Wie gefährlich ist 5G? Mobilfunkgegner machen mobil
Veröffentlicht: 12. Januar 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Wirtschaft | Tags: 5G, Mobilfunk Ein KommentarDie Einführung der neuen Mobilfunkgeneration 5G ist umstritten. Kritiker fürchten Gesundheitsschäden und eine zunehmende Kontrolle und Datenerfassung sowie einen verstärkten Energie- und Ressourcenverbrauch. Viele Mediziner, Wissenschaftler und Umweltschutzorganisationen bewerten dem Einsatz von 5G kritisch. In einem Internationalen Appell mit über 300.000 Unterzeichnern weltweit (Stand Januar 2021) heißt es: „Der Einsatz von 5G wird eine massiv erhöhte Einwirkung hochfrequenter Strahlung (HF) auf den Menschen zur Folge haben, zusätzlich zu den bereits jetzt genutzten 2G-, 3G- und 4G-Telekommunikations-Netzwerken. Die gesundheitsschädigende Wirkung von Hochfrequenzstrahlung auf Mensch und Umwelt ist bewiesen. Die Anwendung von 5G stellt ein Experiment an der Menschheit und der Umwelt dar, was durch internationales Recht als Verbrechen definiert ist.“

Die Diskussion wird nun neu befeuert durch den Offenen Brief eines „Bündnis Verantwortungsvoller Mobilfunk Deutschland“ an den Bundespräsidenten, an die Bundeskanzlerin, an die Ministerien BMVI, BMU, an das BfS (Bundesamt für Strahlenschutz) und die SSK (Strahlenschutzkommission), an alle Bundestagsabgeordneten, an alle Landesregierungen und Kommunen, an die Presse. In der Einleitung des Briefes wird vor den „möglichen gesundheitlichen Schädigungen durch Mobilfunk, WLAN und anderen Strahlungsquellen“ gewarnt: „Sie reichen von Schlaflosigkeit über Burnout bis zu Krebserkrankungen – auch bei immer jüngeren Menschen. Mit 5G kommt zusätzlich eine ganz neue Dimension von Strahlungsdichte und -belastung auf uns zu, mit immer höheren Frequenzen, die in ihrer Langzeitwirkung bisher nicht erforscht sind.“ Der Brief listet 17 Forderungen an die Bundesregierung auf, wie z.B. die veralteten, immer noch gültigen Grenzwerte vom Jahr 1997 / 2013 im Sinne der Vorsorge neu zu definieren, umgehend ein Moratorium für den 5G-Rollout zu veranlassen, neue vorsorgeorientierte Sicherheitsabstände von Sendeanlagen zu Wohnungen zu definieren, Funk- und WLan-freie Zonen für Kliniken, öffentliche Verkehrsmittel, Kindergärten und Schulen zu schaffen, um nur einige der Forderungen zu nennen – im Einzelnen nachzulesen in dem erwähnten Offenen Brief.
Unterzeichnet ist der Brief von ca. 30 Aktionsgruppen und Bürgerinitiativen, darunter auch das „Aktionsbündnis Freiburg 5G-frei“ und die „Bürgerinitiative 5G-freies-Hexental“. Will man sich näher über das Bündnis informieren, wird man allerdings enttäuscht: Auf der Internetseite des Bündnisses gibt es außer dem Abdruck des Offenen Briefes vom 18.01.2021 keine weiteren Informationen.
Hier eine knappe Zusammenfassung der zentralen Kritikpunkte:
- Von offizieller Seite wird nicht über die Gefährdung durch Mobilfunk etc. informiert, die Gefahren werden verharmlost, es findet keine Vorsorgepolitik statt, die meisten Menschen und auch die Politiker wissen nichts über die Gefahren
- Es gibt wissenschaftlich bestätigte gesundheitliche Belastungen der Bevölkerung – besonders der Elektrosensiblen, der Kinder und Älteren – durch die Verdichtung der Funkstrahlen-Exposition mit der flächendeckenden Installation von 5G
- Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge werden auch Insekten (Bienen!) durch Mobilfunkstrahlung geschädigt
- Gefahr der unzulässigen Datenerfassung aller Bürger in Echtzeit
- exorbitant zunehmende Energieverbrauch durch 5G und die damit verbundenen Anwendungen (z.B. Internet der Dinge / IoT), erhöht den CO2 Ausstoß und beschleunigt den Klimawandel
- weiter steigende Ressourcenverbrauch für die Produktion der Sende/Empfangs- Übertragungstechnik sowie für Milliarden neuer Endgeräte, Sender und Satelliten.
Was ist von den Befürchtungen und Beschwerden der 5G-Kritiker zu halten? Soll man, muss man diese ernst nehmen? Unbedingt. Aber es gibt auch anderslautende, gegenteilige Stimmen. Der Stand der wissenschaftlichen Forschung zu den möglichen Risiken von 5G ist nämlich keineswegs so eindeutig, wie es die Kritiker gerne behaupten. Auf der Internetseite des Bayerischen Rundfunks heißt es in einem Beitrag zu 5G:
„Die hochfrequenten Wellen von Mobilfunk können prinzipiell den Körper erwärmen – auch in gefährlichem Maß. Dieses Risiko verhindern jedoch Grenzwerte für die Antennen, die Hersteller von Handys und Betreiber von Masten einhalten müssen.
Je besser die Mobilfunkverbindung zwischen der Basisstation und dem einzelnen Handy ist, desto geringer ist die Strahlung, die das Handy im unmittelbaren Umfeld des Nutzers erzeugt. Deshalb führen mehr Basisstationen im Durchschnitt zu weniger Strahlenbelastung, da ein Handy weniger stark senden muss, um Daten an die Basisstation zu übertragen. Generell ist erkennbar, dass der größte Teil der Strahlenbelastung aus dem unmittelbaren persönlichen Umfeld stammt (das eigene Handy, das schnurlose Telefon, das eigene WLAN-Netz). Die Belastung durch Basisstationen ist schon bei einer Entfernung von nur 100 Metern im Durchschnitt deutlich geringer.“
„Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), genauer der International Agency for Research on Cancer (IARC), stufte als internationale Behörde elektromagnetische Felder in die Kategorie „wahrscheinlich krebserzeugend“ (Gruppe 2B) ein. In der Gruppe 2B des IARC stehen sehr unterschiedliche Stoffe oder Beschäftigungen, Aloe-Vera-Extrakt ebenso wie zum Beispiel die Tätigkeit in einer Berufsfeuerwehr. Der Knackpunkt bei Mobilfunk: Die WHO schreibt, die Mobilfunk-Felder könnten eine Gefahr bedeuten.
Das ist das wissenschaftliche Fazit – solange noch geforscht wird. Bislang steht ein überzeugender, wissenschaftlich einwandfreier Beweis dafür aus, dass Handys und die dafür verwendeten elektromagnetischen Wellen etwa Krebs auslösen. Die Studien, auf die Kritiker oft hinweisen, weisen aus wissenschaftlicher Sicht zu viele Schwächen oder Widersprüche auf, um als Beweis zu dienen.“
Einen guten Überblick über die Debatte bietet z.B. Ökotest im August 2019: 5G: ein Gesundheitsrisiko? Was Sie über den Mobilfunkstandard wissen müssen.
Eine weitere Informationsquelle bietet die Website Correctiv: Wie derzeit Stimmung gegen den neuen Mobilfunkstandard gemacht wird.
Fazit: Es gibt Hinweise und Anhaltspunkte auf mögliche Gesundheitsgefährdungen durch hochfrequente Felder, wie sie bei 5G und der Mobilfunktechnik generell zum Einsatz kommen. Aus wissenschaftlicher Sicht wird allerdings vor Panikmache gewarnt, denn nach dem derzeitigen Kenntnisstand gebe es unterhalb der definierten Grenzwerte kein gesundheitliches Risiko. Eine letzte Sicherheit scheint es aber nicht zu geben. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät deshalb zur Vorsorge und will die Auswirkungen der neuen Technik genau beobachten und durch weitere wissenschaftliche Studien erforschen.
Die Kritiker fordern ein Moratorium. Das hätte aber konsequenterweise schon längst erfolgen müssen, denn eine höhere Gefährdung durch die neue Mobilfunk-Technologie gegenüber den bereits seit Jahren gebräuchlichen Standards darf zumindest ernsthaft bezweifelt werden. Und: Der beste Schutz ist der persönliche Umgang mit dem Mobiltelefon. Man kann die Strahlung in unmittelbarer Körpernähe minimieren und die Nutzung des Smartphones auf das notwendige Maß beschränken. Es gibt strahlungsarme Geräte, und man kann stattdessen das Festnetz benutzen, wenn man zuhause telefoniert.
