Man stirbt nur einmal. Abschied von der Queen
Veröffentlicht: 19. September 2022 Abgelegt unter: Boulevard, Gesellschaft, Internationale Politik | Tags: British Empire, Queen Elisabeth II 3 KommentareWow! Was für eine spektakuläre, ja gigantische Beerdigung! Die ganze Welt schaute zu, als heute das British Empire und die königliche Familie Abschied von Queen Elizabeth nahmen. 2.000 illustre Gäste waren geladen, die Mächtigen der Welt, der europäische Hochadel, quasi alles, was Rang und Namen und in dem einen oder anderen Fall auch Blut an den Händen hat (Putin, Kim Jong-un und die Taliban haben keine Einladung gekriegt – ich auch nicht, dabei hätte ich gerne Bolsonaro mal die Meinung gegeigt, wenn ich in der Kirche neben ihm gesessen hätte).
Aber lassen wir mal die Weltpolitik an diesem geschichtsträchtigen Moment mal beiseite. Die Pietät gebietet es, am Tag der kollektiven Trauer keine blöden Witze über die britische Monarchie zu reißen oder gar auf die Gräueltaten der britischen Kolonialmacht im Laufe ihrer Geschichte zu verweisen. Die ganze Beerdigung ein Rausch für die Sinne. Feierliche Musik während der Trauerfeier in der Westminster Abbey, dann die Prozession mit dem Sarg: Alles sehr würdevoll, sehr ernst, sehr straff choreografiert, begleitet von Marschmusik und einer Heerschar (keine Metapher!) von Militärs im Gleichschritt und in lustigen bunten Uniformen, man hätte sich in einer prächtig ausstaffierten Wagneroper wähnen können. Das Video dazu gibt es sicher morgen für 19,95 € bei Aldi. Nicht ganz so billig wird die Chose für die britischen Steuerzahler: Ein paar Milliarden Pfund, so heißt, wird die Beerdigung schon kosten. Auch hier wieder: Bitte keine kleinkarierte, antimonarchistisch motivierte Erbsenzählerei. Die Queen stirbt schließlich nur einmal.
Eine ganz profane Frage bleibt noch unbeantwortet: Während der ganzen Zeremonie, die von ca. 10:30 bis 17:30 Uhr dauert, haben die Mitglieder der königlichen Familie keine Möglichkeit, eine Toilette aufzusuchen. Das dürfte für König Charles III (mit dem mich das gemeinsame Geburtsjahr 1948 verbindet) eine erste große Drucksituation im neuen Amt erzeugt haben.
