf dem Meer abfangen und am Betreten des europäischen Festlands hindern. Wenn´s denn sein muss, mit Schusswaffengebrauch, gell, Frau Beatrix von Strolch?

Was aber, wenn sie schon mal da sind, die Flüchtlinge? Dann muss man sie, Menschenrechte hin oder her, so behandeln, dass ihnen die Lust vergeht, hierzubleiben. Die bayerische FDP und der Söder Markus von der CSU haben nun fast zeitgleich (Wahlkampf in Bayern!) vorgeschlagen, die Flüchtlinge mit einer Chipkarte statt mit Bargeld auszustatten. Damit sollen sie Lebensmittel wie Leberkäs, Maggi Würzpaste und Weißwürste einkaufen können, aber keinen Alkohol. Denn mit den bar ausgezahlten Asylbewerberleistungen, so hört man aus stets gut unterrichteten Kreisen, kaufen sich die Flüchtlinge dicke Autos und Drogen, essen jeden Tag Kaviar und überweisen den Rest an ihre Großfamilie in Quagadougou. Was mit der Chipkarte endlich mal unterbunden würde.

Das ist aber sicher noch zu toppen, liebe bayerische CSU/FDP/AfDler, gell? Was haltet ihr von dem Vorschlag, um ganz Bayern einen Zaun zu ziehen, vollgehängt mit Leberkäs-Semmeln und Weißwürsten, sozusagen als Abschreckung? Alle, die ihren Ekel überwinden und trotzdem über den Zaun klettern, könnte man zwangsverpflichten, drei Tage das Oktoberfest zu besuchen, im Fernsehen Musikantenstadl und alle Eberhofer-Krimis anzuschauen und mindestens einmal mit Hubert Aiwanger und Markus Söder zum Weißwurstwettessen anzutreten.

Wenn sich das unter den Flüchtlingen rumspricht, wollen garantiert alle lieber nach Polen mit seiner Piss-Partei. Und wir hätten endlich unsere Ruhe.


Neues aus der Schulranzenforschung: Wie das KZ-Flugblatt in Aiwangers Ranzen geriet

Der Aiwanger Hubert ist ein Meister des geschliffenen Wortes. Das hat er kürzlich bei seiner Rede in Erding unter Beweis gestellt, wo er gegen die Heizungsideologie und für die freie Schweinsbratenwahl der Deutschen kämpfte und meinte, unsere Jugend „muaß Haiser baun, muaß Kindr kriagn, anstatt sich auf die Straße zu kleben“. Nicht ganz geglückt war sein Aufruf, „die schweigende große Mehrheit dieses Landes müsse sich die Demokratie wieder zurückholen“. Das war irgendwie blöd, aber so isser halt, der Hubsi. Die ganze Rede findet Ihr hier.

Jetzt hat er schon wieder Ärger, der Hubert. Ein antisemitisches Flugblatt fand auf unerklärliche, wundersame Weise den Weg in seinen Schulranzen. To be honest: Kennen wir das nicht alle aus unserer Schulzeit? Dinge, die plötzlich in unserem Ranzen rumliegen. Eine verschimmelte Apfelsine, eine ranzige Stulle, ein versifftes Sporttrickot – unerwartet finden wir in den Tiefen unseres Schulranzens längst vergessene Utensilien, und wir erinnern uns nicht, wie sie den Weg dorthin fanden. So geschah es auch dieser Tage Hubert Aiwanger, Minister für derbe Biertischreden und Bayerns Vize-Ministerpräsident.  In seinem Falle geht es um ein Flugblatt. Darin durfte man sich zu einem Vorstellungsgespräch im Konzentrationslager Dachau bewerben und einen Freiflug durch den Schornstein in Auschwitz oder einen kostenlosen Genickschuss gewinnen. Jetzt regt sich die ganze Nation wieder auf. Dabei hat der Hubert, jo mai, doch nur einen Spaß gemacht!

Außerdem war er es nicht selbst, sondern sein Bruder. Der heißt Helmut, hat ein Waffengeschäft, lange Haare und dreht sich seine Zigaretten selbst. Was bitte soll daran falsch sein? Er, also der Bruder, hat das Flugblatt nur verfasst, weil er sauer war. Das verstehen wir. Und der Hubert, der hatte die Flugblätter in seinem Ranzen, weil er sie aus dem Verkehr ziehen wollte, also quasi ein zivilcouragierter Widerstandskämpfer gegen judenfeindliche und nazifreundliche Hetzschriften. Das glauben wir jetzt aber mal ganz, ganz feste.


Hubert Aiwanger: Kämpfer für Demokratie, Schweinsbraten und freie Heizungswahl

Am 8. Oktober wird ein Bayern ein neuer Landtag gewählt. Der amtierende Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und sein Adlatus Hubert Aiwanger (Freie Wähler) möchten wohl gerne weiterregieren. Beim Buhlen um die Gunst der Wähler*innen ist ihnen offenbar kein Argument zu dämlich. Der Aiwanger Hubert zum Beispiel, bayrischer Wirtschaftsminister und Stellvertreter von Söder, wie dieser bekennender Schweinsbratenesser und Autofahrer, müsste für seinen breiten bayrischen Dialekt eigentlich einen Waffenschein beantragen.

Obwohl: Ich höre ihm gerne zu, dem Hubert, weil das strunzdumme Zeug, das er von sich gibt, wenigstens mehr Folklore in die Politik bringt, als wir es von Berlin gewöhnt sind. Beispiele gefällig?

Unsere Jugend „muaß Haiser baun, muaß Kindr kriagn“, anstatt sich auf die Straße zu kleben. Oder: Ihr in Berlin „habts wohl den Arsch offen da oben“ (dabei ist der Arsch doch eher unten?). Der eigentliche Knaller seiner Rede in Erding, über den sich jetzt alle aufregen (nur die AfD applaudiert), war „die schweigende große Mehrheit dieses Landes müsse sich die Demokratie wieder zurückholen“. Dahinter steckt im Grunde die gleiche Denke wie die eines Donald Trump, der zum Sturm auf das Kapitol aufruft.

Wer es sich antun möchte und das prollige Gegröhle von Aiwanger in voller 15minütiger Länge anhören will, bitteschön:

Und hier die Stellungnahme von Markus Söder zur umstrittenen Rede seines Stellvertreters: