Anstrengungsloser Wohlstand? Das Märchen von den fleißigen Reichen und den faulen Armen
Veröffentlicht: 12. Oktober 2024 Abgelegt unter: Gesellschaft, Innenpolitik, Wahlen | Tags: Anstrengungsloser Wohlstand, CDU, CSU 2 KommentareEin Gespenst geht um in Deutschland: Die Angst vor dem Wohlstandsverlust. Die größte Sorge der Deutschen scheint derzeit der schwächelnden Wirtschaft zu gelten. Von Parteien, Medien, Wirtschaftsverbänden, Wissenschaftlern werden Schreckensszenarien beschrieben. So schlimm, echt jetzt? Was muss passieren, damit es mit der Wirtschaft wieder bergauf geht? Ampelparteien und Opposition überbieten sich mit Vorschlägen, wie Deutschland wieder Anschluss an die Wachstumsraten der führenden Industrienationen findet. Ohne Wachstum sei unser Wohlstand gefährdet, heißt es. Die CDU warb für die Europawahl mit dem Slogan „Wohlstand braucht Ihre Stimme“ – eine inhaltsleere Phrase.
Das Ende des billigen Wohlstands
So nennt Wolfgang Kessler, langjähriger Chefredakteur der Zeitschrift „Publik-Forum“, sein 2023 erschienes Buch. Er plädiert darin für ein neues Wohlstandsmodell, „eines, das nicht auf Kosten des Klimas, der Natur und der Ärmsten geht“. Die CDU/CSU fordert, kaum verwunderlich, etwas anderes: Nämlich das Ende des Alowosta – des anstrengungslosen Wohlstands. „Wir brauchen eine Agenda für die Fleißigen, für diejenigen, die sich anstrengen“ – so der CDU-Chef Merz an diesem Wochenende auf dem Parteitag der CSU in Augsburg. Und ähnlich wie Söder (dessen prolligem Bierzeltgepolter wir hier die Aufmerksamkeit versagen wollen) fordert Merz, die Bürger zu mehr Engagement und einem „neuen Leistungswillen“ zu bewegen. Wie der CSU-Vorsitzende Söder regt er die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht für junge Leute an. Das Bürgergeld, sagt er, werde unter ihm in der bisherigen Form nicht fortbestehen.
Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?
Der FDP-Chef Christian Lindner vermisst bei den Deutschen die „Lust auf die Überstunde“. Warum sagt er nicht gleich, was er meint, nämlich dass die deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu faul sind? Hallo, liebe Kassiererin an der Supermarktkasse, liebe Müllwerker, liebe Altenpflegerin: Macht doch mal ´n paar Überstunden, am besten ohne Bezahlung! Damit dieses Land wieder auf die Beine kommt!
So viel Polemik muss sein: Bei dem Gerede vom Alowosta sind nicht etwa die Reichen gemeint, die von Ihrer Kapitalrendite leben, ohne dafür einen Finger krumm zu machen, auch nicht die CumCum-Profiteure, die durch ihre Steuertricks dem deutschen Staat einen geschätzten Schaden in Höhe von 28,5 Milliarden Euro zugefügt haben. Nein, gemeint sind die arbeitsunwilligen Bürgergeldempfänger, die sich auf Kosten der hart arbeitenden Mittelschicht ein schönes Leben machen.
CDU und FDP wollen das Bürgergeld in seiner jetzigen Form abschaffen und durch ein anderes Modell ersetzen. Weil, so wird argumentiert, zu viele Bürgergeldbezieher Arbeitsangebote ablehnen und lieber auf der faulen Haut liegen, anstatt eine Arbeit anzunehmen.
Anstrengungsloser versus obszöner Wohlstand
Die Chefs von Dax-Unternehmen verdienen viel Geld. Der Vorstandschef der Deutschen Bank Christian Sewing hat 2022 9,2 Millionen Euro verdient. mehr als jeder andere Dax-CEO. Darüber können die bestbezahlten Profifußballer nur müde lächeln. Christiano Ronaldo hat in der letzten Saison 136 Millionen US-Dollar „verdient“, oder sagen wir mal: bekommen. Das sind umgerechnet in der Woche 2,6 Millionen bzw. am Tag 372.000 Dollar. Selbst wenn man jeden Tag vergoldete Steaks isst, zweiundreißig Luxussportwagen in der Garage hat und 100.000 Euro für eine Armbanduhr ausgibt, bleibt immer noch viel übrig. Die Profifußballer und Großverdiener lassen sich jetzt von Saudi-Arabien kaufen und kicken im Wüstensand.
Nur wird in diesen Fällen niemand von anstrengungslosem Wohlstand reden wollen. Diese Leute haben hart dafür gearbeitet – meinen sie. Welches Attribut wäre hier angemessen? Wohlverdienter Wohlstand? Obszöner Wohlstand? Immerhin wird immer klarer, mit was wir zu rechnen haben, wenn die CDU die Mehrheit bei den nächsten Wahlen erringt und den Kanzler stellt.
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Danke für die Korrektur. Aber mal ehrlich: 100 Millionen mehr oder weniger – macht das wirklich noch einen qualitativen Unterschied?
laut aktueller Forbes Liste hast Du Dich bei Ronaldo um knapp 50% vertan… angeblich sind es insgesamt 263 Millionen, wobei etwa 63 davon außerhalb des Platzes zusammen kommen