Trump zeigt UN den Stinkefinger. Und keiner lacht.

Der Auftritt von Donald Trump vor der UN-Vollversammlung war lustiger als die von Dieter Nuhr im Ersten. Aber auch grotesk und wirr. Der Mann ist schon ziemlich verstrahlt. Erst mokierte er sich über eine kaputte Rolltreppe auf dem Weg in den Sitzungssaal, dann streikte der Teleprompter, was den Präsidenten zu einer offenen Drohung gegen das für die Panne verantwortliche Personal nutzte (Todesstrafe oder so?). Statt der eingeräumten fünfzehn Minuten Redezeit langweilte Trump fast eine Stunde lang die versammelte Führungselite der Welt mit Selbstbeweihräucherung auf Kindergartenniveau. Trump über Trump: Ich hatte in allem recht. Nach acht Monaten meiner Präsidentschaft ist Amerika im goldenen Zeitalter angekommen. Ich habe in sieben Monaten sieben Kriege beendet – für jeden Einzelnen hätte ich den Friedensnobelpreis verdient. Ich habe die meisten Geiseln der Hamas zurückgeholt. In London wird die Scharia eingeführt. Der Klimawandel ist der größte Betrug an der Welt. Die Windkraftanlagen rosten vor sich hin – kurzum, jede Menge strunzdummes und von Fakten ungetrübtes Geschwafel ohne thematischen Zusammenhang. Was sollten etwa seine abfälligen Bemerkungen zum CO₂-Fußabdruck von Barack Obama?

Mindestens ein Drittel seiner Rede widmet Trump dem Thema Migration – die für ihn nur als illegal denkbar ist. Er habe die Einwanderung auf Null gestoppt, eine aus seiner Sicht „humanitäre Handlung“. Für Deutschland hat er ein Lob parat: Dort sei man nach dem grünen Irrweg jetzt wieder zu den fossilen Brennstoffen zurückgekehrt. Leider auch das voll daneben und kompletter Schwachsinn. Oder vielleicht doch nicht, Herr Söder?

Das alles konnte nicht wirklich überraschen. Aber warum lässt die Versammlung diesen Bullshit über sich ergehen? Warum verbringen an die 200 hochrangige Staatslenker/innen ihre Zeit mit einer auch rhetorisch miserablen Rede? Warum lacht niemand? Warum wirft niemand mit Sand? Warum nicht wenigstens ein stiller Protest mittels Transparenten oder ein Trillerpfeifenkonzert bei jeder seiner dreisten Lügen? Warum dreht die Sitzungsleitung dem Mann nicht das Mikro ab, weil er seine Redezeit schamlos überzieht?

Immerhin: Der Beifall nach Trumps Rede, die von Baerbock mit unbeweglicher Miene verfolgt wurde, war endenwollend. UN Generalsekretär António Guterres, der alte Haudegen, hat das Beste draus gemacht und sich ein Nickerchen gegönnt. Dabei hätte man sich mal einen handfesten Eklat gewünscht: Giorgia Meloni und Alice Weidel, die vor gemeinsamer Begeisterung über die Trump-Rede ihren Busen entblößen. Heidi Reichinnek, die nach Eierwürfen auf Trump aus dem Saal geführt wird. Oder Annalena Baerbock, die vergisst ihr Mikro abzuschalten, wenn sie zu Guterres sagt: Should I stop talking that old asshole?