Kim trifft Putin. Die wollen nicht nur spielen.
Veröffentlicht: 14. September 2023 Abgelegt unter: Internationale Politik | Tags: Kim-Jong-un, Nordkorea, Putin Hinterlasse einen KommentarEine einmalige Gelegenheit ist vertan. Zwei autokratische Despoten zur gleichen Zeit am gleichen Ort! Ich bin zwar grundsätzlich ein Gegner von extralegalen Hinrichtungen mit bewaffneten Drohnen, aber in diesem Falle hätte ich ein Auge zugedrückt. Man hätte bloß die Israelis fragen müssen, die kriegen so was hin.
Meine persönlichen Eindrücke von Nordkorea liegen 26 Jahre zurück. Damals, 1997, konnte ich mit einer kleinen Gruppe von NGO-Leuten das Land besuchen. Es herrschte eine große Hungersnot, man sprach von mehreren Millionen Hungertoten. Wir konnten uns nicht frei im Land bewegen. Unsere Delegation wurde von der ersten bis zur letzten Minute von nordkoreanischen Parteifunktionären „betreut“. Bei der Einreise, noch vor dem Checkin im Hotel, mussten wir wie alle Einreisenden vor der riesigen Statue von Kim-Il-sung, dem ersten Herrscher Nordkoreas, Blumen niederlegen und uns verneigen. Die Statue, so wurde uns ehrfürchtig zugeflüstert, würde exakt so viel Gramm wiegen die Fürze, die der große Führer zeit seines Lebens gelassen hatte – nein, es muss ein anderer Vergleich gewesen sein, denn Witze über den großen Führer führten damals wie heute zu Verhaftung und Todesstrafe.

Damals war noch Kim-Jong-il, der Vater des jetzigen Diktators Kim-Jong-un an der Macht. Von Kim-Jong-il erzählte man uns staunenden Besuchern, er, also der Große Führer, wisse im Voraus, wie viele Äpfel ein bestimmter Apfelbaum in diesem Jahr tragen würde. Und auch das wieder, ohne zu lachen. Überhaupt wusste der Mann irgendwie alles, er war mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet und wurde verehrt wie ein Heiliger. Jetzt ist sein Sohn Kim-Jong-un, der Mann mit dem Babygesicht und der grotesken Frisur, an der Macht. Er ließ seinen Onkel und seinen Halbbruder umbringen und hat angeordnet, dass bei den häufig verhängten Todesstrafen im Land die Angehörigen der Opfer bei der Exekution zuschauen müssen. Er liebt Raketen als Spielzeug und zu seinen besten Freunden zählen Donald Trump und Wladimir Putin.
Man kann eigentlich über die Herrscherclique der Kim-Dynastie, ihren Personenkult, ihre schrillen und schrecklichen Machtallüren keine satirische Glosse schreiben, weil die Realität jede noch so absurde Phantasie übersteigt. Einen guten Einblick dazu vermittelt die ZDF-Dokumentation: Undercover in Nordkorea.
Und es ist ja nun wirklich nicht lustig. Die nordkoreanische Regierung ist zwar international isoliert, verfügt aber über Atomwaffen und Trägersysteme, die bis in die USA reichen. Putin hat sehr viel mehr Macht und internationale Unterstützung und ein großes Arsenal an Atomwaffen. Die Gefahr, die von solchen autokratischen Herrschern ausgeht, ist groß. Sie werden in ihren jeweiligen Gesellschaften verehrt. C.G. Jung meinte dazu: „Die Identifikation mit Amt und Titel hat etwas Verführerisches, weshalb viele Männer nichts anderes sind, als ihre von der Gesellschaft ihnen zugebilligte Würde. Es wäre vergeblich, hinter dieser Schale eine Persönlichkeit zu suchen, man fände bloß ein erbärmliches Menschlein. Darum eben ist das Amt … so verführerisch, stellt es doch eine billige Kompensation für persönliche Unzulänglichkeiten dar.“ (C.G. Jung, Gesammelte Werke VII)
Das ist aber auch nur ein schwacher Trost.
Pelé ist tot. Ratzinger ist tot. Aber was ist bloß mit Putin los?
Veröffentlicht: 7. Januar 2023 Abgelegt unter: Internationale Politik, Krieg | Tags: Putin 4 KommentareDas könnte der Anfang eines Gedichts sein: Was ist bloß mit Putin los? Aber finde mal einen Reim auf „militärische Spezialoperation“ (leichter reimte es sich auf „Krieg“). Muss man sich Sorgen machen um den Mann im Kreml? Ist er etwa krank? Hat er keine Medizin im Schrank? Immerhin wurde er schon lange nicht mehr mit nacktem Oberkörper und einem sibirischen Tiger im Schwitzkasten gesehen. Sieht er nicht ständig aus, als habe man ihm gerade den Schnuller weggenommen?

Und warum dieser alberne lange Tisch? Insider glauben zu wissen, Putin habe extremen Mundgeruch. Außerdem neige er bei politischen Gesprächen zu unkontrollierten Erektionen, deshalb der Tisch. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Vox populi, vox Rindvieh. Oder: Ist die Demokratie am Ende?
Veröffentlicht: 1. Oktober 2022 Abgelegt unter: Internationale Politik, Wahlen | Tags: Bolsonaro, Erdogan, Goegia Meloni, Liz Truss, Marie Le Pen, Putin 3 KommentareDie letzten europäischen Wahlen zeigen: Konservative und rechtsradikale Parteien und Bewegungen sind auf dem Vormarsch. Zuletzt die Wahlsiege der Fratelli d´Italia mit Georgia Meloni in Italien (mit Unterstützung von Mateo Salvini und Silvio Berlusconi) und der rechtspopulistischen Schwedendemokraten. Relativ knapp hat die ultrarechte Front National mit Marie Le Pen die Wahlen in Frankreich verloren, gegen einen Präsidenten, der alles andere als links ist. Polen und Ungarn werden schon lange rechts regiert. Auch Großbritannien hat mit Liz Truss eine verlässliche Nachfolgerin des konservativen Boris Johnson. Allen genannten Staatschef*innen gemeinsam ist, dass sie ihre Legitimation aus demokratischen Wahlen beziehen.
Das trifft auch für den türkischen Präsidenten und dauerbeleidigten Bosporos-Ayatollah Recep Erdoğan zu. Der „lupenreine Demokrat“ Putin lässt sich zwar auch seit 2000 regelmäßig wählen, zuletzt 2018 mit einem Ergebnis von 76,6 Prozent. Angesichts zahlreicher Wahlmanipulationen, Unterdrückung und Verfolgung der Opposition, Verbot kritischer Medien usw. ist die Aussagekraft des Wahlergebnisses doch sehr fraglich. Trotzdem darf auch in seinem Falle von einer hohen Zustimmung in der russischen Bevölkerung ausgegangen werden.
Morgen wird in Brasilien gewählt. Der Amtsinhaber und rechtsextreme Jair Bolsonaro tritt wieder an. Egal, wie die Wahl ausgeht, für Bolsonaro ist klar: Sollte er die Wahl verlieren, kann es sich nur um Wahlbetrug handeln. Nur Gott könne ihn, so Bolsonaro, aus dem Amt berufen. Außerdem brüstet er sich mit seiner sexuellen Potenz, seiner unverhohlenen Sympathie für die Militärdiktatur und dass es Frauen gibt, die es nicht wert sind, von ihm vergewaltigt zu werden. Kommt einem irgendwie bekannt vor. Unterstützung erhält Bolsonaro u.a. von der einflussreichen evangelikalen Sekte „Assembleia de Deus Vitória em Cristo“ und vom prominenten Fussballer Neymar. Man fragt sich, wie ein Mensch mit solchen Ansichten und Charaktereigenschaften Staatspräsident werden kann. Er kann, weil er gewählt wurde. Der Hinweis sei erlaubt, dass auch Adolf Hitler aufgrund einer demokratischen Wahl an die Macht kam.
Ist also das demokratische Prinzip, wonach die Mehrheit, die vox populi, entscheidet, wer über den Staat herrschen soll, richtig? Schon Platon hat vor 2400 Jahren diese Frage gestellt und gemeint, dass die Philosophen, also die gebildeten Menschen, die Besten, die die die Idee des Guten erkannt haben und demnach richtig handeln, den Staat regieren sollen. Die Mehrheit kann schließlich irren.
Wäre es daher nicht naheliegend, analog zum PKW-Führerschein einen „Staatslenker- Führerschein“ einzuführen, eine Prüfung also, wer für die Führung eines Staates fachlich und charakterlich geeignet ist und wer nicht. Der Fragenkatalog dazu müsste noch entwickelt werden. Ideen dafür hätte ich schon.
Aber vielleicht warten wir mal ab, ob Bolsonaro morgen von Gott abberufen wird.
Wozu sind Kriege da?
Veröffentlicht: 11. Juli 2022 Abgelegt unter: Gesellschaft, Internationale Politik, Krieg | Tags: Carl von Clausewitz, Humanitäre Hilfe, Humanitäres Völkerrecht, IPPNV, Putin, Udo Lindenberg Ein Kommentar… nuschelte einst Udo Lindenberg unter Mitwirkung von Kindern in seinem gleichnamigen Song. Vielleicht meinte er auch eher „warum“ und nicht „wozu“, also aus welchen Gründen werden Kriege geführt. Aber wir lassen bei Udo Nachsicht walten wegen dieser semantischen Unschärfe. Er kann ja auch nicht wirklich singen und trotzdem mag ich seine Lieder.
Die Frage nach dem warum und wozu, also nach Ursachen und Motiven von Kriegen, ist gar nicht so schwer zu beantworten. Schon in biblischen Zeiten ging es bei Kriegen um Weideland (GEN 13,7), um Rohstoffe (GEN 14,10) oder einfach nur um Machtinteressen, sprich Streit unter Brüdern (GEN 13,7). Das ist heute gar nicht so viel anders. Die IPPNV, eine Vereinigung von Internationalen ÄrztInnen für die Verhütung des Atomkrieges, meint zu den Ursachen von Kriegen – die Wissenschaft spricht eher von Gewaltkonflikten -: „Die Ursachen von Gewaltkonflikten sind vielfältig und setzen häufig bei strukturellen und globalen Missständen an, die es zu beheben gilt. Dazu zählt die mangelnde gesundheitliche Versorgung weiter Teile der Weltbevölkerung. Die Klimakatastrophe verstärkt Konfliktfaktoren wie Nahrungsunsicherheit, Armut und Naturkatastrophen. Eine ungerechte, armutsschaffende Weltwirtschaftsordnung, von der Deutschland mit profitiert, trägt ebenfalls zu Gewaltkonflikten bei.“ Da sind schon einige richtige Gründe aufgezählt, aber keiner davon trifft auf den Ukrainekrieg zu. Es muss demnach noch andere Gründe geben. Der immer wieder gern zitierte Carl von Clausewitz meinte lapidar: „Der Krieg ist … ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen … Der Krieg geht immer von einem politischem Zustande aus und wird nur durch ein politisches Motiv hervorgerufen. Er ist also ein politischer Akt … Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Das hätte auch Udo Lindenberg wissen können, wenn er mal ein gutes Buch gelesen hätte, anstatt jede Nacht durchzuzechen. Zum Beispiel das Kapitel 12 im „Handbuch Humanitäre Hilfe“. Dort steht, dass die Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit eines Staates lt. Charta der Vereinten Nationen, Art. 2 (4) verboten ist. Verboten! Menschen tun allerdings manchmal Dinge, die verboten sind. Kommt es dennoch zum Krieg, dann gilt das humanitäre Völkerrecht, d.h. die Krieg führenden Parteien müssen sich an Regeln halten, zum Beispiel keine zivilen Ziele bombardieren oder Kriegsgefangene schlecht behandeln. Das kommt uns schon vertrauter vor, wenn wir die Nachrichten aus der Ukraine hören.
Die lindenbergsche Frage „Wozu sind Kriege da“ zielt auf den Zweck derselben. Hier böte sich nun eine ausführliche Beschreibung möglicher Motive aus philosophischer, wirtschaftlicher, (macht-)politischer, imperialistischer oder einfach nur größenwahnsinniger (Napoleon, Hitler) Sicht an. Das wollen wir den Experten überlassen, die davon eine Ahnung haben (Herfried Münkler, Johannes Varwick, Sascha Lobo, Juli Zeh und so Leute).
Bei Putin sucht man gerne nach Gründen psychoanalytischer Natur. Zu früh abgestillt? Toxische Männlichkeit? Wäre er kein Staatslenker, würde er vielleicht, statt Krieg zu führen, seine Frau schlagen (hat er eine?), Katzenbabys ertränken oder Obdachlose anzünden. Das vermutete Anna Mayr kürzlich in der ZEIT, allerdings bezogen auf Gegner des bedingungslosen Grundeinkommens, wobei die wiederum nicht in einen Topf mit Kriegstreibern geworfen werden sollten. Immanuel Kant (oder war es Jesus?) hätte dazu gesagt: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Eigentlich doch ganz einfach.
Zur Ehrenrettung von Udo Lindenberg muss hier noch abschließend angemerkt werden, dass er voll total blickt, wozu Kriege da sind, nämlich: „Oder geht′s da auch um Geld? Viel Geld für die wenigen Bonzen, die Panzer und Raketen bauen, und dann Gold und Brillanten kaufen, für ihre eleganten Frauen. Oder geht’s da nebenbei auch um so religiösen Twist, dass man sich nicht einig wird, welcher Gott nun der wahre ist?“
Auch hier wieder leichte semantische Unsicherheiten, religiöser „Twist“ und so, aber egal, die Botschaft ist klar: Twist oder Zwist, Krieg ist blöd.
Eine ehrenwerte Gesellschaft? Putin und seine südbadische Oligarchenclique
Veröffentlicht: 28. Juni 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Krieg, Wirtschaft | Tags: Klaus Mangold, Martin Herrenknecht, Matthias Warning, Putin Ein KommentarWas haben Matthias Warning, Klaus Mangold, Martin Herrenknecht und ich gemeinsam? Richtig, wir alle leben und arbeiten in Südbaden. Für nicht Ortskundige: Das ist ganz links unten auf der Deutschlandkarte. Damit wären die Gemeinsamkeiten aber auch schon aufgebraucht. Ich kann mich kaum mit Warning, Mangold und Herrenknecht messen, weder hinsichtlich Vermögen, Wohltätigkeit und politischem Einfluss, noch, was besonders enge Beziehungen zu Russland und zu Putin angeht. Warum ausgerechnet meine südbadische Wahlheimat ein Sammelbecken einflussreicher Wirtschaftsmagnaten ist, die als „Putinversteher“, ja sogar als enge Vertraute des Kremlchefs bekannt sind, viel Geld haben und mit der CDU verbandelt sind? Vielleicht die gute Küche, das sonnige Klima, der kurze Fluchtweg ins nahegelegene Steuerparadies Schweiz, die mediterrane Lebensart, der Europapark der Familie Mack in der Nähe (noch bis vor kurzem gesponsert von der Projektgesellschaft Nord Stream 2 und dem russischen Gazprom-Konzern)?
Martin Herrenknecht lässt es krachen
Nun wäre es ungerecht, Martin Herrenknecht – der mit den Tunnelbohrmaschinen – als Putinfreund zu bezeichnen. Er hat mit den Russen viele Jahre gute Geschäfte gemacht und 2018 den „Orden der Freundschaft der Russischen Föderation erhalten“. Erst nach einer längeren Bedenkzeit konnte er sich dazu durchringen, den russischen Krieg gegen die Ukraine zu verurteilen. Der Mann gilt nicht nur als erfolgreicher Unternehmer und großer Wohltäter, sondern auch als Strippenzieher. Er polemisiert mit großformatigen Anzeigen öffentlich gegen die Windkraft, wettert gegen ein „grünes Gruselkabinett“ und drohte seinen Mitarbeitern: „Wer grün wählt, fliegt raus“. Kein Wunder, dass ihm ein Autokrat wie Putin sympathisch ist. Seine Mitgliedschaft in der CDU hat er zeitweise ruhen lassen, weil ihm diese unter Merkel zu links wurde.

Unlängst hat der Mann seinen 80. Geburtstag gefeiert mit viel Prominenz, edlem Essen und 2000 Gästen. So war das auch schon 2012, als er siebzig wurde. Es sei ihm gegönnt. Not amused waren die Offenburger, als der Jubilar sich um halb zwei Uhr in der Nacht mit einem krachenden Feuerwerk feiern ließ. Das war offenbar nicht genehmigt und provozierte einen Einsatz der Feuerwehr, schreibt die Badische Zeitung. Egal. Wer so viel Gutes tut und Arbeitsplätze schafft, der darf auch schon mal über die Stränge schlagen. Eine Frage noch, Herr Herrenknecht: Was, glauben Sie, haben die Ukraine-Flüchtlinge in Offenburg in jener Nacht gedacht und gefühlt, als das Feuerwerk losging?
Warning und Mangold: Die Putin-Connection
In dem beschaulichen Städtchen Staufen, nur 15 km von mir entfernt, wohnt Matthias Warning, der „engste deutsche Vertraute von Staatschef Wladimir Putin“.

Warning war wie Putin Geheimdienstmann in DDR-Diensten. Nach der Wende machte er Karriere bei der Dresdner Bank, für die er in St. Petersburg das Russlandgeschäft aufbaute. Später wurde er Chef der Nord Stream 2-Gesellschaft, die die Gaspipeline durch die Ostsee baute. Sein persönlicher Draht zu Putin beruht darauf, dass er dafür sorgte, dass Putins verunglückte Ex-Ehefrau in Deutschland behandelt werden konnte. Seitdem, so heißt es, seien die Familien eng befreundet.
Warning wiederum ist befreundet mit Klaus Mangold, ebenfalls ein langjähriger Vertrauter von Putin. Mangold, früherer Daimler-Manager und Honorarkonsul von Russland in Baden-Württemberg, wohnt in Münstertal, nur wenige Kilometer von Staufen entfernt.

Mangold betreibt ein lukratives Beratungs- und Lobby-Unternehmen und ist bekannt für seine guten Kontakte in den Ostblock. Er war jahrelang Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft. Er stellt Politikern der CDU gerne schon mal sein Privatjet zur Verfügung, wie z.B. EU-Kommissar Günther Öttinger für eine Dienstreise zu Viktor Orban. In der Ukraine-Krise hat Mangold einige Zeit gebraucht, um zu bekennen, er „habe sich in Putin geirrt“ und den Angriff Russlands auf die Ukraine zu verurteilen.
Erst kommt das Fressen, dann die Moral
Man ist sich in der Regel darin einig, die russischen Oligarchen und ihre kotzprotzigen Jachten und Luxusimmobilien als Ausdruck eines korrupten, dekadenten, autoritären Systems zu verurteilen – so san´s halt, die Russen. Die deutschen „Kriegsgewinnler“, deren Reichtum aus jahrzehntelangen Geschäften mit ebendiesem System resultiert, gelten dagegen als ehrenwerte Gesellschaft. Vielleicht auch deshalb, weil sie es meistens noch rechtzeitig schaffen, die Kurve zu kriegen und sich – wenn auch unter großem öffentlichen Druck – von Putin und dem russischen Angriffskrieg zu distanzieren.
Eine Frage noch: Warum hat eigentlich Warning immer noch nicht das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, wie seine Kumpels Mangold und Herrenknecht? Kann man ja noch nachholen.
Über den Umgang mit Menschen III: Autokratische Herrscher
Veröffentlicht: 21. Mai 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Gesellschaft, Internationale Politik, Krieg | Tags: Achundsada, Autokraten, Erdogan, Kim Jong-Un, Putin 2 KommentareNachdem wir in den bisherigen Beiträgen dieser Rubrik Verhaltensregeln für Außenminister*innen und Superreiche vorgeschlagen haben, soll es in der heutigen dritten Folge um die Spezies der „Tyrannen, Despoten und andere Idioten“ gehen, um es mal so unterkomplex zu sagen, also um die mit Macht ausgestatteten, aber nicht unbedingt dafür talentierten Menschen, die, so darf zur Freude der Genderforschung schon mal knallhart festgestellt werden, durchweg männlichen Geschlechts waren und sind (Caesar, Nikolaus II., Adolf, Somoza, Fidel Castro, Lukaschenko, Kim Jong-un, und viele mehr).
Schauen wir uns ein paar lebende Exemplare dieser Spezies näher an:

Recep Tayyip Erdoǧan: Auch wenn man kein türkisch kann, weiß man immer, worüber der Mann gerade spricht: Den Schutz des türkischen Volkes vor einer freien Presse, vor der LGBTQ-Community und anderen Terrororganisationen. Erdoǧan ist hochsensibel und irgendwie ständig durch irgendwen beleidigt. Man munkelt, dass er ein eigenes Ministerium für die Verfolgung von Präsidentenbeleidigungen eingerichtet hat. Für Erdoǧan lautet unsere Benimm-Empfehlung: Hallo Rettschi, mach dich locker! Lach doch mal in die Kamera! Das stünde dir besser als diese bräsig-dumpf-empörte Beleidigtenvisage, die Du immer bei Pressekonferenzen raushängen lässt. Und lass doch beim nächsten Staatsbesuch weibliche Delegationsmitglieder nicht wieder am Katzentisch sitzen! (Hinweis für den türkischen Geheimdienst MIT: Macht euch keine Hoffnung, ich habe nicht die Absicht, demnächst in die Türkei zu reisen …)

Wladimir Wladimirowitsch Putin: Auch bei ihm fragen wir uns: Warum schaut er immer so griesgrämig, so missmutig, so schlechtgelaunt? Hat man ihn zu früh abgestillt? In der Schule gemobbt? Musste er beim KGB in Ostberlin mit RAF-Terroristen Halma spielen, um an Nachrichten aus dem Westen zu gelangen? Hat er den Ukrainekrieg einfach nur wegen schlechter Laune losgetreten? Dabei gilt schlechte Laune doch eigentlich als Zeichen für hohe Intelligenz. Ja, ehrlich! Das kann ich nicht nur an mir selber beobachten, sondern das hat ein amerikanisch-kanadisches Forscherteam herausgefunden.
Vielleicht ist Putin ja auch deshalb so traurig, weil er ständig von einer Gruppe von halbdementen, unter ihren Orden fast zusammenbrechenden Arschgesichtern umgeben ist und sein einziger wirklicher Freund Gerhard Schröder nur noch selten zum gemeinsamen Angeln kommt? Oder weil bei seinen Auftritten in der Öffentlichkeit komisch gekleidete Figuren große goldene Flügeltüren aufreißen und dabei extreme Verrenkungen machen?
Unsere Empfehlung für Wladi, damit er mal auf andere Gedanken kommt, lautet: Hör Dir einfach mal meine Spotify-Liste der Antikriegssongs an: Brothers in Arms, Blowing in the Wind, Es ist an der Zeit, Universal Soldier, Sag mir wo die Blumen sind, Le Deserteur, Nein meine Söhne geb ich nicht. Und der Knaller von Udo Lindenberg: Wozu sind Kriege da? Herr Präsident, erklär uns das mal!

Hebatullah Achundsada: Wer einen so schönen Namen hat, der kann eigentlich kein schlechter Mensch sein. Und doch verbannt der Obertaliban Hebatullah Achundsada die afghanischen Frauen aus Schulen und Universitäten und verdonnert sie zum Tragen einer Burka in der Öffentlichkeit. Lieber Achundsada – oder soll ich lieber sagen: lieber Heba: Lass doch die Mädels ihre Schönheit zeigen, so wie Allah sie geschaffen hat! Und wenn deine männlichen Zeitgenossen ihre Hormone nicht im Zaum halten können, versuch´s mal mit Pornofilmchen bei Kabinettsitzungen: Das wird bestimmt ein Riesengaudi! Im britischen Unterhaus gibt es auch Abgeordnete, die während der Sitzungen Pornos schauen. Also seid mal nicht so verklemmt, liebe Taliban!

Kim Jong-un: Für sein Babygesicht kann der Mann nichts. Aber für seine Frisur schon. Ein Foto von ihm wurde von einem Londoner Friseur zum „Tag der schlechten Frisur“ ausgestellt (kam in Nordkorea nicht so gut an), und eine US-amerikanische Satirezeitschrift kürte ihm zum „Sexiest man alive“. Ob das stimmt, sollen meine geneigten Leserinnen entscheiden. Fest steht jedenfalls, dass der nordkoreanische Suppenkasper gerne mit Raketen spielt und seinen unliebsamen Bruder vergiften ließ. Gegen Corona empfahl er unlängst Ingwertee und Gurgeln mit Salzwasser.
Was kann man dem Mann raten, um sein ramponiertes Image aufzubessern? Vor allem mal den Friseur wechseln. Und nicht so viele fettige Sachen essen. Die Raketen in der Spielkiste lassen und lieber mal die Wiedervereinigung mit Südkorea voranbringen – damit könnte er Punkte gutmachen!
Es wäre nun allerdings unangemessen, alle Angehörige dieser Spezies über einen Kamm zu scheren. Sie sind auf unterschiedliche Weise an die Macht gekommen, entweder durch pseudodemokratische Wahlen, und/oder unter Zuhilfenahme von Korruption, Einschüchterung und Lügen, manche auch mit brachialer Gewalt. Christen haben die Hoffnung, dass es für diese Menschen eine eigene Abteilung in der Hölle gibt, wo sie dann untereinander klären müssen, wer der Bestimmer ist. Das stelle ich mir lustig vor.
Allen Despoten, Tyrannen, Diktatoren und Autokraten – es gibt derer noch viele – schreiben wir ein Zitat von C.G. Jung ins Gästebuch: „Die Identifikation mit Amt und Titel hat etwas Verführerisches, weshalb viele Männer nichts anderes sind, als ihre von der Gesellschaft ihnen zugebilligte Würde. Es wäre vergeblich, hinter dieser Schale eine Persönlichkeit zu suchen, man fände bloß ein erbärmliches Menschlein. Darum eben ist das Amt … so verführerisch, stellt es doch eine billige Kompensation für persönliche Unzulänglichkeiten dar“ (C.G. Jung, Gesammelte Werke VII).
Nimm das, Putin!
Veröffentlicht: 4. März 2022 Abgelegt unter: Internationale Politik, Krieg | Tags: Putin, Sanktionen Ein KommentarRobert Habeck hat es angekündigt: Auch wir werden die Folgen der Sanktionen gegen Putin und seine Oligarchenclique zu spüren bekommen. Ich habe mich entschlossen, den Kremlchef persönlich unter Druck zu setzen und keine russischen Produkte mehr einzukaufen. Das hat er nun davon. Ich werde auf meine wöchentliche Ration Kaviar verzichten müssen, die ich immer mit einer Flasche Krimsekt runtergespült habe. Hier mein politisch bereinigter Einkaufszettel für diese Woche:

Ukraine-Krise: Ursache Mundgeruch?
Veröffentlicht: 9. Februar 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Internationale Politik, Krieg | Tags: Putin, Ukraine 3 KommentareNichts deutet in der Ukraine-Krise derzeit auf eine Annäherung zwischen Putin und dem Westen hin. Warum sonst, so fragt sich die internationale Presse irritiert, empfängt Putin seine Staatsgäste an diesem megalangen, ovalen weißen Tisch?

Zuletzt war das zu beobachten beim Gespräch mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron. Wenn es nicht unüberbrückbare Differenzen in der Sache sind, kann es eigentlich nur am Mundgeruch des russischen Präsidenten liegen?
Man darf gespannt sein: Am 15. Februar wird Kanzler Scholz bei Putin vorsprechen. Unsere Empfehlung für ein Gastgeschenk an Putin, zusätzlich zu einem Jahresabonnement der Apotheken-Umschau: Sankt Bernhard Atemfrisch Kapseln.

Dann kann Putin seine Truppen von der ukrainischen Grenze wieder beruhigt abziehen und seine Gäste in der Sofagruppe empfangen.
