Neues aus der Schulranzenforschung: Wie das KZ-Flugblatt in Aiwangers Ranzen geriet

Der Aiwanger Hubert ist ein Meister des geschliffenen Wortes. Das hat er kürzlich bei seiner Rede in Erding unter Beweis gestellt, wo er gegen die Heizungsideologie und für die freie Schweinsbratenwahl der Deutschen kämpfte und meinte, unsere Jugend „muaß Haiser baun, muaß Kindr kriagn, anstatt sich auf die Straße zu kleben“. Nicht ganz geglückt war sein Aufruf, „die schweigende große Mehrheit dieses Landes müsse sich die Demokratie wieder zurückholen“. Das war irgendwie blöd, aber so isser halt, der Hubsi. Die ganze Rede findet Ihr hier.

Jetzt hat er schon wieder Ärger, der Hubert. Ein antisemitisches Flugblatt fand auf unerklärliche, wundersame Weise den Weg in seinen Schulranzen. To be honest: Kennen wir das nicht alle aus unserer Schulzeit? Dinge, die plötzlich in unserem Ranzen rumliegen. Eine verschimmelte Apfelsine, eine ranzige Stulle, ein versifftes Sporttrickot – unerwartet finden wir in den Tiefen unseres Schulranzens längst vergessene Utensilien, und wir erinnern uns nicht, wie sie den Weg dorthin fanden. So geschah es auch dieser Tage Hubert Aiwanger, Minister für derbe Biertischreden und Bayerns Vize-Ministerpräsident.  In seinem Falle geht es um ein Flugblatt. Darin durfte man sich zu einem Vorstellungsgespräch im Konzentrationslager Dachau bewerben und einen Freiflug durch den Schornstein in Auschwitz oder einen kostenlosen Genickschuss gewinnen. Jetzt regt sich die ganze Nation wieder auf. Dabei hat der Hubert, jo mai, doch nur einen Spaß gemacht!

Außerdem war er es nicht selbst, sondern sein Bruder. Der heißt Helmut, hat ein Waffengeschäft, lange Haare und dreht sich seine Zigaretten selbst. Was bitte soll daran falsch sein? Er, also der Bruder, hat das Flugblatt nur verfasst, weil er sauer war. Das verstehen wir. Und der Hubert, der hatte die Flugblätter in seinem Ranzen, weil er sie aus dem Verkehr ziehen wollte, also quasi ein zivilcouragierter Widerstandskämpfer gegen judenfeindliche und nazifreundliche Hetzschriften. Das glauben wir jetzt aber mal ganz, ganz feste.


Entdecke mehr von Jürgen Lieser

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.


3 Comments on “Neues aus der Schulranzenforschung: Wie das KZ-Flugblatt in Aiwangers Ranzen geriet”

  1. Avatar von ringsum ringsum sagt:

    14 – 15 kommt eher hin.. – und der Volksmund sagte immer: Mädchen seien weiter voraus😀

  2. Nur um die Fakten für Leser/innen zu erklären, die nicht wissen, was der Kommentator gemeint hat: Es geht um die neue Bundesvorsitzende der Grünen Jugend Sarah-Lee Heinrich, die im Alter von 13/14 auf twitter beleidigende, dumme, peinliche, homophobe, menschenverachtende Kommentare gepostet hat.
    Aiwanger war zur Flugblattaffaire 17 Jahre alt, und er ist heute stellvertretender Ministerpräsident von Bayern.

    Welches Maß man auch immer anlegen mag: Im Jugendalter begangene Dummheiten sollte man mit einer gewissen Nachsicht behandeln. Allerdings auch nur dann, wenn sich die Dummheiten im Erwachsenenalter nicht fortsetzen (siehe Aiwanger-Rede in Sonthofen). Der Mann ist klug genug zu wissen, dass er heute keine ekelhaften antisemitischen Äußerungen bringen darf, aber man möchte sich nicht vorstellen wie es wäre, wenn er seine politischen Ansichten in Regierungspolitik umsetzen könnte, wie er wollte. Dafür bekommt er ja in Bayern viel Applaus.

  3. Avatar von ringsum ringsum sagt:

    Er hat auch nicht behauptet, dass „Juden und Araber keine Menschen sind“.. – das kann man aber als Äußerung der GRÜNEN Jugendvorsitzenden nachlesen. Das „Kind“ war seinerzeit in etwa gleichem Alter..


Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Jürgen Lieser

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen