Kim trifft Putin. Die wollen nicht nur spielen.
Veröffentlicht: 14. September 2023 Abgelegt unter: Internationale Politik | Tags: Kim-Jong-un, Nordkorea, Putin Hinterlasse einen KommentarEine einmalige Gelegenheit ist vertan. Zwei autokratische Despoten zur gleichen Zeit am gleichen Ort! Ich bin zwar grundsätzlich ein Gegner von extralegalen Hinrichtungen mit bewaffneten Drohnen, aber in diesem Falle hätte ich ein Auge zugedrückt. Man hätte bloß die Israelis fragen müssen, die kriegen so was hin.
Meine persönlichen Eindrücke von Nordkorea liegen 26 Jahre zurück. Damals, 1997, konnte ich mit einer kleinen Gruppe von NGO-Leuten das Land besuchen. Es herrschte eine große Hungersnot, man sprach von mehreren Millionen Hungertoten. Wir konnten uns nicht frei im Land bewegen. Unsere Delegation wurde von der ersten bis zur letzten Minute von nordkoreanischen Parteifunktionären „betreut“. Bei der Einreise, noch vor dem Checkin im Hotel, mussten wir wie alle Einreisenden vor der riesigen Statue von Kim-Il-sung, dem ersten Herrscher Nordkoreas, Blumen niederlegen und uns verneigen. Die Statue, so wurde uns ehrfürchtig zugeflüstert, würde exakt so viel Gramm wiegen die Fürze, die der große Führer zeit seines Lebens gelassen hatte – nein, es muss ein anderer Vergleich gewesen sein, denn Witze über den großen Führer führten damals wie heute zu Verhaftung und Todesstrafe.

Damals war noch Kim-Jong-il, der Vater des jetzigen Diktators Kim-Jong-un an der Macht. Von Kim-Jong-il erzählte man uns staunenden Besuchern, er, also der Große Führer, wisse im Voraus, wie viele Äpfel ein bestimmter Apfelbaum in diesem Jahr tragen würde. Und auch das wieder, ohne zu lachen. Überhaupt wusste der Mann irgendwie alles, er war mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet und wurde verehrt wie ein Heiliger. Jetzt ist sein Sohn Kim-Jong-un, der Mann mit dem Babygesicht und der grotesken Frisur, an der Macht. Er ließ seinen Onkel und seinen Halbbruder umbringen und hat angeordnet, dass bei den häufig verhängten Todesstrafen im Land die Angehörigen der Opfer bei der Exekution zuschauen müssen. Er liebt Raketen als Spielzeug und zu seinen besten Freunden zählen Donald Trump und Wladimir Putin.
Man kann eigentlich über die Herrscherclique der Kim-Dynastie, ihren Personenkult, ihre schrillen und schrecklichen Machtallüren keine satirische Glosse schreiben, weil die Realität jede noch so absurde Phantasie übersteigt. Einen guten Einblick dazu vermittelt die ZDF-Dokumentation: Undercover in Nordkorea.
Und es ist ja nun wirklich nicht lustig. Die nordkoreanische Regierung ist zwar international isoliert, verfügt aber über Atomwaffen und Trägersysteme, die bis in die USA reichen. Putin hat sehr viel mehr Macht und internationale Unterstützung und ein großes Arsenal an Atomwaffen. Die Gefahr, die von solchen autokratischen Herrschern ausgeht, ist groß. Sie werden in ihren jeweiligen Gesellschaften verehrt. C.G. Jung meinte dazu: „Die Identifikation mit Amt und Titel hat etwas Verführerisches, weshalb viele Männer nichts anderes sind, als ihre von der Gesellschaft ihnen zugebilligte Würde. Es wäre vergeblich, hinter dieser Schale eine Persönlichkeit zu suchen, man fände bloß ein erbärmliches Menschlein. Darum eben ist das Amt … so verführerisch, stellt es doch eine billige Kompensation für persönliche Unzulänglichkeiten dar.“ (C.G. Jung, Gesammelte Werke VII)
Das ist aber auch nur ein schwacher Trost.
