Osterspazierfahrt. Frei nach J.W. Goethe
Veröffentlicht: 10. April 2023 Abgelegt unter: Allgemein Hinterlasse einen KommentarWann war das Frühlingswetter zuletzt so verlockend wie an den diesjährigen Osterfeiertagen? Mich hat es nicht nur zu einer längeren Radtour animiert, sondern auch zu einer Abwandlung von Goethes Gedicht „Osterspaziergang“ aus dem Faust I. Der alte Herr möge mir das holprige Versmaß verzeihen (seines rumpelt ja auch ganz gewaltig).
Vom Roste befreit sind Speichen und Ketten
Dank Caramba! Rostentfernen leicht gemacht.
Am Fahrrad, aus dem Winterschlaf erwacht
Muss nur die Schaltung man(n) noch fetten.
Hat er auch an die Luft gedacht?
Die Pumpe, ach, so sehr auch alle suchen,
Zu finden nicht im Keller noch im ganzen Haus.
Die Kinder nölen, wollen nicht zur grünen Flur hinaus.
Die Eltern sind genervt und fluchen.
Da ist das blöde Teil! Wie kommt es denn ins Gartenhaus?
Nun kann´s endlich hinaus ins Freie.
Auf des Rades Wegen quetschender Enge herrscht wüstes Gewimmel.
Kampfradler bahnen sich Platz mit aggressivem Geklingel.
Da schau! Ein Rudel radelnder Senioren
Gerüstet mit Sportdress und E-Bike-starken Motoren
Können mit Müh´ nur die Spur und das Gleichgewicht halten.
Schon naht Ihr Euch wieder, schwankende Gestalten!
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden
Von des Sofas magnetstarker Haftung.
Tatsächlich sähe man jetzt lieber fern.
Egal. Wir stürzen uns jetzt ins Getümmel.
Hier ist des Volkes wahrer Himmel.
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Radfahrer*in, hier darf ich´s sein!
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