Olympia 2024: Früher war mehr Medaille
Veröffentlicht: 4. August 2024 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Sport Hinterlasse einen KommentarHalbzeit bei den Olympischen Spielen in Paris. Deutschland liegt beim Medaillenspiegel auf dem 11. Platz, hinter Südkorea und den Niederlanden. Wie cringe ist das denn? 1936, bei den Spielen in Berlin, hatten auf Wunsch des Führers die Sportlerinnen und Sportler des Deutschen Reiches noch alle Nationen alt aussehen lassen und mit weitem Abstand die meisten Medaillen (89) vor den USA (56) abgeräumt. So geht Führung, Herr Scholz!
1972 bei den Spielen in München dann die Riesenblamage: Die BRD landete hinter der DDR, die USA hinter der Sowjetunion. Der freie kapitalistische Westen unterliegt dem real dahinvegetierenden sozialistischen Osten! Hinzu kam das Fiasko um die gescheiterte Geiselbefreiung nach dem Terroranschlag auf die israelischen Sportler, bei der die deutschen Sicherheitskräfte auf der ganzen Linie versagten.
Heute ist die Welt eine andere und bei genauer Betrachtung doch nicht wirklich. Die Angst vor terroristischen Anschlägen bleibt auch in diesen Tagen präsent und prägt die Spiele in Paris. Gleich danach kommt die Sorge um die Wasserverschmutzung der Seine und um Doping bei den chinesischen Schwimmerinnen. Ja, ja, die Chinesen! Das lenkt ab vom allgemeinen Dopingsumpf im olympischen Sport. Von einem energischen Vorgehen gegen Dopingvergehen bei Olympiateilnehmern keine Spur. Der IOC-Präsident Thomas Bach („Herr der Ringe“) richtet seine Anstrengungen lieber auf den eigenen Machterhalt und lässt sich gerne mit den Despoten dieser Welt in inniger Umarmung ablichten. Peinlich: Er musste sich gleich zur Eröffnung der Spiele dafür entschuldigen, dass die Südkoreaner als nordkoreanische Delegation begrüßt worden waren.
Umso lustiger die Kommentare um den Stabhochspringer Anthony Ammirat, der die Hochsprunglatte mit seinem Penis gerissen hatte („Dem Stabhochspringer stand seine Stange im Weg“). Hier würde sich nun eine Überleitung zum Thema „Geschlechtliche Vielfalt im Sport“ anbieten. Die Wettkämpfe sind ja streng binär organisiert. Wo dürfen Transmenschen starten? Zumindest beim Stabhochsprung könnte, wie wir gesehen haben, das Geschlecht im Wege stehen.

Zurück zu unseren Sportlerinnen und Sportlern und dazu, was heute anders ist. Früher haben wir Deutschen mehr Medaillen geholt, gerne in Disziplinen, in denen es um schießen, stechen und hauen ging. Und in dem vorzugsweise vom deutschen Adel praktizierten Dressurreiten. Was ist Sport daran, einem Pferd „beizubringen“, mit gekreuzten Beinen seitwärts über einen Platz zu laufen? Ein Pferd würde ohne Dressur wohl niemals auf die Idee kommen, sich so unnatürlich zu bewegen. Mehrere Fälle von Tierquälerei haben die Dressurreiterei unlängst in Verruf gebracht. Wie wenig diese Disziplin mit Sport zu tun hat, kann man schon an der merkwürdigen Bekleidung der Reiterinnen und Reiter sehen: Frack und Zylinder (der Zylinder wurde zuletzt durch einen Helm abgelöst)! Man stelle sich vor, die Beachvolleyballerinnen würden statt im Bikini in Frack und Zylinder spielen!
Deutschland bewirbt sich um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2040. Sollte die Bewerbung erfolgreich sein, wäre das ein gute Gelegenheit zu zeigen, dass es auch anders geht: Weniger Gigantismus, weniger Pathos, weniger Kommerz, mehr Nachhaltigkeit. Spannend wird die Frage, ob die Bewerbung Deutschlands wie schon in der Vergangenheit am Widerstand der Bevölkerung in den betroffenen Städten scheitern wird. Oder daran, dass die Ölscheichs am persischen Golf dem IOC mehr bezahlen.
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