Eine ehrenwerte Gesellschaft? Putin und seine südbadische Oligarchenclique
Veröffentlicht: 28. Juni 2022 Abgelegt unter: Allgemein, Boulevard, Gesellschaft, Krieg, Wirtschaft | Tags: Klaus Mangold, Martin Herrenknecht, Matthias Warning, Putin Ein KommentarWas haben Matthias Warning, Klaus Mangold, Martin Herrenknecht und ich gemeinsam? Richtig, wir alle leben und arbeiten in Südbaden. Für nicht Ortskundige: Das ist ganz links unten auf der Deutschlandkarte. Damit wären die Gemeinsamkeiten aber auch schon aufgebraucht. Ich kann mich kaum mit Warning, Mangold und Herrenknecht messen, weder hinsichtlich Vermögen, Wohltätigkeit und politischem Einfluss, noch, was besonders enge Beziehungen zu Russland und zu Putin angeht. Warum ausgerechnet meine südbadische Wahlheimat ein Sammelbecken einflussreicher Wirtschaftsmagnaten ist, die als „Putinversteher“, ja sogar als enge Vertraute des Kremlchefs bekannt sind, viel Geld haben und mit der CDU verbandelt sind? Vielleicht die gute Küche, das sonnige Klima, der kurze Fluchtweg ins nahegelegene Steuerparadies Schweiz, die mediterrane Lebensart, der Europapark der Familie Mack in der Nähe (noch bis vor kurzem gesponsert von der Projektgesellschaft Nord Stream 2 und dem russischen Gazprom-Konzern)?
Martin Herrenknecht lässt es krachen
Nun wäre es ungerecht, Martin Herrenknecht – der mit den Tunnelbohrmaschinen – als Putinfreund zu bezeichnen. Er hat mit den Russen viele Jahre gute Geschäfte gemacht und 2018 den „Orden der Freundschaft der Russischen Föderation erhalten“. Erst nach einer längeren Bedenkzeit konnte er sich dazu durchringen, den russischen Krieg gegen die Ukraine zu verurteilen. Der Mann gilt nicht nur als erfolgreicher Unternehmer und großer Wohltäter, sondern auch als Strippenzieher. Er polemisiert mit großformatigen Anzeigen öffentlich gegen die Windkraft, wettert gegen ein „grünes Gruselkabinett“ und drohte seinen Mitarbeitern: „Wer grün wählt, fliegt raus“. Kein Wunder, dass ihm ein Autokrat wie Putin sympathisch ist. Seine Mitgliedschaft in der CDU hat er zeitweise ruhen lassen, weil ihm diese unter Merkel zu links wurde.

Unlängst hat der Mann seinen 80. Geburtstag gefeiert mit viel Prominenz, edlem Essen und 2000 Gästen. So war das auch schon 2012, als er siebzig wurde. Es sei ihm gegönnt. Not amused waren die Offenburger, als der Jubilar sich um halb zwei Uhr in der Nacht mit einem krachenden Feuerwerk feiern ließ. Das war offenbar nicht genehmigt und provozierte einen Einsatz der Feuerwehr, schreibt die Badische Zeitung. Egal. Wer so viel Gutes tut und Arbeitsplätze schafft, der darf auch schon mal über die Stränge schlagen. Eine Frage noch, Herr Herrenknecht: Was, glauben Sie, haben die Ukraine-Flüchtlinge in Offenburg in jener Nacht gedacht und gefühlt, als das Feuerwerk losging?
Warning und Mangold: Die Putin-Connection
In dem beschaulichen Städtchen Staufen, nur 15 km von mir entfernt, wohnt Matthias Warning, der „engste deutsche Vertraute von Staatschef Wladimir Putin“.

Warning war wie Putin Geheimdienstmann in DDR-Diensten. Nach der Wende machte er Karriere bei der Dresdner Bank, für die er in St. Petersburg das Russlandgeschäft aufbaute. Später wurde er Chef der Nord Stream 2-Gesellschaft, die die Gaspipeline durch die Ostsee baute. Sein persönlicher Draht zu Putin beruht darauf, dass er dafür sorgte, dass Putins verunglückte Ex-Ehefrau in Deutschland behandelt werden konnte. Seitdem, so heißt es, seien die Familien eng befreundet.
Warning wiederum ist befreundet mit Klaus Mangold, ebenfalls ein langjähriger Vertrauter von Putin. Mangold, früherer Daimler-Manager und Honorarkonsul von Russland in Baden-Württemberg, wohnt in Münstertal, nur wenige Kilometer von Staufen entfernt.

Mangold betreibt ein lukratives Beratungs- und Lobby-Unternehmen und ist bekannt für seine guten Kontakte in den Ostblock. Er war jahrelang Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft. Er stellt Politikern der CDU gerne schon mal sein Privatjet zur Verfügung, wie z.B. EU-Kommissar Günther Öttinger für eine Dienstreise zu Viktor Orban. In der Ukraine-Krise hat Mangold einige Zeit gebraucht, um zu bekennen, er „habe sich in Putin geirrt“ und den Angriff Russlands auf die Ukraine zu verurteilen.
Erst kommt das Fressen, dann die Moral
Man ist sich in der Regel darin einig, die russischen Oligarchen und ihre kotzprotzigen Jachten und Luxusimmobilien als Ausdruck eines korrupten, dekadenten, autoritären Systems zu verurteilen – so san´s halt, die Russen. Die deutschen „Kriegsgewinnler“, deren Reichtum aus jahrzehntelangen Geschäften mit ebendiesem System resultiert, gelten dagegen als ehrenwerte Gesellschaft. Vielleicht auch deshalb, weil sie es meistens noch rechtzeitig schaffen, die Kurve zu kriegen und sich – wenn auch unter großem öffentlichen Druck – von Putin und dem russischen Angriffskrieg zu distanzieren.
Eine Frage noch: Warum hat eigentlich Warning immer noch nicht das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, wie seine Kumpels Mangold und Herrenknecht? Kann man ja noch nachholen.
