Lieferkettengesetz: Ein Rechtsruck geht durch die Republik
Veröffentlicht: 23. Oktober 2024 Abgelegt unter: Entwicklungszusammenarbeit, Internationale Politik, Wirtschaft 3 Kommentare„Das kommt weg!“ – so das Versprechen von Bundeskanzler Scholz beim Arbeitgebertag. Er meint das Lieferkettengesetz, das mit vollem Namen „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz“ heißt und das der deutschen Wirtschaft (und der FDP) ein Dorn im Auge ist. Es verpflichtet Unternehmen, bei ihren Zulieferern aus dem Ausland darauf zu achten, dass Menschen- und Kinderrechte gewahrt und die Umwelt geschützt wird. Das Gesetz war lange politisch umstritten, wurde aber dann noch unter der CDU-geführten Bundesregierung 2021 in einer abgespeckten Form beschlossen. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier, Unternehmerverbände und Wirtschaftslobbyisten hatten jahrelang versucht, das Gesetz zu blockieren. Unterstützung kam von Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen, von Kirchen, Gewerkschaften und Wirtschaftswissenschaftlern.

„Das kommt weg?“ Ein Gesetz, das mehrheitlich vom Bundestag beschlossen wurde und von einer großen Mehrheit in der Bevölkerung befürwortet wird? Ein Gesetz, das darauf abzielt, Kinder und Frauen vor Ausbeutung zu schützen, Mindeststandards für Arbeitnehmer in den Zulieferbetrieben zu gewährleisten und Umweltschäden zu vermeiden? Kann ein Bundeskanzler ein Gesetz mit einem Federstrich in die Tonne treten, weil er auf Wahlkampfstimmen aus konservativen Kreisen hofft?
1997 hat Bundespräsident Roman Herzog gesagt: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“. Nun ist daraus ein Rechtsruck geworden, und das zeigt sich nicht nur am Lieferkettengesetz: Der Abbau von Menschenrechten in der Migrationspolitik, die Kürzung von Geldern für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe, die Verwässerung von Umweltschutzmaßnahmen, das Erstarken rechter Parteien und Gruppierungen, die Angriffe auf jüdisches Leben in Deutschland, die Kriegstüchtigkeitseuphorie … Man möchte am liebsten auswandern, wenn man bloß wüsste, wohin: Schweiz? Österreich? USA, Fidschi?
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Oh, Jürgen, du hast es wieder auf den Punkt gebracht! Danke. Früher dachte ich immer, wenn es in D schlimm wird, wandere ich nach Bolivien aus, – dort müsstest du aber sogar in Sucre ständig den Rauch der Waldbrände einatmen. Herzlich! Gertrud
Ja, der Kotau des Bundeskanzlers vor den Wirtschaftsbossen ist wirklich deprimierend. Als Antidepressivum kann ich vielleicht die neue Initiative „Aufbruch zu Frieden“ empfehlen, über die ich am 12. September in einem Blogbeitrag kurz berichtet habe. Die Initiatoren haben angekündigt, dass ihre Website demnächst online geschaltet wird. Am 27.11.24 findet eine Veranstaltung dazu in Stuttgart statt.
Di hast so recht! Man könnte jeden Tag aus Protest auf die Straße gehen. Aber mit wem? Sind wir wirklich so ein paar übrig gebliebene Friedensromantiker und Illusionisten, die eigentlich von vorvorgestern sind?